Search Results

Ethik des Verstehens

Beiträge zu einer philosophischen und literarischen Hermeneutik

Edited by Susanne Kaul, Lothar van Laak and Lothar van Laak

Die philosophischen und literaturwissenschaftlichen Beiträge dieses Bandes gehen der Frage nach, inwieweit sich eine Ethik des Verstehens entwickeln lässt und worin eigentlich die ‚ethische Dimension’ des Verstehens besteht: Ist Verstehen als eine Erkenntnisform zu begreifen, die als solche in besonderer Weise ethisch qualifiziert ist? Und liegt im Verstehen eine Tendenz zu verständnisvollem, wohlwollendem oder gutem Urteilen? Einerseits ist Verstehen als Erkennen strikt zu trennen von Verständnis im Sinne des Mitgefühls oder gar des Einverständnisses; andererseits ist Verstehen durch eine Offenheit für den Anderen oder das Andere bedingt und wird erleichtert, wo ein Wille zum Verständnis da ist. Es geht mithin um die Begründetheit des Verstehens in ethischen Zusammenhängen und die ethische Qualität sozial-kommunikativer Handlungen, von denen das Verstehen eine besonders ausgezeichnete ist. So kann Verstehen aus Moral, aber auch Moral aus Verstehen erwachsen.

Ästhetisches Verstehen

Zugänge zur Kunst nach Wittgenstein und Cavell

Jochen Schuff

Über das Verstehen von Kunst nachzudenken heißt über die Bedeutsamkeit von Kunst nachzudenken. Jochen Schuff zeichnet nach, wie Ludwig Wittgenstein und Stanley Cavell diesen Gedanken auf komplementäre Weise entfalten.
Wittgenstein rückt in seinen verstreuten Bemerkungen zur Ästhetik die unterschiedlichen Spiele von Ausdruck und Verstehen zwischen kultureller Tradition und spontanen Reaktionen in den Fokus. Cavell erläutert die Bedeutsamkeit von Kunst an den Medien und Werken seiner Gegenwart – und daran, wie mit ihnen zentrale Aspekte der menschlichen Lebensform erfahrbar werden. Die vorliegende Studie bietet eine systematische Lektüre der Kunstphilosophien Wittgensteins und Cavells, aber sie bleibt dabei nicht stehen. Sie testet ihre Befunde mithilfe philosophischer Betrachtungen aktueller Filme, Videos und Installationen von Jonathan Glazer, Mark Leckey, Rineke Dijkstra, Omer Fast, Isa Genzken, Douglas Gordon, Christian Marclay und Pharrell Williams.

Verstehen und Interpretieren

Zum Basisvokabular von Hermeneutik und Interpretationstheorie

Series:

Edited by Andreas Mauz and Christiane Tietz

„Verstehen“ und „Interpretieren“ stellen das Basisvokabular von Hermeneutik und Interpretationstheorie dar. Der Band expliziert die beiden Grundbegriffe für sich und in ihrem Zusammenhang.

So offensichtlich Verstehen und Interpretieren die Kernbegrifflichkeit der fraglichen Theoriebildungen darstellen, so divers und kontrovers gestaltet sich in concreto das jeweilige Verstehen des Verstehens bzw. Interpretieren des Interpretierens. Der vorliegende Band lotet aus, was unter diesen Begriffen zu verstehen ist und wie sie sich zueinander verhalten: Bezeichnen sie distinkte Bereiche oder verschiedene Weisen der Bedeutungszuschreibung – und profilieren sich insofern wechselseitig? Sind sie in hierarchischer Weise aufeinander zu beziehen, sei es systematisch, sei es prozedural? Kann allenfalls auf einen der Begriffe verzichtet werden zugunsten des anderen?

