Poetische Gerechtigkeit als kognitives Prinzip der Rezeption

Verrat und Strafe bei Arthur Schnitzler

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Poetische Gerechtigkeit ist ein seit der Antike bekanntes und in der Aufklärung zum normativen Prinzip erhobenes Konzept, das in der Gegenwart weitgehend als obsolet abgetan wird und heute meist nur noch in populärliterarischen Werken präsent ist. Interpretationen, welche die poetische Gerechtigkeit verwerfen, operieren jedoch mit einem traditionellen, textorientierten Begriff und behandeln sie als Strukturelement des Plots. Im vorliegenden Buch wird das Konzept im kognitionstheoretischen Rahmen neu interpretiert und nicht mehr als Bestandteil der Handlung, sondern als Interpretation des Lesers verstanden, motiviert von verschiedenen kognitiven Dispositionen, wie z.B. dem ‚Rechtsgefühl‘, dem ‚Glauben an eine gerechte Welt‘ oder der ‚altruistischen Bestrafung‘. Diese Neuinterpretation wird anhand von Arthur Schnitzlers Verräter-Narrativen erprobt, in denen eine für die Zeit um 1900 typische psychologisierende Version von poetischer Gerechtigkeit rekonstruiert wird.
The concept of poetic justice is reinterpreted within the framework of cognitive literary theory and is understood as the reader's interpretation. This reinterpretation of the concept is demonstrated through Arthur Schnitzler's stories of betrayal, which realise a psychologising version of poetic justice typical of the turn of the century around 1900.
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Márta Horváth ist Oberassistentin am Lehrstuhl für Österreichische Literatur und Kultur der Universität Szeged (Ungarn). Sie ist Leiterin der Forschungsgruppe für Kognitive Poetik. Bei Brill | mentis erschien zuletzt von ihr: Márta Horváth - Gábor Simon (Hg.), Negative Emotions in the Reception of Fictional Narratives.
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