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Raketenträume

Raumfahrt- und Technikenthusiasmus in Deutschland 1923–1963

Serie:

Daniel Brandau

Daniel Brandau legt die erste Kulturgeschichte der deutschen Raumfahrtbegeisterung vor – und schildert, wie der Enthusiasmus in Skepsis umschlug.
Von der Weimarer Republik bis in die 1960er Jahre organisierten sich deutsche Raumfahrt-Interessierte in Vereinen, in denen sie an Raketen bastelten und für militärische wie zivile Visionen warben. Doch viele dieser Visionäre und Ingenieure verschrieben sich dem NS-Regime und entwickelten die Großrakete als Waffe. Den neuen, nunmehr friedlichen Raumfahrt- und Technikvisionen der Nachkriegszeit wurde daher mit Misstrauen begegnet. Während in der Bundesrepublik eine Debatte über die gesellschaftliche Kontrolle des Wissens der Techniker entbrannte, prallte in der DDR in der ‚Raketenfrage‘ die Kritik am Faschismus und seinen Waffensystemen auf die sozialistische Raumfahrt-Utopie. Durch zahlreiche Abbildungen werden auch die kosmischen Bildwelten der 1920er bis 1960er Jahre dem Leser vor Augen geführt.

Die Seele im 20. Jahrhundert

Eine Kulturgeschichte

Kocku von Stuckrad and Kocku von Stuckrad

Von den Wissenschaften weitgehend vergessen, doch allgegenwärtig in der heutigen Kultur: Die Seele. Wie ist dieser „Seelenverlust“ zu erklären, und wie kommt es, dass die Seele heute wieder so populär ist?
Das Buch erzählt die faszinierende Geschichte der Seele im 20. Jahrhundert aus kulturwissenschaftlicher Sicht. Zu Beginn des Jahrhunderts fester Bestandteil kultureller Debatten zwischen Psychologie, Philosophie, Religionswissenschaft, Literatur und Politik, erfuhr die Seele nach 1950 einen großen Aufschwung außerhalb der Universitäten und wurde zum zentralen Bezugspunkt populärer Kultur – von alternativen Therapieformen bis hin zu Literatur, Film, neuen spirituellen Bewegungen sowie ökologischen und politischen Programmen. Die Analyse zeigt, dass Seelenkonzepte wichtige Träger von Religion in einer nur scheinbar säkularisierten Moderne sind.

Gerechtigkeit im späten Zarenreich

Ideen, Konzepte, Wahrnehmungen

Serie:

Anna Lenkewitz-Salminen

Immer schon, und ohne dass das Thema jemals an Aktualität eingebüßt hätte, haben sich Menschen mit der Frage beschäftigt, was Gerechtigkeit sei und wie sie sich verwirklichen lasse. Das betrifft die Frage nach einem gerecht gestalteten menschlichen Zusammenleben ebenso wie die Frage nach einer angemessenen Verteilung von Gütern und Lasten, Rechten und Pflichten in einer Gesellschaft.
Letzten Endes aber ist das Nachdenken über gerechte gesellschaftliche Verhältnisse unweigerlich verbunden mit der Frage nach der Gerechtigkeit von Machtverhältnissen und damit von Herrschaft. Insbesondere für Russland spielt die Verbindung von Gerechtigkeit und Herrschaft eine bedeutende Rolle, weil man tatsächlich feststellen kann, dass Vorstellungen von Gerechtigkeit in Russland in den meisten Fällen an Herrschaft gebunden waren.

Konfessionskulturen

Die Europäer als Protestanten und Katholiken

Michael Maurer

Katholisch oder evangelisch? Die Reformation trennte die europäischen Gesellschaften seit dem 16. Jahrhundert in zwei feindliche Blöcke. Doch seit der Aufklärung im 18. Jahrhundert schienen die Religion und auch die Konfessionen zunehmend belanglos zu werden. Aber stimmt dieser Eindruck wirklich?
Betrachtet man die in Europa teils bis heute herrschenden Einstellungen zu Kunst und Musik, zu Literatur und Sexualität wird allenthalben deutlich, dass sich unterschiedliche Zugänge je nach konfessioneller Prägung erkennen lassen. Die Aufklärung, die das Konfessionelle Zeitalter überwand und die Vorherrschaft einer protestantischen Kultur etablierte, war nicht das letzte Wort der Geschichte. Auf die Entkonfessionalisierung im „Zeitalter der Vernunft“ folgte im 19. Jahrhundert eine erneute Bekräftigung der Gegensätze zwischen Protestanten und Katholiken –
mit Nachwirkungen bis heute.
Michael Maurer verfolgt Aufstieg, Niedergang und Wandel der Konfessionskulturen in Europa vom 16. Jahrhundert bis heute –
eine Entdeckungsreise, die auch denjenigen, die sich religiös nicht gebunden fühlen, unerwartete Einsichten über die eigenen Prägungen eröffnen kann.

