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Takfīr im militanten Salafismus

Der Staat als Feind

Justyna Nedza

With this work, Justyna Nedza presents the first comprehensive analysis of the theologically charged legal practice of “declaring someone an unbeliever” ( takfir) in militant Salafist thought. Her investigation zooms in on the role of takfir in the formal legitimization of militant jihad against government institutions. Investigating both the Egyptian and Saudi Arabian case, Nedza demonstrates the importance of the regional context in shaping consistent legal arguments for the legitimacy of takfir of collectives. The careful analysis of the arguments of four selected militant Salafist authors brings out that this contextuality plays also a decisive role for the respective textual references, as well as shaping the conclusions drawn by the Egyptian and Saudi Arabian authors, respectively.

In dieser Arbeit präsentiert Justyna Nedza die erste umfassende Analyse der theologisch aufgeladenen Rechtspraxis des „Apostasievorwurfs“ ( takfīr) im Milieu des militanten „Salafismus“. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf der rechtlichen Begründung von gewaltsamen Widerstand ( ǧihād) gegen staatliche Organe in muslimischen Mehrheitsgesellschaften, sowie die hiermit verbundene Ausweitung dieses Rechtsmittels vom Individuum auf Kollektive. Anhand der komparatistischen Untersuchung der Schriften von vier ausgewählten Autoren aus Ägypten und Saudi-Arabien zeigt Nedza, dass deren divergenter nationaler Kontext eine entscheidende Rolle sowohl für ihre jeweiligen textlichen Referenzrahmen als auch ihre entsprechenden Schlussfolgerungen spielt. Damit wird die bisher weithin akzeptierte These vom “Salafismus” als global einheitlichem Phänomen auf den Prüfstand gehoben.

Serie:

Hylkje de Jong

In Ἐντολή (mandatum) in den Basiliken Hylkje de Jong deals with the way the Byzantine jurists of the early period (6th and early 7th century) and later period (11th and 12th century) dealt with the law of mandate as they found this in respectively Justinian’s compilation and in the 9th century Basilica. Commonly characterised as consistent Byzantine dogmatics, the remarks of these Byzantine jurists appear to be in reality individual approaches, coloured by each jurist’s own methodology of interpreting.

Based upon the Basilica texts, the law of mandate is set out thematically: the mandate’s object, the liability of parties, actions, remunerations. De Jong proves convincingly that the Byzantine remarks provide a better understanding of Justinian Roman law.



In der Studie Ἐντολή (mandatum) in den Basiliken beschäftigt sich Hylkje de Jong mit der Art und Weise, wie sich die byzantinischen Juristen des 6. und frühen 7. aber auch des 11. und 12. Jahrhunderts mit dem Auftragsrechts befassten, das sie in Justinians Kompilation bzw. in den Basiliken des 9. Jahrhunderts fanden. Die Äußerungen dieser byzantinischen Juristen werden in der Regel als einheitliche byzantinische Rechtslehre aufgefasst, erweisen sich aber in Wirklichkeit als individuelle Ansätze, die von der Methodik des jeweiligen Juristen geprägt und gefärbt sind.

Basierend auf den Basilikentexten wird das Auftragsrecht thematisch dargestellt: Gegenstand des Mandats, Haftung der Parteien, Klagen, Vergütungen etc. Überzeugend weist De Jong nach, dass die byzantinischen Darlegungen ein besseres Verständnis des römischen Rechts von Justinian vermitteln.

Religionssoziologie 2

Entfesselter Markt und Artifizielle Lebenswelt als Wiege neuer Religionen

Serie:

Wolfgang Eßbach

Zwischen christlichem Glauben und religiöser Indifferenz sind in Europa neue Religionen entstanden, die bis in unsere Gegenwart ausstrahlen und die Wertorientierung leiten. Auf dem Wege einer historisch-soziologischen Analyse der Konjunkturen des Themas »Wiederkehr von Religion« entwickelt Wolfgang Eßbach eine Typologie europäischer Religionen in der Moderne.

Behandelt werden Konfessionalismus, Vernunftreligion, Nationalreligion, Kunstreligion, Wissenschaftsreligion und Elemente des Glaubens an Verfahren. Dabei wird nach ihren Verbindungen mit den dominierenden Zeiterfahrungen im modernen Europa, von den Glaubenskriegen der frühen Neuzeit bis zur Artifizierung der Lebenswelt im 20. Jahrhundert, gefragt. Sie haben Intellektuelle immer wieder umgetrieben. Jede neu hinzukommende Erfahrungslage bestimmt die Konjunktur des Religiösen. Neue Deutungen und Kritiken treten in Beziehung zu älteren Thematisierungen von Religion, die entweder verblassen oder reaktiviert werden. Der religiöse »Pluralismus« der Gegenwart kann so als ein geschichtetes, kumulatives Phänomen begriffen werden, dessen einzelne Elemente in einem spannungsreichen Gefüge auch in Zukunft kaum zu beruhigen sein werden.

