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Kunst am Pranger

Die Moderne im Nationalsozialismus

Andreas Hüneke

Erstmals seit Jahrzehnten liegt mit diesem Buch wieder ein Überblick über die Verfolgung der künstlerischen Moderne durch die Nationalsozialisten vor.
Die Nationalsozialisten haben die »Argumente«, mit denen die künstlerische Moderne verspottet und beschimpft wurde, nicht erfunden, sondern die Äußerungen des Unverständnisses und der Ablehnung begleiteten den Aufstieg der modernen Kunst von Anfang an. Auch solche Anschauungen fallen – sofern sie nicht juristisch relevante Tatbestände erfüllen – unter das Recht auf freie Meinungsäußerung in einer Demokratie. Das Besondere nationalsozialistischer Kunstpolitik liegt in dem Umstand, dass diese privaten Meinungen staatlich sanktioniert und zum Leitfaden für das Handeln öffentlicher Einrichtungen und schließlich des Staates selbst umfunktioniert wurden. Die moderne Kunst wurde öffentlich an den Pranger gestellt.

Ediert von Christoph Wagner

Ist die Moderne tatsächlich unsere Antike, wie man auf der documenta XII behauptete? Keine Epoche hat die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts so nachhaltig mit neuen Ideen, künstlerischen Konzepten, Programmschriften und geistesgeschichtlichen Denkfiguren versorgt wie die Moderne.
Auf diese Anerkennung folgte aber die Kritik: Die Konzepte und Forderungen der Moderne wurden in Frage gestellt, ihre künstlerischen Gestaltungslehren und Programme auf ihre Brauchbarkeit und ideologischen Gehalte hin überprüft.
Aus der Distanz des 21. Jahrhunderts eröffnen sich veränderte Perspektiven, aus denen die Dispositive der Moderne und ihre zahlreichen rezeptionsgeschichtlichen Brechungen neu befragt werden können: Ausgehend vom Stichjahr 1910 zeigen die Beiträge neue Aspekte der Moderne und ihrer Rezeption bis hinein in die Gegenwartskunst.

Adolf Hölzel

Ediert von Christoph Wagner and Oliver Jehle

Adolf Hölzel war nicht nur ein Kunstpädagoge von ungeheurer Bedeutung, sondern auch ein Pionier in der theoretischen Bestimmung der ungegenständlichen Kunst: »Absolute Malerei« ist der Begriff, den Adolf Hölzel prägte.
In zahlreichen Aufsätzen und auf 4000 überlieferten Schriftblättern aus dem sogenannten »kunsttheoretischen Nachlass« entwickelt Adolf Hölzel seine Theorie, die allein an den Mitteln orientiert ist, die ein Bild konstituieren – unabhängig davon, ob etwas Gegenständliches dargestellt wird oder nicht. Denn jedes Bild ist, so Adolf Hölzel, allein ein abstraktes Gebilde von Linien, Formen und Farben. Seine kunsttheoretischen Schriften sind nun kommentiert und in chronologischer Reihenfolge erstmals zugänglich, inklusive seiner zentralen Aufsätze und Schriften, bisher unpublizierter Manuskripte und ausgewählter Briefe des vielleicht wichtigsten Kunstpädagogen des 20. Jahrhunderts

Bewegungsfiguren

Über die Bewegung der Strichfigur in der Zeichnung und ihre Bedeutung für den Zeichentrickfilm

Pirkko Rathgeber

Wie kommt die Bewegung ins Bild? An Beispielen seit der Renaissance erkundet der Band eine der fundamentalen Fragen der Kunst und liefert damit zugleich einen Beitrag zu einem neuen Verständnis des Zeichentrickfilms.

Die Strichfigur ist seit der Höhlenmalerei eines der grundlegenden Bilder unserer Kulturgeschichte. Weniger bekannt ist, dass diese Figur seit der Proportions- und Bewegungslehre der Renaissance als zentrales handwerkliches und theoretisches Mittel zur Entwicklung der figürlichen Bewegung im Bild fungiert und bis heute in verschiedenen Disziplinen genutzt wird.
Der Band diskutiert theoretische Reflexionen zu Zeit und Bewegung im Bild, um die zeichnerische Konstruktion von Bewegung seit Leonardo und Dürer nachzuvollziehen. Die Beobachtung der gezeichneten Bewegung erlaubt eine neue Annäherung an die Bewegung im Zeichentrickfilm. Zahlreiche, teilweise erstmals publizierte Bildbeispiele zeigen die bewegte Strichfigur über die Jahrhunderte.

