Der koloniale Blick gen Osten

Osteuropa im Diskurs des Deutschen Kaiserreiches von 1871

Lag das deutsche Indien in Polen? Der Osten Europas war für die Deutschen im 19. Jahrhundert ein Sehnsuchtsort, in dem man die ideale Projektionsfläche für die eigenen kolonialen Ambitionen gefunden hatte.
Im Kaiserreich galt Osteuropa vielen Deutschen als unzivilisiert, chaotisch, primitiv und auf deutsche Kulturleistungen angewiesen. Die östlichen Nachbarn schienen so fern wie der Wilde Westen oder die afrikanische Steppe. Christoph Kienemann analysiert den deutschen Osteuropadiskurs hinsichtlich der Frage, ob er als kolonialer Diskurs gelesen werden muss. Auf diese Weise zeigt sich nicht nur, dass Osteuropa für viele Deutsche ein Sehnsuchtsort kolonialistischer Phantasien war, sondern dass der Kolonialismus eine viel größere Bedeutung für die deutsche Gesellschaft um 1900 besaß, als ihm bisher zugeschrieben wurde.
In the 19th century, German Discourse portrait Eastern Europe as an uncivilized space, in need of a civilizing mission. This volume seeks to analyse the development of knowledge about Eastern Europe, created by German Historians, Geographers, Publicists and Economists. While conventional definitions locate Colonialism overseas, this Analysis argues that German Colonialism focused on Eastern Europe just as on distant continents.
Christoph Kienemann studierte Geschichte, Politikwissenschaften und Soziologie in Oldenburg, Thorn und Warschau. Zurzeit arbeitet er als freier Journalist in Hamburg.
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