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  • Author or Editor: Sigrid Graumann x
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In: Patientenautonomie
In: Gekauftes Gewissen?
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Das Verhältnis von Behinderung und Ethik ist bekanntlich nicht unproblematisch. Wenn Behinderung in ethischen Debatten überhaupt thematisiert wird, dann hauptsächlich in der Medizin- und Bioethik im Kontext von Entscheidungen am Anfang und am Ende des Lebens. Dabei wird ein Leben mit Behinderung oft einseitig mit einer schlechten Lebensqualität in Verbindung gebracht. Das ist der Hauptgrund, warum Aktivisten der Behindertenbewegung Ethikern vorwerfen, ein negatives Bild von Behinderung zu befördern. Die Wurzelns dieses Konflikts liegen in der Ko-Entwicklung der Neugeborenen-Intensivmedizin und der Bioethik und – damit zusammenhängend – der philosophischen Grundsatzdebatte über den moralischen Status von menschlichen Wesen mit eingeschränkten personalen Fähigkeiten. Im vorliegenden Beitrag wird argumentiert, dass die Debatte über den moralischen Status einerseits in der Tat diskriminierende Implikationen hat und andererseits aber die ethischen Probleme der Neugeborenen-Intensivmedizin nicht lösen konnte. Durch den Einfluss der Disability Studies scheint die Offenheit für die Einsicht in die soziale Konstruktion von Behinderung und die kritische Reflexion eines medizinischen, defektorientierten Verständnisses von Behinderung in der Ethik allerdings mittlerweile zu wachsen.

In: Zeitschrift für medizinische Ethik
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Abstract

Weil die Eizellspende in Deutschland verboten ist, reisen viele Paare in Nachbarländer wie Spanien oder Tschechien, wo diese legal angeboten wird. Die Eizellspende ist Teil eines kommerzialisierten, globalen fortpflanzungsmedizinischen Marktes. Die Praxis der Eizellspende wird unter Berücksichtigung der politischen, ökonomischen und sozialen Machtverhältnisse aus soziologischer Sicht betrachtet. Hierbei zeigt sich, dass die Praxis auf sozialen Ungleichheiten zwischen Kinderwunschpaaren und Eizellspenderinnen basiert. Dabei spielt auch rassistisches, eugenisches und klassistisches Denken eine Rolle.

In: Zeitschrift für medizinische Ethik
Anthropologische Dimensionen der Rechtsphilosophie
Der Band Körper und Recht eröffnet ein neues Forschungsfeld, das erhebliche Aufmerksamkeit finden dürfte. Denn in den Humanwissenschaften steht heute der Körper im Zentrum der Aufmerksamkeit. Dies gilt für die Naturwissenschaften genauso wie für die Kulturwissenschaften. In vielen Untersuchungen ist in den vergangenen Jahren die Entstehung der modernen Körper mit den sie hervorbringenden Prozessen der Distanzierung und Disziplinierung, der Sichtbarmachung des Inneren und der Selbstbeobachtung, des Willens zum Wissen und zur Macht nachgezeichnet worden. Jedoch ist dabei die Reziprozität von Körperkonzepten und Rechtsbegriffen sowohl in den Kultur- als auch in den Rechtswissenschaften noch völlig unbeachtet geblieben. Auch in den gegenwärtigen „lebenswissenschaftlichen“ Körperbildungsprozessen spielt das Recht eine zentrale Rolle. Rechtsnormen wirken unmittelbar ein auf die Konstitution der modernen Körper; Urteile markieren und sanktionieren den Körper; Rechtsdiskurse konstituieren das Verhältnis von Körper und Recht; Rechtshandlungen schaffen eine materielle gesellschaftliche Ordnung; Institutionen des Rechts erzeugen Kontinuität und Nachhaltigkeit. Einerseits ist das Recht in den modernen Demokratien ein ausdifferenzierbares Teilsystem der Gesellschaft, andererseits wird es, vor allem in seinen noch nicht kodifizierten Formen, performativ und hat Auswirkungen auf fast alle gesellschaftlichen Bereiche. Weil das Verhältnis von Körper und Recht sowohl für die humanwissenschaftlichen Forschungen über den Körper als auch für den Bereich des Rechts von herausragender Bedeutung ist, aber bislang kaum thematisiert und theoretisch reflektiert wurde, kann der vorliegende Band einen Anstoß dazu geben, sich der wechselseitigen Verschränkung von Körper und Recht bewußt zu werden. Einerseits stellen die Beiträge des Bandes die zentrale Bedeutung des Körpers für den Bereich des Rechts heraus, andererseits wird der Einfluß von Rechtsbegriffen auf Körperbilder deutlich. Dies gilt für die Geschichte des Rechts genauso wie für die gegenwärtigen Auseinandersetzungen über den menschlichen Körper, den Komplex von Biotechnologie und Macht. Das Ineinandergreifen von Körperbildern und Rechtsbegriffen bei der Konstitution von Rechtsnormen sowie bei Sanktionen, Abweichungen und Aushandlungen wird in einigen Beiträgen als die spezifische Performativität von Recht beschrieben. Daraus ergeben sich Fragen nach der Würde und Natur des Körpers, nach dem Körper als Träger von Rechten, nach dem Körper des Rechts, nach dem Unrecht und „Unkörper“, sowie nach dem Verhältnis von Recht und Anthropologie.