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Flauberts Salammbô

Der Tod der schönen Antike

Edited by Karin Westerwelle and Alexander Arweiler

1862 erscheint Gustave Flauberts Roman Salammbô. Ort und Handlung sind in ferner Vergangenheit angesiedelt. Karthago ist ein blinder Fleck auf der Landkarte der historischen Überlieferung. Gerade deswegen wählt Flaubert diese Stadt.
Nordafrikanische Landschaften, Stadtansichten der Seerepublik Karthago, pompöser Reichtum und kulturelle Artifizialität in Speisen, Sitten und Kleidung, monumentale Schlachten, grausame Bilder des Krieges und der ausschweifenden Gewalt an Mensch und Tier bilden die Szenen des neuen Romans. »Leute von schlechtem Geschmack« sind nach Flaubert solche, die »verschönern, reinigen und sich illusionieren, die verändern, kratzen und wegnehmen« und gleichwohl meinen, sie seien Klassiker. Die Aufsprengung der normativen Antike-Ansicht bedeutet für Flaubert, Klischees und abgenutzte Phrasen aufzubrechen neue Sprachformen zu erfinden. Er eröffnet damit den Blick auf eine archaische Antike und auf das Phänomen der Gewalt in der Moderne.

Im Gedränge

Figuren der Menge

Edited by Hermann Doetsch and Cornelia Wild

Der Band bestimmt die Arten und Weisen der Repräsentation der Menge in den Paradoxien ihrer Darstellbarkeit und medialen Inszenierungen, die Dispositive der Wahrnehmung, die sprachlichen Ordnungen und Mechanismen ihres Ausschlusses, ihre Epistemologien und Figuren in Literatur und Kunst, Diskursen und Theorien.
Die Modernität der Menge besteht in der Dynamik der Ströme von Körpern, der Vielheit, der multitude, des Schwarms oder des Gewimmels, obwohl die Figur selbst eine Figur des Singulars ist. Die Menge rückt im 19. Jahrhundert ins Zentrum der Aufmerksamkeit, da sich am Problemfeld der Masse auf vielfältige Weise die durch die Tendenzen der Modernisierung und deren Deregulierungen hervorgerufenen Probleme und Aporien exemplarisch verhandeln lassen. Mit Beiträgen von Friedrich Balke, Walburga Hülk, Wolfram Nitsch, Gianluca Solla, Hannah Steurer, u. a.

Chateaubriand

Une identité trinitaire

Series:

Béatrice Didier

Par sa situation historique, par la variété des expériences qu'il a vécues, Chateaubriand dans les Mémoires d'Outre-tombe semble parfois être pris de vertige : comment affirmer qu'il est bien le même ? La défense de la liberté lui semble être une constante de son identité. Mas ce combat suffit-il à gommer ses contradictions ? N'y a-t-il pas des failles dans le portrait qu'il entend donner de lui-même ? Faut-il les camoufler, ou permettent-elles, au contraire, d'explorer la richesse d'un (ou plusieurs) moi virtuel qui sous-tendrait toute son existence et que cet « autre moi » de l’écrivain ne parvient pas non plus à épuiser complètement ?

Baudelaire und Paris

Flüchtige Gegenwart und Phantasmagorie

Karin Westerwelle

Kein anderer Schriftsteller des 19. Jahrhunderts ist Paris so eng verbunden wie Charles Baudelaire. Die Hauptstadt bietet Museen, Kunstausstellungen und Galerien, aus denen sich sein Vergnügen an Bildern und seine Kunstkritik entfalten. Die historische Flüchtigkeit, die »erschreckende Geschwindigkeit« im Wandel des alten Paris, die schon Balzac beklagt, beschleunigt sich unter Napoleon III. Architektonische Neugestaltung, Umbau des Louvre sowie die ersten Weltausstellungen von 1855 und 1867 verwandeln Paris in eine imperiale, mondäne Hauptstadt.
Manets Gemälde Die Musik im Garten der Tuilerien (1862) zeigt Baudelaire als städtischen Typus im schwarzen Anzug und mit Zylinder, nicht als Bohemien. Die urbane Lebenswelt in ihrer kulturellen Vielfalt ermöglicht »das Gespräch, dieses große, dieses einzige Vergnügen eines geistigen Wesens«. Der Dichter, wie ihn Manet malt, hat Anteil an der Öffentlichkeit und ist ihr doch zugleich fremd. Baudelaires Gedichte, die Tableaux parisiens, vergegenwärtigen bedrohliche Szenen des Bewusstseins, die die Ordnung städtischer Topographie überlagern. Der städtische Raum verwandelt sich im Blick des Betrachters in das Unheimliche und Monströse der Phantasmagorie.

