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In: Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte

Ausgehend von der alten Forschungskontroverse um die Frage, ob Gryphius’ Trauerspiele heilsgeschichtlich-‘transzendent’ oder politisch-‘immanent’ zu verstehen seien, untersucht der Artikel die Gebetsstellen seines vermeintlich ‘mustergültigen’ Märtyrerdramas Catharina von Georgien. Dabei lässt sich zeigen, dass gerade die Gebete zwar ‘immanente’, aber weniger politisch-staatsphilosophische als poetologisch-dramentechnische Zwecke erfüllen. Gleichzeitig erweisen sich diese Stellen aber als Reminiszenzen an bestimmte biblische Gebetsformen. Aus dieser Koinzidenz ergibt sich die Notwendigkeit einer Revision in beide Richtungen: Während sich ‘transzendente’ Gryphius-Deutungen eher auf das Gattungsmuster des Märtyrerdramas als auf die heterogenen Formen der Frömmigkeit stützen, die in der Bibel zu finden sind, beruhen die allermeisten ‘immanenten’ Interpretationen der Trauerspiele auf einlinigen Säkularisierungsannahmen, die angesichts der ‘biblischen’ Gebete bei Gryphius ergänzt werden können.

In: Daphnis