Fichte und seine Zeit

Kontext, Konfrontationen, Rezeptionen

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Mit dem Ausdruck „Fichte und seine Zeit“ können die letzten Jahre des 18. und das erste Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts bis zur Völkerschlacht von 1813 überschrieben werden: die ertragreichsten Jahre im Schaffen und Wirken Fichtes. Fichte erarbeitete das System der Wissenschaftslehre keineswegs in Selbstisolierung und ohne Rücksicht auf die spekulativen Anregungen, die er von dem ihn prägenden geistigen und kulturellen Milieu erhielt. Die Jahre des Übergangs vom 18. zum 19. Jahrhundert sind auch diejenigen, in welche man die Geburt der ‚romantischen Bewegung‘ ansetzt, deren Vaterschaft man wohl Fichte zusprechen muss, obzwar er bald von vielen seiner Schülern verleugnet wurde. Diese Jahre machen zugleich einen entscheidenden Zeitabschnitt in der deutschen Geschichte aus, welcher große Veränderungen – sowohl in staatlich-institutioneller als auch in gesellschaftlicher Hinsicht – mit sich gebracht hat und der mit den Eroberungskriegen Napoleons zu Ende geht, welche eine Zäsur in der deutschen Geschichte des 19. Jahrhunderts bewirkt haben. Die Absicht vorliegenden Buches ist es, das Geflecht der unterschiedlichen Fragestellungen, die mit dem Stichwort „Fichte und seine Zeit“ verbunden sind, in Betracht zu nehmen und ihre internen Zusammenhänge und ihre Geschlossenheit deutlich zu machen. Das Ziel ist daher, nicht nur die einzelnen Themen in ihrem Entstehen, Aufblühen, Sich-Entfalten zu verfolgen, sondern näher zu verstehen, wie Fichtes Gedanke gerade dank dem intellektuellen und wissenschaftlichen Austausch und der Auseinandersetzung mit ‚seiner Zeit‘ bzw. seinen Zeitgenossen gereift und selbstbewusst geworden ist.

Die Beiträge stammen von Elena Alessiato (Greifswald/Turin), Marco Bazzan (Toulouse), Carla De Pascale (Bologna), , Faustino Fabbianelli (Parma), Luca Fonnesu (Pavia), Erich Fuchs (Eichenau/München), Jonas Gralle (Freiburg), Laurent Guyot (Toulouse), Tamás Hankovszky (Budapest), Silvan Imhof (Bern), Marco Ivaldo (Neapel), Jindřich Karàsek (Prag), Hans Georg von Manz (München), Monica Marchetto (Palermo), Hitoshi Minobe (Tokyo), Alessandro Novembre (Lecce), Ernst-Otto Onnasch (Utrecht), Francisco Prata Gaspar (São Paulo/München), Manuel Roy (Montréal), Irene Sacchi (Berlin), Stefan Schick (Pentling/Regensburg), Jürgen Stahl (Leipzig), Nobukuni Suzuki (Tokyo), Hartmut Traub (Mühlheim/Ruhr), Martin Vrabec (Hradec Kralove)


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Biographical Note

Matteo Vincenzo d’Alfonso, Ph.D. (2002), Ludwig-Maximilian-Universität, Munich, is Associated Professor of History of Philosophy at the University of Ferrara (Italy), Department of Humanities. He has published Vom Wissen zur Weisheit. Fichtes Wissenschaftslehre 1811, Rodopi, 2005 and several papers on Fichte and the German Idealism.

Carla De Pascale is Full Professor of History of Philosophy (1999) since 2001 at the University of Bologna. Her research focuses on history of philosophy and politic philosophy of the 18th and 19th century mainly in Germany. She is in the scientific board of the journals "Filosofia politica" and “Studi kantiani”. Among her monographs, Il razionale e l'irrazionale. La filosofia critica tra Hamann e Schopenhauer, Pisa 2014; Giustizia, Bologna, 2010; „ Die Vernunft ist praktisch”. Fichtes Ethik und Rechtslehre im System, Berlin 2003; Tra rivoluzione e restaurazione. La filosofia della società di Franz von Baader, Napoli 1982.

Erich H. Fuchs widmete sein ganzes Arbeitsleben der Erforschung des Werks und der Person J. G. Fichtes im Zusammenhang mit den geistigen Strömungen seiner Zeit. Er war ab 1973 Mitarbeiter und ab 1996 einer der Hauptherausgeber der J. G. Fichte-Gesamtausgabe der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Marco Ivaldo is full professor of Moral philosophy and of Practical Philosophy at the University Federico II of Naples, Department of Humanities. Editor of "Fichte-Studien" (Leiden-New York).
He is been fellow by the Alexander von Humboldt-Stiftung (Bonn) at the “Fichte-Kommission” of the Bavarian Academy of Sciences (Munich) in the period 1989-1991. His studies relate to the modern German philosophy (Leibniz, Humboldt, Jacobi, Kant, Fichte), with particular attention to the issues and prospects of systematic transcendental philosophy and of ethics and philosophy of religion.

