Edited by Martin Stingelin and Susanne Holl

Friedrich Kittler ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen Denker von internationalem Rang. Seine Arbeiten zur Literatur- und Kulturwissenschaft, zur Technik- und Kriegsgeschichte, Philosophie, Mathematik und Musik und vor allem der von ihm begründeten historischen Medienwissenschaft wurden bis heute in über ein Dutzend Sprachen übersetzt. Während er für die Einen längst zum Kanon der Maîtres-penseurs zählt, bleibt er für Andere ein enfant terrible, dessen provokanter Zugriff auf unser Geistes- und Kulturerbe nach wie vor irritiert. Unbestritten aber ist, dass Kittlers Schreiben und Reden über vier Dekaden die akademische Welt gründlich verändert hat.
Sein reichhaltiger Nachlass, der im Deutschen Literaturarchiv Marbach zusammengeführt und gepflegt wird, bildet die Grundlage für die Herausgabe seiner Werke. Die Medien, in denen und über die er gearbeitet hat, sollen spezifisch zum Tragen kommen. Das Programm seiner Gesammelten Werke lautet: »Gesammelte Schriften, Stimmen, Hard- und Software«. Die bei Wilhelm Fink erscheinenden »Gesammelten Schriften« umfassen alle zu Lebzeiten publizierten Texte und Unveröffentlichtes aus dem Nachlass sowie ausgewählte Vorlesungen und Interviews; unter »Stimmen« sollen auf audiovisuellen Medien Vorlesungen, Seminare und Interviews zugänglich gemacht werden; unter »Hard- und Software« sollen Schaltpläne und Source-Codes dokumentiert, erschlossen und auf einem Server zugänglich gemacht werden.
Die Edition der »Gesammelten Schriften« wird voraussichtlich dreizehn Monografien, dreizehn Aufsatz- und drei Interviewbände enthalten. Der Editionsplan geht auf Absprachen zurück, die Friedrich Kittler noch zu Lebzeiten mit seiner Frau Susanne Holl und seinem Verleger Raimar Zons getroffen hat. Als Gesamtherausgeber konnte Martin Stingelin gewonnen werden, der auch den ersten, jetzt im Frühjahr erscheinenden Band (Der Traum und die Rede) ediert. Im Herbst 2014 erscheint Musik und Mathematik II, »Roma aeterna«, aus dem Nachlass herausgegeben und kommentiert von Gerhard Scharbert.


Monographien:

1. Hebbels Einbildungskraft
2. Der Traum und die Rede
3. Aufschreibesysteme 1800/1900
4. Grammophon Film Typewriter
5. Optische Medien
6. Eine Kulturgeschichte der Kulturwissenschaft
7. Unsterbliche
8. Musik und Mathematik I.1, »Aphrodite«
9. Musik und Mathematik I.2, »Eros«
10. Musik und Mathematik II (Nachlass), »Roma aeterna«
11. Musik und Mathematik III und IV (Nachlass)
12. Philosophien der Literatur
13. Radio

Christoph Grabenwarter

Michael Brenner

Der moderne Staat ist vielfach ein öffentlicher, ein sichtbarer, ein medialer Staat, er ist aber zugleich auch ein geheimer, das heißt bestimmte Informationen geheim haltender wie auch im Geheimen agierender Staat.
Er muss dies auch sein, da er als wehrhafter Staat zur Gewährleistung von Sicherheit nach innen und außen verpflichtet ist. Handelt der Staat im Geheimen, so geht es insoweit stets um Risikominimierung in Sachen Sicherheit auf Kosten grundrechtlicher Freiheit. Allzu freimütige, bundesverfassungsgerichtlich durchgesetzte Freiheitssicherung geht aber dann zu Lasten der Sicherheit des Staates, wenn diese mit behördlichem Unvermögen und bundesstaatlichem Kompetenzwirrwarr zusammentrifft. Auch wenn sich der geheime Staat gerade in jüngerer Zeit durch zahlreiche Pannen der Geheimdienste als wenig professionell erwiesen hat, so ist eine grundlegende Reform der deutschen Sicherheitsarchitektur doch wenig wahrscheinlich. Allenfalls verfahrensrechtliche Neujustierungen sind vorstellbar.

