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Boccaccio deutsch

Die Dekameron-Rezeption in der deutschen Literatur (15. – 17. Jahrhundert)

Serie:

Luisa Rubini Messerli

Auf der Basis einer neuen Sichtung der italienischen, lateinischen und deutschsprachigen Überlieferung in Handschrift und Druck hat diese Studie zum Ziel, die Frühphase der Boccaccio-Rezeption im deutschsprachigen Raum neu zu schreiben. Zwei Phasen zeichnen sich ab: Einer ersten, humanistischen, die in den 1460er Jahren einsetzt und über lateinische Zwischenstufen verläuft, folgt eine zweite, populäre, in der die Novellen in der Mehrheit aus Kompilationen gezogen sind. Die Publikation des um 1476/77 ins Deutsche übertragenen Dekameron situiert sich dazwischen. Ältere und neuere Fragestellungen um die Diffusion der Novellen und den Kulturtransfer zwischen Italien und Deutschland, um Figuren wie Niklas von Wyle, Arigo, Albrecht von Eyb und seine Paveser Universitätskommilitonen sowie Georg Wickram werden hier aufgegriffen und neu beantwortet. Die Analyse der Novellen, die vereinzelt gedruckt wurden, dabei bleibt die in der Forschung am meisten untersuchte “Griseldis” im Hintergrund, während sich “Guiscard und Sigismunde” als der rote Faden durch mehrere Kapitel zieht – schließt mit der anonymen Übersetzung der “Francisca”-Novelle ( Dekameron IX,1), einem Neufund, ab. Band zwei bietet, neben einem umfassenden Katalog der handschriftlichen und gedruckten Novellen, ihre philologisch-kritische Textedition neben einer Neuausgabe von Wyles Übertragung von Dekameron IV,1 sowie der “Cymon”-Novelle von Johann Haselberg (1516).

Deutsch-afrikanische Diskurse in Geschichte und Gegenwart

Literatur- und kulturwissenschaftliche Perspektiven

Serie:

Ediert von Michael Hofmann and Rita Morrien

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beginnt Deutschland, seinen ‘Platz an der Sonne’ zu erobern. Während die deutsche Kolonialgeschichte in Afrika jedoch ein vergleichsweise kurzes Intermezzo bleibt, das nach dem Ersten Weltkrieg mit den Versailler Verträgen seinen unrühmlichen politischen Abschluss findet, floriert der Afrika-Diskurs auf literarischer und kultureller Ebene bis in die Gegenwart hinein und läuft anderen Projektionsräumen des Fremden/Exotischen – gerade in der jüngsten Vergangenheit – den Rang ab. Wie haben sich deutsche Diskurse über Afrika und Afrikaner vom späten 19. bis in das 21. Jahrhundert entwickelt? Und was wird aus den tradierten Projektionen und negativen wie positiven Stereotypisierungen im Zeitalter der Globalisierung, des Multikulturalismus und weltweiter Migrationsbewegungen?
Die vorliegende Aufsatzsammlung liefert ein in diesem Facettenreichtum bisher nicht gegebenes Spektrum: Afrikanische und deutsche Wissenschaftler befragen nicht nur Literatur (darunter auch afrikanische und afrodeutsche Texte) im engeren Sinne, sondern werten auch historische Bild- und Textdokumente zur Situation von schwarzen Kriegsgefangenen während des Ersten Weltkrieges aus, beschäftigen sich mit der Darstellung des ‘Katastrophenkontinents’ in der Gegenwartskunst und in den populären Medien (journalistische Berichterstattung, Dokumentarisches, Spielfilm) und rekonstruieren die Geschichte afrikanischer Germanisten in Deutschland.

Serie:

Ediert von Reinhard Andress

Die Radikalität der Exilerfahrung führte viele ausgewanderte Intellektuelle, Schriftsteller und Künstler dazu, ihre Weltanschauung neu zu orientieren. Dies wirkte sich in vielfacher Hinsicht aus, u.a. philosophisch, psychologisch, sozial, politisch und religiös, und zeigte sich in epistolarischen, essayistischen, literararischen und anderen künstlerischen Formen. Dabei beschränkt sich das Exilphänomen keineswegs auf den Nationalsozialismus, sondern ist z.B. auch im Mittelalter aufzufinden. Der vorliegende Band geht den Strängen der exilbedingten Neuorientierungen nach, ausgehend von einer Tagung der North American Society for Exile Studies, die im Oktober 2008 an der Saint Louis University stattfand.

"Friede, Freiheit, Brot!"

