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Gewaltsames Wissen

Szenographien der Desubjektivierung

Serie:

Ediert von Adam Czirak and Barbara Gronau

Konstitution sowie Destitution von Subjekten ist auf die strukturbildende Kraft von Szenen angewiesen. Welche inszenatorischen Elemente sind an Bildung und Destabilisierung, ja Auslöschung des Subjekts beteiligt? Welches Wissen wird darin produziert?
In einem interdisziplinären Ansatz konturiert der Band das Verhältnis von Wahrnehmung und Wissen, Politik und szenischer Öffentlichkeit entlang der Schwerpunkte Tribunal, Folter und künstlerischen Verfahren der Selbstverletzung. So wie Tribunale an der Schnittstelle von Rechtsperformanz und Theatralität operieren, ist in der Folter die Verletzung des Subjekts Teil eines Gefüges aus Geheimhaltung, Offenbarung, Mitwisserschaft. Eperimentell erprobte und szenisch aufgeführte Desubjektivierung in künstlerischen Verfahren zeigen kulturelle und gesellschaftliche Restriktionen ebenso wie Vorstellungen über das Subjekt und dessen Grenzen.

Kunstwerk als Handlung

Transformationen von Ausstellung und Teilnahme

Marita Tatari

Das Buch zielt auf den Kern des Paradigmas gegenwärtiger Performanzforschung. Marita Tatari entwickelt eine originelle Position, die sich von jeglicher Überwindungslogik abgrenzt.
Wenn der Übergang vom Drama zu neuen Kunstformen analysiert wird, so geschieht dies zumeist in Begrifflichkeiten, die epistemologisch in Fortschrittsschemata verhaftet sind. Ein Eingriff ins Urmodell des Fortschrittsverständnisses, nämlich Hegels Ästhetik, bildet den Kern des Unterfangens, das Kunstwerk in einem eigenständigen, weder sozialen noch ethischen Sinn als Handlung zu denken, mit den technologischen Bedingungen der Gegenwart zu konfrontieren und aus der Überwindungslogik herauszulösen. Peter Szondis Dramenverständnis, Friedrich Kittlers Austreibung des Geistes, Paul De Mans Dekonstruktion und andere Theorieansätze werden so relativiert und neue Perspektiven auf die Entwicklung von Kunstformen eröffnet.

Habima

Eine hebräische Bühne in der Weimarer Republik

Serie:

Shelly Zer-Zion

Das Buch erforscht die Beziehungsnetzwerke, die die Habima, eine in Moskau gegründete zionistische Theatergruppe, mit der kulturellen und wirtschaftlichen deutsch-jüdischen Elite in Berlin entwickelte.
Die Habima ist vor allem durch ihre heroische Gründungsgeschichte als hebräische Theatergruppe aus Moskau bekannt. 1926 verließ die Habima die sowjetische Hauptstadt, verarmt, kurz vor der Auflösung. Bis 1931 tourte sie in Europa, in Mandatspalästina und in den USA. Berlin wurde vorübergehende Heimstätte der Truppe. Das Buch untersucht, wie sich Mitglieder der deutsch-jüdischen Elite in Berlin – Künstler, Theaterschaffende, zionistische Aktivisten, Intellektuelle, wohlhabende Kaufleute, Industrielle und Bankiers – zu einer Interessengemeinschaft für die Habima zusammenschlossen und die hebräisch-zionistische Theaterkultur gestalteten.

Die Kunst des Kollektiven

Performance zwischen Theater, Politik und Sozio-Ökonomie

Kai van Eikels and Kai van Eikels

Konzepte einer zerstreuten, sich selbst organisierenden Kollektivität geben uns heute die Möglichkeit, unser Zusammenhandeln neu zu bestimmen. Die Kunst des Kollektiven erforscht dies in den Beziehungen zwischen künstlerischer Performance, politischem Handeln und ökonomischem Agieren.
Ein Kollektiv ist weder notwendig eine Gruppe, die der Vielzahl ihrer Mitglieder eine institutionelle Einheit überstülpt, noch bedarf es eines starken emotionalen Bandes. Kai van Eikels verknüpft Erkenntnisse aus Organisationstheorie, politischer Philosophie und Medienwissenschaft miteinander, um Formen kollektiver Praxis zu untersuchen. Die Potenziale und Probleme dieser schwarmartigen Kollektivitäten werden dort analysiert, wo der Begriff
»performance« im 21. Jahrhundert Praxisfelder übereinander treten lässt: an Techniken des Übens in Kunst und Politik, des Improvisierens in Kunst und Wirtschaft sowie des Rühmens und Ehrens in Kunst und social networking.