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Die Politik der Sklaverei

Praxis und Konflikt in Kastilien und Spanisch-Amerika im 16. Jahrhundert

Jonas Schirrmacher

Das vorliegende Buch behandelt das historische Phänomen der Sklaverei aus der Perspektive der politischen Praxis. Es untersucht die Sklaverei als kontroverses Verhandlungsthema, zwischen der kastilischen Krone und lokalen Akteuren.

Die immense Bedeutung der Versklavung von Menschen für das frühneuzeitliche Europa wird heutzutage selten in Zweifel gezogen. Gerade in den iberischen Städten des 16. Jahrhunderts gehörten Sklavenmärkte zur Alltäglichkeit. Insbesondere Theologen beschäftigten sich intensiv mit der Frage, ob die Versklavung nicht-christlicher Gefangener erlaubt sei. Die Sklaverei war aber nicht nur ein Thema der Studierzimmer oder ein Phänomen des städtischen Lebens. Sie hatte auch eine zutiefst politische Komponente. Entsprechend widmet sich der Band der Sklavereipolitik der kastilischen Krone im 16. Jahrhundert. Sklaverei wird hier als mehrdimensionaler Komplex zwischen herrschaftspolitischen, ökonomischen, militärischen und theologischen Interessen verortet. Anhand der Versklavung der moriscos während der guerra de Granada (1568–1571) sowie der Versklavung der indigenen Bevölkerung der „Neuen Welt“ wird gezeigt, wie Sklaverei stets als politische Verhandlungsmasse zwischen Zentralregierung, Militär und Peripherie genutzt wurde.

Der koloniale Blick gen Osten

Osteuropa im Diskurs des Deutschen Kaiserreiches von 1871

Christoph Kienemann

Lag das deutsche Indien in Polen? Der Osten Europas war für die Deutschen im 19. Jahrhundert ein Sehnsuchtsort, in dem man die ideale Projektionsfläche für die eigenen kolonialen Ambitionen gefunden hatte.
Im Kaiserreich galt Osteuropa vielen Deutschen als unzivilisiert, chaotisch, primitiv und auf deutsche Kulturleistungen angewiesen. Die östlichen Nachbarn schienen so fern wie der Wilde Westen oder die afrikanische Steppe. Christoph Kienemann analysiert den deutschen Osteuropadiskurs hinsichtlich der Frage, ob er als kolonialer Diskurs gelesen werden muss. Auf diese Weise zeigt sich nicht nur, dass Osteuropa für viele Deutsche ein Sehnsuchtsort kolonialistischer Phantasien war, sondern dass der Kolonialismus eine viel größere Bedeutung für die deutsche Gesellschaft um 1900 besaß, als ihm bisher zugeschrieben wurde.

Richelieu

Ein Leben im Dienste des Königs und Frankreichs

Klaus Malettke

Der oftmals kontrovers beurteilte Kardinal und Staatsmann Richelieu hat die Geschichte Frankreichs nachhaltig geprägt und über seinen Tod hinaus tiefe Spuren in der Geschichte Europas hinterlassen. Klaus Malettke legt nach jahrzehntelanger Forschung zu Richelieu und dessen Epoche eine neue, umfassende Biographie vor. Leben und Agieren des Menschen, Theologen und Staatsmannes behandelt der Autor in seinen positiven wie kritischen Aspekten.
Einen breiten Raum widmet der Verfasser dem außenpolitischen Handeln des „Prinzipalministers“ Richelieu in der Phase des „offenen Krieges“ von 1635 bis 1642. Malettke beleuchtet insbesondere die Vorstellungen des Staatsmanns über die Gestaltung eines umfassenden Friedens in Europa und dessen dauerhafte Bewahrung durch die Verwirklichung eines Systems kollektiver Sicherheit. Aber auch die von Richelieu und seinen Gefolgsleuten entfaltete propagandistische Öffentlichkeitsarbeit sowie sein Wirken als Mäzen weiß der Autor kenntnisreich zu schildern. Nicht weniger Aufmerksamkeit gilt Richelieus Klientelpolitik sowie seinen vielfältigen und weitgespannten Aktivitäten beim Aufbau des eigenen großen Vermögens. Dabei ist es Klaus Malettke immer wichtig zu rekonstruieren, welche Prinzipien und Kategorien damals das Handeln Richelieus und der anderen Akteure bestimmten – wie Dynastie, Konfession, Staatsinteresse, Staatsräson und Tradition.

