In: Wahrnehmen, Fühlen, Handeln
In: Phänomenologie der Sinnereignisse
In: Investigating Subjectivity
Editors: R.A. Mall and Dieter Lohmar
Der erste Band dieser Reihe trägt den Titel: Philosophische Grundlagen der Interkulturalität. Neben einer begrifflichen und inhaltlichen Klärung der Interkulturalität geht es in den Beiträgen um eine grundsätzliche Diskussion und Standortbestimmung der interkulturellen Philosophie in dem heutigen Weltkontext der Philosophie. Der heutige weltphilosophische Kontext bedarf einer komprehensiveren Hermeneutik.
Was Interkulturelle Philosophie ist, und worin ihr besonderer Beitrag zur Philosophie im ganzen bestehen kann, das kann sich allein in konkreten Ausarbeitungen erweisen. Der vorliegende Band repräsentiert eine breitgefächerte Auswahl sowohl der unterschiedlichen Ansatzpunkte, von denen interkulturelles Philosophieren ausgeht, als auch der diversen Forschungsgebiete innerhalb der Philosophie, die durch interkulturelle Fragestellungen angesprochen sind. Die Vielfalt der historischen und systematischen Zugangsweisen reflektiert die Überzeugung, daß Interkulturelle Philosophie kein in sich geschlossenes Lehrgebäude ist und ein solches auch nicht werden kann, sondern interkulturelles Philosophieren eine bestimmte Einstellung und eine Haltung darbietet, die auf der grundlegenden Annahme beruht, daß die letzte philosophische Einsicht, die Wahrheit im Singular, von niemandem allein erlangt worden ist und auch nicht erlangt werden kann.
Zum Projekt einer „erweiterten Vernunft“, das die Phänomeno-logie seit jeher verfolgt, gehört der Versuch, die zahlreichen Verhältnisse zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtba-ren zu klären. Dabei geht es im Rahmen einer Ästhesiologie oder einer Aisthetik nicht nur um eine Untersuchung der Potenziale des Sichtbaren, sondern auch des Unsichtbaren. Diese verweisen entweder auf den Grund der Möglichkeit der weltlichen Sichtbarkeit oder auf eine Grenze im Sinne eines „Ur-originären“, das sich dem Er-scheinen entzieht. Im ersten Fall nähert man sich dem Unsichtba-ren mit einer Kunst des Sehens dessen, was anderen unzugäng-lich bleibt, im zweiten Fall mit einer Kunst des „abweichenden“ oder anderen Sehens. Wir sehen meist nur, was wir bereits verste-hen, und sobald wir (wie in der Kunst) Unverständliches sehen, sehen wir plötzlich ganz anders.