Schöpferische Weltbetrachtung

Zum Verhältnis von Einbildung und Erkenntnis in Texten der deutschen Romantik

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Ruth Pouvreau

Ob die Welt, die wir erleben, außerhalb von uns vorhanden sei oder uns allein durch unsere Einbildungskraft vorgestellt werde, ist seit Descartes die bestimmende Frage neuzeitlicher Erkenntnistheorie. Erstmals Fichte hat ausgeführt, daß jeder Versuch ihrer Beantwortung notwendig in einen unendlichen Zirkel führt, in welchem unser Erleben in dialektischer Bewegung bald als Wahrnehmung, bald als Einbildung erscheint. Wie dieser Zirkel das Denken und Empfinden der frühromantischen Dichtergeneration aufs tiefste durchdringt, wirkt er zugleich als strukturierendes Prinzip ihrer literarischen Produktion. Der Einbildungskraft, deren Wirkungsmacht alle frühromantischen Texte aufs eindringlichste bezeugen, wird dabei unterschiedliche Wertschätzung zuteil.