Gab es damals auch dyumnas? Die Weltentstehung nach dem Jaiminīya Brāhmaṇa

in Vedic Cosmology and Ethics

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Als Willem Caland 1919 sein Jaiminīya-Brāhmaṇa in Auswahl publizierte, teilte er auch die Jaiminīya Version der wohlbekannten Kosmogonie vom Weltei mit („seiner Wichtigkeit wegen“).1 Er bemerkte aber in einer Fußnote: „Auf eine Übersetzung dieses schwierigen Stückes … verzichte ich.“ Die kritische Ausgabe dieses Brāhmaṇa erschien 19542 und konnte mehr Handschriften benützen. Die endgültige Aufklärung über diese wichtige Brāhmaṇa-Stelle verdanken wir erst Prof. Karl Hoffmann. Sein Aufsatz (1970) enthält eine im großen und ganzen überzeugende Textherstellung und eine Übersetzung „die wenigstens das unmittelbare Wortverständnis zu erschließen versucht“ (S. 62). In der Hoffnung, eine Einzelheit in diesem glänzenden Aufsatz berichtigen zu können, möchte ich hier diesen Beitrag veröffentlichen.3 Eine Text-Emendation und die Interpretation des Wortes dyumna – bilden the Essenz meiner Ausführungen.

Die Textstelle, mit der wir uns jetzt befassen werden, befindet sich am Anfang des Kapitels 3, 361 und schildert das Aufspringen des goldenen Eies:

tasya haritam adharaṁ kapālam āsīd rajatam uttaram / tac chataṁ devasaṁvatsarāñ chayitvā nirbhidyam abhavat sahasraṁ vā dyumnān / dyumnā ha nāma tarhy apy āsuḥ / yāvān eṣa saṁvatsaras tāvantas saṁvatsarasya pratimāḥ / dyumnair ha sma saṁvatsaraṁ vijānanti / atha ha tataḥ purāhorātre saṁśliṣṭe evāsatur avyākṛte / te u agnihotreṇaiva vyākṛte / tad etayā vācā nirabhidyata

Seine untere Schale war goldgelb, seine obere silberfarbig. Es wurde reif zum Aufspringen, nachdem es hundert Götterjahre dagelegen hatte oder tausend Dyumnas – Die sogenannten Dyumnas gab es damals auch noch. Wie groß das Jahr ist, so groß waren die Abbilder des Jahres. Mit den Dyumnas pflegte man das Jahr zu unterscheiden. Vordem waren Tag und Nacht zusammenhängend, nicht gesondert. Erst durch das Agnihotra wurden sie gesondert. – Das (Ei) sprang mit folgenden Worten auf: …4

In dieser Interpretation von Hoffmann repräsentiert dyumna- eine Zeitbestimmung. Hundert Götterjahre sind angeblich tausend dyumnas gleichwertig.5 D. h. ein dyumna wäre der zehnte Teil eines Jahres oder Götterjahres. Diese Zeitrechnung, wie mythisch sie auch sein mag, hat zu wenig Anknüpfungspunkte mit der Praxis und ist daher verdächtig. Andererseits ist es klar, daß die dyumnas in irgendeiner Zeitrechnung mit dem Jahre korrespondieren: yāvān eṣa saṁvatsaras tāvantas saṁvatsarasya pratimā[ḥ] „Wie groß das Jahr ist das wir kennen,6 so viele (sc. dyumnas) bilden die Abbildung (oder: das Maß) des Jahres.“7 D. h. man braucht ein gewisses Maß um die Jahre zu messen. Es gibt x Bestandteile innerhalb der Abmessung (mātrā)8 unseres Jahres, die zusammen das Maß (pratimā) des Jahres bilden, und als Totalität ein Kriterium für die Zeitrechnung sind. Das ist z. B. die Gesamtheit der Jahreszeiten oder der Monate (12, oder alles was zwölffach ist, z. B. eine Periode von 12 Tagen9). Letzten Endes sind Tag und Nacht das Kriterium.10 Wie groß unser Monat ist, wieviele Tage einen Monat ausmachen in unserer Zeitrechnung, soviele sind die pratimā des Monats. Wieviele Monate das Jahr ausmachen, soviele sind die pratimā eines Jahres.