Series:

Christian Wirrwitz

Die Sprache hat zwei Aspekte, die schwierig zu vereinen sind: Zum einen ist Sprache ein gemeinschaftliches Phänomen - wir benutzen sie erfolgreich, um Gedanken und Wünsche auszutauschen. Zum anderen sind nahezu alle unsere Begriffe persönlich geprägt - wir benutzen selbst alltägliche Begriffe in manchen Situationen anders als unsere Nächsten und Vertrauten. Wie ist es dennoch möglich, daß wir uns verstehen? Keine der gängigen Sprachtheorien kann das erklären. Weder können die Theorien sicherstellen, daß wir uns in der Bedeutung unserer Ausdrücke einig sind, noch, daß wir Zugang zu der abweichenden Bedeutung anderer Sprecher haben. Dieser pessimistischen Bestandsaufnahme Setzt der Autor ein positives Projekt entgegen: Er bedient sich mit der Prototypensemantik einer in der Sprachphilosophie oft ignorierten Sprachkonzeption, kombiniert sie mit Hilary Putnams Stereotypen und entwickelt so eine Theorie der Kernbedeutung, die das Verstehen in der alltäglichen Kommunikation erklären kann. Diese Kopplung von Verstehen und Kernbedeutung hat u.a. die methodologische Konsequenz, daß explizite Definitionen nicht notwendig für das Verstehen von Ausdrücken sind.

Verstehen und Erklären

Sozial- und kulturwissenschaftliche Perspektiven

Edited by Wolfgang Ludwig Schneider, Rainer Greshoff and Georg Kneer

Verstehen und Erklären gelten in den Sozial- und Kulturwissen-schaften als die beiden grundle-genden methodischen Zu-gangsweisen, um den Phäno-menbereich des Sozialen zu er-schließen. Wie diese Zugangs-weisen je für sich und in ihrem Verhältnis zueinander zu bestimmen sind, ist freilich bis in die Gegenwart umstritten. Die Verstehen-Erklären-Kontroverse gehört, neben dem Werturteilsstreit und dem Positi-vismusstreit, zu den großen Selbstverständigungsdebatten der Sozial- und Kulturwissenschaf-ten. Eine systematische Be-standsaufnahme, welche die verschiedenen Konzeptualisie-rungen des Verstehens und Erklä-rens sichtet, fehlt bisher jedoch. Viele der einschlägigen Positio-nen sind deshalb in der neueren methodologischen Diskussion nicht mehr präsent und in ihren Einzelheiten kaum noch be-kannt. Hier versucht das vorlie-gende Buch Abhilfe zu schaffen. In dieser Breite wohl erstmalig, werden darin 22 Positionen, vor allem aus der Soziologie, aber auch aus der Ethnologie und der sozial- und kulturwissenschaftlich relevanten Philosophie, darge-stellt und analysiert. Das Spekt-rum der behandelten Konzepte reicht dabei von den Klassikern bis hin zu aktuellen Ansätzen.

Kritische Rationalität und Verstehen

Beiträge zu einer naturalistischen Hermeneutik

Series:

Jan M. Böhm

Die hier vorgelegte Arbeit enthält drei inhaltlich zusammenhängende erkenntnistheoretische Untersuchungen über Probleme des Verstehens und Interpretierens von Rede und Text. Das Ziel der Untersuchungen besteht jeweils darin, die von unterschiedlichen Autoren vorgebrachten Behauptungen einer erfahrungsunabhängigen Geltung der Prinzipien des Verstehens und Interpretierens einer eingehenden Prüfung zu unterziehen – sei es im Zusammenhang mit der im Rahmen der Sozialen Erkenntnistheorie geführten Diskussion über den Status von menschlichen Zeugnissen, sei es in Form einer Kritik des von Karl Popper im Kontext seiner Situationslogik vertretenen Rationalitätsprinzips oder auch in der eingehenden Analyse der Argumente, die von analytischen Philosophen zugunsten einer erfahrungsunabhängigen Geltung des principle of charity vorgebracht wurden. Diese kritische Ausrichtung der Arbeit im Sinne der Zurückweisung der genannten Behauptungen hat jedoch auch eine konstruktive Dimension: Sie zeigt die Möglichkeit einer naturalistischen Hermeneutik, d.h. einer Verstehenslehre, die konsequent auf die Beanspruchung apriorischen Wissens verzichtet.