Indra Spiecker gen. Döhmann

Der Umgang des Staates mit Information ist von vielschichtigen Konzepten durchdrungen.
Behebung von Marktversagen zur Herstellung einer Marktgängigkeit von (privaten) Informationen ist nur eines der Konzepte. Gewährleistung von Transparenz zur Demokratiesicherung, Information als Entscheidungsgrundlage staatlichen und privaten Handelns, als Instrument der Steuerung oder auch die Herausbildung einer Infrastrukturordnung sind andere Funktionen und Ziele, die staatliche Vorgaben bedienen. Der Staat tritt dabei in verschiedensten Rollen auf und agiert auf der Basis unterschiedlicher Informationskonzepte. Diese Vielfalt offenzulegen und zu systematisieren, kann dazu beitragen, scheinbare Widersprüche aufzudecken und den Umgang mit privaten, öffentlichen, personenbezogenen und sachlichen Informationen besser auszugestalten: z.B. die brennenden Konflikte im Zeitalter von Digitalisierung und Internet zwischen wirtschaftlicher Nutzung von Daten einerseits und den Schutzrechten Privater andererseits.

Matthias Cornils

Edited by Matthias Cornils

Die digitale Revolution wirft fundamentale Fragen auf, die die kommunikativen Grundfähigkeiten in der Gesellschaft betreffen: Soziale Vernetzung, hochfrequente, schrankenüberwindende, wissensaggregierende Information und Diskursteilnahme auf der Habenseite, desintegrierende Fragmentierung, ja Kokonisierung des Einzelnen und rapide um sich greifender Verlust an Konzentrationsfähigkeit als vielbeschworene Risiken der Digitalisierung.
Ergeben sich daraus für den Verfassungsstaat und die Europäische Union Legitimation und Mandat zur Steuerung gesellschaftlicher Kommunikationsprozesse? Einiges spricht für eine zurückhaltend-skeptische Sicht auf ein derart anspruchsvolles Gewährleistungskonzept der Aufmerksamkeitsregulierung zur Erhaltung und Sicherung kommunikativer Verfassungsvoraussetzungen: Integrierende Demokratiepflege mit kommunikationsrechtlichen Mitteln läuft Gefahr, mit dem doch gerade zu schützenden Fundamentalwert individueller Autonomie in kaum auflösbare Spannung zu geraten.

Georg Lienbacher

Die Beziehungen des Staates zu seinen politischen Parteien sind komplex und ambivalent.
Staat und politische Parteien bedingen einander. Sie sind einerseits Voraussetzung für die Existenz und die Funktion des jeweils anderen. Andererseits haben sie auch das Potential, die Funktionstüchtigkeit des Staates gemessen an den verfassungsrechtlich vorgesehenen Einrichtungen und Verfahren zu gefährden. Vielfach überlagern sie diese und degradieren verfassungsrechtlich vorgesehene Organe zu Vollstreckern von Entscheidungen, die inhaltlich auf parteipolitischer Ebene getroffen wurden. Am Beispiel Österreichs werden sowohl die gegenseitige Bedingtheit als auch die Spannungsverhältnisse zwischen verfassungsrechtlichen Einrichtungen und deren parteipolitischen Überlagerungen aufgezeigt. Von den unterschiedlichen wissenschaftlichen Betrachtungsweisen wird der juristischen der Vorzug gegeben, wenngleich andere nicht zur Gänze ausgeblendet bleiben. Darüber hinaus werden Überlegungen zur Beseitigung bzw. Begrenzung der aufgezeigten Disfunktionalitäten angestellt.

Regional Integration in Africa

What Role for South Africa?