Minderheiten-Soldaten

Ethnizität und Identität in den Armeen des Ersten Weltkriegs

Serie:

Oswald Überegger

Ediert von Oswald Überegger

Minderheiten-Soldaten im Ersten Weltkrieg: Der Band beschäftigt sich erstmals umfassend und vergleichend mit der Situation von Minderheiten in den Armeen des Ersten Weltkrieg.
Rolle und Bedeutung von Minderheiten-Soldaten in den Armeen des Ersten Weltkriegs stellen ein forschungsmäßig vernachlässigtes Thema der Minderheitengeschichte dar. Nationale Minderheiten wurden vielfach in sehr pauschaler Art und Weise als unzuverlässige und illoyale Staatsbürger kategorisiert und wurden deshalb innerhalb der Armeen diskriminiert. Die Autoren analysieren die Entwicklung der Beziehungen zwischen Staat und Minderheit anhand von verschiedenen nationalen Fallbeispielen.

Materialschlachten 1916

Ereignis, Bedeutung, Erinnerung

Serie:

Ediert von Christian Stachelbeck

Verdun, Somme, die Südtirol- und die Brusilov-Offensive symbolisieren millionenfaches Leid und Sterben. Historikerinnen und Historiker aus dem In- und Ausland nehmen die Materialschlachten 1916 im Rahmen einer modernen Militärgeschichte in den Blick.
Die blutigen Materialschlachten des Jahres 1916 haben die kollektive Erinnerung an den Ersten Weltkrieg in Europa nachhaltig geprägt. Die damit verbundenen Orte und Personen versinnbildlichen darüber hinaus beispielhaft den Weg zum neuartigen, industrialisierten Massenkrieg. Dieser erfasste in ungeahnter Totalität Front und Heimat sowie Politik, Gesellschaft und Wirtschaft der kriegführenden Nationen.
Fachwissenschaftler diskutieren in diesem Band ausführlich Aspekte der Kriegsführung, der Mobilisierung von Streitkräften und der Nation wie auch die Erlebnisse der Menschen sowie die Erinnerung an den Krieg.

Terrorismus und Autokratie

Staatliche Reaktionen auf den Russischen Terrorismus 1870-1890

Tim-Lorenz Wurr

Die Ursprünge des modernen Terrorismus liegen in Russland. In den 1870er und 1880er Jahren wurde das Imperium durch eine Reihe von Anschlägen erschüttert. Im März 1881 gelang es der terroristischen Gruppierung »Narodnaja Volja«, Zar Alexander II. zu ermorden. Die spektakulären Attentate und der Kampf der Sicherheitsbehörden gegen die Terroristen erlangten internationale Aufmerksamkeit.
Tim-Lorenz Wurr untersucht erstmals, wie die russische Autokratie auf die neue Bedrohung des Terrorismus reagierte. Wie erklärte sich die Regierung die Ursachen der politischen Gewalt? Welche Eigenschaften und Fähigkeiten sprach sie den Terroristen zu? Und welche Strategien entwickelte sie zur Bekämpfung des neuen Phänomens? Innenpolitische Kurswechsel, verschärfte Gesetze und eine umfassende Umstrukturierung der Sicherheitsbehörden ermöglichten es der Autokratie – zumindest kurzfristig – die terroristische Bedrohung einzuschränken. Das Phänomen des Terrorismus prägte die Politik des Zarenreiches hingegen bis zum Ende des Imperiums.

Tsushima 1905

Ostasiens Trafalgar

Serie:

Frank Jacob

Die Seeschlacht von Tsushima brachte die Entscheidung im Russisch-Japanischen Krieg von 1904/05. Sie hatte einen prägenden Einfluss auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Dieses Buch schildert nicht nur die Hintergründe und den Verlauf der Schlacht, sondern auch, wie die Ereignisse in Ostasien die Weltgeschichte – den Ersten Weltkrieg, die Russische Revolution, Pearl Harbor – mitbestimmten.
Der Sieg, den der japanische Admiral Togo in der Koreastraße über das russische Geschwader unter Admiral Rožestvenskij errang, stellte die Weichen für das Ende des Russisch-Japanischen Krieges. Japans Aufstieg zur Großmacht im Pazifikraum nahm seinen Anfang. Das bereits marode Zarenreich hingegen glitt in eine Epoche der Unruhen und Revolutionen. Dass die modern ausgerüsteten und effizient geführten japanischen Streitkräfte der Großmacht Russland eine empfindliche Niederlage beibringen konnten, wurde weltweit von der Öffentlichkeit und den Militärs mit Erstaunen wahrgenommen. Konnte es sein, dass kluge Planung, neueste Militärtechnik und schnelle Mobilisierung den sicheren Sieg über einen an Material und Personal überlegenen Gegner bedeuteten?