Wirtschaft und Reformation

Rück- und Ausblicke nach 500 Jahren

Serie:

Ediert von Harald Jung, Christian Müller and Christian Hecker

Z Zu den prägenden Ereignissen der europäischen Geschichte und der Entwicklung der Moderne und des Westens („Max Weber-These“) zählt die Reformation. Zentrale Fragen christlicher Ethik und des Verhältnisses von Weltverantwortung, Beruf und Glaube sind Thema dieses Bandes.
Die Beiträge dieses Bandes schauen nach 500 Jahren Reformation in einem bewusst interdisziplinären Blick zurück auf deren Spuren und Auswirkungen auf Wirtschaft und sie prägende kulturelle Mentalitäten und diskutieren darüber hinaus die prägende Bedeutung des christlichen Glaubens für die westlich-europäische Welt.

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Kreative Gegensätze

Der Streit um den Nutzen der Philosophie an der mittelalterlichen Pariser Universität

Serie:

Marcel Bubert

In Kreative Gegensätze Marcel Bubert analyses the debates among medieval scholastics on the social usefulness of learned knowledge in their specific social and cultural contexts. In particular, he shows how the skepticism towards the scholars as well as the tensions between the University of Paris, the French royal court, and the citizens of Paris had profound effects on the scientific community, and led to very different views on the utility of philosophy. Some Masters responded to the expectations of society by emphasizing the autonomy of philosophical cognition. Others departed radically from this notion of science “for its own sake”, and created decidedly “practical” concepts of knowledge. The examination of these contentious relations shows how the dynamics of mutual demarcation within this “constellation” became intellectually prolific by way of generating highly original and innovative responses to the question of the utility of philosophy.

Interessen, Werte, Verantwortung

Deutsche Außenpolitik zwischen Nationalstaat, Europa und dem Westen. Zur Erinnerung an Hans-Peter Schwarz

Ediert von Dominik Geppert and Hans Jörg Hennecke

War und ist die deutsche Außenpolitik seit Adenauers Tagen interessengeleitet und strategisch angelegt? Oder folgt sie einem bequemen Moralismus und lässt sich populären Stimmungen treiben? Welche außenpolitische Verantwortung kommt der Bundesrepublik angesichts der Krise der EU, der Spannungen im transatlantischen Verhältnis und neuer sicherheitspolitischer Bedrohungen zu? Welches sind die Konturen einer realistischen, verantwortlichen Machtpolitik der Bundesrepublik?

In Erinnerung an Hans-Peter Schwarz, den Biographen der beiden Kanzler Konrad Adenauer und Helmut Kohl, werden diese Fragen in 14 pointierten Essays von namhaften Zeithistorikern und Politikwissenschaftlern kritisch diskutiert.

Serie:

Ediert von Martin Dabrowski, Judith Wolf and Karlies Abmeier

Umweltpolitik im Bereich von Energie, Boden und Wachstum gehört zu den Kernfragen nationaler und internationaler Politik. Wie können globale, gerechte und nachhaltige Lösungen aussehen?
In diesem Sammelband der Reihe „Sozialethik konkret“ wird die vielschichtige Problematik einer globalen und gerechten Umweltpolitik aufgegriffen und aus der Sicht unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen diskutiert. Im Diskurs der verschiedenen Wissenschaften sollen eine ausgewogene Beurteilung der Thematik erreicht, Vorschläge zur konkreten Gestaltung von Reformprozessen und konkrete Ausgestaltungen der Umweltpolitik erarbeitet und offene und weiterführende Fragestellungen identifiziert werden.

Islam in der Moderne, Moderne im Islam

Eine Festschrift für Reinhard Schulze zum 65. Geburtstag

Serie:

Ediert von Florian Zemmin, Johannes Stephan and Monica Corrado

This Festschrift brings together a range of scholars who congratulate Reinhard Schulze on the occasion of his 65th birthday, by shedding light and reflecting on the relation between Islam and modernity. Scholars from the fields of Islamic studies, religious studies, sociology and Arabic literature connect in various ways to Reinhard Schulze’s work to constructively criticize a Eurocentric understanding of modernity. The more specific aspects dealt with under the overarching topic of Islam and modernity make for the four thematic sections of this volume: the study of religion, Islam, and Islamic studies; Islamic knowledge cultures and normativity; language and literature as media of modernity; Islam and Islamic studies in the public sphere.

