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Gallipoli 1915/16

Britanniens bitterste Niederlage

Frank Jacob

Der Name Gallipoli steht bis heute für den vielleicht verheerendsten Misserfolg der britischen Militärgeschichte, zugefügt durch das Osmanische Reich. Bei Gallipoli bewährte sich der junge türkische Befehlshaber Mustafa Kemal so brillant, dass er zum Volkshelden wurde. Sein Weg an die Spitze eines erneuerten türkischen Staates nahm dort seinen Anfang.
Die britischen Planungen für Gallipoli glichen der Büchse der Pandora: Dem Osmanischen Reich sollte die Kontrolle über die strategisch wichtige Meerenge am Bosporus entrissen werden. Ein hoch gestecktes Ziel und die Selbstüberschätzung des Empire spielten einander in die Hände. Einmal in Gang gesetzt, ergaben sich immer neue Debakel aus der schlechten Vorbereitung der Operation; die Einheiten des Empires hatten dafür mit hohem Blutzoll zu büßen. Der Name Gallipoli warnt bis heute vor leichtfertigen Planungen durch nachlässige und arrogante Befehlshaber. Neben der Schilderung von Vorgeschichte und des opferreichen Schlachtverlaufs zeigt dieses Buch auch, wie die Kriegsparteien sich bis heute jeweils an Gallipoli erinnern.

Ars Mercatoria

Eine analytische Bibliographie. Band 4: 1700 - 1760

Ediert von Jochen Hoock, Pierre Jeannin and Wolfgang Kaiser

Sedan 1870

Ein unheilvoller Sieg

Gerd Fesser

Vor 150 Jahren, am 1. September 1870, fand bei Sedan die entscheidende Schlacht des Deutsch-Französischen Krieges statt. Mit ihr endete ein Feldzug, der als der letzte „klassisch“ im napoleonischen Stil geführte Feldzug gilt. Gleichzeitig steht Sedan auch für die Geburtsstunde preußisch-deutscher Überheblichkeit gegenüber dem „Erbfeind“. 1914 sollte sich dies bitter rächen.
Gerd Fesser stellt die Schlacht dar und ordnet sie kenntnisreich in die Geschichte des Kriegs von 1870/71 und der deutsch-französischen Beziehungen ein. Er stellt die Armeen beider Seiten vor, schildert den Fortgang des Krieges, die Operationen, aber auch den Kampf der französischen Freischärler im Hinterland. Die Ursachen des deutschen Sieges und die Rolle Bismarcks werden ebenfalls beleuchtet.

Monika Neugebauer-Wölk

„Kosmologische Religiosität“ nennt Monika Neugebauer-Wölk ein Muster der Religionsgeschichte, das sich auf Räume und Wesen des Kosmos konzentriert und Beziehungen herstellt zur irdischen Existenz und zu den Seelen der Menschen. In ihrer großen Studie richtet die Autorin den Blick auf Magie, Astrologie, Hexenglauben und gelehrte Antikenrezeption im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit.
Neugebauer-Wölk untersucht Modelle des kultischen Kontakts zwischen Menschen, Göttern und Dämonen oder fragt nach dem Einfluß von Platonismus und Hermetik auf die Vorstellungen vom Schicksal der Seelen. Diese und andere Tendenzen Kosmologischer Religiosität nach 1400 werden von Ihren Gegnern als Dechristianisierung wahrgenommen und führen zu offenen Kämpfen zwischen säkularem Milieu und Klerus. Es werden aber auch überraschende Querverbindungen sichtbar, besonders an den zahlreichen Konzilien dieser Zeit zwischen Schisma und dem Wunsch nach Einheit des Glaubens. Als Essenz ihrer langjährigen Forschungsarbeit entfaltet die Autorin souverän das Panorama der Wechselwirkung zwischen Nigromantenszene, Gelehrtendiskurs und kirchenpolitischer Debatte an einer religionsgeschichtlichen Wegscheide.

Das vergessene Generalgouvernement

Die Deutsche Besatzungspolitik in Kongresspolen 1914-1918

Arkadiusz Stempin

Das deutsche Kaiserreich entriss im Ersten Weltkrieg die zentralpolnischen Gebiete mit Warschau dem Zarenreich und bereitete der hundertjährigen russischen Herrschaft in Polen das Ende. Der Vertreter des Kaisers in Warschau, Generalgouverneur Hans Hartwig von Beseler, ließ sich auf ein gewagtes Spiel ein: Er wollte die katholischen Polen als Verbündete im Kampf gegen das orthodoxe und »barbarische« Russland gewinnen.
Eingezwängt zwischen den »Falken« in Berlin und ungestümen polnischen nationalistischen Gruppierungen plante von Besler einen polnischen Staat nach deutschem Muster zu errichten und zum Juniorpartner des Kaiserreichs zu erheben. Seine Besatzungspolitik war folglich durch zahlreiche Konzessionen gegenüber der katholischen Kirche gekennzeichnet. An demselben pro-polnischen Prinzip orientierte sich auch seine Judenpolitik und die Vorgehensweise gegenüber der lutherischen deutschen Minderheit.

Miliz oder Söldner?

