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Kritik des Wachstumsmodells

Die Grenzen alttestamentlicher Redaktionsgeschichte im Lichte empirischer Evidenz

Serie:

Benjamin Ziemer

Mit seiner bahnbrechenden preisgekrönten Kritik des Wachstumsmodells plädiert Benjamin Ziemer für einen Paradigmenwechsel in der alttestamentlichen Literaturgeschichte. Er untersucht in detaillierten Einzelstudien einen repräsentativen Katalog empirischer Beispiele für Redaktion, vom Gilgamesch-Epos über das ägyptische Totenbuch bis hin zu biblischen Büchern (Chronik, Jeremia, Daniel, Esther) und Qumranschriften (Tempelrolle, Sektenregel). Er zeigt, dass die durch Textvergleich nachweisbaren Redaktoren ihre Vorlagen nie nur durch Neues erweitert, sondern immer auch zugleich Formulierungen angepasst oder vervielfältigt, heterogenes Material eingearbeitet oder eine kürzende Auswahl getroffen haben. Bislang dominieren im kontinentaleuropäischen Forschungskontext Fortschreibungs- und Ergänzungshypothesen, nach denen man ein beliebiges Textelement nur der richtigen Entstehungsschicht zuweisen müsse, um seinen ursprünglichen literarischen Kontext wiederherstellen zu können. Dieses Modell stufenweisen »literarischen Wachstums« ist, so Ziemer, wissenschaftlich nicht mehr haltbar.
With his groundbreaking award-winnig study Kritik des Wachstumsmodells, Benjamin Ziemer is arguing for a change of paradigm in Old Testament literary criticism. He examines a representative list of empirical examples of editorial processes, including the Gilgamesh Epic, the Book of the Dead, books of the Bible and Dead Sea Scrolls. He shows that redactors who can be identified by external evidence never confined themselves to adding new material. Rather, they simultaneously adjusted or duplicated parts of the text, incorporated material from elsewhere or shortened their source texts. Until now, the bulk of redaction critical studies in Europe adhere to the presupposition of textual or literary »growth« – assuming that multiple previous layers are to be found intact in the final texts. With Ziemer’s study, this model of growth is no longer tenable.

Erzählte Bewegung

Narrationsstrategien und Funktionsweisen lateinischer Pilgertexte (4.-15. Jahrhundert)

Serie:

Susanna Fischer

In Erzählte Bewegung. Narrationsstrategien und Funktionsweisen lateinischer Pilgertexte (4.-15. Jahrhundert), Susanna Fischer analyzes the function and structure of the genre of pilgrimage narratives from a literary point of view.
The first part of the book is devoted to theoretical reflections and a systematic analysis of characteristic elements of pilgrimage narratives. Interpreting the texts from a narrative perspective, she focuses not only on formal characteristics but also on narrative structures and thus takes a closer look at the poetics of pilgrimage narratives. Through the detailed analysis of fourteen Latin texts about pilgrimage to the Holy Land from the 4th to the 15th century, she illustrates the development of a literary tradition with specific structural, stylistic and narrative characteristics.

Das Neue Testament

Evangelien und Apostelgeschichte. Labiau 1580

Serie:

Ediert von Jochen Dieter Range

Mit dem Erscheinen der kritischen Textedition der Evangelien und der Apostelgeschichte der ersten litauischen Bibelübersetzung (1580/1590) von Johannes Bretke (lit. Jonas Bretkunas) liegt dieser Teil der Bibel erstmals in allen drei Reihen der umfassenden Bretke-Edition vor: Faksimile-Band, Texteditions-Band, Kommentar-Band.
Für die philologische und theologische Forschung ist es ein Glücksfall, dass die Bretke-Bibel bis in unsere Tage nicht gedruckt wurde, so blieb uns das wertvolle Manuskript mit seinen zahlreichen grammatischen, lexikalischen und stilistischen Varianten über Jahrhunderte erhalten. Der Editionsband zeigt nun die teilweise sehr komplizierte Textentwicklung detailliert und fortlaufend kommentierend bis zur Fassung letzter Hand auf, wobei das Ringen des Übersetzers um die Schaffung einer adäquaten litauischen Bibelsprache deutlich wird. Die Handschrift stellt nicht nur eine mächtige Basis für die historische Sprachforschung dar, sondern ist zugleich ein beeindruckender Beitrag zur Geistesgeschichte des Herzogtums Preußen im 16. Jahrhundert.

