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Ralph Tuchtenhagen

Abstract

With the rediscovery of classical antiquity and the emergence of Renaissance humanism innovative theories about the origins of the European states occured. Traditionally, the legitimation of rule in early modern Europe referred to ancienniety, continuity, christianitas and its classical antique origin; however, as the unity of christianitas shattered by the Reformation, even pre-Christian (substitute) antiquities were used as references. This is true even in the case of Orthodox Europe, where Catholicism and Rome were no options to legitimize the tsars’ rule and where instead Byzantium and/or the Slavic past were important means of maintaining power. Moreover, the theories in question constructed frontiers and anti-worlds at the periphery of the European states, allegedly lacking a past whatsoever and being thus de-legitimized to exercise power.

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Katrin Cura

Abstract

Das Dokumentationswesen in der Chemie entwickelte sich im Spannungsfeld zwischen Praxis und Wissenschaft. In vorliegendem Aufsatz wird der Einfluß von Georgius Agricolas (1494–1555) Bergbaubuch De re metallica libri XII (1556) – eines der wichtigsten chemisch-technischen Werke der frühen Neuzeit – auf diesen Prozeß beleuchtet. Agricola ordnet die zeitgenössischen praktischen Kenntnisse nach dem Dokumentations- und Systematisierungsansatz der antiken Literatur. Einerseits will er das Wissen akademisieren und eine Grundlage für die weiterführende Diskussion schaffen, andererseits auch den Fachkundigen eine Arbeitsanleitung für die chemischen Verfahren geben. Dieser Anspruch spiegelt sich in Agricolas Dokumentationswesen wider, in dem die Vorgänge in Text und Bild beschrieben und Geräte, Substanzen sowie Materialien samt Zahlen und Maßangaben benannt werden. Die Abbildungen haben den Charakter von technischen Zeichnungen und ergänzen die Texte, indem sie die Geräte und Handlungsabläufe zeigen, womit Agricola Aspekte des modernen Protokollwesens vorwegnimmt. Sein Werk beeinflußte zunächst die Literatur der an der Praxis orientierten Chemie. Erst Ende des 18. Jahrhunderts wurde sein hoher Dokumentationsanspruch von der wissenschaftlichen Chemie übernommen.

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Sandra Richter

Abstract

Um Christian Weises Masaniello-Drama ranken sich zahlreiche Versuche, Innovation zu behaupten: Manche meinen, mit dem Drama kündige sich eine neue literatur-und kulturgeschichtliche Epoche an, der es wesentlich um den individuellen Charakter gehe. Vorliegender Beitrag interpretiert das Drama im europäischen Kontext, mit Blick auf seine Vorlagen und spätere Adaptationen. Im Ergebnis steht eine differenzierte Wahrnehmung des Textes als Drama von einem Charaktertypus – womit der Text in seinem zeitgenössischen Umfeld Innovatives leistet, ohne eine neue Epoche vorwegzunehmen.

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Sven Grosse

Abstract

Dieser Beitrag erörtert die Frage, ob die “Neuzeit” als Zeitalter der Säkularisierung von der vorausgegangenen, christlich geprägten Epoche abhängig sei. Hans Blumenberg hat diese Frage verneint: das Auftreten des neuzeitlichen, das Christentum ablösenden Geistes vollzöge lediglich wie das Auftreten des Christentums in der Spätantike eine “Umbesetzung vakant gewordener Positionen von Antworten”. Ausgehend von dieser These werden beide Schnittstellen der Geistesgeschichte miteinander verglichen: die späte Antike und die frühe Neuzeit. Das Christentum der Alten Kirche, aufgezeigt bei Tertullian und Augustin, verhält sich seiner Umwelt gegenüber sowohl konfrontativ als auch integrativ. Das ‘Credo quia absurdum’ ist die eine Seite derselben Haltung, deren andere Seite die Integration souverän ausgewählter Elemente der verschiedenen außerchristlichen Positionen ist. Der Einsatz neuzeitlicher Religionsphilosophie bei Edward Herbert von Cherbury hingegen versucht, die Vielheit einander widersprechender Positionen zu reduzieren auf das ihnen Gemeinsame. Auf diese Weise kommt es jedoch zu einer Auflösung der im Christentum vereinigten Elemente, aus der bisher keine neue Einheit hat gewonnen werden können. Das Wesen “postchristlicher” Neuzeit ist die – den Mechanismen von Innovation und Tradition gleichermaßen verpflichtete – zentrifugale Bewegung weg von der christlichen Einheit, von der sie mithin abhängig bleibt.

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Jürgen Sarnowsky

Abstract

Der Beitrag untersucht, wie es bei der Rezeption älterer naturphilosophischer Lehren an den spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Universitäten zu Innovationen kam. So spielten neben den Textvorlagen wie den Werken des Aristoteles Kommentare eine zentrale Rolle, die teilweise wiederum selbst kommentiert und dem akademischen Unterricht zugrunde gelegt wurden. Ungeachtet persönlicher Kontakte und des Austauschs von Manuskripten kam es dabei auch zu Mißverständnissen, und die Rezeption erfolgte abhängig von den Rezipienten mit unterschiedlicher Intensität. So ergaben sich folgende Ansatzpunkte für Neuerungen: 1. Die Verbreitung alternativer Lösungen erlaubte es, unter sich ändernden doktrinalen Rahmenbedingungen neue Akzente zu setzen und die bisherigen Lehren zu ergänzen oder zu modifizieren. 2. Daneben führten unvollständige Informationen und ein neues Verständnis älterer Texte dazu, daß nach neuen Wegen gesucht werden mußte, die bisherige Theorien in Frage stellten.

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Sandra Richter and Johann Anselm Steiger