Search Results

Globalisierung kulturell, technisch und politisch
Author: Hermann Lübbe
Der Ausbreitungserfolg wissenschaftlichen Wissens beruht nicht auf der Tätigkeit von Propheten und Missionaren. Die Wissenschaft kennt keine heiligen Bücher. Sie verlangt von uns Neugier statt Bekehrung und sie empfiehlt sich überdies durch die Lebens-vorzüge ihrer technischen, organisatorischen und kulturellen Nutzung. Zur Attraktivität dieser Lebensvorzüge gehört, dass sie die Werte unserer kulturellen Herkunftswelten gar nicht in Frage stellen. Modernisierungsschübe begünstigen sogar Renaissancen kulturell massgebender Traditionen. Auch für die Religionen gilt das – im Orient wie im Westen, in den USA zum Beispiel. Die ökumenisch, nämlich global gewordene moderne Zivilisation bleibt somit eine Zivilisation der Vielfalt – regional und national, nach Staaten und Religionsgemeinschaften. Nicht immer handelt es sich dabei um eine friedliche Welt, wie uns aggressive Fundamentalismen lehren. Aber die Zwänge der Kooperation, ohne die die Lebensvorzüge der modernen Zivilisation nicht zu haben wären, wachsen. Sogar Demokratisierungszwänge sind wirksam – nicht wegen der unwiderstehlichen Zugkraft westlicher politischer Ideale, vielmehr wegen der Abhängigkeit moderner Wohlfahrt von expandierenden Freiräumen individueller und kollektiver Selbstbestimmung.
Author: Hermann Lübbe
„Das ist, man muß es kaum noch sagen, eines der wenigen schlechthin bedeutenden philosophischen Bücher der letzten Jahre. [.] Es reicht durchaus über das Religionsthema hinaus: eine philosophische Analyse unserer gegenwärtigen Kultur, der ‚geistigen Situation der Zeit’. Es ist ein Buch, das das Erbe der Aufklärung in Anspruch nimmt, ‚nach’ der erfolgreichen Aufklärung: dezidiert – und angenehm unpolemisch – gegen Postmoderne und gegen die ‚kritischen’ Mythen von der halben und noch unvollendeten Aufklärung. Aufklärung ist etwas, was zu bewahren ist. Die unmittelbare Frage ist, warum Religion nach der Aufklärung entgegen allen Prognosen nicht verschwindet. Das Ziel ist, die gegenüber allen Aufklärungsfortschritten ‚resistenten’ Bedingungen der ‚Nötigkeit’ von Religion aufzuweisen und sie so zu begreifen. [.] Das ist ein Buch, das die Historiker, die von den letzten zwei Jahrhunderten europäischer Geschichte umgetrieben sind, lesen sollten. Es bahnt Wege im Dickicht, es eröffnet ganz neue Perspektiven.“
Religion, Geschichtssinn, Direkte Demokratie und Moral
Author: Hermann Lübbe
Kulturkritiker beklagen Säkularisierung, Moralverfall, Erinnerungsverluste und Gefährdungen demokratischer Selbstbestimmung durch Expertenherrschaft. Diese Klagen sind nicht grundlos. Wichtiger und interessanter sind gegenläufige Tendenzen. Just die Lebensvorzüge der modernen Zivilisation verschaffen denjenigen Lebensproblemen, auf die sich vernünftigerweise einzig religiös antworten lässt, zusätzliche Aufdringlichkeit. Sogar als politischer Faktor ist die Religion wieder präsent – auch im Westen. Je freier wir leben, umso wichtiger wird die Moral, und nicht zuletzt die Folgen misslingender moralischer Selbstbestimmung machen das sichtbar. Die Grundsätze der Moral erfreuen sich unwidersprechlicher öffentlicher Geltung, und gelegentlich verführt uns heute moralisierender Übereifer zu Gewissensaufrufen, wo es, statt an gutem Willen, an Sachkunde und technischer Könnerschaft mangelt. Die Dynamik der modernen Zivilisation entfernt uns von unseren Herkunftswelten. Umso intensiver wird unser Interesse, Vergangenheit gegenwärtig zu halten. Die historische Kultur erblüht fortschrittsabhängig, und noch in den Dauerklagen über Erinnerungsverluste spiegelt sich das. Je moderner wir leben, umso abhängiger werden wir vom Wissen der Fachleute und von der Könnerschaft der Experten. Umso entschiedener beharren wir zugleich auf Selbstbestimmung der Zwecke, für die die Experten uns gut zu sein haben. Politisch begünstigen entsprechend Modernisierungsprozesse die Demokratie, ja erzwingen sie, und sogar für die Institutionen direkter Demokratie gilt das.
Über intellektuelle Affirmationen und Negationen in Deutschland
Author: Hermann Lübbe
Thema des neuen Buchs von Hermann Lübbe sind Philosophien als wirksames Element des öffentlichen kulturellen und politischen Lebens in Deutschland – von Wilhelm von Humboldts Museumsphilosophie bis zu den 'idealistischen' Motiven der Ermordung des Dichters Kotzebue durch einen progressiven Theologiestudenten in nach-napoleonischer Zeit. Wieso vermochte im deutschen Kaiserreich der philosophische und kulturpolitische Streit um den Darwinismus für mehrere Plenarsitzungen das Preußische Abgeordnetenhaus zu beschäftigen? Was hat in der Weimarer Republik die kulturkritischen Exaltationen Oswald Spenglers publizistisch singulär erfolgreich sein lassen? Auch die Geschichte der zweiten deutschen Demokratie lässt sich eindrucksvoll in repräsentativen Philosophien spiegeln – so in der affirmativ wirkenden Geisteswissenschaftstheorie Joachim Ritters einerseits und in den antikapitalistisch motivierten Dauervorbehalten der Kritischen Theorie andererseits.
Philosophische Aufsätze
Author: Hermann Lübbe
Über beschwiegene und historisierte Vergangenheiten
Author: Hermann Lübbe
waren die Verstrickungen in den Nationalsozialismus unter den Mitbürgern im privaten wie im öffentlichen Zusammenleben nur in Ausnahmefällen ein Thema. Dieses Beschweigen erleichterte politisch die Integration der Vergangenheitsbelasteten in die Bürgerschaft der Bundesrepublik. Gegen diese zuerst 1983 vorgetragene These erhob sich anfangs scharfer Widerspruch. Inzwischen wird sie eher in zustimmender Meinung zitiert. Das passt zu einer historisch-politischen Lage, in der der Nationalsozialismus, statt verdrängt zu sein, vollendet historisiert ist. Es passt zugleich zu einem neuen bürgerlichen Selbstgefühl, das für intellektuelle Wunschbilder einer ganz anderen Republik unempfänglich geworden ist und sich stattdessen reformpolitisch um die Erhaltung der bestehenden Republik sorgt.
In: Vom Parteigenossen zum Bundesbürger
In: Vom Parteigenossen zum Bundesbürger
In: Vom Parteigenossen zum Bundesbürger
In: Vom Parteigenossen zum Bundesbürger