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Alexander Schwarz

Abstract

Das hätte Molière sich nicht träumen lassen: 1980, mehr als dreihundert Jahre nach seinem dramatischen Tod, dienen zwei seiner Titelfiguren unabhängig voneinander zwei der großen theoretischen Ströme jener theorieversessenen Zeit als mythisches Totem. Was Freud mit Ödipus initiiert hat, konnte offenbar so unterschiedliche Gedankengebäude wie die Systemtheorie und die Dekonstruktion nicht unberührt lassen. Die Rede ist zum einen von Michel Serres und Tartuffe, zum andern von Shoshana Felman und Don Juan. Das mündet in die Frage, ob der immer unpassende Eulenspiegel nicht in beiden Fällen passender gewesen wäre.

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Alexander Schwarz

Abstract

Das Eulenspiegelbuch regt nicht nur seit mindestens 500 Jahren die Fantasie immer neuer Generationen von Benützern und Bearbeitern an, sondern seit 150 Jahren auch die von Forschern. Die Wende von der alten zur “Neuen Philologie” hat neue Begriffe und Konzepte ins Spiel gebracht, wie Performanz, Performativität und Konstativität, Varianz und Autorität, Körper und Verkörperung, Präsenz und Repräsentation, Medialität und Intermedialität, und alte Begriffe, wie Autor und Text, neu benützt. Mit ihnen soll den alten Fragen nach Eulenspiegels Körper, Sprachgebrauch und Sprachtheorie sowie seiner Bosheit nachgespürt werden, besonders aber seinem Machtkampf mit den Bearbeiter-Autoren verschiedener Fassungen, wie er sich im Verhältnis von direkter, indirekter und unbestimmbarer Redewiedergabe niederschlägt.

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Alexander Schwarz

Gedruckte Bücher um 1500 sind in Deutschland im Normalfall lateinisch, religiös und belehrend. Der Eulenspiegel ist in jeder Beziehung eine Ausnahme, was seinen sofortigen, internationalen und vielerorts bis heute ungebrochenen Erfolg ebenso erstaunlich macht wie es ihn erklären dürfte. Die Vorrede macht keinen Hehl daraus: Der Autor sei des Lateins unkundig und bittet die Leser, das Buch nicht zu Zeiten des Gottesdienstes aufzuschlagen, das er „Nur allein” zusammengestellt habe, „umb ein frölich Gemüt zu machen in schweren Zeiten”. Die Traditionalität der Vorrede ist bekannt, doch sie betrifft diesen letzten Punkt nicht, sodass wir durchaus danach fragen können, wie der Text mit seinem Verzicht auf Lehre und Wissenstransfer umgeht und ob sich dieser Umgang im Laufe der 500jährigen Rezeptionsgeschichte ändert.

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Alexander Schwarz

Zusammenfassung: Der Eulenspiegel der Erwachsenen ist heute ein Mythos. Der stlitzt sich allerdings nicht auf jene Text-Versionen, die ihn explizieren, sondern auf die Kinderbuchfassungen, die das mit ihrem harmlos-fröhlichen Till nicht tun. Der Unterschied zwischen Kinder- und Erwachsenen-Eulenspiegel ist folglich einer der Leseweise. Sie betrifft vor allem den männlichen, einsamen und vagabundierenden melancholischen Narren der mythischen Lesart. Gegenüber diesen Merkmalen Eulenspiegels haben sich seit dem 16. lahrhundert die Einstellungen erwachsener Leser so stark verschoben, dass der Mythos Eulenspiegel nicht weniger als Missverständnis gegenliber dem Eulenspiegel der impliziten Leser des 16. lahrhunderts erscheint als der lustige Till. Allerdings ist zu fragen, ob nicht jede Zeit den ihr gemäßen Eulenspiegel haben dart und soll.

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Sabine Seelbach and Alexander Schwarz