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Unverfügbarkeit – Latenz – Widmung.
Über das Heilige wird schon lange und in vielen Disziplinen nachgedacht – der vorliegende Band stellt eine neue Bestimmung zur Diskussion. Darin wird das Heilige als Phänomen gefasst, in dem stets zwei komplementäre Handlungen zusammenkommen: eine des Ausschließens (durch die Zuschreibung etwa von Unverfügbarkeit, Unverhandelbarkeit oder Unübertretbarkeit) und eine der Ingebrauchnahme (durch Widmung oder Heiligung). Ob diese Bestimmung hinreichend konkret ist, um die vielen Erscheinungsformen des Heiligen analytisch aufzuschließen, wird hier aus Sicht von Soziologie und Philosophie, jüdischer und islamischer Theologie, Geschichte, Literaturwissenschaft und Kunsthistorie ebenso kritisch diskutiert wie der Geltungsbereich der Bestimmung. Denn sie beansprucht, das Heilige sowohl in religiös-transzendenten Zusammenhängen dingfest machen zu können, als auch in säkularen; sowohl in seinen heutigen, als auch in seinen historischen Erscheinungsformen.
Diskurse und Figurationen
Der Band versammelt Fallstudien renommierter Autoren aus Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft zu den komplexen Bezügen von Bild und Text und zu deren medialer Differenz im 14. Jahrhundert in Italien. Im Fokus steht die Malerei des Trecento mit ihrer neuen Visualisierungskraft, die sich als kommunikatives Potenzial in der Praxis öffentlicher Bildpolitik entfaltet und an eine hohe Komplexität von bildlichen 'Sprachformen' geknüpft ist. Die Bilder erweisen sich als Medien, die an der Schnittstelle zu gesellschaftlichen und politischen Kontexten, aber auch zu visuellen und textuellen Diskursen stehen. Eine wiederkehrende Referenz ist Dantes Divina Commedia mit ihrer enzyklopädisch und zugleich eschatologisch konzipierten Fundierungsprogrammatik. Mit Beiträgen von Hans Belting, Dieter Blume, Michael Cuntz, Andreas Kablitz, Klaus Krüger, Wolf Löhr, Tanja Michalsky, Caroline Smout, Imke Wartenberg und Friederike Wille.
Towards Post-Anthropocentric Concepts of Multiplicity
The global socio-ecological crisis is making it increasingly clear that ‘we’ do not only act in interpersonal social and political relationships, but that non-human forms of life and relationships must also be taken into account in the critical analysis of our present. In light of that realization, this volume opens the question of the crowd towards a post-anthropocentric perspective on multiplicity. Based on speculative readings of works by K. Barad, M. de la Cadena, and C. Vicuña, the essays illuminate how a human-and-more-than-human intra/sectional approach can help deconstruct the western hegemonic framework in contemporary cultural thinking from a transdisciplinary perspective.
Editors: and
Die Armen sind immer die Menge der Armen – aber wie wird diese Menge in Literatur und Kulturgeschichte dargestellt? Was heißt es, die Menge der Armen zu repräsentieren oder für sie Partei zu ergreifen? Die Beiträge dieses Bandes nähern sich dem Phänomen aus unterschiedlichen Blickwinkeln und fragen nach dem Bild und den Repräsentationsmöglichkeiten der Armen in Europa und Lateinamerika; den Konstellationen und Konvergenzen von Menge und Masse; den Sichtbarkeiten von Subjekten in der Menge und der Menge als (politisches) Subjekt. Der Band untersucht die Begriffe, Praktiken und Ästhetiken, die sich im Verhältnis von Menge und Armut überschneiden.
Author:
In der Frühen Neuzeit avanciert der Schreibkalender zu einem der prominentesten Medien und generiert mit dem Kalenderschreiben eine völlig neue Kulturpraktik. Das geht nicht spurlos an der zeitgenössischen Literatur vorbei: Auch außerhalb des Kalenders wird in verschiedenen Texten kalendarisch geordnet und geschrieben. Diese Studie untersucht erstmals diese kalendarischen Spuren in der frühneuzeitlichen Literatur. Hierfür wird ein materialwissenschaftlich inspirierter Zugang gewählt: Der Schreibkalender, seine besondere materiale Faktur und die damit verbundenen Praktiken dienen als Ausgangspunkt für die literaturwissenschaftlichen Analysen.

In the early modern period, the calendrical diary became one of the most prominent media and generated a completely new cultural practice of calendar writing. This also impacted contemporary literature: even beyond calendars, numerous texts were organised and written following the style of calendars. This study is the first to analyse these calendrical traces in early modern literature. For this purpose, a material culture studies approach is chosen: The literary analyses is based on the calendrical diary, its particular materiality and the practices associated with it.
