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Michael Brenner

Der moderne Staat ist vielfach ein öffentlicher, ein sichtbarer, ein medialer Staat, er ist aber zugleich auch ein geheimer, das heißt bestimmte Informationen geheim haltender wie auch im Geheimen agierender Staat.
Er muss dies auch sein, da er als wehrhafter Staat zur Gewährleistung von Sicherheit nach innen und außen verpflichtet ist. Handelt der Staat im Geheimen, so geht es insoweit stets um Risikominimierung in Sachen Sicherheit auf Kosten grundrechtlicher Freiheit. Allzu freimütige, bundesverfassungsgerichtlich durchgesetzte Freiheitssicherung geht aber dann zu Lasten der Sicherheit des Staates, wenn diese mit behördlichem Unvermögen und bundesstaatlichem Kompetenzwirrwarr zusammentrifft. Auch wenn sich der geheime Staat gerade in jüngerer Zeit durch zahlreiche Pannen der Geheimdienste als wenig professionell erwiesen hat, so ist eine grundlegende Reform der deutschen Sicherheitsarchitektur doch wenig wahrscheinlich. Allenfalls verfahrensrechtliche Neujustierungen sind vorstellbar.

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Indra Spiecker gen. Döhmann

Der Umgang des Staates mit Information ist von vielschichtigen Konzepten durchdrungen.
Behebung von Marktversagen zur Herstellung einer Marktgängigkeit von (privaten) Informationen ist nur eines der Konzepte. Gewährleistung von Transparenz zur Demokratiesicherung, Information als Entscheidungsgrundlage staatlichen und privaten Handelns, als Instrument der Steuerung oder auch die Herausbildung einer Infrastrukturordnung sind andere Funktionen und Ziele, die staatliche Vorgaben bedienen. Der Staat tritt dabei in verschiedensten Rollen auf und agiert auf der Basis unterschiedlicher Informationskonzepte. Diese Vielfalt offenzulegen und zu systematisieren, kann dazu beitragen, scheinbare Widersprüche aufzudecken und den Umgang mit privaten, öffentlichen, personenbezogenen und sachlichen Informationen besser auszugestalten: z.B. die brennenden Konflikte im Zeitalter von Digitalisierung und Internet zwischen wirtschaftlicher Nutzung von Daten einerseits und den Schutzrechten Privater andererseits.

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Matthias Cornils

Edited by Matthias Cornils

Die digitale Revolution wirft fundamentale Fragen auf, die die kommunikativen Grundfähigkeiten in der Gesellschaft betreffen: Soziale Vernetzung, hochfrequente, schrankenüberwindende, wissensaggregierende Information und Diskursteilnahme auf der Habenseite, desintegrierende Fragmentierung, ja Kokonisierung des Einzelnen und rapide um sich greifender Verlust an Konzentrationsfähigkeit als vielbeschworene Risiken der Digitalisierung.
Ergeben sich daraus für den Verfassungsstaat und die Europäische Union Legitimation und Mandat zur Steuerung gesellschaftlicher Kommunikationsprozesse? Einiges spricht für eine zurückhaltend-skeptische Sicht auf ein derart anspruchsvolles Gewährleistungskonzept der Aufmerksamkeitsregulierung zur Erhaltung und Sicherung kommunikativer Verfassungsvoraussetzungen: Integrierende Demokratiepflege mit kommunikationsrechtlichen Mitteln läuft Gefahr, mit dem doch gerade zu schützenden Fundamentalwert individueller Autonomie in kaum auflösbare Spannung zu geraten.

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Georg Lienbacher

Die Beziehungen des Staates zu seinen politischen Parteien sind komplex und ambivalent.
Staat und politische Parteien bedingen einander. Sie sind einerseits Voraussetzung für die Existenz und die Funktion des jeweils anderen. Andererseits haben sie auch das Potential, die Funktionstüchtigkeit des Staates gemessen an den verfassungsrechtlich vorgesehenen Einrichtungen und Verfahren zu gefährden. Vielfach überlagern sie diese und degradieren verfassungsrechtlich vorgesehene Organe zu Vollstreckern von Entscheidungen, die inhaltlich auf parteipolitischer Ebene getroffen wurden. Am Beispiel Österreichs werden sowohl die gegenseitige Bedingtheit als auch die Spannungsverhältnisse zwischen verfassungsrechtlichen Einrichtungen und deren parteipolitischen Überlagerungen aufgezeigt. Von den unterschiedlichen wissenschaftlichen Betrachtungsweisen wird der juristischen der Vorzug gegeben, wenngleich andere nicht zur Gänze ausgeblendet bleiben. Darüber hinaus werden Überlegungen zur Beseitigung bzw. Begrenzung der aufgezeigten Disfunktionalitäten angestellt.

Iver B. Neumann

Summary

Part of diplomatic work is public, so a diplomat must be presentable — that is, clean, smart or decent enough to be seen in public. This article starts by recognising the recent spate of work on aesthetics and representation in social sciences and diplomacy studies, and questions why it occurred so late when representation has always been constitutive of diplomacy, perhaps because of Enlightenment distrust of visuals and reaction against Nazi aestheticising of politics. Part two sets out what it takes to stage a successful visual performance and points to three factors: the agent’s own preparations; audience assessment; and mediatisation to a broader public. Part three analyses two successful performances of accreditation, highlighting how they succeeded because they were deemed particularly presentable by being remarkably smart and decent, respectively. In conclusion, I argue that smartness trumps decency. This offers female diplomats more options than males, but also incurs greater risks.

Paul Sharp, Jan Melissen, Constance Duncombe and Marcus Holmes

Adrian Blau

This paper offers a systematic analysis of Hobbes’s practical political thought. Hobbes’s abstract philosophy is rightly celebrated, but he also gave much practical advice on how to avoid disorder. Yet he is typically interpreted too narrowly in this respect, especially by those who only read him economistically. Other scholars supplement this economistic focus with sociological or political interpretations, but to my knowledge, no one stresses all three aspects of his thought. This paper thus examines each of Hobbes’s practical proposals for avoiding corruption and a state of nature. Hobbes clearly uses economistic, sociological and political approaches, which involve shaping incentives, desires/preferences, and opportunities, respectively. This intentionally anachronistic framework helps us see further, highlighting Hobbes’s rich and wide-ranging practical proposals for avoiding disorder – a crucial part of his theory.

Tristan Guerra, Chloé Alexandre and Frédéric Gonthier

Abstract

There has been much speculation as to how to interpret the Yellow Vest movement in France. Building on a survey of more than 5,000 Yellow Vests, this research report argues that producerism is key to make sense of the protesters’ populist attitudes and relationship to politics.

Krisztián Szabados

Abstract

The rise of populism coincides with a new wave of anti-intellectualism, articulated in the “War on Science.” This paper argues that there is no empirical evidence that the global surge of populism is accompanied by a general anti-science trend. However, there are similarities between the dissemination of scientific falsehoods in mass media and social media and the ways populist politicians use media to their end. First, this paper analyzes the history and the underlying sociological, psychological and cultural causes of the anti-science dispositions. Then, through the case studies of the U.S., Russia, Turkey and Hungary, the attitudes populist leaders exhibit towards science is discussed. Finally, the paper synthesizes the applicable scholarly literature from various disciplines to create an adequate framework for a comprehensive, multidisciplinary communication strategy for the pro-science camp.