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Festschrift für Volker Kalisch
Unter dem programmatischen Titel „Mensch – Musik – Wissenschaft“ versammelt die Festschrift Forschungsbeiträge zur Musik aus verschiedenen Perspektiven wie etwa der Philosophie, der historischen Musikwissenschaft, der Musiksoziologie, der Musikethnologie, der Musik- und Kulturtheorie sowie der Linguistik. Die Leser:innen erwarten wissenschaftlich fundierte und praxisorientierte Reflexionen, interdisziplinäre Überlegungen und interkulturelle Fragestellungen, die die Musikgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart umspannen und einen besonderen Schwerpunkt auf zeitgenössische Musik legen. Die Sammlung ist somit eine Resonanz auf Volker Kalischs weites Arbeitsspektrum und Wissenschaftsverständnis, das stets vom musizierenden Menschen ausgeht, und ehrt sein langjähriges Wirken an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf.
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Abstract

Gegenseitige Beziehungen von Sprache und Musik werden im Beitrag mit Fokus auf die Bedeutungsbildung durch den Hörer genauer untersucht. Dabei wird die neuere Pragmatik mit ihrer Dynamisierung des Zeichenkonzeptes als vielversprechendes konzeptuelles Gerüst für die vergleichende und sich gegenseitig befruchtende Diskussion von Prozessen der Bedeutungsbildung sowohl in der Sprachwissenschaft wie in der Musikwissenschaft identifiziert.

In: Mensch – Musik – Wissenschaft

Abstract

Der Beitrag thematisiert die Umschwünge im Lebenslauf des österreichisch-französischen Musikunternehmers Ignaz Josef Pleyel im Fokus biografischer Offenheit – damit im Zusammenhang von Wahlmöglichkeiten angesichts von Lebensherausforderungen. Hierzu wird von philosophischer Warte der Begriff ›Offenheit‹ im Sinne der Selbsthervorbringung von Zwecken mit Karl Popper und Jean-Luc Nancy eingeführt und auf Martin Heidegger rückbezogen. Offenheit wird auch aus unternehmerischer Sicht unter Anführung von Joseph Schumpeter, Israel Kirzner und Frank Knight für Pleyels Geschäftstätigkeit glaubhaft gemacht. Zu begründen ist so exemplarisch der aktiv gestaltende menschliche Part, auch unter schwierigen, wandelbaren Rahmenbedingungen die Zuversicht in die eigene biografische Gestaltungsmacht zu behalten – die auch einschließen kann, in einer Belastungslage opportun, ja opportunistisch zu handeln.

In: Mensch – Musik – Wissenschaft

Abstract

Musik lässt sich in ihrem Er- und Verklingen als historisches bzw. soziales Ereignis begreifen, das vergangene wie gegenwärtige Zeit(en) reflektiert. Die gleichermaßen selbst-reflexiven wie produktiven Verfahren der Musik wie Parodie, Zitat, Cover und Sampling sind daher sowohl als Erinnerungsspeicher wie auch als Identifikationsmoment von Generationen zu verstehen.

Damit diese Mechanismen wirksam werden, müssen diverse Prämissen und Ordnungskategorien wie Vorwissen oder äußere Rahmenbedingungen, d. h. Aufführungsanlässe, gegeben sein, die es genauer in Augenschein zu nehmen gilt. In diesem Beitrag steht die Form des Covers als musikalischer Erinnerungsort im Zentrum der Betrachtung, als ein Ort der Vergegenwärtigung kollektiver wie individueller Vergangenheit und Gegenwart.

Der Song Could it be magic bietet in seiner über Jahrzehnte andauernden Transformation von der dramatischen Pop-Ballade bis hin zur Tanznummer ein Beispiel für die Bedürfnisse, die Musik und ihre Rezipierenden sowie ihre Rezeptionsorte miteinander verbinden. Je nach zeitlichem Umstand, technischen Produktionsmöglichkeiten oder auch sozialer Funktion der Ausführenden finden sich Spiegelungen der Gegenwart wieder. Zu beachten ist dabei auch, dass solche Erinnerungen und Vergegenwärtigungen einer Inszenierung oder auch Übersetzung bedürfen, um entweder ein vergangenes Lebensgefühl zu reaktivieren oder ein neues kreieren zu können.

