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Cilliers Breytenbach

Zusammenfassung

In diesem Vortrag wird der Ertrag des Wirkens Adolf Deissmanns für die neutestamentliche Wissenschaft anhand seines Werks Licht vom Osten, dessen sprach-, literatur-, religions-, sozial- und kulturgeschichtlichen Methoden und Ergebnissen sowie dessen Rezeption dargestellt. Es ist Deissmann darum gegangen, das Ethos des Christuskultes zu erfassen und vor seinem kulturgeschichtlichen Hintergrund auszulegen. Das macht ihn zu einem der ersten Religions- und Kulturhistoriker des Urchristentums und zum Vorreiter einer Literaturgeschichte der urchristlichen Schriften, wie sein Freund Martin Dibelius und sein Schüler Karl Ludwig Schmidt sie entwickelten. Über Dibelius beeinflusste Deissmann die US-amerikanische Forschung nachhaltig (Malherbe).

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G.H.R. Horsley

Zusammenfassung

Adolf Deissmann (1866–1937) war ein verhinderter Klassischer Philologe. Hätte die Last der familiären Tradition, in deren Erbe er stand, nicht auf ihm gelegen, hätte er vielleicht eine Karriere als Klassischer Philologe verfolgt, statt als Theologe, als der er Lehrstühle in Heidelberg und Berlin innehatte. Dass er seinen Fokus auf die Philologie legte, wird aus dem gesamten Œuvre seiner akademischen Publikationen ersichtlich, zumindest bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Licht vom Osten, sein berühmtestes Buch, zeigt uns, wie er sein Verständnis der Altertumswissenschaften von der Klassischen Philologie übernommen hat und es auf das Studium des Neuen Testaments anwendet. Auf diese Weise scheint er eine Art Erfinder einer „Neutestamentlichen Altertumswissenschaft“ gewesen zu sein. Die Lexikographie blieb ein Leitmotiv seiner Karriere, wenngleich ein eng umschriebenes: es ging ihm um die Erklärung der Sprache des Neuen Testaments durch nicht-literarische Texte, die auf Stein oder Papyrus erhalten geblieben sind. Sein Lexikon allerdings vermochte er nie zu vollenden. Dieser Beitrag soll prüfen, ob es im Kontext seiner Zeit angemessen ist, Deissmann als Epigraphiker, als Papyrologen oder als Lexikographen zu betrachten. Für den ersten Bereich seiner wissenschaftlichen Arbeit ist das Ergebnis negativ, für den zweiten leidlich positiv, und für den letzten Bereich unklar. Trotz dieses Befundes, darf man ihn weiterhin als Philologen ansehen, wenngleich als einen atypischen.

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Karl Dienst

Zusammenfassung

Der Beitrag beschäftigt sich mit den biographischen Bezügen Adolf Deissmanns nach Nassau, die er nach eigenem Bekunden auch für seine wissenschaftliche Arbeit als besonders prägend empfunden hat. Skizziert wird das geistig-religiöse Milieu, dem Deissmann entstammt, und dessen historischer Kontext, insbesondere die komplexen kirchenpolitischen Zusammenhänge in der Nassauer Landeskirche. Verfolgt wird diese Linie von der Geburt und Kindheit in Langenscheid und Erbach über Ausbildung, Vikariat und erste Berufsjahre in Dausenau und Herborn, bevor Deissmann 1897 eine ordentliche Professur in Heidelberg antrat, bis zur (abgelehnten) Berufung als Generalsuperintendent nach Wiesbaden im Jahr 1919.