Die Beitragenden zu dieser Festschrift gratulieren Reinhard Schulze zu seinem 65. Geburtstag, indem sie mit der Beziehung zwischen Islam und Moderne ein Lebensthema des Jubilars beleuchten. Vertretende der Islamwissenschaft, Religionswissenschaft, Soziologie und der arabischen Literaturwissenschaft beziehen sich in verschiedener Hinsicht auf Reinhard Schulzes Werk, um ein eurozentrisches Verständnis von Moderne konstruktiv zu kritisieren. Die unter dem Oberthema Islam und Moderne näher behandelten Aspekte sind aus den vier thematischen Sektionen des Bandes ersichtlich: Islam(wissenschaft), Religion und der Eigensinn der Moderne; islamische Wissenskulturen und Normativität; Sprache und Literatur als Medien der Moderne; Islam(wissenschaft) in der Öffentlichkeit.

Contributors are: Mona Abaza, Hüseyin Ağuiçenoğlu, Aziz al-Azmeh, Katajun Amirpur, Monica Corrado, Ahmad Dallal, Peter Dové, Susanne Enderwitz, Anne Grüne, Stephan Guth, Kai Hafez, Albrecht Hofheinz, Michael Kemper, Hans G. Kippenberg, Karénina Kollmar-Paulenz, Felix Konrad, Gudrun Krämer, Volkhard Krech, Anke von Kügelgen, Jamal Malik, Jürgen Paul, Frank Peter, Stefan Reichmuth, Armando Salvatore, Johannes Stephan, Anna Trechsel, Yves Wegelin, Florian Zemmin.

Soziale Theatralität

Die Inszenierung der Gesellschaft

Matthias Warstat

Leben wir noch in einer Gesellschaft? Handelt es sich bei der Gesellschaft nicht um jene trügerischen Fiktionen von Ganzheit, auf die wir angewiesen sind, um sich im Denken und Handeln zu orientieren? Und gehört Gesellschaft nicht zu den großen Erzählungen, die vom Poststrukturalismus erfolgreich verabschiedet wurden?
Matthias Warstat widerspricht all diesen Annahmen. Gesellschaft existiert, auch wenn der Begriff heute jede Selbstverständlichkeit verloren hat. Gesellschaft ist etwas, das sich zeigt. Zudem ist ihre sinnliche Erfahrung an Theatralität gebunden. Nicht abstraktes Wissen, sondern konkrete Bilder und Szenen vermitteln uns das Gefühl, in ihr zu leben: Was für eine Art von Theater wird im sozialen Leben gespielt? In welchen Szenen scheint Gesellschaft auf? Wie tragen die Einzelnen durch ihr theatrales Handeln zur Darstellung von Gesellschaft bei – und was für eine Gesellschaft entsteht auf diese Weise? In zentralen Positionen aus der Sozialtheorie der Moderne sind theatrale Denkfiguren überdeutlich präsent. Das Buch verfolgt diese Linie bis zu prägenden Positionen der letzten Jahrzehnte, um daraus ein eigenes Verständnis gesellschaftlicher Theatralität zu entwickeln.

Ephraem der Syrer und Basilios der Große, Justinian und Edessa

Die Begegnung griechischer und syrischer Traditionsautorität in der Ephraemvita und der miaphysitisch-chalkedonische Konflikt

Serie:

Nestor Kavvadas

In Ephraem der Syrer und Basilios der Große, Justinian und Edessa untersucht Nestor Kavvadas die syrische Vita des Heiligen Ephraem, die in Edessa zum Höhepunkt des Konflikts zwischen der syrischen miaphysitischen Bewegung und der pro-chalkedonischen Kirchenpolitik Justinians komponiert wurde, und vergleicht sie mit einigen früheren griechisch-kappadokischen Hagiographien um Ephraem und Basilios von Caesarea, der in Ephraems Vita gleichsam als dessen Patron erscheint. Der Autor zeigt, dass während diese griechischen Hagiographien dazu bestimmt waren, Ephraem als Vater der chalkedonischen, byzantinischen orthodoxen Kirche zu reklamieren, die edessenische Ephraemvita Teil eines Versuchs der syrischen miaphysitischen Bewegung war, Exklusivrecht auf Ephraem sowie Basilios, und damit auf das Erbe der Kirchenväter, zu beanspruchen. Dann stellt der Autor heraus, wie die Ephraemvita, einmal „entschlüsselt“, ihr historisches Umfeld in ein neues Licht stellen kann.

In Ephrem der Syrer und Basilios der Große, Justinian und Edessa, Nestor Kavvadas examines the Syriac “Life” of Saint Ephrem, composed in Edessa at the time when the Syriac Miaphysite movement was opposing Justinian’s pro-Chalcedonian politics, and compares it with several earlier Greek Cappadocian hagiographies about Ephrem and Basil of Caesarea, who is presented almost as Ephrem’s patron in the latter’s “Life”. The author shows that while the Greek hagiographies were meant to (re)claim Ephrem as a Father of the (Chalcedonian) Byzantine Orthodox Church, Ephrem’s Syriac “Life” was part of an attempt by the Syriac Miaphysite movement to claim exclusive rights on both Ephrem and Basil as representatives of the entire legacy of the Church Fathers. Then, the author points out how the “Life”, once de-coded, can in turn shed light on its historical setting.