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Eine Auseinandersetzung mit W.V.O. Quines Bedeutungsskepsis
Author: Olaf Müller
Author: Olaf Müller

Ritters Erforschung des Sonnenlichts wurde wesentlich von Goethes Forschungsmethode und Forschungszielen geprägt. Unmittelbar nach dem ersten belegten Treffen orientierte sich Ritter in seinen galvanischen Forschungen zur visuellen Wahrnehmung an der Polaritätsidee Goethes. Bevor der junge Physiker im Februar 1801 die chemischen Effekte des Ultravioletten entdeckte, hatte er sich auch bei den Spektren auf Goethes Polaritätsidee eingelassen, wonach sich an den Enden der Lichtspektren zwei farblich entgegengesetzte Enden oder Pole gegenüberstehen, die entgegengesetzt wirken. Diese Symmetriesierung im sichtbaren Bereich der Spektren dehnte Ritter auf deren unsichtbare Fortsetzung aus. Goethes Anteil an Ritters Entdeckung ist gröser, als man gemeinhin denkt; insbesondere hätte Goethe schon zehn Jahre früher als Ritter die Wirkungen des Ultravioletten entdecken können; ihm standen dieselben symmetrischen Forschungsziele zu Gebote wie Ritter, und er kannte (mit den Bologneser Leuchtsteinen alias Bariumsulfid) eine ebensogut geeignete Nachweismethode wie diejenige Ritters mit Hornsilber (alias Silberchlorid). Nachdem sich die beiden hierüber ausgetauscht hatten, symmetrisierte Ritter seine Forschung zu den Spektren noch weiter und sties dabei auf Effekte, in deren Lichte er nach eigener Aussage sogar anfing, Goethe in seinem Angriff auf Newtons Optik beiszupringen. Um welche Effekte genau es sich dabei handelte, ist bis heute nicht eindeutig geklärt.

In: Goethe, Ritter und die Polarität
In: Goethe, Ritter und die Polarität
Author: Olaf Müller

Nachdem Ritter auserhalb des sichtbaren Sonnenspektrums die photochemischen Wirkungen des ultravioletten Lichts entdeckt hatte, suchte er nach dem entgegengesetzten Effekt im Infraroten. Im UV-Licht hatte sich seine weise Hornsilber-Probe (modern: Silberchlorid) je nach Belichtungsdauer mehr oder minder stark geschwärzt. Für den Ausgangspunkt des neuen Experiments nutzte Ritter eine grau vorbelichtete Hornsilber-Probe, die er dort ins Infrarote legte, wo Herschel das Temperaturmaximum gefunden hatte. In der Tat behauptete Ritter, die – aus Gründen der Polarität – gesuchte Umkehrungsreaktion beobachtet zu haben, und berichtete von einer dezidierten Aufhellung der vorbelichteten Probe. Aus heutiger Sicht gilt Ritters Experiment im Ultravioletten als Erfolg, das Experiment im Infraroten hingegen als Misserfolg, ja als »Fehler«. Im Ultravioletten haben wir demzufolge eine Reduktionsreaktion einer Silberverbindung, namlich des Silberchlorids; die hierbei freigesetzten Silberatome, die für die Schwärzung der Probe verantwortlich sind, lassen sich jedoch nicht mithilfe von Licht in Silberchlorid-Salz zuruckverwandeln – die Reduktionsreaktion ist irreversibel. Nichtsdestoweniger ist es der Chemikerin Anna Reinacher kürzlich gelungen, Ritters Beobachtungen zu reproduzieren. Eine genaue chemische Analyse der beobachteten Aufhellungsreaktion steht noch aus. Auch ohne diese Analyse lässt sich sagen, dass Ritters Beobachtungen der Aufhellung zuverlässig gewesen sein dürften.

In: Goethe, Ritter und die Polarität
Author: Olaf Müller

Statt den vorliegenden Sammelband zu resumieren, soll hier im Nachwort die hundertjahrige Forschungstradition skizziert werden, auf die seine Beitrage zustimmend oder ablehnend reagieren. Aus Sicht mancher Vertreter der herkommlichen Physik ware Hundert Jahre Dunkelheit vielleicht deshalb ein ins Schwarze treffender Name dieser Tradition, weil sie der hellen Wahrheit und Klarheit der bekannten Optik nur aus dunklen Beweggrunden widerspricht. – So selbstkritisch ist der Titel dieses Nachworts aber nicht gemeint. Stattdessen soll damit einerseits die Frage wachgehalten werden, ob man die Rolle der Dunkelheit in der Optik vielleicht wichtiger nehmen sollte, als es sich seit Newtons Tagen durchgesetzt hat. Andererseits wirft der Titel durchaus selbstkritisch die Frage auf, woran es liegt, dass es hundert Jahre lang kaum gelungen ist, den Reichtum der empirischen Forschungsergebnisse zur gleichberechtigten Hell / Dunkel-Symmetrie bekanntzumachen und ans Licht der wissenschaftlichen Offentlichkeit zu bringen. Zwei Faktoren sind dafur verantwortlich: Einerseits die Abwehr aus der herkommlichen Physik, die aus verstandlichen Grunden nicht an ihren Errungenschaften rutteln lassen mag; andererseits die auf den ersten Blick erstaunliche Tendenz vieler fruher Protagonisten der polaristischen Hell / Dunkel-Forschung, sich nur untereinander auszutauschen. Vielleicht lasst sich diese Tendenz aus einem wissenschaftsgeschichtlichen Blickwinkel a la Thomas Kuhn ver standlich machen. Demzufolge kann ein neuartiges oder doch abweichendes Forschungsparadigma nur in einem gedeihlichen Umfeld überleben, in dem ein halbwegs stabiler Konsens über Leitideen, Arbeitsstrategien, Standards der Kritik usw. herrscht. Dass sich dieser Konsens hundert Jahre lang halten konnte, ist erstaunlich genug; offenbar handelt es sich um reife Wissenschaft im Sinne Kuhns. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Kein newtonisches Experiment (aus der geometrischen Optik) hat seiner vertauschungssymmetrischen Umkehrung widerstanden; es gibt sogar helle Schatten als Gegenstücke zu den bekannten dunklen Schatten. Zudem konnte man den Wärmewirkungen des herkömmlichen Spektrums (bis zum Maximum im Infraroten) tatsächlich gegenläufige Abkühlungswirkungen im Goethespektrum an die Seite stellen (bis hin zum Wärmeminimum bzw. Kältemaximum im Infratürkisen). Selbst wellenoptische und photochemische Phänomene haben ihre komplementären Gegenstücke. Ob diese empirischen Ergebnisse in ihrem systematischen Zusammenhang irgendwelche Änderungen in der herkommlichen Physik nahelegen und wie gravierend diese Änderungen im Fall des Falles wären, ist mit alledem nicht entschieden. Klar ist nur, dass es an der Zeit ist, nicht langer im Dunkeln zu munkeln; man muss sich der Diskussion mit etablierten Fachwissenschaftlern stellen.