Vom Umgang mit den Toten

Sterben im Krieg von der Antike bis zur Gegenwart

Serie:

Ediert von Stefanie Rüther, Martin Clauss and Ansgar Reiß

Die Geschichte des Krieges als Geschichte des Todes zu schreiben, führt ins Zentrum einer Militärgeschichte als Geschichte organisierter Gewalt. Das gegenseitige Töten und die Toten bilden eine elementare Herausforderung kriegerischen Planens, Handelns und Denkens.
Jede Gesellschaft, heroisch oder postheroisch, ist auf die Unterstützung zumindest eines Teiles ihrer Mitglieder angewiesen, um Kriege zu führen. Der Rechtfertigungsdruck, den Kriege erzeugen, nimmt durch Anzahl und Qualität der Kriegstoten zu. Diese werden heroisiert, marginalisiert, ökonomisiert, kontextualisiert oder geleugnet.

Lose Leute

Figuren, Schauplätze und Künste des Vaganten in der Frühen Neuzeit

Ediert von Franz Fromholzer, Jörg Wesche and Julia Amslinger

Anhand von literarischen und historischen Textzeugen des 16. bis 18. Jahrhunderts beschreibt das Buch ›lose Leute‹ und ihre Künste jenseits der abwertenden Sammelkategorie des Vagabunden. Erstmals systematisch sichtbar gemacht wird auf diese Weise die kulturdynamische Bedeutung frühneuzeitlicher Mobilität.
›Lose Leute‹: Mit dieser Formel Harsdörffers unternimmt das Buch die (literar-)historische Bestandsaufnahme eines Gattungs- und Medienhorizonts des Vaganten, der sich von indizierenden Quellen (z. B. Liber vagatorum) über fiktionale Genres (z.B. Schelmenroman, Fastnachtspiel) bis zu ephemeren Textzeugen (z.B. Flugblatt, Theaterzettel) erstreckt. Im Mittelpunkt steht die Rekonstruktion zeitgenössischer Existenz- und Ausdrucksformen des Vaganten in Literatur, Musik und bildender Kunst. Auf diese Weise konturiert sich frühneuzeitliche Mobilität als neuer Forschungsgegenstand.

Handgebrauch

Geschichten von der Hand aus dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit

Ediert von Robert Jütte and Romedio Schmitz-Esser

Dieser Band bietet aufgrund seiner interdisziplinären Perspektive, die Ansätze der Medizin-, Kunst-, Kultur- und Liturgiegeschichte miteinander verbindet, Einsichten in die kulturelle Bedeutung der menschlichen Hand in der Vormoderne.

Autorinnen und Autoren aus unterschiedlichen Disziplinen greifen u. a. voneinander abweichende religiöse Traditionen auf und vergleichen diese in einem neuen Licht. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf dem Waschen der Hände (im Christentum, Judentum und Islam), der mit der Hand zusammenhängenden Materialität (Gießgefäße, Handprothesen), auf der Frage des Einsatzes der Hand in verschiedenen Kontexten (als wichtigstes Instrument des Arztes, des Künstlers, in der Masturbation), ihrer symbolischen und liturgischen Aufladung (etwa in der Hagiographie, in Geistergeschichten), auf Gesten (insbesondere Schmähgesten) und der plastischen Abbildung der Hand (mittelalterliche Handreliquiare, medizinische Handmoulagen).