Nun beruht die Abmessung des Jahres auf einer bestimmten Anzahl von dyumnas. Anders gesagt: mittels der dyumnas kennt man das Jahr (dyumnair ha sma saṁvatsara vijānanti). Die dyumnas sind also die wichtigsten Bestandteile des Jahres (d. h. der Zeit). Sie sind die Basis-Elemente für eine Chronologie. Der Zyklus der Jahre ist bedingt durch den Zyklus der dyumnas. In der präkosmischen Periode gab es gar keine Zeit, sondern nur Ewigkeit. Für eine Jahrrechnung braucht man Zeit, Zyklen, Erkennungszeichen, Differenzierung. Wir sagen: „365 Tage machen ein Jahr.“ Ungefähr dasselbe erklart der Autor des Brāhmaṇa. Es ist ganz klar, daß er dyumna irgendwie mit dem Begriffe Tag (oder Tag und Nacht) verbindet, denn er fährt fort: atha ha tataḥ purāhorātre saṁśliṣṭe evāsatur avyākṛte „Vordem (d. h. vor dem Aufspringen des Eies, das den Anfang unseres Kosmos repräsentiert, oder vor der Entstehung des Agnihotra, wie es oft in kosmogonischen Kontexten geschildert wird11) waren Tag und Nacht vermischt und nicht differenziert.“ Wir dürfen also daraus erschließen, daß die dyumnas als die wichtigsten Elemente für die Berechnung des Jahres mit dem Tage oder besser mit der Differenzierung von Tag und Nacht zusammenhängen.

Warum hat nun der Autor diese Mitteilungen über die erste Differenzierung von Tag und Nacht (mittels des Agnihotra, das in diesem Kontext weiter gar nicht vorkommt) hier eingeschaltet und was ist die Beziehung zu den dyumnas und im allgemeinen zu der ganzen Episode vom Weltei? Offenbar bildet dyumnā ha nāma tarhy apy āsuḥ … usw. (übersetzt von Hoffmann mit „Die sogenannten Dyumnas gab es damals auch noch …“) die Auslegung einer Einzelheit aus dem vorangehenden. Die richtige Erzählung wird erst fortgesetzt durch tad etayā vācā nirabhidyata „Das (Ei) sprang mit folgenden Worten auf.“ Wir haben schon oben angedeutet, daß dyumna etwas wie Tag oder Differenzierung von Tag und Nacht, also Tageslicht oder Licht, bedeuten muß. Das impliziert, daß die Mitteilung „Die sogenannten Dyumnas gab es damals auch noch“ unmöglich richtig sein kann. Die dyumnas, die verbunden sind mit der Entstehung von Tag und Nacht, sind erst später produziert worden. Vor dem Aufspringen des goldenen Eies (d. h. vor dem Anfang des Kosmos) gab es kein Himmelslicht,12 also auch keine Differenzierung von Tag und Nacht, keine dyumnas, keine Zeitrechnung, keine pratimā für das Jahr, kein Jahr.13 Man kann nicht sagen, wie lange das Ei dagelegen hat, bevor es platzte. Der Autor spricht von hundert Götterjahren, d. h. mythischen Jahren, nicht von Jahren unserer Zeitrechnung. Und sogar die Zahl von Hundert wird meines Erachtens in Ermangelung jedes Kriteriums von ihm angezweifelt. Die Einschaltung über die dyumnas zwischen nirbhidyam abhavat und nirabhidyata befaßt sich lediglich mit diesem grundsätzlichen Problem, daß man über die Dauer des Brütens keine Aussage machen kann.14

