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Mit dem Staatsgebiet, so scheint es auf den ersten Blick, hat der Staat, abgezirkelt nach Flächenkoordinaten, seine Gestalt so endgültig gefunden, dass für ein Raumdenken kein Anlass besteht. Doch der erste Anschein trügt. Der Raum der internationalen Staatengemeinschaft ist übergeordnet in dem doppelten Sinne, dass er dem Staat seinen territorialen Bestand zuweist und dessen Grenzen für unverletzlich erklärt.
Erst diese Überordnung versetzt den Staat in die Lage, seine Ordnungsfunktion zu erfüllen, erst der umgebende Raum der internationalen Staatengemeinschaft begründet und legitimiert die staatliche Souveränität. Souveränität ist aus der Sicht des übergeordneten Raums nicht ein säkularer Nimbus des Staates, sondern eine staatliche Funktion, die auch angesichts des kontrafaktischen Postulats der Staatengleichheit und angesichts supranationaler Zusammenschlüsse notwendig und unverzichtbar ist.
Zwischen gutem Willen und geltendem Recht. 2. Auflage
Deutschland erlebt eine säkulare Flüchtlingswelle. Grundfragen des Staatsrechts werden in seltener Prägnanz aktuell: Die Staatsgrenzen stehen offen und werden von zehntausenden Menschen Woche für Woche weithin unkontrolliert passiert. Die Staatsgewalt erscheint ratlos, der Rechtsstaat verzichtet auf die Durchsetzung des geltenden Rechts, Regierung und Exekutive treffen ihre Entscheidungen am demokratisch legitimierten Gesetzgeber vorbei, staatsfinanzierte Medien üben sich in Hofberichtserstattung, das Volk wird stummer Zeuge der Erosion seiner kollektiven Identität. Was folgt, ist Verunsicherung; was droht, ist wachsende Radikalisierung; was Not tut, ist das Aufzeigen Orientierung stiftender Perspektiven. Politik und Staatsrechtslehre sind aufgefordert, verfassungsrechtliche Leitlinien, Maßstäbe und Grenzen zur Bewältigung der Flüchtlingskrise zu formulieren und umzusetzen.