Deutsch-afrikanische Diskurse in Geschichte und Gegenwart

Literatur- und kulturwissenschaftliche Perspektiven

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In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beginnt Deutschland, seinen ‘Platz an der Sonne’ zu erobern. Während die deutsche Kolonialgeschichte in Afrika jedoch ein vergleichsweise kurzes Intermezzo bleibt, das nach dem Ersten Weltkrieg mit den Versailler Verträgen seinen unrühmlichen politischen Abschluss findet, floriert der Afrika-Diskurs auf literarischer und kultureller Ebene bis in die Gegenwart hinein und läuft anderen Projektionsräumen des Fremden/Exotischen – gerade in der jüngsten Vergangenheit – den Rang ab. Wie haben sich deutsche Diskurse über Afrika und Afrikaner vom späten 19. bis in das 21. Jahrhundert entwickelt? Und was wird aus den tradierten Projektionen und negativen wie positiven Stereotypisierungen im Zeitalter der Globalisierung, des Multikulturalismus und weltweiter Migrationsbewegungen?
Die vorliegende Aufsatzsammlung liefert ein in diesem Facettenreichtum bisher nicht gegebenes Spektrum: Afrikanische und deutsche Wissenschaftler befragen nicht nur Literatur (darunter auch afrikanische und afrodeutsche Texte) im engeren Sinne, sondern werten auch historische Bild- und Textdokumente zur Situation von schwarzen Kriegsgefangenen während des Ersten Weltkrieges aus, beschäftigen sich mit der Darstellung des ‘Katastrophenkontinents’ in der Gegenwartskunst und in den populären Medien (journalistische Berichterstattung, Dokumentarisches, Spielfilm) und rekonstruieren die Geschichte afrikanischer Germanisten in Deutschland.

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Review Quotes
“Der Band bietet somit einen faszinierenden Fundus an primären und sekundären Quellen, die den gegenwärtigen Stand der Forschung dokumentieren, neue Sichtweisen und überraschende Einblicke eröffnen und ganz sicherlich zum Weiterlesen anregen. ”
- Antje Krüger, Goucher College, in Monatshefte Vol.107.2 (2015), pp. 340-342

”Das Buch ist wichtig und nicht nu eine blosse Nereicherung der verschiedenen relevanten Forschungsrichtungen der postkolonialen Studien, sondern es vermittelt intellektuelle Anregungen insbesondere für Historiker, die sich mit den deutsch-afrikanischen Beziehungen, vor allem in der Kolonialzeit, befassen.” - Ulrich van der Heyden (Berlin) in: Neue Politische Literatur Jg. 57 (2012), pp. 487-9
Table of contents
Michael Hofmann: Einführung: Deutsch-afrikanische Diskurse in Geschichte und Gegenwart. Literatur- und kulturwissenschaftliche Perspektiven
Leo Kreutzer: Entstehung und Erfahrungen der ‘École de Hanovre’ in der afrikanischen Germanistik
Christof Hamann: Schwarze Gesichter im deutschen Mondschein. Zum Konzept des Barbarischen in Wilhelm Raabes Abu Telfan
János Riesz: Afrikanische Kriegsgefangene in deutschen Lagern während des Ersten Weltkriegs
Patrice Djoufack: Das Männliche, das Weibliche, das Fremde. Zur Dekonstruktion des Männlichkeitsdiskurses in Chinua Achebes postkolonialem Roman Things Fall Apart
Stefan Hermes: Bewältigungsversuche. Die wilhelminische Herrschaft über Südwestafrika in der deutschsprachigen ‘postkolonialen’ Literatur
Florentin Saha Kamta: Ideologie und Identifikation in der afrodeutschen Literatur
Dirk Göttsche: Rekonstruktion und Remythisierung der kolonialen Welt. Neue historische Romane über den deutschen Kolonialismus in Afrika
M. Moustapha Diallo: Literarischer Postkolonialismus-Diskurs: Afrika in der deutschen Gegenwartsliteratur
Jessica Nitsche: Konstruktionen von Afrika in visueller Populärkultur, Fotografie und Gegenwartskunst
Rita Morrien: “Afrika mon amour”? – Der Afrika-Diskurs im populären deutschen Spielfilm
Axel Timo Purr: “I didn’t do it for you, nigger.” Zum aktuellen Afrika-Diskurs in den Medien
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