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Einführung mit zentralen Texten
Author:
Zweifellos hat kaum ein Denker die abendländische Philosophie und Geistesgeschichte so maßgebend geprägt wie Immanuel Kant. In der Pädagogik kommt ihm dagegen keine annähernd tragende Bedeutung zu. Im Gegensatz zu Rousseau und Herbart schafft es Kant nur selten, in den Rang eines pädagogischen Klassikers gehoben zu werden. Dies mag mit der Sperrigkeit seiner Texte, dem Gewicht auf philosophischen Fragen oder dem Eigentümlichen seiner Denkungsart zusammenhängen.
Dennoch macht sich der vorliegende Einführungsband zur Aufgabe, die Bedeutung Kants für die Pädagogik herauszuarbeiten. Dazu widmet er sich zentral der Transzendentalphilosophie und versucht, deren Kern anschaulich und verständlich freizulegen, um Bezüge aus Kants theoretischer und praktischer Philosophie für die Pädagogik als Erziehungslehre und Wissenschaft herzustellen.

Die Texte sind so gewählt, dass sie pädagogisch Relevantes aus dem gesamten Werk des Königsberger Denkers bieten und nicht bloß dessen Pädagogikvorlesung entnommen sind.
Zur Pathogenese der Moderne
Author:
Literarische Schiffreisen erreichen in der Antike ihr Ziel umwegig (Odyssee), modernen ist es weggebrochen, und ihre Fahrt verendet in einer ‚schlechten Unendlichkeit’ (Hegel). Es gibt keinen heimatlichen Hafen mehr, der zu erreichen wäre; es herrscht ‚transzendentale Obdachlosigkeit’ (Lukács); „Gott ist tot“ (Nietzsche). Die Schiffe – seit dem Fliegenden Holländer, der übersinnliche Werte im Geist des neu erwachten kopernikanischen Paradigmas als normative Orientierungspunkte ablehnt – irren und fahren sie mit dem „Wind, der in den untersten Regionen des Todes weht“ (Kafka). D. h., das trotzig abgewiesene Sinnangebot der übersinnlichen Welt behält negativ seine Kraft: Es hindert die Lebensreise des modernen Menschen, hienieden ans Ziel zu kommen. Die Unendlichkeit, zu der menschliches Streben fortan verurteilt ist, wird als Strafe erlebt für die Auflehnung gegen eine robustere Gestalt von Absolutheit, die von Stund an als unwiederbringlich abgegolten erlebt wird. Mittlerweile in ihrer 3., erweiterten Auflage präsentiert Manfred Frank die Geschichte des Motivs vom Fliegenden Holländer, dem Ewigen Juden bis zu Rimbauds Trunkenem Schiff und zu Kafkas Jäger Gracchus. Neben den verwandten Motiven des ‚kommenden Gottes’ (der ‚neuen Mythologie’) und der in Kälte erstarrenden Herzen gehört es zu denen, die am sprechendsten von den Pathologien der Moderne Zeugnis ablegen.
Zur schöpferischen Genese von Sinn im Vollzug der Erfahrung
Author:
Ist Lernen ein Finden oder ein Erfinden? In einer theoretisch präzisen und zugleich erfahrungsnahen Analyse legt das Buch Grundlagen für ein neues Verständnis von Lernen.
Evi Agostini widmet sich der Frage, wie das Lernen von Lernenden und Lehrenden verstanden und folglich besser gestützt und angestoßen werden kann, ohne den affektiven Teil des Geschehens aus dem Blick zu verlieren. Dabei wird das Spannungsfeld zwischen Lernen als Finden (des Gegebenen) und Er-Finden (des Neuen) nicht einfach aufgelöst, sondern in seinem eigentümlichen Zusammenspiel von reproduktiven und produktiven Elementen im Zwischenfeld von Subjekt und Objekt gedeutet. Damit legt die Autorin Grundlagen für eine kritische Lerntheorie, die Wirkungen von Schule und Unterricht aufzeigt, und die Frage nach der schöpferischen Genese von neuen Selbst, Fremd- und Weltbildern vor dem Hintergrund der Möglichkeiten gegenwärtigen Bildungsdenkens diskutiert.
Author:
Die Protestbewegungen der 1960er Jahre kritisierten ein umfassendes, alles durchdringendes autoritäres und repressives System: Dieses System bewirke eine Entfremdung der Individuen von ihren Bedürfnissen und Interessen, welche den Widerstand gegen soziale Herrschaft und kapitalistische Ausbeutung nahezu unmöglich mache. Eine solche Annahme macht jedoch den Standpunkt des Kritikers selbst prekär. Es ist nicht auszuschließen, dass er selbst noch den von ihm kritisierten Bedingungen unterliegt. Dieses Problem der Begründbarkeit einer gesellschaftskritischen Position scheint gerade für die deutsche Protestbewegung zentral geworden zu sein: Im Mittelpunkt ihrer Diskussionen stand die Frage nach dem Zusammenhang von notwendiger Selbstveränderung und sozialer oder politischer Veränderung. Die Auseinandersetzung lässt die Kontroversen der »68er« auch aus einer bildungsanalytischen Perspektive interessant werden, da sich in ihnen der problematische Zusammenhang von Prozessen der Selbst- und Weltveränderung entfaltet.
