Theater der Zäsur

Antike Tragödie im Theater seit den 1960er Jahren

Theater sucht das Zeitgenössische – und findet es in der Auseinandersetzung mit der antiken Tragödie. Besonders seit den 1960er Jahren wird sie zentral für die ästhetische Erneuerung. Das Fremde des Materials eignet sich, um das gegenwärtige Theater anders zu denken. Das schafft nur, wer mit der Antike nicht das ›Zeitlose‹ verfolgt, sondern mit der produktiven Kraft des Geschichtlichen experimentiert.
Die Studie deckt die ›andere‹ Geschichte der antiken Tragödie auf, die von Brechts Theaterarbeit ausgeht, Künstler wie Klaus-Michael Grüber, Einar Schleef oder Robert Wilson betrifft und bis zum experimentellen Theater und zur Performance unserer Zeit führt. Die ästhetischen Positionen werden in ihren Kontexten von Tragödientheorie, Ästhetik und Geschichtsphilosophie dargestellt. Sie widersetzen sich einer herkömmlichen Vergegenwärtigung, die universelle Wahrheiten beschwört. Stattdessen arbeiten sie die historischen Spuren heraus, von denen die Präsenz des Theaters durchzogen ist. Jenes Bewusstsein für Geschichtlichkeit, das in der Begegnung mit der antiken Tragödie entsteht, ist für die Entwicklung des kritischen Theaters von zentraler Bedeutung. So wird die Tragödie wieder zu einem Ort, um die Möglichkeiten eines verändernden Einschnitts zu denken, einer Zäsur.

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