In: Ethik und Migration
Sozialwissenschaftliche und sozialethische Analysen
Welches „Wohl“ und welche öffentlichen Güter werden in der Konturierung einer global dimensionierten Sozialethik angestrebt, wem kommen sie zugute und welche Akteure verfügen über welche Einflussmöglichkeiten, um die Herstellung, Bereitstellung oder Erhaltung dieser Güter zu bewerkstelligen?
„Gemeinwohl” ( common good) galt über lange Zeit als eine Schlüsselkategorie christlicher Sozialethik. Diese Selbstverständlichkeit ist einem selbstkritischen Sozialkatholizismus theoretisch wie praxisbezogen abhandengekommen. Ist der Appell an die Gemeinwohlverpflichtung mehr als ein diffuses und hilfloses Postulat? Lässt sich, zumal unter den Bedingungen globaler Verflechtungen und Abhängigkeiten, mit dieser Kategorie auf neue Weise sozialethische Relevanz erzeugen?
Gesellschaftliche Herausforderungen und sozialethische Reflexion
Globale Migration verändert Gesellschaften – christliche Sozialethik leistet einen Beitrag dazu, auf veränderte Kontexte zu reagieren und kreative Lösungsansätze zu entwickeln. Phänomene weltweiter Migration konkretisieren sich in den individuellen Wanderbewegungen – aber auch in den Gesellschaften, die von Ab- oder Zuwanderung betroffen sind. Rechtliche Rahmenbedingungen und politische Konzepte von Gesellschaft geraten dadurch in Bewegung und bringen einen ethischen Reflexionsbedarf mit sich: Welcher Rahmenbedingungen bedarf es, um ein Zusammenleben verschiedener Identitäten zu ermöglichen? Welche Rolle spielen Zugehörigkeit und Citizenship im Kontext von Einwanderung? Und wie verhält sich das Recht des souveränen Staates zu Fragen globaler Gerechtigkeit? Das Buch diskutiert diese Fragen und erforscht die Bedingungen, unter denen plurale Gesellschaften im Kontext von Migration zu gestalten sind, damit Zusammenleben gelingen kann.