In: Goethe, Ritter und die Polarität
Metaphysik und semantische Stabilität oder Was es heisst, nach höheren Wirklichkeiten zu fragen
Author: Olaf L Müller
Könnte es sein, dass ich ein “Gehirn im Tank” bin und dass der gesamte Eindruck der äusseren Welt nur auf Computersimulation beruht? Von Putnam stammt ein – verbesserungsbedürftiger – Beweis, der diese skeptische Möglichkeit ausschaltet und damit unser Wissen über die äussere Welt sichert. Die Grundidee des Beweises hängt damit zusammen, dass Wörter aus der Sprache eingetankter Gehirne trotz oberflächlicher Ähnlichkeiten anders funktionieren als bei uns. Olaf Müller hat eine Fassung des Beweises entwickelt und verteidigt, dessen Voraussetzungen a priori gelten und die gewünschte Konklusion logisch erzwingen.
Hilary Putnam und der Abschied vom Skeptizismus oder Warum die Welt keine Computersimulation sein kann
Author: Olaf L Müller
Könnte es sein, dass ich ein “Gehirn im Tank” bin und dass der gesamte Eindruck der äusseren Welt nur auf Computersimulation beruht? Von Putnam stammt ein – verbesserungsbedürftiger – Beweis, der diese skeptische Möglichkeit ausschaltet und damit unser Wissen über die äussere Welt sichert. Die Grundidee des Beweises hängt damit zusammen, dass Wörter aus der Sprache eingetankter Gehirne trotz oberflächlicher Ähnlichkeiten anders funktionieren als bei uns. Olaf Müller hat eine Fassung des Beweises entwickelt und verteidigt, dessen Voraussetzungen a priori gelten und die gewünschte Konklusion logisch erzwingen.
In: Kant: Here, Now and How
In: Grazer Philosophische Studien
Plädoyer für Respekt vor der Moral
Author: Olaf L Müller
Moral ist keine Geschmacksache. So wie in den Naturwissenschaften können wir auch in der Ethik echtes Wissen erreichen; hier wie da hat der Relativismus nicht das letzte Wort. Mit dieser These verteidigt Olaf L. Müller die Respektatibilität unserer moralischen Erkenntnisbemühungen. Im Teil I vergleicht er die Erkenntnisquellen für Naturwissenschaft und Ethik; auf beiden Gebieten gibt es Wissen aus Beobachtung. So, wie wir durch Blick auf die Welt unsere Meinungen über sichtbare Hasen rechtfertigen können, so können wir ebenfalls durch Blick auf die Welt unsere Meinungen über sichtbares Unrecht rechtfertigen. Wer einen Hasen sehen will, braucht dafür offene Augen und Beobachtungstraining, er braucht kein eigenes Hasen-Sinnesorgan. Und wer sichtbares Unrecht sehen will, braucht abermals offene Augen und Beobachtungstraining, er braucht wieder keinen eigenen Sensor für Unrecht. Nicht alle naturwissenschaftlichen Sätze lassen sich durch Beobachtung rechtfertigen; genauso in der Moral. Daher müssen für beide Bereiche zusätzliche Erkenntnisquellen postuliert werden, und sie funktionieren beidemal gleich. Im Teil II nimmt der Autor die Unterschiede zwischen Naturwissenschaft und Ethik in den Blick. Ethische Sätze sind inniger mit unserm Tun verknüpft als naturwissenschaftliche Sätze. Aber auch diese Besonderheit der Moral hat ihren guten Platz im sparsam naturalistischen Rahmen, in dem sich die gesamte Untersuchung bewegt. Der Autor führt vor, wie sich moralische Meinungsverschiedenheiten und Unterschiede der Moralsprache auseinanderdividieren lassen, und zwar selbst unter den schwierigen Bedingungen der radikalen ÜberSetzung à la Quine. Das Bild, das Olaf L. Müller vom moralischen Diskurs zeichnet, lässt Platz für moralischen Dissens zwischen den Kulturen; so viel Dissens kommt in der Naturwissenschaft nicht vor. Dass so ein Dissens unsere Hoffnungen auf moralisches Wissen nicht zerstören muss, sondern fördern kann, ist eine der Pointen dieses optimistischen Buchs.