Bild-Beispiele

Zu einer pikturalen Logik des Exemplarischen

Ediert von Andreas Cremonini and Markus Klammer

Die Untersuchung von Strukturen des Exemplarischen ist in den letzten Jahren vermehrt in den Fokus geisteswissenschaftlicher Forschung gerückt. Der Band beleuchtet in systematischer und historischer Perspektive Funktionen der Verwendung von Bildern als Beispielen, Illustrationen und Exempla.
Im Mittelpunkt des Buches steht die Frage, wie Bilder in epistemologische, kunsttheoretische und philosophische Diskurse eingebunden sind. Die grundlegende Annahme lautet: Der theoretische Umgang mit Bildern gehorcht einer Logik des Exemplarischen, welche die Allgemeinheit der Argumente an die konkrete Gegebenheit eines Anschaulichen bindet. »Logik« wird dabei in einem weiten, inklusiven Sinn verstanden, der die lange Tradition der Rhetorik, aber auch Kants Überlegungen zum reflexiven ästhetischen Urteil und die psychoanalytische Analyse des singulären Falls umfasst.

Ediert von Henriette Hofmann, Gerald Wildgruber, Barbara Schellewald and Sophie Schweinfurth

Die Dynamik von Enthüllen/Verbergen charakterisiert sowohl vormoderne Bildpraktiken wie eine Eigentümlichkeit vormoderner Bildbegriffe, die sich aus dem Spannungsfeld von Präsenz und Entzug herleiten.
Der Band perspektiviert erstmals interdisziplinäre Beiträge aus dem Feld der Vormoderne im Hinblick auf die für unterschiedliche Bildphänomene entscheidende Dynamik von Enthüllen/Verbergen und präsentiert so unterschiedliche Zugänge, die das Thema für die Vormoderne als ein zentrales Moment fruchtbar machen: für Bildpraktiken in ihren unmittelbaren sozialen, religiösen und historischen Zusammenhängen ebenso wie für die begriffsgeschichtliche Relevanz von Enthüllen/Verbergen, die letztlich darüber entscheidet, was im jeweiligen, kulturellen Kontext Bild ist oder sein kann.

Belebungskünste

Praktiken lebendiger Darstellung in Literatur, Kunst und Wissenschaft um 1800

Ediert von Nicola Gess, Annette Kappeler and Agnes Hoffmann

Um 1800 entstand die Idee der ,lebendigen Darstellung‘ als Schlüsselbegriff in der ästhetischen Theorie und Praxis, der eine neue Popularität von Lesegesellschaften, deklamatorischen Veranstaltungen, öffentlichen Aufführungen von Tableaux vivants und vielen anderen Formen der Kunst- und sogar Wissenschaftsvermittlung auslöste.
Der vorliegende Band untersucht das neue Interesse an ästhetischer Lebendigkeit aus praxeologischer Sicht und nimmt z. B. das Werk von Ludwig Tieck, E.T.A. Hoffmann oder Johann Gottfried Herder in den Blick.

Schauspiele des Halbversteckten

Eine Bildgeschichte des gemalten Vorhangs

Claudia Blümle

Kulturtechnik Malen

Die Welt aus Farbe erschaffen

Ediert von Ludger Schwarte, Charlotte Warsen and Meret Kupczyk

Älter noch als das Rechnen, Schreiben und Lesen gehört Malerei zu den elementarsten Kulturtechniken.
Malend erschuf der Mensch Sehweisen und Weltanschauungen aus Farbe und entwickelte die Basis graphischer und bildlicher Systeme.
Welche Dimension gewinnt menschliche Wirklichkeit erst durch die Möglichkeit von Malerei? Entlang der Wände jungpaläolithischer Höhlen, durch den von der Interaktion mit Farbe geprägten Alltag der Maya, bis zu heutigen Malverfahren, die der Farbe neue Funktionen und Wirkungen entlocken, folgen die Beiträge der Arbeit des Menschen mit Farbe und fragen nach ihren lebensweltlichen Zusammenhängen und ihrer epistemischen, kulturellen und politischen Bedeutung.
Die Orientierung am Begriff der Kulturtechnik soll dabei eine neuartige Sichtweise auf die Malerei ermöglichen, die sie nicht nur im Rahmen kunstgeschichtlicher Entwicklungen betrachtet, sondern allgemeiner nach der Rolle des Malens in der Herausbildung kultureller Räume fragt.

Pedro Berruguete und das Altarbild in Spanien um 1500

Zur Ästhetik und Semantik transkultureller Aneignungsprozesse

Sven Jakstat

Das Buch liefert neue Perspektiven auf Schlüsselwerke der spanischen Kunst der Frühen Neuzeit und analysiert diese unter der Prämisse transkultureller Aneignungsprozesse.
Pedro Berruguete gilt als der erste Renaissancemaler Kastiliens. Nach einem Aufenthalt am Hof des Herzogs von Urbino schafft er in Spanien überwiegend Gemälde, die in riesige Altarretabel integriert werden. Diese Bildwände unterscheiden sich aufgrund ihrer Monumentalität und ihrer ausdifferenzierten Bildstruktur fundamental von Altarbildern in anderen Regionen Europas. Um die vielfältigen Dimensionen transkultureller Aneignungsprozesse erfassen zu können, werden die Altarretabel erstmals auf das Zusammenwirken von Form und Inhalt hin untersucht.