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Ikonizität

Medialität und Bildlichkeit

Dieter Mersch

Grundlegung einer medien-philosophischen Theorie der Bildlichkeit.
Bild und Bildlichkeit bilden zentrale Themen derzeitiger philosophischer, kunstwissenschaftlicher, medientheoretischer und kulturwissenschaftlicher Debatten. Dennoch bleibt der Begriff des »Bildlichen«, verstanden als ein theoretisches Prinzip, das alle Formen der Sichtbarmachung und Veranschaulichung umfasst, merkwürdig unscharf und ungeklärt. Unter dem Titel »Ikonizität« legt der Autor eine umfassende medienphilosophische Analyse des Begriffs vor, der vor allem eine zentrale Leistung des Bildlichen - im Unterschied zur diskursiven Rede - in den Vordergrund stellt: das Zeigen. Ausgehend von einer »Logik des Zeigens« geht es um eine Revision des besonderen Erkenntnisstatus des Bildlichen jenseits von Sprache und Diskursivität - das Bild als Ort »nichtpropositionalen« Wissens, das seine eigene Weise der Argumentation und Reflexivität behauptet. Dazu behandelt der Autor nicht nur Kunstbilder, Installationen, visuelle Medienkunst, Film und Video, sondern auch technische Bilder sowie den Bildgebrauch in den Wissenschaften.

Imperiale Aneignung

Diskursive Strategie der Kolonisation Sibriens durch die russische Kultur

Susanne Frank and Susi K. Frank

Ana Ofak

Koloniale Tiere

Mensch-Tier-Konstellationen in der politischen Philosophie der Neuzeit

Iris Därmann

Wolf, Tiger und Löwe gehören zu den prominenten Tierfiguren der politischen Zoologie. Die politische Philosophie von Hobbes, Locke und Rousseau mit ihren signifikanten Verschiebungen der Mensch-Tier-Grenze sowie der Grenze zwischen (kriegerischem) Naturzustand einerseits, Gesellschaftsvertrag und Staatsgründung andererseits, hat diesen Tierfiguren eine kolonial aufgeladene Bühne bereitet.
Hobbes war Stockholder der Virginia Company, Locke Stockholder der Royal African Company. Beide waren mit den kolonialen Reiseberichten, den Siedlungshandbüchern und Konvoluten der ersten Aktiengesellschaften der Welt samt den in den Texten gebrauchten Tiermetaphern wohlvertraut. In den Gründungsnarrativen der politischen Philosophie der Neuzeit gehen totemistische Fremderfahrungen einher mit antiken Kulturentstehungslehren, der römischen Gladiatur, der damnatio ad bestias sowie den neuzeitlichen Tierhetzen und Menagerien. Steht für Hobbes und Locke die koloniale Befehls- und Gehorsamsproduktion im Vordergrund, so versucht Rousseau in seiner imaginären Ethnographie den Standpunkt der Tiere und der Indigenen einzunehmen.

Gewaltsames Wissen

Szenographien der Desubjektivierung

Series:

Edited by Adam Czirak and Barbara Gronau

Konstitution sowie Destitution von Subjekten ist auf die strukturbildende Kraft von Szenen angewiesen. Welche inszenatorischen Elemente sind an Bildung und Destabilisierung, ja Auslöschung des Subjekts beteiligt? Welches Wissen wird darin produziert?
In einem interdisziplinären Ansatz konturiert der Band das Verhältnis von Wahrnehmung und Wissen, Politik und szenischer Öffentlichkeit entlang der Schwerpunkte Tribunal, Folter und künstlerischen Verfahren der Selbstverletzung. So wie Tribunale an der Schnittstelle von Rechtsperformanz und Theatralität operieren, ist in der Folter die Verletzung des Subjekts Teil eines Gefüges aus Geheimhaltung, Offenbarung, Mitwisserschaft. Eperimentell erprobte und szenisch aufgeführte Desubjektivierung in künstlerischen Verfahren zeigen kulturelle und gesellschaftliche Restriktionen ebenso wie Vorstellungen über das Subjekt und dessen Grenzen.

