Nach Titel durchsuchen

Rationis Imago

Descartes' Dichten, Träumen, Denken

Jakob Moser

Zum Abschluss seines Studiums entwirft Descartes ein Thesenblatt. Darin dichtet er eine Allegorie seines Bildungsweges, die unser Bild vom Begründer des modernen Rationalismus irritiert.
Für den klassischen Descartes gilt allein das rationale Denken als unbezweifelbare Quelle aller Wissenschaft. Dahingegen schöpfte er in seinem frühsten Text, der Widmung seines Thesenblatts von 1616, aus den Quellen der Musen, der antiken Poesie und Mythologie. Wenige Jahre später erblickte er in seinen Träumen eine Anthologie römischer Dichter und deutet sie als Verheißung seiner künftigen Philosophie. Die intuitive Einbildungskraft der Dichter überflügelt das deduktive Denken der Philosophen. Ausgehend vom Thesenblatt zeichnet Moser ein ungewöhnliches Portrait des jungen Descartes, um es schlaglichtartig mit seinen späteren Werken zu kontrastieren. Die nackte Vernunft erscheint dabei immer wieder neu im Kleid der Imagination.

Serie:

Ansgar Lorenz and Heiner F. Klemme

Im Jahre 1781 ruft der Philosoph Immanuel Kant (1724–1804) das »Zeitalter der Kritik« aus. Alles muss sich der »freien und öffentlichen Prüfung« durch die Vernunft unterwerfen: die Religion, die Gesetzgebung, in erster Linie aber die reine Vernunft selbst. In ihrem ungezügelten Verlangen nach Erkenntnis verstrickt sie sich in endlose Streitigkeiten mit sich selbst. Kein Wunder also, dass die alte Metaphysik ein Kampfplatz ist, auf dem ein »rüstiger Ritter« den »Siegeskranz« davonträgt, solange er keinen neuen Angriff des Gegners aushalten muss. Abhilfe schafft die Kritik, ein Gerichtshof, den die reine Vernunft einsetzt, um über ihre berechtigten und unberechtigten Ansprüche zu entscheiden. Die Kritik stiftet Frieden im Reich des Denkens. Wir erkennen die Bedingungen, unter denen Metaphysik, Mathematik und Naturwissenschaft als Wissenschaften möglich sind.
Der Comic bietet anschaulich und leicht verständlich Einblicke in Kants Leben sowie den historischen und intellektuellen Kontexten seines Wirkens. Wir schauen dem »Fürsten der deutschen Denker« (K. von Knoblauch) beim Philosophieren über Gut und Böse, Freiheit und Natur, Politik und Recht, das Schöne und Erhabene, die Entstehung des Universums und vieles andere mehr über die Schulter. Und natürlich kommen auch seine Anhänger und Kritiker zu Wort.

Ereignis Weimar-Jena

Kultur um 1800

Serie:

Ediert von Olaf Breidbach, Klaus Manger and Georg Schmidt

Der Band dokumentiert die Arbeit eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft über 12 Jahre geförderten Großunternehmens, das sich dem zentralen Ereignis der Deutschen Kultur, der Periode um 1800 in Weimar/Jena widmete.
Unter dem Begriff "Ereignis" erfassen die Beiträge dieses Buchs einen zeitlich und räumlich lokalisierbaren Wirk- und Handlungsraum. Hier kulminierte die Aufklärung, weil bestehendes Gedankengut neu gedacht und experimentell in die soziale und wissenschaftliche Praxis überführt wurde. Jena, die »Stapelstadt des Wissens« machte dabei aus Wissen Kapital.

Montaignes exemplarische Ethik

Auf dem Weg zur Konzeption des souveränen Individuums

Charlotte Bretschneider

Diderots Erzählungen

Die Charaktergeschichte als Medium der Aufklärung

Serie:

Konstanze Baron

In den letzten Jahren seines Lebens hat der französische Aufklärer Denis Diderot eine Reihe von Erzählungen vorgelegt, die als "Summe" seines moralphilosophischen Denkens gelten können. Hier werden sie erstmals im Zusammenhang dargestellt und interpretiert.
Mit Diderot erreicht die aufklärerische Erzählkunst einen Höhepunkt; ging es bisher vor allem darum, philosophische Inhalte auf unterhaltsame Weise zu vermitteln, finden nun die ästhetischen Bedingungen und Kategorien des Erzählens selber Eingang in die moraltheoretische Überlegung. Wie die vorliegende Studie zeigt, ist dabei die Kategorie des Charakters von entscheidender Bedeutung: neben dem philosophischen Roman und der moralischen Erzählung etabliert sich die Charakternovelle als neue Form.