Series:

Edited by André Mbata Mangu

In Regional Integration in Africa: What Role for South Africa, Henri Bah, Zondi Siphamandla and Andre Mbata Mangu reflect on African integration and the contribution of post-apartheid South Africa. From their different scientific background, they demonstrate that despite some progress made under the African Union that superseded the Organisation of African Unity, Africa is still lagging behind in terms of regional integration and South Africa, which benefitted from the rest of the continent in her struggle against apartheid, has not as yet played a major role in this process. Apart from contributing to advancing knowledge, the book should be a recommended read for all those interested in African regional integration and the relationships between Africa and post-apartheid South Africa.
Contributors are Henri Bah, Andre Mbata Mangu, Eddy Maloka and Zondi Siphamandla.

Series:

Edited by Vincenzo Cicchelli, Sylvie Octobre and Viviane Riegel

Gathering scholars from five continents, this edited book displaces the elitist image of cosmopolitan as well as the blame addressed to aesthetic cosmopolitanism often considered as merely cosmetic. By considering aesthetic cosmopolitanism as a tool to understand how individuals and social groups appropriate the sphere of culture in a global world, the authors are concerned with its operationalization on two strongly interwoven levels, macro and micro, structural and individual. Based on the discussion of theoretical perspectives and empirically grounded research (qualitative and quantitative, conducted in many countries), this volume unveils new insights, on tourism and food, architecture and museums, TV series and movies, rock, K-pop and samba, by providing resources for making sense of aesthetic preferences in a global perspective. Contributors are: Felicia Chan, Vincenzo Cicchelli, Talitha Alessandra Ferreira, Paula Iadevito, Sukhmani Khorana, Anne Krebs, Antoinette Kujilaars, Franck Mermier, Sylvie Octobre, Joana Pellerano, Rosario Radakovich, Motti Regev, Viviane Riegel, Clara Rodriguez, Leslie Sklair, Yi-Ping Eva Shi, Claire Thoumelin and Dario Verderame.
Ernst Bloch’s thought is located at the intersection of classical German philosophy and historical materialist theory. It has played a major role in materialist thought in the 20th century and continues to influence discussions, especially in continental philosophy, today. Yet, his reception has historically been limited in the Anglophone context by an absence of available translations. Bloch’s self-consciously expressionistic, creative use of language and his allusive, esoteric style go some of the way to explaining this absence. Nevertheless, Bloch is an extremely interesting thinker whose work is sought after by a wide range of scholars, theorists and general readers in the English-speaking world. Against the background of the current revival of speculative philosophy and a burgeoning contemporary interest in historical materialism, the absence of much of his work in English translation represents a significant gap in scholarship and in the publication market. The Bloch Bibliothek seeks to address this requirement by developing a series of critical editions of Bloch’s works translated into English.

author

The Bourgeois Charm of Karl Marx & the Ideological Irony of American Jurisprudence employs a well-known body of work, Marx’s, to explain the inevitable limits of scholarship, in hopes to encourage academic boldness, and diversity, especially within American jurisprudence.
While scholarly meaning-making has been addressed in specific academic areas, mostly linguistics and philosophy, it has never been addressed in a triangular relationship between the text (T1) and its instigator (S1), as well as its subsequent interpellator (S2). Furthermore, while addressed as a result of difference, it has never been addressed for today’s liberal theory, which includes liberal jurisprudence, through the mirror of Marxist difference.
Scholarship is the unique product of the instigator’s private and public subjectivity, as all theory is aimed to be communicated and used by the scholarly community and beyond. Understanding its public life, textual instigators (S1) aim to control its meaning employing various research methods to observe reality and then to convey their narrative, or “philosophy”. But meaning is not fixed; it is negotiated by S1 and those theories interpellate (S2), according to their own private and public subjectivity, which covers their ideology. Negotiated meaning is always a surprise to both S1 and S2, surprise which is both ironic and ideological. The book has ten chapters, an index and a list of references