Hier bietet sich nun eine Textverbesserung an. Eine Negation wäre mehr angemessen in diesem Kontext. In solchen Kosmogonien wird öfter gesagt, daß es etwas damals noch nicht gab. Siehe z. B. ŚB 11, 1, 6, 1 ájāto ha tárhi saṁvatsará āsa („Das Jahr war damals (noch) ungeboren“); ŚB 11, 1, 6, 2 nā́ha tárhi kā́ caná pratíṣṭāsa („Es gab damals (noch) keine Stütze“); BĀU 1, 2, 4 ná ha purā́ tátaḥ saṁvatsará āsa („Vordem gab es das Jahr (noch) nicht“); ṚV 10, 129, 1–2 nā́sad āsīn nó sád āsīt tadā́niṁ nā́sid rája nó vyòmā paró yátná mṛtyúr āsīd amṛtaṁ ná tárhi ná rā́tryā áhna āsīt praketáḥ („Weder Nichtsein noch Sein war damals; nicht war der Luftraum noch der Himmel darüber … Weder Tod noch Unsterblichkeit war damals; nicht gab es ein Anzeichen von Tag und Nacht,“ Geldner); MBh 12, 329, 4 nāsīd aho na rātrir āsīt / na sad āsīn nāsad āsīt / tama eva purastād abhavad viśvarūpam; JB 3, 318 tad vai tama ivāsīt / rātrī hy ahna uttarā („Diese Welt war sozusagen Finsternis. Denn die Nacht war mächtiger als der Tag“); MaiU 6, 15 dye vāva brahmaṇo rūpe kālaś cākālaś cātha yaḥ prāg ādityāt so ’kālo ’kalo ’tha ya ādityādyaḥ sa kālaḥ sakalaḥ / sakalasya vā etad rūpaṁ yat saṁvatsaraḥ („Es gibt zwei Formen des Brahman, die Zeit und die Nichtzeit. Was vor der Sonne da war, das ist die Nichtzeit, das ist ohne Unterteile. Was seit der Entstehung der Sonne da ist, das ist die Zeit, das ist das Differenzierte (Teilbare). Die Erscheinungsform des Differenzierten ist das Jahr“).

Es ist klar, daß in unserem Kontext, wo die Entstehung des Himmels und der Jahreszeiten später (3, 361–362) noch geschildert werden muß, die dyumnas als Himmelslichter und Elemente der Zeitrechnung noch gar nicht in Frage kommen können. Irgendwie muß in dyumnā ha nāma tarhy apy āsuḥ eine Negation versteckt sein. Man könnte vorschlagen: dyumnā nāha nāma tarhy apy āsuḥ (vgl. ŚB 11, 1, 6, 2 nā́ha tárhi kā́ caná pratíṣṭhāsa). Vielleicht könnte auch das unbequeme apy ausfallen, denn eine Handschrift hat tapy āsuḥ, was Caland zu tarhy āsuḥ emendiert. Wahrscheinlich ist api eingeschoben worden, nachdem die falsche Handschriftüberlieferung die Negation na hat verschwinden lassen. Der Ausfall von einer Silbe in dyumnā nāha nāma darf uns nicht wundern. Es ist aber zu bemerken, daß dyumnā nāha nāma tarhy āsuḥ aus stilistischen Gründen vielleicht nicht einwandfrei ist. Vielleicht sollte weitergehend emendiert werden. Jedenfalls erfordern die innere Logik dieser Stelle und ihre Parallelen eine Negation. Das impliziert selbstverständlich, daß am Ende des vorangehenden Satzes dyumnān (nach sahasraṁ vā) ausfallen muß. Und tatsächlich fehlt dieses dyumnān in der Handschrift, die von Caland benützt worden ist.15

Die Textverbesserung und Interpretation dieser Stelle lauten jetzt:

tac chataṁ devasaṁvatsarāñ chayitvā nirbhidyam abhavat sahasraṁ vā / dyumnā nāha nāma tarhy āsuḥ / yāvān eṣa saṁvatsaras tāvantas saṁvatsarasya pratimā / dyumnair ha sma saṁvatsaraṁ vijānanti / atha ha tataḥ purāhorātre saṁśliṣṭe evāsatur avyākṛte / te u agnihotreṇaiva vyākṛte / tad etayā vācā nirabhidyata

