Author: Andreas Hüneke
Erstmals seit Jahrzehnten liegt mit diesem Buch wieder ein Überblick über die Verfolgung der künstlerischen Moderne durch die Nationalsozialisten vor.
Die Nationalsozialisten haben die »Argumente«, mit denen die künstlerische Moderne verspottet und beschimpft wurde, nicht erfunden, sondern die Äußerungen des Unverständnisses und der Ablehnung begleiteten den Aufstieg der modernen Kunst von Anfang an. Auch solche Anschauungen fallen – sofern sie nicht juristisch relevante Tatbestände erfüllen – unter das Recht auf freie Meinungsäußerung in einer Demokratie. Das Besondere nationalsozialistischer Kunstpolitik liegt in dem Umstand, dass diese privaten Meinungen staatlich sanktioniert und zum Leitfaden für das Handeln öffentlicher Einrichtungen und schließlich des Staates selbst umfunktioniert wurden. Die moderne Kunst wurde öffentlich an den Pranger gestellt.
Ist die Moderne tatsächlich unsere Antike, wie man auf der documenta XII behauptete? Keine Epoche hat die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts so nachhaltig mit neuen Ideen, künstlerischen Konzepten, Programmschriften und geistesgeschichtlichen Denkfiguren versorgt wie die Moderne.
Auf diese Anerkennung folgte aber die Kritik: Die Konzepte und Forderungen der Moderne wurden in Frage gestellt, ihre künstlerischen Gestaltungslehren und Programme auf ihre Brauchbarkeit und ideologischen Gehalte hin überprüft.
Aus der Distanz des 21. Jahrhunderts eröffnen sich veränderte Perspektiven, aus denen die Dispositive der Moderne und ihre zahlreichen rezeptionsgeschichtlichen Brechungen neu befragt werden können: Ausgehend vom Stichjahr 1910 zeigen die Beiträge neue Aspekte der Moderne und ihrer Rezeption bis hinein in die Gegenwartskunst.
Eine Bildgeschichte des gemalten Vorhangs
Series: Bild und Text
Author: Claudia Blümle
Im Akt der Enthüllung lässt ein beiseite geschobener Vorhang etwas zum Vorschein kommen, das zuvor verborgen war, und löst dadurch nicht nur das Interesse aus, dieses weiter zu ergründen, sondern lenkt auch unser Sehen. Dabei wird ersichtlich, mit welchen Mitteln ein Betrachter verführt wird, sich ein Bild anzusehen und wann welche Praktiken bestimmen, ob etwas in einem Bild zu sehen gegeben wird oder nicht gezeigt werden darf. Das vorliegende Buch fragt danach, auf welche Weise ein Vorhang im oder vor dem Bild die Begegnung mit dem Bild provoziert. Denn im Gegensatz zu einem distanzierten Sehen fordern die Vorhänge in den hier behandelten Kunstwerken vom 15. bis zum 19. Jahrhundert (u.a. Vermeer, Tizian, Velázquez, Manet, Cézanne) den Betrachter dazu auf, sich auf das im Bild Gezeigte einzulassen. Es ist ein Sehen, das zwischen dem Davor-Stehen und Sich-im-Bild-Bewegen zu pendeln beginnt. Ein Bild besteht somit weniger darin, Bedeutungsträger zu sein, sondern vielmehr darin, ein Zusammenspiel mit dem Betrachter und ein Sehen im Bild zu entfachen, dessen Reiz im Schauspiel des Halbversteckten liegt.
Early Modern Personifications of the Continents
Since antiquity, artists have visualized the known world through the female (sometimes male) body. In the age of exploration, America was added to figures of Europe, Asia, and Africa who would come to inhabit the borders of geographical visual imagery. In the abundance of personifications in print, painting, ceramics, tapestry, and sculpture, do portrayals vary between hierarchy and global human dignity? Are we witnessing the emergence of ethnography or of racism? Yet, as this volume shows, depictions of bodies as places betray the complexity of human claims and desires. Bodies and Maps: Early Modern Personifications of the Continents opens up questions about early modern politics, travel literature, sexualities, gender, processes of making, and the mobility of forms and motifs.

Contributors are: Louise Arizzoli, Elisa Daniele, Hilary Haakenson, Elizabeth Horodowich, Maryanne Cline Horowitz, Ann Rosalind Jones, Paul H. D. Kaplan, Marion Romberg, Mark Rosen, Benjamin Schmidt, Chet Van Duzer, Bronwen Wilson, and Michael Wintle.
Pictorial and Literary Transformations in Various Media, 1400-1800
This volume explores early modern recreations of myths from Ovid’s immensely popular Metamorphoses, focusing on the creative ingenium of artists and writers and on the peculiarities of the various media that were applied. The contributors try to tease out what (pictorial) devices, perspectives, and interpretative markers were used that do not occur in the original text of the Metamorphoses, what aspects were brought to the fore or emphasized, and how these are to be explained. Expounding the whatabouts of these differences, the contributors discuss the underlying literary and artistic problems, challenges, principles and techniques, the requirements of the various literary and artistic media, and the role of the cultural, ideological, religious, and gendered contexts in which these recreations were produced.

