Tod als Ganzhingabe und als Heimkehr

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Tod als Ganzhingabe (mit dem Leitbild des gnadengeführten 'Weges'), Tod als Heimkehr (mit der Leitvorstellung des sturzbachartigen ,Überschüttetwerdens'), und dazwischen Tod als Warten - diese drei Bestimmungen haben sicher noch mehr Berührungspunkte, als bisher verdeutlicht, zumal da sie ja denselben, den einen menschlichen Tod bestimmen. Zusammenfassend wollen wir einige dieser Berührungspunkte nennen. Um die Ausmaße des vorliegenden Beitrags nicht unnötig auszuweiten, begnügen wir uns allerdings mit folgenden Hinweisen. Tod als Ganzhingabe ist ein bewußtes, unbegrenztes Abgeben der eigenen Kräfte, Tod als Heimkehr ein Aufgenommensein durch Gott; Abgeben und Aufgenommensein berühren sich darin, daß beides Liebe ist. Der Tod ist also wesentlich Liebe, und zwar primär zu Christus, der den Tod mit uns teilt. -Tod als Ganzhingabe ist schrittweise Zunahme der Gnade, Tod als Heimkehr ist die Fülle der Gnade; Zunahme und Fülle berühren sich darin, daß beide eine Ausräumung, Öffnung, Schaffung von Raum für Gott in der eigenen Seele sind; Tod ist also wesentlich Raumschaffung für Gott und Raumerfüllung durch Gott in meiner Seele, und dies ist primär ein Kontakt mit Christus, der den Tod mit mir teilt. - Tod als Ganzhingabe ist ein Tun, Tod als Heimkehr ein Sein; Tun und Sein berühren sich darin, daß beide Aspekte des Lebens sind. Tod ist also wesentlich Leben, und zwar primär in Christus, der jede Form des Lebens mit uns teilt. - Tod als Ganzhingabe ist schließlich selbst ein Warten, nämlich ein Warten auf Christus, ein Warten Christi auf uns und ein gemeinsames Warten mit Christus; ebenso ist der Tod als Heimkehr ein Warten, da er gewöhnlich nicht in einer einzigen Sekunde, sondern als schrittweise sich vollziehendes Geschehen da ist. - Somit hat der Tod eine wesentliche, sehr enge Beziehung zu Christus. Dies ist das Ergebnis unserer Betrachtung des Parsifaldramas, und dieses Ergebnis ist dasselbe, was in christlicher Theologie und Frömmigkeit, besonders in den mystischen Traditionen des östlichen und des westlichen Christentums, immer betont worden ist. Das Parsifaldrama kann auf diese Weise als christliche, ja christozentrische Meditation über den Tod aufgefaßt werden. Die christliche Lehre vom Tod ist somit von einer ,unverdächtigen Seite her bestätigt worden. (Was in der heutigen Zeit, da das Sterben tabuisiert und der Sterbende und Tote vor aller Augen versteckt, das Warten aber verachtet und ,wegrationalisiert wird, eine wichtige Hilfe zu humanem Dasein ohne ständige Lebenslüge sein kann.) Die Art jedoch, wie wir diese Meditation durchgeführt haben, ist gewiß nicht erschöpfend, weder hinsichtlich der Gesamtwirklichkeit des Todes noch hinsichtlich der Gesamtinterpretation des Parsifaldramas. Ich habe hier nur versucht, einen wenig beachteten Aspekt des Wagnerschen Bühnenweihfestspiels näher zu erläutern, so wie ich vor zehn Jahren dasselbe Drama vom Thema ,Eucharistie' her erläutert habe, wobei das Wechselspiel von Freiheit und Gnade in den Vordergrund treten mußte20; dabei konnte ich nicht (noch wollte ich) eine

Tod als Ganzhingabe und als Heimkehr

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