In: Mensch – Musik – Wissenschaft
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Volker Kalischs Schriften werden auf Hinweise überprüft, was interdisziplinäre Musikforschung auszeichnet. Es werden mehrere Übereinstimmungen mit Argumenten der Interdisziplinaritätsdebatte seit den 1960er Jahren sichtbar, von der sich die Disziplin Musikwissenschaft eher kategorisch fernhält.

In: Mensch – Musik – Wissenschaft

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Der Beitrag stellt die Frage nach dem Wesen und der Seinsweise des Musikwerks vor dem Hintergrund der Ontologie des musikalischen Werks des Husserl-Schülers Ingarden und gibt ihr eine an Wittgensteins Spätphilosophie angelehnte Wendung. Die Nähe von Ingardens Analyse des Kunstwerks als offenes Möglichkeitsfeld von Interpretationen einer gegebenen Partitur zu Wittgensteins Konzepts der Familienähnlichkeiten ist offenkundig. Für Wittgenstein ist die Bedeutung eines sprachlichen Zeichens eine Regel oder Anweisung, wie das betreffende Zeichen zu verwenden ist. Für Ingarden ist das musikalische Werk eine Regel oder Anweisung, was bei einer Ausführung auszuführen ist. Damit wird das musikalische Werk zu einer ontologisch offenen Entität, die einen grenzenlosen Zukunftshorizont umspannt. Offen ist sie infolge der Tatsache, dass sich die Ausdeutungen von musikalischen Werken ebenso wie die Identität der Begriffe bei Wittgenstein in der Regel nicht mit hinreichender Eindeutigkeit begrenzen lassen. Für Kunstwerke als Individuen sind dabei die Bemerkungen Wittgensteins zur Bedeutung des Namens ›Moses‹ in den Philosophischen Untersuchungen besonders relevant.

In: Mensch – Musik – Wissenschaft
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Im Blick auf ausdrücklich als theatrale Novitäten publizierte Werke wie Thomas Holcrofts melo-drama A Tale of Mystery stellt sich die Frage, was es eigentlich heißen kann, wenn Michel P. Pisani den Druck als »a blueprint for perfomance« bezeichnet. Die Betrachtung der Publikationsgeschichte nicht nur des Textes, der ihm beigegebenen Bildprogramme sowie der ebenfalls gedruckten Musik zeigt, dass die Drucke zu A Tale of Mystery nicht mehr wie bei Gotter und Benda darauf zielen, die möglichen Gradationen der Verbindung von Text und Musik (und – in den Notendrucken – der verschiedenen damit verbundenen Zeitregime) vorzuführen. Vielmehr geht es um die Frage, wie die Ausdruckspotentiale des Theaters und der Musik die Repräsentativität des Theaterspiels ins Ereignishafte überschreiten könnten und dabei dennoch – das ist vielleicht die für England spezifische klassizistisch-rationalistische Variante der Empfindsamkeit – Form und damit auch Autonomie wahren. Die untersuchten Drucke versuchen weder, vollständige Dokumentationen von, noch Vorschriften für Aufführungen zu sein, sondern erzeugen eben jene Lücke, die in Aufführung wie in der Lektüre durch Imagination aktiv geschlossen werden muss.

In: Mensch – Musik – Wissenschaft
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Der Beitrag untersucht in einer auto-ethnographischen Perspektive das Musikhören in abgelenktem Zustand und fragt dabei nach ›Besitz‹, ›Erinnerung‹ und dem ›emotionalen Hören‹ nach Adorno am Beispiel der Interpretation von Verdis Marquese di Posa (Don Carlo) durch den 2017 verstorbenen Dmitrij Hvorostovskij. Hier wird insbesondere der legendäre lange Atem des Baritons fokussiert und dabei über grundsätzliche symbolische Bedeutungen dieser menschlichen Grundfunktion nachgedacht. Im Hintergrund steht die anthropologische Sicht auf Musik als einem Basisbedürfnis des Menschen.