Wehrpflicht und Solddienst in Stadt, Republik und Fürstenstaat 13.–18. Jahrhundert

Serie:

Ediert von Philippe Rogger and Regula Schmid Keeling

Es gibt nichts Widersprüchlicheres als das Bürger- und das Soldatenleben! Dem Praxistest hält dieses Diktum Machiavellis nicht stand. Vielmehr handelt es sich bei Söldnern und Milizen um komplementäre Kriegertypen.
Die Gegenüberstellung vom professionellen, aber treulosen Söldner auf der einen, loyalen, aber ineffizienten Milizen auf der anderen Seite hat das Denken über die Art und Bedeutung der im Kampf eingesetzten Truppen für Jahrhunderte geprägt. Doch welche Bindungen lagen dem Verhältnis der Auftraggeber zu ihren Kriegern überhaupt zugrunde – und welche Analogien und Verflechtungen bestanden zwischen diesen unterschiedlichen Kriegertypen? Die dreizehn Beiträge des vorliegenden Bandes untersuchen die Schnittstellen von Miliz und Söldnertum in einem Verfassungsstrukturen, Regionen und Epochen übergreifenden Vergleich. Sie konfrontieren unterschiedliche Forschungstraditionen und durchbrechen bewusst die grossen Entwicklungsnarrative zugunsten einer phänomenologisch orientierten, strukturellen Betrachtungsweise. Söldner und Milizen erweisen sich dabei als relative und relationale Kategorien.

Ediert von Nedim Zahirović

Die bisher in der Forschung kaum beachteten Erlässe der osmanischen Zentralregierung aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, die die osmanisch-venezianischen diplomatischen Angelegenheiten betreffen, werden im Buch vorgestellt.
Das Manuskript B.or.137 aus der Handschriftensammlung der Universitätsbibliothek Leipzig beinhaltet 136 Befehle, die fast alle die osmanische Zentralregierung auf die Petitionen und Interventionen des venezianischen Botschafters in Istanbul erließen und dann an die Würdenträger in den Provinzen schickte. Geographisch betrachtet beziehen sie sich auf ein weites Territorium im Mittelmeerraum, das sich von Ägypten im Süden bis Dalmatien im Norden, von Tunesien im Westen bis Syrien im Osten erstreckt.

Bismarck und Frankreich 1815 bis 1898

Chancen zur Bildung einer "ganz unwiderstehlichen Macht"?

Serie:

Ulrich Lappenküper

Als „sehr französisch“ würdigte der französische Diplomat Montebello 1859 seinen preußischen Kollegen Otto von Bismarck. Drei Jahrzehnte später ließ sich der so Gerühmte zu der Prognose hinreißen, dass Deutschland „mit Frankreich […] nie Frieden haben“ werde. Wieso hatte sich das Verhältnis der Nachbarn am Rhein so verschlechtert? Und welche Verantwortung trug Bismarck daran?
Die fundamentale Bedeutung des (preußisch-)deutsch-französischen Verhältnisses für das europäische Staatensystem des 19. Jahrhunderts ist von der Geschichtswissenschaft intensiv untersucht worden. Allenfalls in Umrissen ist hingegen die Rolle bekannt, die Bismarck bei der Ausgestaltung dieser Beziehungen gespielt hat. Um diese Lücke zu schließen, zielt die Studie in multiarchivalischer Perspektive darauf ab, die Entwicklung des bilateralen Verhältnisses in der Biographie einer seiner Schlüsselgestalten zu spiegeln.

Science embattled

Eastern European Intellectuals and the Great War

Maciej Górny

Górny’s study deals with WWI political engagement of science with an eye on Eastern Europe between 1912 (the First Balkan War) and 1923. The writings of intellectuals from this region that subscribed to the tradition of ‘national characterology’ skillfully integrated the most modern science of the time: physical anthropology, psychiatry and anthropogeography. Consequently, neither in the intellectual standing of the authors, nor in the discursive strategies they used did the intellectuals’ war in the East fundamentally deviate from its counterpart on the Western front. Yet, their liaison with politics proved to be even longer, harsher and more fateful than in the West.
“By bringing the European East (East Central Europe South-Eastern Europe, Russia) into the historiographical debate over the ‘the war of the spirits’ the study does in fact more than just broaden the geographical scope of current research. It substantially deepens our understanding of the European dimensions of the phenomenon in general – e.g. the interplay between transnational academic communication and the ‘nationalization’ of science, the transfers of academic paradigms and of people, the background and nature of cross-national scholarly disputes. At the same time, the comparative analysis allows us to understand East Central European and South-East European peculiarities. Here, the involvement of science in the processes of competitive nation- and state-building implied that ‘the war of the spirits’ started much earlier than 1914, and certainly did not end in 1918. Not least should I mention that this is a very well written book!” – Prof. Dr. Michael G. Müller

Antike Universalgeschichte und Säkularisierung im Melanchthonkreis

Georg Majors Edition des Justinus (1526/37) und die Chronica Carionis (1532)

Carsten Nahrendorf

This article argues that the literary reception of Classical historians through Philipp Melanchthon and his students made a decisive contribution to the pluralization and secularization of early Lutheran scholarly culture. It focuses on Georg Major’s hitherto unexplored edition of Justin’s Epitoma, which was printed in Hagenau in 1526, with a second, extended edition appearing in Magdeburg in 1537. Major’s first edition of 1526 is here scrutinized in the broader context of the emergence of Protestant universal history and the forming of Melanchthon’s understanding of the Four Kingdoms of Daniel, which is traditionally seen by scholars as the starting point of the distinction between secular and sacred history. The second edition (1537) includes a general instruction for the study of histories. Based as it is on Cicero’s historical-methodological principles of consilia, acta, and eventus, laid out in De Oratore, this handbook for Protestant Latin-school pupils is rooted in the historical thought of Italian humanists.