Nachdem das Ei hundert Götterjahre (mythische Jahre) dagelegen hatte, wurde es reif zum Aufspringen; oder vielleicht waren es auch tausend. Man muß wissen, daß es damals noch keine Himmelslichter (oder Tageslichter, Erscheinungen des Tageslichtes) gab. In Anzahl korrespondierend mit dem Umfang unseres Jahres sind diese (Erscheinungen des Tageslichtes) die Abbildung (oder das Maß) des Jahres. Man erkennt das Jahr mittels der täglichen Erscheinungen des Himmelslichtes.16 Aber Tag und Nacht waren damals noch nicht differenziert.17 Sie wurden erst durch das Agnihotra differenziert. (Also gibt es keine Möglichkeit zu bestimmen, ob das Ei hundert, tausend oder Gott weiß wie viele Jahre dagelegen hat, bevor es reif wurde zum Aufspringen). Es sprang auf mit folgenden Worten: …

Ein Nebenergebnis dieser Untersuchung ist die Interpretation des Wortes dyumna-. Erstens ist es auffallend, daß dyumna- hier im Maskulinum auftritt, während die Wörterbücher dyumnam geben und die Grammatik nur das Neutrum des Suffixes -mna- anerkennt.18 Selbst wenn das Maskulinum auf einem richtigen Text beruht, ist es klar, daß es, was die Bedeutung angeht, nicht zu trennen ist vom Neutrum dyumnam. Diese Bedeutung war ursprünglich „Himmelslicht“ oder „Himmelsherrlichkeit“ (Wackernagel 1918, 398). Renou aber bemerkt, daß „cette valeur est oblitérée“ (1957, 15) und hebt immer „la valeur figurée“ dieses Wortes hervor. Mit Unrecht glaube ich. Die wörtliche Bedeutung findet sich vielleicht nicht nur an dieser Brāhmaṇa-Stelle, sondern auch anderswo. Nach JB 1, 6 ist, nachdem die Sonne untergegangen ist, aber vor der Finsternis, und nachdem es hell geworden ist, aber vor Sonnenaufgang, das Himmelslicht (dyumna Maskulinum) dem Savitṛ geweiht. Tatsächlich kommt diese wörtliche Bedeutung kaum vor in ṚV19 und in den anderen Saṁhitās. Doch könnte man an einigen Stellen erwägen, ob nicht eine andere Übersetzung als das obligate „Herrlichkeit“ vorzuziehen wäre, besonders wo Sonne, Himmel, oder etwas ähnliches im Kontext vorkommen.20 Die ursprüngliche, wörtliche Bedeutung wurde noch in ziemlich späten Brāhmaṇa-Texten verwendet, wie aus der diskutierten Stelle des Jaiminīya Brāhmaṇa hervorgeht.

First published in ZDMG Supplement II, 1974, S. 292–298; English translation on pp. 410–416.

Für den Schöpfungmythus siehe § 212.

Mit Ausnahme des ersten Buches ist diese Ausgabe von Lokesh Chandra besorgt.

Das Referat, vorgetragen in Lübeck (Orientalistentag 1972), bildet die Grundlage (siehe auch Bodewitz 1973, 32 f.). Einzelheiten sind verbessert worden und einige Noten hinzugefügt.

Text und Übersetzung nach Hoffmann (1970, 64 f.). Die wichtigsten Zeilen sind gesperrt gedruckt worden.

Es ist aber fraglich, ob die disjunktive Partikel überhaupt im Sinne einer identifizierenden Partikel vorkommt. Ein disjunktives hat fast gar keinen Sinn, wenn man mit Lokesh Chandra und Hoffmann dyumnān im Texte aufnimmt. Caland’s Ausgabe hat nur sahasraṁ vā.

eṣa saṁvatsaraḥ, das Jahr unserer Zeitrechnung, ist verschieden von den Götterjahren (devasaṁvatsara-) aus dem vorangehenden Kontext. In Zusammenstellungen gibt deva- dem zweiten Gliede oft eine mythische, metaphorische, irreale Farbe. Siehe z. B. deva-ratha, °-cakra, °-kośa, °-mithuna, °-iṣu, °-pātra. Manchmal hat die Metapher keine Beziehung zum Kosmos (adhidevam-Identifizierung) oder zu den Göttern, sondern bezeichnet nur den unwirklichen Aspekt. In unserem Kontext gibt es noch gar keine Götter und keinen Kosmos. Richtige Jahre fehlen selbstverständlich auch.