Eros - Wunde - Restauration

Stendhal und die Entstehung des Realismus

Anna-Lisa Dieter

1814 kehren die bourbonischen Könige nach Frankreich zurück, »um die letzten Wunden der Revolution zu schließen«. Stendhals literarisches Werk begehrt gegen diese Politik einer unmöglichen Wundheilung auf. Seine Romane untergraben den restaurativen Wunsch nach Vergessen und der Wiederherstellung einer alten politischen Ordnung. Sie halten die revolutionären Wunden offen.
In seinem realistischen Projekt verdichtet Stendhal das politische Scheitern der Restauration und verschiebt es in sexuelle Phantasmen. Weibliches Begehren trifft auf kastrierte Männlichkeit. Anna-Lisa Dieter zeichnet diese Dynamik in Lektüren der beiden Restaurationsromane Armance und Le Rouge et le Noir nach. Realistische Poetik entsteht aus der Abwehr der Restauration. Die Restauration tritt aus dem langen Schatten der Revolution heraus und erweist sich als Schlüsselepoche der französischen Literatur im 19. Jahrhundert.

Zwischen Institution und Individuum

Inszenierung von Adoleszenz in den Filmen von Francois Truffaut und Louis Malle

Verena Richter

Abseits des Blicks der Erwachsenen und auf Augenhöhe des Heranwachsenden – damit sind François Truffaut und im Anschluss Louis Malle wegweisend für ein bis heute zentrales Thema des französischen Autorenkinos: die Adoleszenz.
Anhand der Filme beider Regisseure werden die filmgeschichtliche Entwicklung sowie die zentralen ästhetischen Verfahren dieses bisher kaum beachteten Schlüsselthemas des cinéma d'auteur sinnfällig. So beleuchtet die Arbeit insbesondere die diskursbegründende Rolle von Truffauts Debüt für eine moderne Darstellung Heranwachsender. Zugleich erarbeitet die Autorin eine „Topologie der Adoleszenz“: Räumliche Modellierungen in den Filmen werden hierbei einerseits auf die narrative Tradition des Entwicklungsromans sowie andererseits auf die seit dem 19. Jahrhundert bestehende „Anormalisierung“ dieser Altersphase zurückbezogen.

Series:

Edited by Annemie De Gendt and Alicia Montoya

La pensée sérielle : du Moyen Age aux Lumières se propose d’étudier le phénomène discursif de la série, du Moyen Age à la première modernité. Le volume enrichit nos connaissances sur la façon dont la notion de série – actualisée entre autres sous la forme des sept vices et vertus, des cinq sens, de l’hexaëmeron - a été pensée et mise en forme dans les écrits philosophiques et littéraires et, de manière moins exhaustive, dans la peinture et la musique. Une réflexion méthodologique et théorique introduit le volume, offrant de nouvelles pistes scientifiques.

La pensée sérielle : du Moyen Age aux Lumières, a collection of essays edited by Anne-Marie De Gendt and Alicia C. Montoya, proposes to study the discursive phenomenon of the series, from the Middle Ages to early modernity. The volume sheds light on the way the concept of the series – manifested among others through the seven vices and virtues, the five senses, or the Hexameron – has been thought and formalized in philosophical and literary texts and, to a lesser extent, in music and the visual arts. A methodological and theoretical reflection introduces the volume, offering new scholarly approaches to the phenomenon.