Romane zur deutschen Novemberrevolution

Serie:

Ediert von Ulrich Kittstein and Regine Zeller

In der deutschen Erinnerungskultur ist die Novemberrevolution von 1918/19 heute kaum noch präsent. Die zahlreichen Romane, die dieses Ereignis thematisieren und von denen einige bei ihrem Erscheinen auf große Resonanz stießen, sind inzwischen ebenfalls überwiegend in Vergessenheit geraten und haben auch in der Literaturwissenschaft wenig Aufmerksamkeit gefunden. Der vorliegende Band möchte diese Forschungslücke schließen. Er bietet Einzelinterpretationen zu 19 einschlägigen Werken, die als Versuche aufgefasst werden, jeweils spezifische, von parteilichen Interessen geprägte Versionen des historischen Geschehens mit literarischen Mitteln im kollektiven Gedächtnis zu verankern. Die Romane aus der Weimarer Zeit erweisen sich dabei als bemerkenswerte Zeugnisse aktueller parteipolitischer und ideologischer Auseinandersetzungen, die über unterschiedliche Interpretationen der jüngsten Vergangenheit ausgetragen werden, während die nach 1933 entstandenen Texte vornehmlich gegen das fortschreitende Vergessen der für die deutsche Geschichte ungemein folgenreichen Revolutionsereignisse anschreiben. Besonderes Gewicht legen die hier versammelten Analysen auf den vielschichtigen Zusammenhang von Geschichtsdeutung, politisch-ideologischer Wirkungsabsicht und literarischen Strategien, der die behandelten Romane kennzeichnet.

Reinhard Jirgl

Perspektiven, Lesarten, Kontexte

Serie:

Ediert von David Clarke and Arne De Winde

Diese Aufsatzsammlung mit Originalbeiträgen deutscher, britischer, belgischer und amerikanischer Germanistinnen und Germanisten ist das erste Buch zum literarischen Werk von Reinhard Jirgl, einem der eigensinnigsten deutschen Autoren der Gegenwart. Seine Romane setzen sich mit den Schrecken der deutschen Geschichte im zwanzigsten Jahrhundert auseinander und malen ein ähnlich düsteres Bild der Bundesrepublik nach der Jahrtausendwende. Diese kritische Spurensuche schlägt sich auch in einer intensiven Arbeit an der Sprache nieder, die das Schriftbild zum zentralen Element des Leseerlebnisses macht. Die Beiträge in diesem Band behandeln wichtige Themen in Jirgls literarischen und essayistischen Texten und besprechen alle veröffentlichten Romane des Autors bis einschließlich ABTRÜNNIG (2005). Der Band enthält auch ein Gespräch mit Reinhard Jirgl und eine ausführliche Bibliographie der Primär- und Sekundärliteratur. Diese Veröffentlichung in der Reihe German Monitor soll den Grundstein für die weitere Forschung zum Werk dieses Autors legen und auch für Literaturwissenschaftlerinnen und Literaturwissenschaftler sowie Studierende von Interesse sein, die sich mit der deutschen Gegenwartsliteratur beschäftigen.

Erkundung und Beschreibung der Welt

Zur Poetik der Reise- und Länderberichte. Vorträge eines interdisziplinären Symposiums vom 19. bis 24. Juni 2000 an der Justus-Liebig-Universität Gießen

Serie:

Ediert von Xenja von Ertzdorff and Gerhard Giesemann

Dieser Band bietet mit Stephan von Gumpenberg Ansichten des Heiligen Landes um 1417/18, gewährt mit Roland von Waldenburg Einblicke in das Italien des 16. Jahrhunderts, läßt das Japan des 17. Jahrhunderts mit den Augen Engelbert Kaempfers sehen und das Ägypten des Jahres 1994 mit denen Salzburger Studierender. Der Leser durchleidet die Qualen eines polnischen Landadligen auf der Meerfahrt von Danzig nach Lübeck und die Schiffbrüche des Alvar Núñez als Bericht über eine gescheiterte Expedition nach Florida. Er besucht mit Sigmund von Herberstein das Moskowitische Rußland im 16. Jahrhundert und erfährt im Gegenzug allerlei Unterhaltsames über Europa aus der Sicht der russischen Reisenden Nikolaj Karamzin und Fedor M. Dostojevskij. Und das sind nur einige Themen dieses faszinierenden Gießener Symposionsbandes, der nach Untersuchungen mythischer Strukturen im Reisebericht und zur Konstruktion von Weiblichkeit in mittelalterlichen Weltkarten eine Reise durch Länder, Zeiten und Kulturen beginnt: er macht den Leser mit byzantinischen, hebräischen sowie arabischen Reisenden des 11./12. und 17. Jahrhunderts und ihren Berichten vertraut, zeigt die Sicht europäischer Adliger des Spätmittelalters auf die Fremde und “besingt” die Reiselieder Oswalds von Wolkenstein. Der Band endet mit einem Blick auf den Traum von der Insel des Glücks. Dazwischen spannt sich der Bogen der Untersuchungen von Nahreisen in die Landschaften Koreas im vormodernen koreanischen Reisebericht, in die Bergwelt Chinas in den chinesischen Bergmonographien oder in die Mark Brandenburg Fontanes über die Reisen des Fürsten von Pückler-Muskau in Franken, Europa und Nordafrika bis hin zu den großen Fernreisen eines Amerigo Vespucci in die Neue Welt und des Odorico da Pordenone nach Asien (mit einer Edition der Aufzeichnungen nach dem mündlichen Bericht des Reisenden). Asien ist auch das Thema der Autorin Sir Galahad und der Filmemacherin Ulrike Ottinger, denen ein weiterer Beitrag gewidmet ist. Den Band beschließt ein umfangreiches Namen- und Werktitelregister, das die Fülle der gebotenen Informationen aufschlüsselt.