Table of contents

Nachruf auf Claudio Cesa, von Carla De Pascale (Bologna) und Marco Ivaldo (Neapel)

Vorwort der Herausgeber

I Zur Einleitung

Hartmut Traub (Mühlheim/Ruhr): Versuch einer transzendentallogischen Erörterung der „Zeitigung“ nebst einer näheren Bestimmung eines personalen Zeitbegriffs im Thema „Fichte und seine Zeit“

II Über den Bildungsprozess des Hauptgedankens der Wissenschaftslehre

Ernst-Otto Onnasch (Utrecht): Fichte im Tübinger Stift. Johann Friedrich Flatts Einfluss auf Fichtes philosophische Entwicklung
Jindřich Karàsek (Prag): „Soll man ihm das glauben?“. Zu Fichtes Auseinandersetzung mit dem Schulzeschen Skeptizismus in „Aenesidemus-Recension“.
Silvan Imhof (Bern): Einsturz und Neubau. Fichtes erste Grundsatzkonzeption als Antwort auf den Skeptizismus
Tamás Hankovszky (Budapest): Die Logik und der Grundsatz der Philosophie bei Reinhold und Fichte


III Auseinandersetzungen und Konfrontationen

Marco Bazzan (Toulouse): Les enjeux stratégiques de la critique de Fichte à Rousseau dans la cinquième leçon de la Destination du savant (1794)
Stefan Schick (Pentling/Regensburg): Das Interesse der Aufklärung – Fichte, Jacobi und Nicolai im Disput über Bedingtheit und Unbedingtheit der Vernunft
Luca Fonnesu (Pavia): Zwischen Wissen und Glauben. Moralität und Religion bei Kant und Fichte
Hitoshi Minobe (Tokyo): Selbstnegation des Wissens. Überlegungen über das Verhältnis des Wissens zum Absoluten bei Fichte unter besonderer Berücksichtigung von Jacobis Kritik
Francisco Prata Gaspar (São Paulo/München): Entweder Gott oder Nichts – Nihilismus und transzendentaler Idealismus
Marco Ivaldo (Neapel): Leben und Philosophie. Die Anweisung zum seeligen Leben als Antwort auf Jacobis Nihilismus-Vorwurf
Manuel Roy (Montréal): Fichte et Schiller. La fonction de l’art dans la pensée de Fichte à la lumière de la querelle des Heures
Faustino Fabbianelli (Parma): Liefert die Wissenschaftslehre bloß eine psychologische Erklärung des ‚echten‘ Idealismus? Ein weiterer Beitrag zur Auseinandersetzung zwischen Fichte und Schelling
Martin Vrabec (Hradec Kralove): Fichtes ‚pragmatische Geschichte‘ und Hegels ‚Phänomenologie des Geistes‘
Hans Georg von Manz (München): J. G. Fichtes kritische Lektüre von Franz Anton Mesmers „Allgemeine Erläuterungen über den Magnetismus und den Somnambulismus“ als Ausgangspunkt für eigene naturphilosophischen Überlegungen


IV Momente und Aspekte einer Rezeption

Jonas Gralle (Freiburg): „Wechselbestimmung“? Fichte und seine Rezeption bei Schiller, Friedrich Schlegel und Hölderlin (1795)
Laurent Guyot (Toulouse): Novalis et la question du prolongement poétique de la philosophie de Fichte
Nobukuni Suzuki (Tokyo): Ironie in der Wissenschaftslehre. Reflexion und Glaube bei Fichte, in romantischer Perspektive
Monica Marchetto (Palermo): Drive, Formative Drive, World Soul: Fichte’s Reception in the early works of A.K.A. Eschenmayer
Alessandro Novembre (Lecce): Das »Losreißen« des Wissens: von der Schopenhauer’schen Nachschrift der Vorlesungen Fichtes »Ueber die Tatsachen der Bewusstseins« und »Ueber die Wissenschaftslehre« (1811/12) zur Ästhetik von Die Welt als Wille und Vorstellung

V Politik und Wirtschaft

Irene Sacchi (Berlin): Philosophische Modelle einer globalen Weltordnung im Vergleich: Kants Föderation freier Staaten vs. Fichtes geschlossenen Handelsstaat
Jürgen Stahl (Leipzig): Fichtes „Handelsstaat“ im Kontext der Rezeption zeitgenössischen sozialökonomischen Denkens und der Begründung bürgerlich-demokratischer Ideale
Elena Alessiato (Greifswald/Turin): Fichte und die Reform des preußischen Heeres

VI Zum Schluss
Erich Fuchs (Eichenau/München)
Zum Ineinander von Denken und Wirken in Fichtes Leben

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