Series:

Edited by Sjef Houppermans, Manet van Montfrans, Annelies Schulte Nordholt, Sabine van Wesemael and Nell de Hullu-van Doeselaar

Ce volume comporte un dossier sur la thématique de l’argent dans A la recherche du temps perdu. Chez Proust, l’argent est beaucoup plus que l’argent, il devient véhicule de passion, de pulsion, d’excès. Loin de se limiter à la dimension sociologique du roman, il joue un rôle à d’autres niveaux : esthétique, imaginaire mais surtout affectif, dans le motif récurrent du don. Dans une série de huit études, le dossier éclaire les diverses facettes de cet imaginaire de l’argent, qui s’infiltre dans les relations humaines ainsi que dans l’art.
Dans la section mélanges, on trouvera des études sur le Paris proustien, sur les objets et les arts décoratifs dans la Recherche et sur l’amitié de Proust avec Robert de Flers.

The greater part of this issue is devoted to the topic of money in the Recherche. In Proust’s work, money is so much more, it is the vehicle of passions, impulses and excess. Apart from its sociological references, money plays a role at other levels of the novel: the aesthetic, the imaginary and above all the affective dimension, with the recurrent motive of gift. With a series of eight studies, the present issue throws a light on this imaginary of money, which infuses human relations and art.
The Miscellanea section includes studies about Proust’s Paris, about art objects and decorative arts in the Recherche and on Proust’s friendship with Robert de Flers.

Affektökonomien

Konzepte und Kodierungen im 18. und 19. Jahrhundert

Edited by Susanne Schlünder and Andrea Stahl

Geld dynamisiert Affekte und Affekte dynamisieren Geld. Es ist sicher nicht zu bestreiten, dass ökonomische Entwicklungen insofern auch Einfluss auf die Entstehung von Affekten haben.
Eine Zusammenführung von Affekt und Ökonomie zum Begriff der Affektökonomie suggeriert jedoch darüber hinaus eine Übertragung ökonomischer Kategorien auf den Bereich des Affektiven. Nicht nur die Frage, welche ökonomischen Theorien für die Beschreibung und Analyse affektiver Zusammenhänge zur Verfügung stehen, sondern auch, welcher Mehrwert dadurch für das Verständnis der Affekte selbst zu gewinnen ist, rückt damit in den Vordergrund. Das vorliegende Buch geht diesen Fragen anhand literarischer Beispiele aus dem 18. und 19. Jahrhundert nach. Mit der sprunghaften Entwicklung ökonomischer Theorien zeigen sich in England, Frankreich und Spanien affektive Resonanzen, die modell- und ausschnitthaft in den Blick genommen werden.

Series:

Edited by Paul Pelckmans

Les Fables de La Fontaine multiplient les échos savamment aménagés. Le présent recueil voudrait souligner qu’elles aménagent aussi toute une intertextualité interne: les douze Livres regroupent des textes qui avaient déjà circulé séparément et dont la mise en série, même si elle ne débouche sur aucune structure globale du recueil, crée quelquefois des irisations assez paradoxales. Les études ici rassemblées cherchent à définir les critères qui permettent de reconnaître ces sériages, que La Fontaine souligne rarement pour laisser à la sagacité du lecteur le plaisir de les repérer. On voudrait montrer aussi que certaines fables très connues prennent, à la faveur de ces voisinages, une couleur fort inattendue.

La Fontaine’s Fables cultivate a sophisticated art of subtle echoes. They also set up occasionally a discreet internal intertextuality: the twelve Books of the definitive edition group texts that had already circulated separately and create somewhere brief series with very surprising iridescences. The author’s of the present essays search to define benchmarks that may allow to recognize this series: La Fontaine mostly preferred not to stress them explicitly, it should be the reader’s pleasure to locate them! The essays show also that some very well-known fables present, when read in combination with their neighbour-texts, a completely unexpected physiognomy.

Avec les contributions de / contributors: Julien Bardot, Patrick Dandrey, Marc Escola, Sjef Houppermans, Yves Lepestipon, Paul.J.Smith, Tiphaine Rolland