Zwischen Gerechtigkeitsversprechen und pharmazeutischem Hirndoping
Author:
Sollten Gedächtnis und Aufmerksamkeit steigernde Psychopharmaka auch für gesunde Lernende zugelassen werden? Die bioethische Diskussion um die Nutzung von leistungssteigernden Psychopharmaka für Gesunde wirft viele Fragen auf. Diese Fragen kreisen nicht nur um die gesundheitlichen Risiken, sondern – ähnlich wie im Hochleistungssport – auch um (pädagogische) Grenzen individueller Förderung oder sozialer Gerechtigkeitsvorstellungen. Eine Zulassung derartiger Medikamente und ihrer Einnahme durch Schüler unter den Bedingungen der Leistungskonkurrenz fordert sowohl das pädagogische Selbstverständnis wie auch die Funktionslogik der Schule zumindest heraus. Inwieweit sind gedopte Schüler noch für ihre Leistungen verantwortlich? Ist es gerecht, die Leistungen solcher Schüler mit den Leistungen anderer Schüler zu vergleichen, die solche Mittel nicht eingenommen haben?
Ein früher Gegner Hitlers und des Nationalsozialismus
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Hitler und die NSDAP zählten Fritz Gerlich (1883-1934), den Chefredakteur der Wochenzeitung »Der gerade Weg« in München, zu ihren schärfsten Gegnern. Er wurde bereits am 9. März 1933 verhaftet und am 1. Juli 1934 im KZ Dachau ermordet.
Fritz Gerlich gehörte zu den frühen Stimmen der Weimarer Republik, die vor Hitler und dem Nationalsozialismus warn-ten. Lange Zeit in Vergessenheit geraten, erfährt der streitbare und meinungsstarke Publizist nun durch den Historiker Rudolf Morsey auf der Grundlage von Gerlichs Nachlass eine umfassende Würdigung. Dabei verlief Gerlichs Weg gegen den »Hitlerbolschewismus« keineswegs so gradlinig, wie es der Titel seiner Zeitung »Der gerade Weg« suggeriert: Als Hauptschriftleiter der »Münchner Neuesten Nachrichten« unterstützte er kurzzeitig die NSDAP. 1927 veränderten Begegnungen mit der Mystikerin Therese Neumann aus Konnersreuth sein Leben. Sie gipfelten in der Konversion des Calvinisten zum überzeugten Katholiken. 1930 wurde Fritz Gerlich zum entschiedenen Gegner Hitlers, was ihn bereits 1934 das Leben kostete.
John Henry Newmans conversion narratives und die Rolle von Luther und Augustinus in seiner Rechtfertigungslehre
Newmans Lectures on the Doctrine of Justification sind vor dem Hintergrund seiner Apologia pro vita sua sowie seiner fiktiven conversion narratives Callista und Loss and Gain zu interpretieren, will man dem ökumenischen Potential seiner Rechtfertigungslehre in der Entgegensetzung von Luther und Augustinus gerecht werden.
John Henry Newmans berühmte Lectures on the Doctrine of Justification sind nicht nur eine Darstellung der Rechtfertigungslehre, wie sie im Neuen Testament zu finden und in der anglikanischen Kirche gelehrt worden ist. Sie gilt auch für die römisch-katholische Kirche, da Newman sie nach seiner Konversion fast unverändert wieder veröffentlichen konnte. Die zentrale Intention, die Newman in ihr verfolgt, und die in der Forschung kontrovers diskutierte Rolle, die Martin Luther und Aurelius Augustinus in ihr spielen, hängen eng mit Newmans Vorstellung der christlichen Bekehrungserfahrung zusammen. Das wird deutlich, wenn man seine drei conversion narratives, die Apologia pro vita sua sowie seine zwei Romane Callista und Loss and Gain bei der Interpretation der Rechtfertigungslehre berücksichtigt.
Einführung mit pädagogischen Texten
Author:
Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher war Philosoph, protestantischer Theologe, Altphilologe, Publizist, Kulturwissenschaftler, Kirchenpolitiker, Staatstheoretiker und last but not least Pädagoge. Gerade aufgrund seiner Vielseitigkeit gehört er zu den einflussreichsten Köpfen seiner Zeit. Doch nicht nur seine philosophischen und theologischen Schriften verschafften ihm bis in die Gegenwart andauernde Wirkung. Neben Johann Friedrich Herbart gehört er zu den Begründern der Pädagogik als Wissenschaft. Seine hermeneutisch-dialektische Denkweise prägt die geisteswissenschaftliche Pädagogik nachhaltig bis heute und stellt aktuell einen wichtigen Gegenpol zu einer rein empirisch-technologischen Erziehungswissenschaft dar. Schleiermachers Bedeutung für die Pädagogik wird in dem vorliegenden Band Rechnung getragen. Eine verständlich geschriebene Einführung und die völlig neu konzipierte Textauswahl machen heutige Leser mit der Pädagogik Schleiermachers gründlich vertraut und orientieren auch über deren ethische Grundlagen und ihren dialogischen Charakter.
Zur Form einer konventionalistischen Semantik
Author:
Die Idee, daß die Bedeutung sprachlicher Ausdrücke im Rückgriff auf ihren Gebrauch in der Sprache zu klären ist, ist seit Wittgenstein gängig. Das Buch verteidigt diesen Grundgedanken durch die Ausarbeitung einer prozeduralistischen Bedeutungstheorie, die zwei theoretische Strömungen zusammenführt: eine inferentialistische Semantik und eine konventionalistische Sprechakttheorie. Das Buch bietet darüber hinaus eine gründliche Diskussion realistischer und bescheidener Bedeutungstheorien sowie alternativer gebrauchstheoretischer Ansätze.