Serie:

J. Cornelis de Vos

J. Cornelis de Vos examines the impact and reception of the Decalogue up to 200 CE, scrutinizing the versions of the Decalogue, and the history of the Decalogue in ancient Jewish writings, the New Testament, and early Christian writings. Almost all texts show an interconnection of identity and normativity: the Decalogue functions as an expression of fundamental moral concepts of socio-religious groups. At the same time, these groups enhance the Decalogue with normativity—sometimes even expanding on it—to make it a text that generates their own identity.
This is the first study that presents an in-depth and continuous analysis of the early history of the Decalogue.

Der Wirkung und Rezeption des Dekalogs bis 200 n.Chr. widmet sich J. Cornelis de Vos in dieser Studie. Dafür erforscht er zunächst die alten Textzeugen der beiden Dekalogfassungen, um anschließend zu fragen, wie die Zehn Gebote bei antik-jüdischen Autoren, im Neuen Testament sowie in frühchristlichen Schriften aufgenommen wurden. Es zeigt sich eine Verbindung von Normativität und Identität: Der Dekalog gilt zumeist als Ausdruck der moralischen Grundauffassungen sozioreligiöser Gruppen; er wird gleichzeitig von diesen Gruppen mit Normativität aufgeladen – manchmal sogar erweitert – gerade um als Identität stiftend für die eigene Gruppe zu gelten.
Dies ist die erste Studie, die eine detaillierte und durchgehende Geschichte des Dekalogs in der Antike beschreibt.

Erzählte Welten im Richterbuch

Narratologische Aspekte eines polyfonen Diskurses

Serie:

Susanne Gillmayr-Bucher

Das Richterbuch präsentiert einen Rückblick in die Geschichte des Volkes Israel, der eine große Vergangenheit (re)konstruiert und zugleich einen äußerst kritischen Blick auf diese Zeit wirft.
Die vorliegende Studie zeigt, wie die Erzählzyklen des Richterbuchs das zentrale Thema, die Suche nach einer verbindlichen und lebensförderlichen Ordnung, aus verschiedenen Blickwinkeln darstellen und reflektieren. Die unterschiedlichen Perspektiven treten dabei miteinander in einen kontroversen Dialog, der keine eindeutige oder einseitige Einordnung dieser Epoche erlaubt. Eine detaillierte narratologische Analyse der erzählten Welten der Texte und ihrer Figuren zeigt, dass die Komposition und Zusammenstellung der einzelnen Erzählungen zwar Systematisierungen der Epoche andeuten, diese jedoch stets wieder dekonstruieren. So bleibt das Richterbuch ein Rückblick zwischen Bewunderung und Befremden.

The Book of Judges presents a (re)construction of Israel’s history that recalls a splendid past but simultaneously offers a very critical view. This study focuses on the narrated worlds of the stories and the way they contribute to the central theme: the search for obligatory and beneficial guidelines for the people. A detailed narratological analysis of the narrated worlds shows how the different perspectives presented in the texts engage in a controversial dialogue. Although the composition of the stories indicates a systematisation, these attempts are repeatedly deconstructed. Thus the Book of Judges eludes any one-sided interpretation and remains a retrospection between admiration and disconcertment.