Gettysburg 1863

Lees gescheiterte Invasion

Serie:

Georg Schild

Die Schlacht von Gettysburg war eine der entscheidenden Konfrontationen im Amerikanischen Bürgerkrieg. Zu keinem Zeitpunkt schien ein Erfolg der Südstaatler im Krieg so greifbar wie am Nachmittag des 3. Juli 1863, als General George Picketts Männer gegen Verteidigungsstellungen der Union anstürmten. Der Angriff wurde jedoch abgewehrt; diese Wende markiert den Moment, an dem kein Zweifel mehr an der Niederlage des Südens bestehen konnte.
Die Bewohner der Nord- und Südstaaten bewerteten den Ausgang der Schlacht höchst unterschiedlich. Für Präsident Lincoln war der Sieg der Union in Gettysburg Ausgangspunkt für eine »Wiedergeburt der Freiheit« in Amerika. Im Süden etablierte sich eine alternative Erinnerung, nach der die Konföderierten heldenhaft für eine gerechte Sache gegen einen übermächtigen Norden gekämpft hätten.
Das Buch beleuchtet strategische Diskussionen im Vorfeld des Feldzuges von Gettysburg, schildert den Verlauf des Kampfes, die Wahrnehmung seitens der Beteiligten und geht der Mythologisierung der Schlacht im amerikanischen Süden nach.

Otto von Bismarck und das "lange 19. Jahrhundert"

Lebendige Vergangenheit im Spiegel der "Friedrichsruher Beiträge" 1996-2016

Ediert von Ulrich Lappenküper

Die seit 1998 erschienenen 47 Hefte der »Friedrichsruher Beiträge« der Otto-von-Bismarck-Stiftung sind hier erstmals in einer kompakten Gesamtausgabe greifbar. Die Jahrhundertgestalt Bismarck wird kritisch im Kontext ihrer Zeit betrachtet.
Wissenschaftlich fundiert und zugleich an eine breite historisch interessierte Leserschaft gerichtet, bilden die Beiträge sieben thematische Schwerpunkte: Wegmarken preußisch-deutscher Geschichte im »langen« 19. Jahrhundert; das internationale Staatensystem und Bismarcks Außenpolitik; Entstehung, Verfasstheit und Entwicklung des deutschen Kaiserreiches; biografische Annäherungen an Bismarck und bedeutende Zeitgenossen; das Erbe der Bismarckschen Politik und seines Regierungsverständnisses; das Bismarckbild in der Öffentlichkeit und der Geschichtsschreibung sowie Selbstreflexionen der Otto-von-Bismarck-Stiftung. Der Band liefert spannende Einblicke in eine wechselvolle Geschichte und spiegelt anschaulich das Wirken der Stiftung.

Die Reichweite des Staates

Wehrpflicht und moderne Staatlichkeit im Osmanischen Reich 1869-1910

Serie:

Elke Hartmann

Die Studie beschäftigt sich am Fallbeispiel der schrittweisen Durchsetzung und Ausweitung der Wehrpflicht im Osmanischen Reich mit den Funktionsweisen des modernen Staates sowie den Bedingungen und Schwierigkeiten seiner Errichtung und Stabilisierung, wie sie uns in der gesamten Region des Mittleren Ostens bis heute beschäftigen.
In ihrer Darstellung der gesetzlichen Regelungen zum Rekrutierungsverfahren und der beteiligten Verwaltungsorgane beschreibt Elke Hartmann die Reform als Professionalisierung und Ausdifferenzierung von Recht, Bürokratie und Fachsprache. Sie zeigt auch, mit welchen Mitteln ein ursprünglich schwacher Zentralstaat die Neuerungen gegen Widerstände durchsetzen konnte. Wichtiges politisches Gestaltungsmittel war dabei eine Fülle von Ausnahmeregelungen, die die sozialen Gegebenheiten und regionalen Besonderheiten widerspiegelten. Der Umgang mit Verweigerern und Deserteuren indessen lässt die harten Bedingungen des Militärdienstes und die oft unzureichende Versorgung der Soldaten erahnen.