Fiktionen des politischen Wandels vom Mittelalter bis zum Posthumanismus
Author:
„Mensch – Tier – Monster“ ist eine politische Deutung der Verwandlungsfiktionen vom Mittelalter bis in die jüngste Gegenwart. Die Studie geht von der Beobachtung aus, dass die Imagination der Mensch/Tier-Entgrenzung den Wandel in den Herrschaftsvorstellungen zum Ausdruck bringt. Während die charismatische Mensch/Tier-Symbiose im Mittelalter die feudalen Ursprungs- und Herrschaftsmythen begründet, reflektieren die modernen Monsterfiguren wie Frankensteins Monster und Dracula die Krise der bürgerlich-liberalen Gesellschaft. Diese phantastische Genealogie der politischen Monsterfiguren setzt sich im Massenkino der Postmoderne fort. Die hybriden Helden dort verkörpern die posthumanistische Zukunftsvision, die menschliche Gesellschaft in ein kosmisch-egalitäres Human-Nonhuman-Kollektiv zu verwandeln.
Author:
In der Alchemie der Frühen Neuzeit wurde argumentiert und wissenschaftlich geforscht. Die Monographie untersucht Entwicklungsdynamiken der Alchemie und erzählt deren Geschichte für die Zeit von ca. 1500 bis ca. 1830. Sie zeigt sowohl deren Eigenheiten wie deren Nähe zur modernen Chemie auf. Alchemiker grenzten sich zwar von dem universitären Wissen ihrer Zeit ab. Zugleich strebten sie jedoch nach einer Aufnahme ihrer Theorien und Praktiken an den Universitäten. Die Prozesse der Abgrenzung und der Anpassung initiierten einen Wandel der Wissensstruktur der Alchemie, der ihre Konzepte, Methoden, Gegenstände, Theorien, Praktiken und sprachlichen Darstellungsformen betraf. Ihren Ambitionen entsprechend waren Alchemiker nicht allein an Höfen, sondern auch an den medizinischen Lehrstühlen erfolgreich. Alchemikerinnen und Alchemiker trugen zum materiellen Wohlstand bei. Ihre Theorien und Praktiken veränderten die Universitäten sowie den Alltag der Menschen.
Heroischer Wahnsinn in der Renaissance (Ariosto, Tasso, Bruno)
Author:
Die Studie präsentiert Kultur und Literatur des Wahnsinns der Renaissance in den verschiedenen Wissensgebieten: Dichtkunst (Ariosto, Tasso, Bruno) sowie in Medizin, Philosophie, Theologie und Gerichtswesen.
Der Wahnsinn in der Renaissance stellt zeitgenössisch kein Spezialgebiet in Einzelwissenschaften dar. Vielmehr ist er in allen Wissensordnungen omnipräsent, und es herrscht ein reger Kulturtransfer zwischen den Fächern, wobei Italien bekanntlich die sogenannte Leitkultur Europas in der Frühen Neuzeit darstellt. Der originelle Umgang mit Verrückten in der Vormoderne erlaubt einen innovativen Umgang mit dem traditionellen Furor, der heroische Meisterwerke der Weltliteratur hervorgerufen hat, so Ariostos rasenden Orlando, Tassos heroischen Wahnsinn und Brunos ketzerischen Furor.
Angesichts der aktuellen Kritik am feministischen Universalismus und der Infragestellung biologischer Geschlechterkategorien macht sich der Band auf die Suche nach pluralen Logiken weiblicher Kollektive. Er versammelt in einer Mischung aus Essays und wissenschaftlichen Aufsätzen unterschiedliche Mengenlehren des Femininen und fragt in historischer und interdisziplinärer Perspektive nach den Selbst- und Fremdbeschreibungen, Formen und Funktionen, Darstellungen und Deutungen dieser Kollektivbildungen. An Beispielen von den antiken Chören, Mänaden und Scharen über das Motiv der Schwestern und (Brief-)Freundinnen bis zur filmischen Darstellung von Frauen-WGs und der SocialMedia-Bewegung #metoo erkunden die Beiträge Semantiken, Logiken und Dynamiken weiblicher Kollektive.
In sieben Bänden. Aus dem Niederländischen von Annette Wunschel
Series:  Huizinga Schriften
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Die Reihe der „Huizinga Schriften“, die Brill | Fink seit 2011 in Neu- und Erstübersetzungen vorlegt, findet ihren Abschluss mit dem siebten Band, der mit „Homo Ludens“ den Referenztext aller modernen Spieltheorien enthält. Dank Annette Wunschel, die für ihre Übersetzung von Huizingas „Kultur- und zeitkritischen Schriften“ 2016 mit dem Else-Otten-Preis ausgezeichnet wurde, liegen jetzt nicht nur Huizingas Hauptwerke „Herbst des Mittelalters“, „Erasmus“ und „Homo Ludens“ in einer gänzlich neuen Übersetzung vor, die durch ihre intendierte Nähe zum Originaltext dessen Lebendigkeit und Pointenreichtum bis in kleinste Nuancen zu erhalten vermag. Mit den erstmals übersetzten Briefen, den „Amerika“-Büchern und der Biographie des Künstlers Jan Veth eröffnet sich ein umfassender Blick auf das Werk des großen niederländischen Kulturhistorikers.