Das Projekt Futurologie

Über Zukunft und Fortschritt in der Bundesrepublik 1952-1982

Serie:

Achim Eberspächer

Futurologie war das Symptom einer Epochenwende. Heute steht sie für fortschrittsbegeisterte, bunte Zukunftsbilder von Atom-Autos oder Städten im Weltraum. Tatsächlich jedoch beruhte sie zuallererst auf Fortschrittskritik.
Intellektuelle wie Ossip Flechtheim, Robert Jungk oder Karl Steinbuch plädierten nicht aus Euphorie für eine Wissenschaft der Zukunft, sondern um den problematischen Folgen des technischen Fortschritts beizukommen. Achim Eberspächer erzählt die Geschichte der Futurologie in der Bundesrepublik entlang ihrer Protagonisten, die um 1970 eine beachtliche Wirkung in Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit erzielten. Er deckt die Medienpräsenz der Futurologie und ihr Wechselspiel mit den populären Technikvisionen der 1960er-Jahre auf. Auf diese Weise gelingt es ihm, ihren rasanten Aufstieg, aber auch ihren ebenso schnellen Niedergang zu erklären.

Serie:

Rebecca Quick

Mit dem Beginn der motorisierten Fliegerei an der Schwelle zum 20. Jahrhundert verstärkte sich die Kultur der Technikbegeisterung und es wuchs eine neue Generation abenteuer- und unternehmungslustiger junger Männer heran. Einige von ihnen machten sich als Konstrukteure, Flieger, Unternehmer oder Militärflieger einen Namen. Um sie bildete sich ein medialer Kult heraus, der ihr Leben und ihre Flugleistungen zum Mythos werden ließ.

Einer dieser Akteure war Josef Suwelack (1888-1915) aus Billerbeck in Westfalen. Sein Können präsentierte er öffentlich in hoch dotierten Flugwettbewerben. Die zunächst als Sportveranstaltungen ausgetragenen Wettbewerbe weckten schon bald das Interesse des Militärs, das die Fliegerei subventionierte, Entwicklungen beschleunigte und beeinflusste.
Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs meldete sich Suwelack freiwillig zur Fliegertruppe. Als ziviler Aufklärungsflieger an der Westfront bei der Feldfliegerabteilung 24 bot sich ihm ein spezifischer Blick auf das Kriegsgeschehen, das er in zahllosen Fotografien und in Feldpostbriefen an seine Familie dokumentierte. Am 13. September 1915 stürzten er und sein Beobachter unter nicht endgültig geklärten Umständen tödlich ab. Durch Nachrufe, regionale Zeitungen, Kurzfilme, Publikationen sowie auf diversen Internetseiten zur Fliegerei und in einer 1988 erschienen Familienbiografie sind im Verlauf von hundert Jahren verschiedene Narrative des kurzen Lebens von Josef Suwelack entstanden.
Rebecca Quick stellt die Biografie Suwelacks deshalb in mehrfacher Hinsicht auf den Prüfstand. Sie schildert das Leben Suwelacks vor dem zeitgenössischen Hintergrund des Jahrzehnts vor dem Ersten Weltkrieg, dekonstruiert tradierte Erzählmuster als „gemachte“ Geschichten und diskutiert die Optionen eines kritischen Umgangs mit Fliegerbiografien.

Pravda

Gerechtigkeit, Herrschaft und sakrale Ordnung in Altrussland

Stefan Plaggenborg

Stefan Plaggenborg untersucht die Bedeutung der Gerechtigkeit (pravda) im politischen Leben Altrusslands zwischen Mittelalter und Neuzeit und beschreibt einen Typus über Russland hinausgehender monarchischer Herrschaft.

Pravda in Altrussland bedeutete Gerechtigkeit, Wahrheit, Weisheit, die Wahrheit zu erkennen, gerechtes Handeln, Recht und den sinnhaften Bestand dieser Welt. Jeder Begriff des Politischen, der politischen Kultur, politischen Philosophie und politischen Theologie in Altrussland lief auf pravda und gerechte Herrschaft hinaus. Pravda verknüpfte Religion, Heilserwartung, Herrschaft, kosmische Ordnung, menschliches Erkennen, Handeln und soziale Ordnung. Sie ordnete die sozialen Beziehungen und dachte den Menschen in Verhältnissen von Herrschaft und Fügsamkeit. Sie war ein holistischer Begriff, der nicht in Moral, Staat, Gesellschaft, Religion unterschied. Pravda rief das große Problem Russlands hervor: das Fehlen der Gesellschaft.