Man kann die Jahre nur zählen, wenn man etwas hat, nach dem man sie messen kann. Es soll ein Gegenstück (prati!) geben, um sie abzumessen, eine pratimā (ich lese jetzt mit Caland einen Singular pratimā, und nicht einen Plural pratimāḥ). Früher habe ich diese Konstruktion nicht richtig verstanden. Eine Inkongruenz von tāvantas and pratimāḥ ist nicht anzunehmen. Der Singular pratimā ist als Maß die Totalität der Einzelheiten (d. i. der dyumnas), die zusammen in Anzahl korrespondieren mit dem Umfang des Jahres (tāvantaḥ … yāvān). Wenn die Texte (z. B. TB 1, 1, 6, 7) erklären, daß zwölf Tage die pratimā (Singular!) des Jahres sind, dann bilden nicht die Tage selbst, sondern ihre Anzahl (korrespondierend mit der Anzahl der Monate, die das Jahr ausmachen) die pratimā. Für die Korrespondenz des Singulars yāvān („valeur quantitive“) und des Plurals tāvantaḥ („multiplicité“) siehe Minard (1936, 62 f.; besonders § 182). Das ŚB fügt in solchen Korrespondenzen zwischen yāvān (Umfang) and tāvantaḥ (Anzahl) den Terminus mātrā (Maß) ein: ṣáḍ vā́ ṛtávaḥ saṁvatsarásya saṁvatsaró yajñáḥ prajā́patiḥ sá yā́vān evá yajñó yávaty asya mátrā tā́vatībhir dakṣayati (ŚB 2, 2, 2, 3) „for six seasons, indeed, there are in the year, and the sacrifice, Prajāpati, is the year: thus as great as the sacrifice is, as large as its extent is, by so many (gifts, dakṣiṇās) does he thereby invigorate it“ (Eggeling).

Siehe Note 7 über diesen Terminus im ŚB. In unserem Kontext wäre eine solche Redensart mit mātrā sehr angemessen: yāvān eṣa saṁvatsaras ⟨yāvaty asya mātrā⟩ tāvantas (sc. dyumnās; Ellipse wie in ŚB 2, 2, 2, 3 dakṣiṇābhiḥ) saṁvatsarasya pratimā „Die Jahresmessung oder das Äquivalent eines Jahres ist die Anzahl von dyumnas, die korrespondiert mit dem Jahre, wie wir es kennen in unserer Zeitrechnung, mit dem Maß dieses Jahres.“

Siehe KS 7, 15: 79. 5 f.; TB 1, 1, 6, 7; 1, 1, 9, 10; ŚāṅkhB 25, 15.

ŚāṅkhB 17, 5 (Ausgabe Sarma 17, 4, 17) erklärt: etāvān vai saṁvatsaro yad ahorātre. Siehe auch ŚB 3, 2, 2, 4 saṁvatsaró vái prajā́patiḥ prajā́patir yajñò ’horātre vái saṁvatsará eté hy ènaṁ pariplávamāne kurutaḥ; JB 2, 422 etad dha vai saṁvatsarasya vyāptaṁ yad ṛtavo yan māsā yad ṛtusandhayaḥ tad u vā āhur ya ṛtavo ye māsā ya ṛtusandhayo ’horātre vāva tad bhavataḥ ahorātre vāva saṁvatsarasya vyāptam iti.

Für die gleichzeitige Entstehung des Agnihotra und des Kosmos siehe KS 6, 1; MS 1, 8, 1; TB 2, 1, 2, 1 ff.; VādhS 3, 19; ŚB 2, 2, 4, 1 ff.