Sigrid Weigel

Sigrid Weigel verfolgt die Kontaminierung des Generationengedächtnisses »nach 1945« durch eine monetäre Symbolik und deckt auf, wie vormoderne Konzepte der Entschädigung bis heute nachwirken.
Im Lichte der gegenwärtigen Debatte über die Verschuldung und die moralische Schuld gegenüber künftigen Generationen werden verschiedene Stationen der Konversion von Schuld und Schulden untersucht. Die Symbolik von Schuld und Zins, die im Gedächtnis »nach 1945« am Werk ist, wird als Wiederkehr dessen gedeutet, was im Projekt der »Wiedergutmachung« verdrängt und aus ihm herausgefallen ist: die an-ökonomischen Anteile dieser Art Entschädigung. Symptome dafür sind das Begehren nach einer Reinheit des Geldes und die Wiederkehr der Shylock-Figur auf die Bühne. Diese gegenwärtigen Schauplätze werden in kultur- und literaturgeschichtlichen Ausblicken vertieft: auf die plurale Semantik der Konversion, die kultische Herkunft des Geldes, vor-monetäre Formen der Entschädigung und Shakespeares geniale Inszenierung der unheilvollen Verquickung von genealogischer und monetärer Logik im Kaufmann von Venedig.

Osteuropäische Rechtskultur

Studien zu Literatur und Recht in Russland und der Ukraine von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart

Series:

Alfred Sproede, Georg Schomacher and Oleksandr Zabirko

Edited by Alfred Sproede, Georg Schomacher and Oleksandr Zabirko

Weshalb haben sich die seit der Wende für Russland und die Ukraine gehegten Hoffnungen auf institutionellen Wandel und Rechtsstaatlichkeit nicht erfüllt? Der Band dokumentiert Ergebnisse der Forschungsprojekte »Erzählte Justiz in Russland: Narrative Übersetzungen einer Rechtsordnung, 1864–1917« und »Recht und Rhetorik im Postsozialismus«.
Der Band erforscht zwei Modernisierungsetappen der russischen und ukrainischen Justiz. In Konkurrenz zur Literatur illustrieren Anwälte seit der Justizreform (1864) mit Fallbeschreibungen als »narrativen Übersetzungen von Rechtsordnung« ihre Plädoyers. »Recht und Rhetorik« wiederum untersucht ›Paratexte‹ wie den Justizjournalismus, die die jüngeren Rechtsreformen begleiten.

Edited by Susanne Kaul and Tom Kindt

Der Band „Medienästhetik der Komik“ zeigt im interdisziplinären Dialog zwischen Philosophie, Literatur-, Sprach-, Musik- und Medienwissenschaft, spezifische Verfahren medialer Komikerzeugung auf und nimmt dazu u. a. Filme, Videokunst, Musik, Lyrik, Witze, Comics und das Theater in den Blick.
In der Geschichte der Komiktheorie ist die Medienspezifik der Komik bislang noch kaum erforscht worden. Die traditionellen Komiktheorien sind vor allem am Text oder an sozial-psychologischen Implikationen ausgerichtet. Dieser Band widmet sich nun zudem Verfahrensweisen der Komik, die beispielsweise spezifisch visuell oder spezifisch auditiv sind oder einem Widerspruch zwischen Bild und Ton erwachsen.

"Nicht alles ist erlaubt. Nicht alles ist verboten"

Die deutsch-israelischen Beziehungen in den Geisteswissenschaften (1950-1990)

Series:

Irene Aue-Ben-David and Sharon Livne

Edited by Irene Aue-Ben-David

Die Studie präsentiert erstmals die Anfänge der entstehenden wissenschaftlichen Kontakte zwischen Israel und Deutschland in den Geisteswissenschaften aus israelischer Perspektive. Die Autorinnen fragen nach den Folgen dieser Zusammenarbeit mit Deutschland für die israelischen Geisteswissenschaften – am Beispiel der Disziplinen Germanistik und Deutschen Geschichte.Im Zentrum der Untersuchung stehen dabei die Universitäten Tel Aviv, Jerusalem und Haifa. Dem jeweiligen Schritt zur Aufnahme von Kontakten mit deutschen wissenschaftlichen Einrichtungen gingen komplexe Aushandlungen innerhalb der Universitäten voraus.

Berührung

Taktiles in Kunst und Theorie

Edited by Carolin Meister and Kristin Marek

Berührung beschreibt ein Verhältnis zur Welt. Sie durchkreuzt die Aufteilung der Sinne ebenso, wie die Trennung von Subjekt und Objekt. Welche Potenziale und Problemstellungen ergeben sich daraus? Wie steht es um Formen der Berührung und Bedingungen des Taktilen in Kunst und Theorie?Kunst betrachten heißt gemeinhin Distanz bewahren: sich dem Sehsinn überlassen, Abstand halten. Das ist nicht nur eine Schulung in Disziplin, die in den bürgerlichen Institutionen der Kunstausstellung eingeübt, sozial kontrolliert und längst auch technisch gesichert wird. Abstand zum Betrachter ist der Ausstellungskunst selbst eingeschrieben. Doch nicht erst seit technische Medien der Berührung und interaktive Ausstellungsformate die Museen erobert haben, stellt sich die Frage nach den Potenzialen des Taktilen in der Kunst.