Solidarität ist kein genuiner Begriff der Moralphilosophie. Vielmehr findet sich der Verweis auf Solidarität meist in juristischen Normen, in soziologischen Theorien und in gemeinschaftlichen Appellen. Das Buch versucht, den systematischen Ort von Solidarität innerhalb der Moralphilosophie zu bestimmen. Diese Bestimmung zeigt auf, dass die Parteinahme, die in Gründen der Solidarität enthalten ist, nicht zwingend grundlegenden Anforderungen moralischer Allgemeinheit entgegensteht. Solidarität verbindet und verbündet Personen in Demonstrationen, Korporationen und Verbänden. Bestimmte Einstellungen und Beziehungen, die von den Angehörigen von Solidargemeinschaften als bindend begriffen werden, lassen sich auch aus moralphilosophischer Perspektive als bedeutsam begründen. Den Begriff ›Solidarität‹ der beliebigen Verwendung zu überlassen, bedeutet daher, ein für moralisches Überlegen und Begründen bedeutsames Prinzip aus den Augen zu verlieren; es bedeutet, sich der Ressourcen zu berauben, die notwendig sind, um mit Argumenten für eine besondere Form gemeinschaftlicher Bindung eintreten zu können.
In: Perfektionismus der Autonomie