Gottes Herrlichkeit

Bedeutung und Verwendung des Begriffs kābôd im Alten Testament

Serie:

Thomas Wagner

Die Untersuchung des Begriffs kābôd JHWH im Alten Testament weist drei Profile einer biblischen kābôd-Theologie auf. Während die altorientalischen Quellen die Wurzel kbd / kbt jeweils mit der Bedeutung 'Schwere' oder 'ehren' verwenden, entwickelten es die biblischen Autoren in einem längerem Traditionsprozess zu einem Aspekt göttlicher Gegenwart fort. Die Studie zeigt, dass die Priesterschrift, das Buch Jesaja und das Buch Ezechiel unterschiedliche Motive aus unterschiedlichen Quellen, biblischen und nicht-biblischen aufnahmen und auf diese Weise drei literarische Profile des göttlichen kābôd. Die Untersuchung späterer Pentateuch- und Jesajatexte weist auf Wechselwirkungen hin, während die Vorstellungen des Ezechielbuches nicht weiter aufgenommen wurden.

The investigation focusses on the meaning and function of the term kābôd JHWH in the Hebrew Bible and presents three profiles of kābôd-Theology. While Ancient Near Eastern sources contain the root kbd / kbt always with the meaning 'heaviness' or 'to hounour', in biblical texts the authors developed the term towards an aspect representing his presence. The study shows that the Priestly sources of the Pentateuch, the Book of Isaiah and the Book of Ezekiel contain different images deriving from various sources - bilibcal and non-biblical - forming three literary profiles of the divine kābôd. The investigation of later Pentateuchal and Isaian texts shows that these texts interact while the profile of the Ezekialian tradition was not incorprated anymore.

Gnosis und Judentum

Alttestamentliche und jüdische Motive in der gnostischen Literatur und das Ursprungsproblem der Gnosis

Serie:

Jaan Lahe

This book addresses different theories related to the origin of Gnosticism. The author comes to the conclusion that, if we set aside the Christian substance, in Gnostic literature – besides Platonist philosophy – the most numerous influences come from Judaism. As they have, partially, reached Gnostic literature independent from Christianity, it could validate the theory according to which we should be searching for the origin of Gnosticism in certain Judaist circles. The author analyses the use of lore from the Old Testament and Judaism in Gnostic literature. Even though this does not prove that Gnosticism has evolved from Judaism, it still shows how extensively the Judaist world of thought influenced Gnosticism and how it gives us a reason to ask whether we should consider more thoroughly the theory according to which we should be searching for the founders of Gnostic lore within certain Judaist circles of antiquity.

Über den Ursprung der antiken Gnosis gibt es verschiedene Theorien, aber noch heute herrscht in dieser Frage in der Forschung kein Konsens. Der Autor dieses Buches betrachtet unterschiedliche Ursprungstheorien der Gnosis und kommt zu dem Ergebnis, dass (abgesehen vom christlichen Stoff) neben den Einflüssen des Mittelplatonismus der alttestamentliche und jüdische Stoff in der gnostischen Literatur die wichtigste Rolle spielt. Da der jüdische Stoff teilweise durch die Vermittlung des Christentums in die Gnosis gekommen ist, könnte das die alte Hypothese unterstützen, dass die Gnosis innerhalb des Christentums entstanden sei. Doch gibt es eine Vielzahl gnostischer Texte, die vom Christentum nicht beeinflusst sind, in denen aber der alttestamentliche und jüdische Stoff eine sehr wichtige Rolle spielt. Diese Tatsache könnte nun die zweite alte Theorie unterstützen, nach der die Wurzeln der Gnosis im antiken Judentum liegen. Der Autor der vorliegenden Arbeit analysiert den Gebrauch der alttestamentlichen und jüdischen Überlieferungen und Motive in der gnostischen Literatur und kommt zu dem Ergebnis, dass es nicht letztgültig bewiesen ist, dass die Gnosis aus dem Judentum heraus entstand. Doch zeigt die Untersuchung, wie große Bedeutung die alttestamentlichen und jüdischen Motive in der Gnosis gehabt haben. Dies gibt Anlass zu fragen, ob wir dennoch die Theorie ernsthaft zu erwägen haben, nach der der Ursprung der Gnosis in Kreisen des antiken Judentums zu suchen sei.