Contributors are: Noam Andrews, Claudia Cieri Via, Daniel Dornhofer, Leonie Drees-Drylie, Karl A.E. Enenkel, Daniel Fulco, Barbara Hrysko, Gerlinde Huber-Rebenich, Jan L. de Jong, Andrea Lozano-Vásquez, Sabine Lütkemeyer, Morgan J. Macey, Kerstin Maria Pahl, Susanne Scholz, Robert Seidel, and Patricia Zalamea.
Breslau, Stettin und Königsberg gehörten 1937 auch zu von der NS-Aktion „Entartete Kunst“ betroffenen Städten. Engagierte Museumsdirektoren hatten dort zuvor umfassende Sammlungen moderner Kunst aufgebaut. Mit der Beschlagnahme wurde die jahrelange Museumsarbeit zerstört.
Alle drei Städte gehörten schon vor der territorialen Ausdehnung zum Deutschen Reich. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs befanden sie sich durch die im Potsdamer Abkommen 1945 geregelte geographische Neuordnung in Gebieten der polnischen bzw. sowjetischen Verwaltungshoheit. Damit waren sie von der juristischen Klärung der Beschlagnahmeaktion und den musealen Regenerationsbestrebungen in Deutschland ausgeschlossen. Die besonderen Umstände geben Anlass, Licht auf die damaligen Geschehnisse zu werfen und nach den Auswirkungen bis heute zu fragen.
Materialität und Konzeptkunst
Gase, Ultraschall und Radiowellen – die Werke des amerikanischen Konzeptkünstlers Robert Barry zeichnen sich durch einen eigenwilligen Materialgebrauch, Unsichtbarkeit und Unbestimmbarkeit aus.
Die monographische Studie zu Robert Barry als einem der zentralen Vertreter der New Yorker Konzeptkunst der 1960er Jahre setzt bei der Materialität dieser Werke an. Entgegen Auffassungen einer entmaterialisierten Konzeptkunst folgt die Untersuchung von einer minimalistisch geprägten Malerei bis hin zu sprachlich formulierten Werken der wechselseitigen Bedingtheit von Material und Konzept. Im Kontext zeitgenössischer Theorien und Kontroversen liest die Autorin diese als kritische Auseinandersetzung mit einem modernistischen Kunstverständnis und als Reflexion von Visualität und Objekthaftigkeit, des Verhältnisses von Sprache, Material und Wahrnehmung und den Erscheinungsformen von Kunst.
Der vorliegende Band perspektiviert erstmals interdisziplinäre Beiträge aus dem Feld der Vormoderne im Hinblick auf die für unterschiedliche Bildphänomene entscheidende Dynamik von Enthüllen/Verbergen und präsentiert so unterschiedliche Zugänge, die das Thema für die Vormoderne als ein zentrales Moment fruchtbar machen: für Bildpraktiken in ihren unmittelbaren sozialen, religiösen und historischen Zusammenhängen ebenso wie für die begriffsgeschichtliche Relevanz von Enthüllen/Verbergen, die letztlich darüber entscheidet, was im jeweiligen, kulturellen Kontext Bild ist. Als Versuch eines vormodernen Panoramas der substantiellen Bewegung von Enthüllen/Verbergen versammelt der Band Beiträge aus den Bereichen der Sinologie, Ägyptologie, der Iranistik, Alt-Philologie, Philosophie und der mittelalterlichen und islamischen Kunstgeschichte.
This volume honors the work of a scholar who has been active in the field of early modern history for over four decades. In that time, Susan Karant-Nunn’s work challenged established orthodoxies, pushed the envelope of historical genres, and opened up new avenues of research and understanding, which came to define the contours of the field itself. Like this rich career, the chapters in this volume cover a broad range of historical genres from social, cultural and art history, to the history of gender, masculinity, and emotion, and range geographically from the Holy Roman Empire, France, and the Netherlands, to Geneva and Austria. Based on a vast array of archival and secondary sources, the contributions open up new horizons of research and commentary on all aspects of early modern life.

The contributors are: James Blakeley, Robert J. Christman, Victoria Christman, Amy Nelson Burnett, Pia Cuneo, Ute Lotz-Heumann, Amy Newhouse, Marjorie Elizabeth Plummer, Helmut Puff, Lyndal Roper, Karen E. Spierling, James D. Tracy, Mara R. Wade, David Whitford, and Charles Zika
Historische und zeitgenössische Bildpraxen in globalen Kulturen
Series: dynamis
In einer von Bildern vermittelten globalen Kultur werden Bilder mit politischen und religiösen Inhalten benutzt, um Handlungen auszulösen. Bilder fungieren als Kulturagenten des Politischen und des Religiösen mit weitreichendem Interaktionsradius.
Bilder steuern zentral die Wahrnehmung von Kulturen. Begreift man Kultur als gesellschaftspraktische Lebensform, dann lassen sich Bildkulturen als Gesamtheit der bildlichen Repräsentationen und Bildpraktiken bestimmen, durch die eine Kultur ihre Wirklichkeit konstruiert und behauptet. Die Frage nach Bildkultur(en) wäre eine Frage nach dem ‘Imagineering’, dem mentalen und physischen Erzeugen von Bildern, nach Bildtechniken und Bildpraktiken, nach anthropologischen und kulturellen Verortungen von Bildern im Spannungsfeld zwischen ,ImaginNation‘ und Migration. Die Beiträge des Bandes eröffnen eine ,Bildpraxeologie‘ des Politischen und erweitern damit den Horizont der Kulturwissenschaften um geopolitische Aspekte der Bildverwendung.