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Dietz Lange

Zusammenfassung

Deissmann war in Deutschland einer der treuesten und tüchtigsten Mitarbeiter Söderbloms in Fragen der Ökumene. Beide Männer teilten ein lebendiges Interesse an der Geschichte der Religionen und den Angelegenheiten der Kirche. Einerseits schätzte Söderblom die wissenschaftliche Arbeit Deissmanns im Bereich des Neuen Testamentes sehr, besonders seine Ausführungen zum „mystischen“ Element im Denken des Paulus, das eng mit seinem eigenen Konzept von Religion übereinstimmt. Andererseits übernahm Deissmann dessen Auffassung von der Einheit der Kirche und unterstützte deren Ausbreitung. Dieses bedeutete, dass keine der existierenden Kirchen für sich beanspruchen kann, selbst die absolute Wahrheit zu besitzen. Ihr gemeinsamer Glaube an Christus und die Liebe vereinen sie. Diese Verbindung sollten sie durch die Bildung eines Weltkirchenrates sichtbar machen, wobei sie an ihren unterschiedlichen Glaubenstraditionen festhalten, über diese aber in friedlicher Art und Weise streiten sollten. Dabei sollten sie gemeinsam die geistliche Lücke, die der Erste Weltkrieg hinterlassen hat, in Angriff nehmen. Für Söderblom sollten die Kirchen, die so verbunden waren, Vorreiter für die Versöhnung zwischen den Nationen werden, welche das Ziel des Völkerbundes war. Seit der Stockholmer Konferenz im Jahr 1925 stimmte Deissmann mit seinem schwedischen Mentor in dieser Frage vollständig überein.

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Barbara Aland

Zusammenfassung

Deissmann nimmt zu den Fragen der Paulusforschung zu Anfang des 20. Jahrhunderts in keiner Weise Stellung, sondern geht bei seiner Sicht auf Paulus in erster Linie von den durch ihn neu fruchtbar gemachten epigraphischen und papyrologischen Quellen zur Umwelt des Paulus aus. Er erweist sich damit als das Beispiel eines Auslegers, dessen unbestrittenes Verdienst es ist, auf bisher vernachlässigte Quellen zur Erforschung der Gestalt des Paulus hingewiesen zu haben, der diese dann aber in ihrer Bedeutung derart überzieht, dass unzureichende Schlüsse gezogen werden. Der Beitrag demonstriert das an drei Hauptthemen von Deissmanns Paulusbetrachtung, an der sozialen Welt des Paulus, an der von Deissmann so genannten Christusmystik und an der von ihm als unliterarisch angesehenen Brieflichkeit der Paulusbriefe.

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Alexander Weiß

Zusammenfassung

Der Beitrag will zum einen zeigen, dass sich Deissmann in Licht vom Osten sehr viel differenzierter zur sozialen Zusammensetzung des frühen Christentums geäußert hat, als es die etwas eindimensionale Rezeption vermuten lässt, und dass er den Wortlaut einer Schlüsselstelle von der ersten zur vierten Auflage entscheidend modifiziert hat. In sehr viel zugespitzterer Form hatte er die ‚Unterschichtenthese‘ allerdings in einem Vortrag auf dem 19. Evangelisch-Sozialen Kongress in Dessau 1908 geäußert, und wahrscheinlich hat dieser Vortrag, bei dem eine große Zahl an Theologen zugegen war, viel stärker als Vehikel für die Verbreitung der These und ihre Verbindung mit dem Namen Deissmann gedient. Des Weiteren wird gezeigt, dass die ‚Unterschichtenthese‘ keineswegs die wissenschaftliche communis opinio seiner Zeit war, und schließlich werden Deissmanns tatsächlich ja eben sehr viel ausgewogenere Aussagen gewürdigt, welche bei genauerem Hinsehen vieles in nuce vorwegnahmen, was dann erst seit den 1980er Jahren von althistorischen Sozialhistorikern und Vertretern des ‚new consensus‘ unter den Neutestamentlern formuliert wurde.