Ich glaube nicht, daß jyotis in diesem Kontext (JB 3, 360 tasminn asati sati na kasmiṁś cana saty ṛtaṁ jyoti ṣ-mad udaplavata satyaṁ jyotiṣmad udaplavata tapo jyotiṣmad udaplavata … teṣām annam eva jyotir āsīt / tāny ekam abhavan / tad ekaṁ bhūtvaitenānnena jyotiṣāpyāyata „In diesem, das ein Nichtseiendes (asati) war (sati), das ein Nichts (na kasmiṁś cana) war (sati), schwebte das Ṛta mit Licht versehen empor, schwebte das Satya mit Licht versehen empor, schwebte das Tapas mit Licht versehen empor … Licht war ihre Speise. Sie wurden zu dem Einen. Als dieses Eine entstanden war, schwoll es an durch diese Speise: das Licht,“ Hoffmann) etwas mit Himmelslicht zu tun hat. Es ist nicht das Licht der Sonne; es ist nicht das zyklisch erscheinende und verschwindende Licht, das mit der Zeit verbunden ist. Das jyotis ist (viel mehr als eine Erleuchtung des ganzen Ur-Kosmos oder Ur-Chaos) die Energie, die eng verbunden ist mit dem Urprinzip, oder sogar mit den drei Elementen, die zusammen das Urprinzip gebildet haben. Diese Energie macht die Kosmogonie möglich.

Siehe MaiU 6, 14 … sūryo yoniḥ kalasya / tasyaitad rūpaṁ yan nimeṣādikālāt saṁbhṛtaṁ dvādaśātmakaṁ vatsaram … „Der Ursprung der Zeit ist die Sonne. Die Verkörperung dieser (Zeit) ist das zwölffache Jahr, das aus dem Zeitverlauf von Augenblick usw. aufgebaut ist.“ Es folgt dann auch noch eine technische Auseinandersetzung über den Begriff Zeit und deren Beweis. Außerordentlich wichtig für das Verstehen unserer Stelle im JB ist die Upaniṣad deswegen, weil sie die Zeit mit der Sonne (also auch mit dem Himmelslicht) verbindet und die Existenz der Zeit und des Jahres aus den kleinsten Einheiten ableitet. Die Aussage yāvatyo vai kālasya kalās tāvatīṣu caraty asau „So viele Momente der Zeit sind, in so vielen verstreicht sie selbst“ (Deussen) stimmt mit yāvān eṣa saṁvatsaras tāvantas (sc. dyumnāḥ) saṁvatsarasya pratimā überein. Das Jahr oder die Zeit, der Beweis ihrer Existenz und die Möglichkeit sie zu messen, gründen sich auf ihre Unterteile. Ohne Differenzierung kein Jahr und keine Zeit. Van Buitenen (1962, 141) hat diese Stelle mißverstanden. MaiU 6, 15 erklärt, daß vor der Entstehung der Sonne die Nicht-Zeit (akāla) herrschte, die ohne Unterteile (akala) war. Durch die Sonne entsteht die Zeit (kāla), die differenziert ist und Unterteile hat (sakala). Van Buitenen’s Ansicht (S. 46), daß sakala „complete“ bedeutet, und seine Auseinandersetzung über diese Stelle („As in the older Year speculations, the creator’s self-creation, his becoming the Year, is considered his completion“) sind verfehlt. Siehe aber auch seine richtige, aber ganz mit seinen oben erwähnten Ansichten streitige Übersetzung „Of the partite (Brahman) the form is the year“ (S. 141). Die Verkörperung des Differenzierten ist das Jahr: sakalasya vā etad rūpaṁ yat saṁvatsaraḥ. Über Zeit und Nicht-Zeit in Beziehung zum kosmischen Ei siehe auch Minard (1936, § 244).

Der ganze Passus über die Zeitdauer, während welcher das Ei dagelegen hat, polemisiert vielleicht gegen ältere Versionen dieser Kosmogonie. Vielen Erfolg hat das Brāhmaṇa jedenfalls damit nicht gehabt, denn Texte wie ChU 3, 19 und Manu 1, 1 f., die ohne Zweifel jünger sind, lassen das Ei ein Jahr lang herumschwimmen (in Übereinstimmung mit ŚB 11, 1, 6, 1 ájāto ha tárhi saṁvatsará āsa tád idáṁ hiraṇmáyam āṇḍáṁ yā́vat saṁvatsarásya vélā tā́vat páry aplavata „Das Jahr war damals noch ungeboren. Dieses goldene Ei schwamm so lange herum, wie die Dauer eines Jahres ist“).