In: Mensch – Musik – Wissenschaft
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Robert Michels (1876–1936), aus der Parteiensoziologie nicht wegzudenken, ist als Musiksoziologe trotz eines umfangreichen und klugen Beitrags zur Soziologie des Nationalliedes in seinem Buch Der Patriotismus. Prolegomena zu seiner soziologischen Analyse (1929) nur vereinzelt wahrgenommen worden. Nach Erscheinen des Buchs diskutierten Soziologen, Historiker und Musikforscher in ihren zahlreichen Rezensionen jedoch gerade dessen Kapitel zum Nationallied ausgiebig. Dem Ausbleiben einer fortgesetzten, stetigen Rezeption von Michels’ Arbeiten zu Patriotismus und Nationallied spürt das erste Kapitel dieses Aufsatzes nach. Seiner wechselhaften politischen Biographie fällt für die weitgehend ausgebliebene Wahrnehmung von Michels als Musiksoziologe eine zentrale Rolle zu.

Michels untersucht in verschiedenen Publikationen mehrere Aspekte des Patriotismus, zunächst dessen ethische Begründbarkeit, die er lediglich dem Kulturpatriotismus attestiert. Des Weiteren setzt er sich mit der Geschichte und dem Verhältnis des Staates zur Nation auseinander. Als einzige Instanz, von der aus sich Patriotismus, Nation und Nationalismus versehen ließen, kristallisiere sich historisch der Wille heraus, eine nationale Gemeinschaft bilden zu wollen. In seinem Patriotismus-Buch schließlich überwiegt die Analyse der ideellen und ideologischen Faktoren der Vaterlandsliebe. Vor allem aber stellt er, komplementär zu den Ideen, die habituelle und lebensweltliche Verankerung des Patriotismus heraus; ein gern übersehener Aspekt.

Ausgehend vom Willen erschließt sich auch die Bedeutung, die Michels dem Nationallied für den Patriotismus zumisst. Musik fungiert für ihn nicht als Zeichenform, sondern wirke primär auf die Physis des Menschen ein, indem sie dessen Lebensgefühl und -energie (›turgor vitalis‹) hebe. Inhaltlich sei Musik ungerichtet und erfahre erst durch einen Gesangstext eine Bedeutungsfestlegung, die dem musikalisch gehobenen ›turgor vitalis‹ eine ideelle Orientierung gebe. Über das Zusammenwirken der verschiedenen Sinne und Erlebensweisen ist Musik aus Michels Sicht mit dem habituellen Erfahren der Lebenswelt verbunden und geeignet, die materiellen und ideellen Aspekte des Patriotismus miteinander zu verknüpfen. Welche Eigenschaften von Musik dazu beitragen, versucht er, anhand spezifischer Merkmale und Charaktere von Nationalliedern darzustellen. Überdies weist er bestimmte Typen von Nationalliedern aus, die verbunden seien mit Staatsformen und politischen Idealen, denen sie entsprächen. Allerdings, so seine Einschränkung, sei der Einfluss der geschichtlich wechselnden Kontexte der Nationallieder auf ihre jeweiligen Funktionen und den ihnen zugeschriebenen Bedeutungen erheblich.

In: Mensch – Musik – Wissenschaft
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Bei einem zweitägigen Symposium des Erzbistums Köln im Düsseldorfer Maxhaus (2018) bezeichnet Volker Kalisch als einer der federführenden Gestalter und Kenner der Materie in sieben Thesen Kirchenmusik vor allem als intentional und plural. Darüber hinaus fordert er vor allem ihre Authentizität ein.

Angefangen von den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts bis heute beschäftigte sich Volker Kalisch immer mit der Kirchenmusik. Ein Verzeichnis seiner Schriften wie der von ihm herausgegebenen Werke ist der Festschrift beigefügt.

In einer früheren Schrift zur Pfullinger Liederhandschrift (1982/1999) verweist er auf Beispiele nicht an Schriftlichkeit gebundener Musizierpraxis mystischer Frömmigkeit im ausgehenden Mittelalter.

Nach einem Abgleich der Ergebnisse des Symposiums mit der durch die Ereignisse der Jahre 2020–2022 diesen gegenüber stark veränderten Ausgangslage in der praktischen Ausübung von Kirchenmusik verweist der Verfasser auf aktuelle Ansätze einerseits gebundener, andererseits weitgehend notationsfreier Musik in der kirchenmusikalischen Verkündigung, wie sie (unter anderem) durch neue digitale Orgeltechnik in Kombination mit Singstimmen möglich wird als ein möglicher Weg aus vielfach vorzufindender Erstarrung.

In: Mensch – Musik – Wissenschaft