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Albrecht Gerber

Zusammenfassung

Zwischen November 1914 und November 1921 verbreitete der Berliner Theologe und Philologe Adolf Deissmann die international wirkungsreichen Evangelischen Wochenbriefe, die bis 1917 zugleich in englischer Übersetzung unter dem Titel Protestant Weekly Letters erschienen. Mit diesen religions- und kulturpolitischen Schriften schuf er ein bedeutsames Forum für die internationale Völkerverständigung, das ihm weltweit zu einflussreichen Beziehungen verhalf. Die Briefe stehen über der zeitgenössischen Kriegspropaganda und sind deshalb ein wichtiger Quellenbestand zum damaligen internationalen Gedankenaustausch. Inhaltlich streben sie unbeirrt nach humanitärer Verständigung unter den Völkern, zeigen aber auch Deissmanns in Akademikerkreisen eher seltene Bereitschaft, eigene Standpunkte und Urteile durch einen gründlichen Reflexionsprozess zu revidieren, mithin eine besondere Charakterstärke. Obwohl sie heute historisch unterschätzt sind, können Deissmanns Wochenbriefe als ein vielseitiges Vorbild auch (oder besonders) für unsere Zeit gelten.

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David S. du Toit

Zusammenfassung

Dieser Aufsatz untersucht den Beitrag Deissmanns für die Lexikographie des urchristlichen Griechisch. (1) Zuerst wird die Geschichte des von Deissmann geplanten Lexikon-Projektes von dessen Anfang bis zu seinem endgültigen Scheitern nachgezeichnet. (2) Danach wird Deissmanns lexikographisches Programm analysiert und dessen teilweise Erfüllung durch andere beschrieben. (3) Schließlich werden Deissmanns bleibende theoretische Einsichten in Bezug auf die Lexikographie dargestellt und bewertet.

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Christoph Markschies

Zusammenfassung

Adolf Deissmann bekleidete von Oktober 1930 bis 1931 das Amt des Rektors der Friedrich-Wilhelms-Universität Unter den Linden. In seiner Amtszeit als Rektor sah er sich den politischen Herausforderungen seiner Zeit gegenüber. So war bereits während der Amtszeit seines Vorgängers die Deutsche Studentenschaft (DSt) innerhalb der gesamten Weimarer Republik aufgelöst worden, wodurch sich im November 1930 erste Studentenunruhen an der Berliner Universität ergaben, die Deissmann mit einem hohen Geschick an Diplomatie zu entspannen suchte, indem er die polizeiliche Ordnungsgewalt zunächst aus den Universitätsauseinandersetzungen zwischen den Studierenden heraushalten konnte. Die größten nach außen besonders wahrgenommenen Herausforderungen seines Rektorats waren die gewaltsamen Studentenproteste im Juni 1931, in deren Folge er die Universität für zwei Tage schließen und sieben Studenten relegieren und exmatrikulieren ließ, von denen ein Student Suizid beging, woraufhin Deissmann stark kritisiert wurde. Seine Amtszeit lässt sich daher als politischer Balanceakt eines neutestamentlichen Theologen innerhalb der Wirren der sich zunehmend radikalisierenden Studierenden charakterisieren, der stets versuchte, eine diplomatische Lösung zu finden.

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Jochen Flebbe

Abstract

The problem of the relation between author and text may be seen as the lynchpin in considering how biblical texts constitute God’s Word. The traditional and romantic equating of authors and texts causes some problems and requires a divine inspiration for the authors writing the holy texts of the Bible. The concept of intentio operis, invented by Umberto Eco, makes room for an understanding of the Bible as the Word of God for a modern reader, without sacrificium intellectus. The intentio operis claims that a text is different from the author and that the meaning of the text is more than the will of the author – an autonomous entity of its own. This “surplus” of a text could be attributed to God and could be a way of dealing with a text written by human hands as a divine “utterance,” allowing for the biblical concept of “God as word.” The intentio operis contains meaning for the reader, but it can never be fully reached by the reader. Neither is God at humans’ disposal. Being polysemous and polyvalent, the intentio operis offers a pluralistic perspective for different people – and sets a limit on interpretation as well.