Search Results

Weiße Identitäten in der zeitgenössischen künstlerischen Fotografie
In kolonialen Projekten produzierte man unzählige Aufnahmen von Menschen anderer Kulturen. Wie befassen sich heutige KünstlerInnen mit diesem Bildererbe und welche Rolle spielt dabei weiße Identität?
Im Zuge des postcolonial turn sind künstlerische Fotoarbeiten entstanden, die sich mit der Repräsentation weißer Identität befassen. Die historischen Bedingungen, wie die kolonialen Dienstbarmachungen des Mediums, sind der Bezugsrahmen. Nur heute geht es weniger um die nicht-weißen Anderen als um die Repräsentation des weißen Subjekts. Es wird untersucht, wie sich weiße Identität im Bild dar- und herstellt und wie deren machtvolle Aufladung jenseits des fotografischen Rahmens funktioniert. Inwiefern wird das Unmarkierte sichtbar gemacht? Und welche Rolle kommt dem bildgebenden Verfahren der Fotografie zu?
Hat man Ende der Siebzigerjahre dokumentarische und inszenatorische Bildstrategien als Gegenpole verstanden, so scheint diese Position heute zumindest auf den ersten Blick obsolet.
Nicht nur die Kunstfotografie von Cindy Sherman oder Jeff Wall, sondern jede Fotografie ist als Kondensat einer Vielzahl einzelner Inszenierungsschritte zu verstehen, die erst in ihrer Aufschlüsselung als solche greifbar werden.

Fotografische Menschenbilder zwischen Konstruktion und Destruktion
Fotografie wurde seit ihrem Aufkommen für äußerst vielfältige Darstellungszwecke eingesetzt, auch wenn es um das Ablichten von Menschen ging. Besondere Bedeutung kam hierbei den fotografischen Bildgebungsverfahren zu, weil man ihnen die unverfälschte Wiedergabe außerbildlicher Realität unterstellte. Dies galt für Porträts genauso wie für wissenschaftliche Menschenbilder, mit deren Hilfe man visuelle Ordnungssysteme zu errichten versuchte. Prekäre Zuspitzungen erfuhren solche Systeme in ideologisch motivierten Vorhaben wie koloniale Bildproduktion oder nationalsozialistische Propaganda. Gerade an diesen Projekten lässt sich verdeutlichen, dass die fotografische Konstruktion von Identität immer auch mit der Destruktion dessen einhergeht, was von der visuell gesetzten Norm abweicht. Dieser Zusammenhang spiegelt sich nicht zuletzt in mannigfaltigen Versuchen künstlerischer Subversion, welche die genannten historischen Bildpraxen in all ihrer Vielschichtigkeit fokussieren.