Die Erschaffung des heidnischen Götterhimmels durch Boccaccio

Die Quellen der Genealogia Deorum Gentilium in Neapel

Serie:

Peter Schwertsik, Peter Schwertsik and Peter Roland Schwertsik

Anlässlich des 700. Geburtstags von Giovanni Boccaccio beschäftigt sich Peter Roland Schwertsik mit dessen Abstammungssagen der antiken Götter. Dabei entdeckt er, dass Boccaccios rätselhafte Hauptquelle Theodontius auch die Basis eines Manuskripts seines Freunds Zanobi da Strada bildet.
In seiner Studie zu Boccaccios Genealogia Deorum Gentilium untersucht Schwertsik die zeitgenössischen Quellen dieses Hauptwerks des italienischen Nationaldichters. Darunter befindet sich auch der mysteriöse Theodontius, dessen historische Existenz sehr umstritten ist. Schwertsik identifiziert eine Handschrift als in enger Verbindung mit Theodontius stehend, ediert sie in ihren wesentlichen Teilen und verortet sie in der Überlieferungsgeschichte.

Italien in Europa

Die Zirkulation der Ideen im Zeitalter der Aufklärung

Serie:

Ediert von Thomas Kroll and Frank Jung

Italien war das Experimentierfeld für aufklärerische Ideen im Europa des 18. Jahrhunderts. Die Rezeption italienischer Ideen, Reformen und Revolutionen hat in der Vorstellungswelt der europäischen Aufklärer tiefe Spuren hinterlassen.
Während die Korsische Revolution die Frage aufwarf, ob Widerstand gegen eine tyrannische Herrschaft zulässig sei, raten radikale Aufklärer wie Giannone, aber ebenso Pilati, für eine strikte Trennung von Staat und Kirche ein. Beccaria forderte erstmals die Abschaffung der Todesstrafe, und infolge der unter Großherzog Peter Leopold durchgeführten Reformen galt die Toskana als »Modelstaat«.
Mit Beiträgen von Jean Boutier, Christof Dipper, Jonathan I. Israel, Frank Jung, Thomas Kroll, Serena Luzzi, Renato Pasta, Giuseppe Ricuperati, Wolfgang Rother, Antonio Trampus, Marcello Verga.

Zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit

Visualität in Wissenschaft, Literatur und Kunst um 1800

Serie:

Ediert von Jürgen Kaufmann, Dirk Uhlmann and Martin Kirves

Was bedeutet Sichtbarkeit, betrachtet in ihrer je spezifischen Beziehung zu ihrem Gegenteil, der Unsichtbarkeit? Der vorliegende Band nimmt in neun Beiträgen diese verwickelte Relation auf dem Gebiet der drei maßgeblichen Diskurse – Wissenschaft, Literatur und Kunst – um 1800 in den Blick.
Um 1800 werden die später grundlegenden und wirkmächtigen Ausarbeitungen des Gegensatzes von Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit konzipiert, theoretisch ausformuliert oder praktisch umgesetzt. Die Einzeluntersuchungen nehmen ihren Ausgangspunkt von zwei logisch-fundamentalen Grundkonstellationen des Gegensatzpaars »sichtbar/unsichtbar«: Die eine fasst das Verhältnis als komplementär-inklusiv auf, die andere spitzt es auf einen kontradiktorisch-exklusiven Gegensatz zu.

Methoden der Aufklärung

Ordnungen der Wissensvermittlung und Erkenntnisgenerierung im langen 18. Jahrhundert

Serie:

Ediert von Silke Förschler and Nina Hahne

Der Band geht anhand von Fallbeispielen und Einzelanalysen der Frage nach, auf welche Art und Weise Wissen im langen 18. Jahrhundert erzeugt und vermittelt wurde.
Dem Weg der Erkenntnisfindung wird im 18. Jahrhundert häufig ein beinahe größerer Wert zugesprochen als den gewonnenen Erkenntnissen selbst, und auch den Vermittlungsweisen spezifischer Inhalte in Lehrbüchern und Überblickswerken kommt dabei eine eigene Rolle und Bedeutungsebene zu.