Tierische Geschichte

Die Beziehung von Mensch und Tier in der Kultur der Moderne

In unseren Geschichtsbüchern kommen Tiere, wenn überhaupt, nur am Rande vor. Glaubt man der bisherigen Geschichtsschreibung, dann haben Tiere keine bedeutsame Rolle in der Entwicklung menschlicher Gesellschaften gespielt. Aber wo wären wir ohne Tiere? Wie hätte sich die Landwirtschaft ohne die Zugkraft von Ochsen und Pferden entwickelt? Wie hätten Menschen sich ernährt oder gekleidet? Wie hätte man ohne Reittiere ferne unbekannte Regionen erkundet? Wie stünde es um das weit verbreitete Ritual der Jagd und wie hätte man Kriege geführt ohne Pferde, Elefanten, Hunde, Tauben oder Delphine? Und wo wäre die Medizin ohne den Tierversuch? Wo wären Kunst, Literatur und Philosophie ohne den Gegenstand und das Motiv Tier? War es nicht gerade die Beschäftigung mit dem Tier, die es uns ermöglicht hat zu bestimmen, was es bedeutet, ein Mensch zu sein? Tiere spielen also eine vielschichtige Rolle in den materiellen, kulturellen und geistigen Lebenswelten des Menschen, wie diese Fragen zeigen. Die Kulturwissenschaften haben begonnen, sich ihrer anzunehmen und erste Antworten zu geben. Der vorliegende Band ist ein herausragendes Beispiel. Namhafte europäische und amerikanische Forscherinnen und Forscher aus verschiedenen Disziplinen setzen sich mit der Geschichte der Mensch-Tier-Beziehungen auseinander. Sie erweitern ein bisher noch weitgehend unerforschtes Terrain der Kulturgeschichte um eine bedeutende Dimension und demonstrieren, wie die Geschichte(n) von Tieren aufs engste mit Politik, Gesellschaft, Wissenschaft, Technik und Kultur verknüpft sind. Einige Themen dieses hochinteressanten, ja oft amüsanten Buches: · Hunde im Weltall · Darwin im Affenkäfig · Das Pferd in der Großstadt · Sodomie vor Gericht · Tiere und britischer Imperialismus · Schäferhunde und Gewaltherrschaft · Kinder und Haustiere · Frauen, Friedensbewegung und Tierschutz

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Einleitung: Das Tier in der Geschichte und die Geschichte der Tiere, Dorothee Brantz und Christof Mauch

TEIL I: KULTURTIERE – TIERKULTUREN
Tiere berühren: Vierbeinige Darsteller und ihr Publikum, Nigel Rothfels
Pferdestärken als Motor der Urbanisierung: Das Pferd in der amerikanischen Großstadt im 19. Jahrhundert, Clay McShane und Joel A. Tarr
Rassismus züchten: Schäferhunde im Dienst der Gewaltherrschaft, Aaron Skabelund
Hunde im Weißen Haus: Warren G. Hardings Laddie Boy und Franklin D. Roosevelts Fala, Helena M. Pycior
Laikas Vermächtnis: Die sowjetischen Raumschiffhunde, Amy Nelson
Verniedlichte Natur: Kinder und Haustiere in historischen Quellen, Kathleen Kete

TEIL II: IM REICH DER WILDEN TIERE
Warum das Nashorn nicht spricht: Die Kulturgeschichte eines wilden Tieres in Amerika, Kelly Enright
Das ungezähmte Weltreich: Die Domestizierung von Tieren im britischen Imperialismus, Tillman W. Nechtman
Der Reiz des Alligators: Wechselnde Ansichten über einen charismatischen Fleischfresser, Mark V. Barrow, Jr

TEIL III: TIERISCHE DISKURSE – RECHT, POLITIK, WISSENSCHAFT
Animalische Triebe: Sodomie vor Gericht im frühneuzeitlichen Österreich, Susanne Hehenberger
Das Erbe der Hunde: Der Einfluss von Jagdhunden auf Charles Darwins Theorie der Selektion, David Allan Feller
Darwin im Affenkäfig: Der Tiergarten als Medium der Evolutionstheorie, Oliver Hochadel
Tierrechte und Friedensbewegung: »Radikale Ethik« und gesellschaftlicher Fortschritt in der deutschen Geschichte, Renate Brucker
Engagement und Emanzipation: Frauen in der englischen Tierschutzbewegung, Mieke Roscher
Globale Kreaturen: Tiere in der internationalen Politik des frühen 20. Jahrhunderts, Anna-Katharina Wöbse

TEIL IV: KULTURWISSENSCHAFTLICHE BETRACHTUNGEN
»Hund erlebt zum 400sten Mal hintereinander den besten Tag seines Lebens«: Das Tier als Phänomen der Kulturwissenschaft, Julie A. Smith
Wie wir Tiere betrachten: Der Anthropomorphismus und seine Kritiker, Robert Mitchell
Wölfe im Schafspelz: Eine anthropologische Sicht auf die Beziehungen zwischen Menschen und Wölfen in Albanien und Norwegen, Garry Marvin
Gibt es das Tier? Sozialtheoretische Reflexionen, Susan Pearson und Mary Weismantel

Die Autorinnen und Autoren
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