Grenzgänger der Religionskulturen

Kulturwissenschaftliche Beiträge zu Gegenwart und Geschichte der Märtyrer

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Mit der Rückkehr der Religionen in Politik und Kultur auch der säkularisierten Gesellschaften tritt eine lang vergessene Figur wieder in den Mittelpunkt der Interessen: der Märtyrer. In der Urszene des Christentums angesiedelt, aber durch seinen "edlen Tod" auch in paganen, jüdischen wie islamischen Traditionen beheimatet, erweist sich der öffentlich und blutig Sterbende als religionskultureller Grenzgänger und Hybridfigur. In ihm werden die Pathosformeln (Aby Warburg) der einen Tradition in die benachbarte und oft als feindlich angesehene übersetzt.
Eine ununterbrochene Kette von Leiden und Leidenschaften, von ausgeübter und erlittener Gewalt verbindet die Religionen noch in ihrem Nachleben. Hier werden Opfer zu Helden, Attentäter zu Heiligen, Töchter zu Rebellinnen. Der Märtyrer verkörpert als Revenant die Formensprache der abendländischen Imaginations- und Bildgeschichte seit der Antike in Ost und West und wird in der globalisierten Weltgesellschaft zur Vorlage ästhetischer wie politischer Programme.

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Einleitung
Pages: 7–21
Exemplum und Opfer, Blutzeugnis und Schriftzeugnis
Lucretia und Perpetua als Übergangsfiguren in der Kulturgeschichte der Märtyrer
Pages: 23–45
Kampf, Tod und Zeugnis
Sunnitische Märtyrerfigurationen im Feld der Abgrenzung und Aneignung zwischen den Religionskulturen
Pages: 65–82
Frauenkörper und Stellvertretung
Das Martyrium des weiblichen Interregnums in Andreas Gryphius’ Trauerspiel Catharina von Georgien (1657)
Pages: 125–149
Souveränität im Schmerz
Die Tortur des Martyriums
Pages: 151–172
„Eure Welt ist für mich wertloser als das Niesen einer Ziege“
Ambivalenzen von Märtyrertum und Weltentsagung in der Zwölferschia
Pages: 173–190
Pathos und Passion
Antworten arabischer Autoren auf Krieg, Gewalt und Tod
Pages: 191–211
Martyrium
Zwischen Pathos und Macht
Pages: 213–225
Die vielen Tode des Sokrates
Zum Schicksal einer Figur der abrahamitischen Religionskulturen
Pages: 227–242
Gespielte Zeugen
Der Schauspieler-Märtyrer auf dem Barocktheater
Pages: 259–279
Rom
Topographie und Theater der Märtyrer
Pages: 281–312
Pawlik Morosow – ein sowjetischer „Helden-Pionier“
Zur medialen Konstruktion eines sozialistischen Kindermärtyrers
Pages: 313–339
Märtyrer oder Krieger?
Die Wiedererfindung ‚Isaaks‘ als Kriegsheld im jüdischen Palästina
Pages: 341–356
Säkularisierungsresistent?
Märtyrerfigurationen in Brechts Maßnahme und Müllers Mauser
Pages: 357–370
Ambivalenz des Märtyrers
Der libanesische Romancier Raschid al-Da‘if zu Gottesmord und Märtyrertum
Pages: 371–386
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