Author: Kuhn
Metamorphosen des Kirke-Mythos in der Literatur der italienischen Renaissance
Author: Barbara Kuhn
Der in Homers Odyssee und in Ovids Metamorphosen erzählte Mythos der Zauberin Kirke, die Menschen in Tiere zu verwandeln vermag, blieb zwar dank seiner allegorischen Deutungen auch in Antike und Mittelalter ununterbrochen präsent, gelangte aber in der frühen Neuzeit zu völlig neuer Relevanz. Da zum einen die Autoren auf die antiken Texte etwa Homers oder Plutarchs direkt zurückgreifen, zum anderen die lange Tradition allegorischer Auslegung selbst thematisch wird, entsteht ein neues Bild von der Zauberin und ihrem Mythos: ein Bild, das als Paradigma sowohl für diese Renaissance der Antike gelten kann als auch für die Vorstellung, welche die frühe Neuzeit sich vom Menschen und seiner Welt macht. Die von Kirke bewirkten Metamorphosen ebenso wie die Metamorphosen ihres Mythos in den Texten etwa von Ariosto und Tasso, von Machiavelli, Gelli und Bruno sprechen von einer Skepsis, die auf die Euphorie über die dignitas hominis in den zahlreichen Bestimmungsversuchen des Menschen vor allem während des 15. Jahrhunderts folgt; und sie sprechen von einem Prekärwerden des ganzen Universums, in dem die Welten sich unendlich vervielfachen und der Standpunkt des Ich in seiner sich ständig verändernden Welt sich als gleichermaßen instabil und wandelbar erweist wie dieses Ich selbst.
Author: Kevin Kuhn
Romane sind im Schreibakt oftmals schwer überschaubare Gebilde. Ästhetische Romanentwürfe (Skizzen, Diagramme, Schemata etc.) dienen den Entwerfenden als visuelle Hilfsmittel und geschützte Spielräume, um komplexe narrative Gefüge auf einen Blick sichtbar und handhabbar zu machen.
Kevin Kuhn wirft erstmalig ein breites Schlaglicht auf ästhetische Romanentwürfe als entscheidende Gegenstände des Schreibens. Grundlegend fragt die Studie nach ihren Funktionen und wie sie von Seiten einer gegenstandsorientierten Literaturwissenschaft methodisch beschrieben werden können. Hierbei öffnet sich der Blick auf die Materialität, Schriftbildlichkeit und Handhabung dieser Gegenstände und gibt faszinierende Einblicke in Kreativ- und Wissensbildungsprozesse. Anhand von Heinrich Böll und Sylvia Plath wird beleuchtet, wie derartige Entwürfe im Grenzbereich von Bild und Schrift den dynamischen Aufbau einer Romanbühne und das Aufeinanderstoßen der Figuren ermöglichen.
Mechanical Jurisprudence in Transformation?
Author: Zdenek Kühn
One of the most widespread problems in post-Communist countries is the quality of the judiciary. The book argues that these problems are intimately linked to the legal culture of Communist law, that an understanding of post-Communist judges necessarily requires an understanding of their Communist predecessors. There seems to be a deep continuity in the methods of legal reasoning employed by lawyers in the region of East Central Europe, starting in the era of Stalinism of the 1950s up to the current post-Communist period, which continuity is manifested in the problems of 1990s and 2000s. Communist legal culture and its aftermath provide an interesting analysis of the development of legal culture in a long-lasting system which was intellectually almost completely separated from the outside world. The book targets the judicial ideology, the conception of law, and the judicial self-perceptions, which are phenomena most likely to be contained in the deepest level of legal culture, that most resistant to change.
Ein radikal phänomenologisches Gespräch mit Meister Eckhart
Author: Rolf Kühn
Es kann nur eine Erfahrung aufgrund des lebendigen Erfahren-Könnens schlechthin geben. Die Differenzdiskurse, die heute legitimierend für Gesellschaft, Religion oder Philosophie in Anspruch genommen werden, stoßen sich an der prinzipiellen „Ungeteiltheit“ solcher Erfahrungsmöglichkeit vor jeder besonderen Erkenntnis. Die radikal phänomenologische Wahrheit solcher Einheit erarbeiten wir daher mit Meister Eckhart als „Ab-Grund“ des Absoluten sowie in Übereinstimmung mit der Lebensphänomenologie Michel Henrys als rein immanente „Praxis“. Dieses philosophisch-mystische „Gespräch“ mit Meister Eckhart versucht aber nicht nur, im anfangslosen Leben und der durch keine weitere Bestimmung verstandenen „Gottheit“ eine strukturelle Übereinstimmung aufzuweisen, sondern daraus zugleich eine notwendige Kulturerneuerung zu gewinnen.

Insofar as phenomenology continues to offer, by virtue of its self-understanding, the best technique provided for philosophical analysis of experience, phenomenology is obligated to respond to the category of mysticism. It is especially with Michel Henry and Meister Eckhart that we see phenomenology and mysticism coincide. They both put into play a radical reduction as a unity of reflection/praxis, which exposes to view how the self-appearance and the self-enactment of life come together in their respective self-affections or “trials of experience.”
Bildgenealogien in der Malerei um 1800
Author: Léa Kuhn
Kunstgeschichte wird nicht nur geschrieben, sie wird auch gemalt. Dass auch innerhalb der Malerei vermehrt kunsthistorische Ordnungsmodelle entwickelt werden, sobald sich die Kunstgeschichte als akademische Disziplin zu etablieren beginnt, zeigt diese Studie.
Mit Blick auf die Zeit um 1800 rekonstruiert die Autorin das feine Bezugsgeflecht zwischen entstehendem Kunstgeschichts-diskurs und zeitgenössischer künstlerischer Praxis an so unterschiedlichen Orten wie Zürich, Paris, London und New York. Dabei wird deutlich: Die hier analysierten Werke von Marie-Gabrielle Capet, William Dunlap und Johann Heinrich Wilhelm Tischbein illustrieren nicht bereits vorhandene kunst-historische Narrative, sondern bringen selbst Vorschläge zu ihrer adäquaten Einordnung hervor – und weisen andere zurück. Geschichtsschreibung ist folglich nicht der einzige epistemologische Zugang zu (Kunst-)Geschichte und nicht die einzige Möglichkeit zu deren aktiver Gestaltung: In der Malerei selbst gibt es ein analoges Phänomen, das hier für die Zeit um 1800 erstmals umfassend nachgezeichnet wird.