Siehe neben seiner Auswahl auch Caland (1915, 46): „Na honderd of duizend goden-jaren te hebben neergelegen, was het gereed voor splijting …“ Caland übersetzt den Rest dieser Stelle nicht und fährt fort mit dem Aufspringen des Eies („De tekst is evenwel zoo bedorven, dat ik veel daaruit moet weglaten,“ S. 45).

Letzten Endes ist das Kriterium für unsere Kenntnis des Jahres der Tag (d. h. ihre Anzahl bestimmt das Jahr) oder vielmehr die Erscheinung des Tageslichtes. Siehe auch JB 3, 385 (eṣa ha vāva devānām adhidevo ya eṣa tapati / tasyaitat sahasrasthūṇaṁ vimitaṁ dṛḍham ugraṁ yat saṁvatsara ṛtavo māsā ardhamāsā ahorātrāṇy uṣasaḥ) für eine Verbindung zwischen Sonne und Jahr oder Zeit. Die Erscheinung des Tageslichtes bildet das letzte chronologische Element.

ṚV 10, 129, 2 und 3: „… nicht gab es ein Anzeichen von Tag und Nacht … Im Anfang war Finsternis in Finsternis versteckt“ (Geldner); MBh 12, 329, 4 nāsīd aho na rātrir āsīd …; TS 5, 3, 4, 7 „Now there was neither day nor night in the world, but it was undiscriminated,“ 6, 4, 8, 3 „This was not day or night, but undiscriminated … Mitra produced the day, Varuṇa the night“ (Keith). Die Entstehung des Kosmos impliziert die Entwicklung eines Dualismus (Tag – Nacht; gut – böse; Götter – Asuras). Tag und Nacht repräsentieren die Zeit in ihrem vernichtenden Aspekt und bilden das Gegenstück zu Ewigkeit (die nicht differenzierte „Zeit“ vor dem Kosmos) und Erlösung (Unsterblichkeit; „aus der Zeit geraten“; siehe z. B. JB 1, 11).

Siehe Wackernagel-Debrunner (1954, 777). Es ist aber zu bemerken, daß Simon’s Index Verborum zur KS ein Maskulinum dyumnas erwähnt (KS 5, 2). Siehe auch JB 1, 6. Burrow (1965, 151) erklärt, daß Neutra wie dyumná- „appear from their accentuation to be of adjectival origin.“ In der Prosa der Brāhmaṇas kann dyumnā nicht Neutr. Plur. sein.

Grassmann verweist nur auf 3, 24, 3 und 6, 16, 21 für die Grundbedeutung „Glanz“ („sonst überall bildlich“).

ṚV 6, 19, 9 (dyumnáṁ svàrvad) und AV 6, 35, 3 (dyumnám svàryamat) zeigen, daß der Glanz (dyumna) als Licht aufgefaßt wird. Auch ṚV 7, 82, 10 erwähnt dyumna in Zusammenhang mit Licht („Uns sollen Indra, Varuṇa, Mitra, Aryaman Glanz und ihren großen Schirm in ganzer Breite gewähren, die Wahrheitsmehrer der Aditi unzerstörbares Licht …,“ Geldner; siehe auch Renou (1959, 100): „… l’ éclat, la grande protection extensive, la lumière indestructible“; in diesem Kontext ist „le renom d’ Aditi, du dieu Savitṛ“ doch kaum etwas anderes als Himmelslicht). Sehr deutlich ist der Lichtaspekt auch in AV 13, 2, 34 divākaró ’ti dyumnáir támāṁsi víśvātārīd duritáni śukrā́ḥ „Die Sonne, die klare, hat mit ihren Lichterscheinungen alle Finsternisse, alle Schwierigkiten, beseitigt.“

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