Serie:

Peter Landesmann

Es wurde nachgewiesen, das theologische Schriften, die in der Zeit der Entstehung der besprochenen Werke entstanden sind, die Ikonographie beeinflusst haben. Ein ähnlicher Einfluss hat auch in den historischen Geschehnissen der entsprechenden Zeit Spuren hinterlassen. Die christlich-jüdische Disputation, die Verfolgung des Talmuds, der Puritanismus, das Tridentinum, die Überlegungen über das Verhältnis zwischen Jesus und seiner Kirche, die wachsende Bedeutung der Teilnahme an der Sonntagsmesse und andere historische und geistesgeschichtliche Phänomene wurden aufgezeigt, die für die Darstellung von Bedeutung sind. Sogar für kleine Details, wie z.B. das Anlehnen von Jesus an einer Säule, wurden für diese Art der Darstellung Beweise gefunden.


It has been proved that theological essays written in the time of the creation of those images influenced the iconography. The same influence has been traced in historic events of the relevant time. The Christian/Jewish disputations, the persecution of the Talmud, the Puritanism, the Tridentinum, the reflection on the relationship between Jesus and his church, the increasing importance of the attendance of the Sunday mass and many other historical and spiritual sources have been shown as relevant for the concepts of these works of art. Even for small details, as for instance the leaning Jesus at a column, a historic-theological source could be detected.

Maria Eschbach

Ein Wort entgegenzunehmen ist mehr als Hören. Die Aufmerksamkeit der ganzen Person ist gefordert, Zuwendung zu dem, der das Wort spricht. Das Wort will nämlich nicht Schall und Rauch sein, sondern wartet auf Antwort. Die Begegnung Marias mit dem Engel ist die Ur-Szene christlichen Glaubens: Entgegennahme des Wortes Gottes, das auf die Antwort wartet: So soll es geschehen.
Das Lebenswerk von Maria Eschbach kreist um das Wort. Ihre Texte und Gedichte wollen nichts anderes sein als Antwort auf das Wort, das vom Vater kommt und in Maria Fleisch wurde, das aber auch in jedem Christenleben Gestalt werden will. Der vorliegende Band der fast erblindeten Dichterin gibt Zeugnis von der großen Tiefe der Schau und der Kraft zur Bereitschaft, das Wort entgegenzunehmen und es weiterzuschenken. So kann es seine heilende Kraft entfalten und in der großen Überflut leerer Worte zum Navigator werden, das den richtigen Weg weist und zum Ziel führt.

Jakub Wujek, Biblia Swieta 1599

Bücher des Alten und des Neuen Testaments. Faksimile-Band und Kommentarband

Serie:

Ediert von Hans Rothe and Irena Kwilecka

Die von dem Priester Jakub Wujek im 16. Jahrhundert angefertigte altpolnische Bibelübersetzung gehört dem goldenen Zeitalter“ der polnischen Literatur an. Sie ist ein höchst originelles Vorhaben künstlerischer Prosa der polnischen Renaissance. Diesem Werk hat Wujek – der „polnische Hieronymus“ – die meiste Zeit seines nicht sehr langen Lebens (1541–1597) gewidmet.
Neben seinen literarischen Werten zeichnet sich das Werk durch seine große theologische Gelehrtheit und die Vertrautheit mit der damaligen Bibelexegese aus. Es ist nicht nur ein Denkmal des polnischen theologischen Denkens, sondern auch ein literarisches Werk von hohem Rang, mit dem ganze Generationen von Polen erzogen worden sind. Diese Übersetzung – vielmals neu aufgelegt, modernisiert und verbessert – erfüllte die Rolle einer katholischen Grundübersetzung und wurde von der katholischen Kirche in Polen 367 Jahre lang benutzt.