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In: Verschleierter Orient - Entschleierter Okzident?
(Un)Sichtbarkeit in Politik, Recht, Kunst und Kultur seit dem 19. Jahrhundert
Seit dem 11. September 2001 ist der Islam zu einem zentralen Feindbild der
westlichen Welt geworden. In unserer Bilderpolitik kommen zahlreiche Metaphern
des Ver- und Entschleierns zum Einsatz, um das Eigene vom Fremden abzugrenzen.
Der Okzident wird als freiheitlich, offen und transparent dargestellt,
während der Orient verschleiert erscheint: undemokratisch,
rückschrittlich, geheimnisvoll und bedrohlich. Diese politische
Metaphorik ist geschlechtlich codiert. Die geheimnisvolle
Haremsdame oder die unterdrückte Orientalin gehören seit der
Aufklärung ebenso zu ihrem Repertoire wie Allegorien der
Wahrheit, Freiheit und Gleichheit in Bildern nackter Weiblichkeit.
Die interdisziplinären Beiträge des vorliegenden Bandes setzen sich
kritisch mit diesen Phänomenen auseinander.
Das Handbuch zur Religionsgeschichte des 20. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum verfolgt gegenüber den anderen Bänden der Reihe einen besonderen Ansatz: Sozial- und semantikgeschichtliche Aspekte werden in einem wissenssoziologischen Ansatz verbunden, der davon ausgeht, dass sich religiös-soziale Formationen und religiöse Semantiken wechselseitig beeinflussen, ohne doch in einander aufzugehen. Daher ist Religion im 20. Jahrhundert mehr denn je ein umstrittener Sachverhalt. Säkularisierung, Individualisierung und Pluralisierung sind zentrale Stichworte, die die Religionsgeschichte des 20. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum kennzeichnen. Um diese Entwicklungen nachzuzeichnen, werden im ersten Band zunächst zeitliche Aspekte, namentlich synchrone Zusammenhänge zwischen religiösen Formationen innerhalb eines Zeitraums behandelt. Die mit „Themen“ überschriebene zweite Sektion umfasst „große Themen“ des 20. Jahrhunderts, die entweder selbst explizit religiöser Art sind oder in einem signifikanten Bezug zur Religion stehen.