Martin Gessmann

Die neuen Medien stellen die Hermeneutik vor große Herausforderungen – und bieten die einmalige Chance, Hermeneutik wieder in ihrem ursprünglichen Sinn zu begreifen.
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts stehen wir vor einer geistespolitischen Wende, deren Auswirkungen bis zu den Grundlagen der Hermeneutik reichen. Ihr Medium hat sich erweitert und verändert. Nicht mehr allein Texte sind ihr wesentlicher Gegenstand, sondern ebenso Bilder und all ihre Formen der Animation.
Darüber hinaus wird die Frage nach dem verstehenden Menschen immer bedeutsamer. Denn mithilfe der Neurowissenschaften können wir das Gehirn beobachten und es zu verstehen versuchen, während es selbst versteht. Diese Veränderungen machen einen tiefgreifenden Wandel der Hermeneutik nötig.
Am Beispiel des menschlichen Gedächtnisses muss sich zeigen, wie die klassische Lehre vom geschichtlichen Bewusstsein bis in die tiefsten biologischen Schichten der Weltbewältigung hinein verfolgt werden kann – mit allen Konsequenzen, die dieser neue Ansatz für die Ethik und die Autobiographie sowie für die Politik und das kollektive Gedächtnis haben muss.

Erklären und Verstehen fiktionaler Filme

Semantische und ontologische Aspekte

Jonas Koch

Warum kürzen die Indianer die lange Verfolgungsjagd in John Fords Stagecoach nicht einfach dadurch ab, dass sie die Zugpferde der Postkutsche erschießen? – 'Weil dann der Film zu Ende gewesen wäre', ist die bestechend einfache Antwort des Regisseurs. Er verweist damit auf die etwas paradox anmutende ontologische Struktur fiktionaler Filme, die zwar als bloße Aufzeichnung eines frei erfundenen Geschehens erscheinen, aber gleichzeitig, und eigentlich primär, eingebettet sind in einen ganz realen kommunikativen Austausch zwischen Filmproduzenten und -rezipienten. Einen Film zu verstehen, bedeutet daher gleichermaßen, die Kausalität des darin dargestellten Geschehens wie auch die kommunikativen Zwecke der Darstellung zu ergründen. Hierzu entwickelt dieses Buch eine umfassende, semantisch und ontologisch fundierte Theorie fiktionaler Erklärungen, aus der sich nicht nur eine systematische Schärfung des erzähltheoretischen Begriffs der Motivierung, sondern letztlich auch eine allgemeine hermeneutische Theorie des Films ableiten lässt. Die Komplexität dieses scheinbar simplen Zusammenhangs zeigt eine abschließende Analyse der raffinierten Irreführungsstrategien von Hitchcocks Psycho.

Erfahrung und Referenz

Erzählte Geschichte im 20. Jahrhundert

Edited by Michael Schwarze and Axel Rüth

Dieser Band untersucht, wie und mit welchen Ergebnissen literarische Texte des 20. Jahrhunderts historische Erfahrung rekonstruieren und problematisieren.
Nicht nur die Gegenstände des Erzählens, sondern auch Konzepte und Deutungen von Wirklichkeit beruhen stets auf Erfahrungen. Faktuale und fiktionale Erzählungen lassen sich hinsichtlich der vielfältigen Formen ihres Referierens auf historische Wirklichkeiten als komplementär begreifen. In narrativen Rekonstruktionen von Geschichte sind Wahrnehmung und Erfahrung einerseits sowie Verstehen und Erinnerung andererseits unlösbar verbunden. So bewegen sich Geschichtserzählungen stets im Spannungsfeld zwischen der unübersichtlichen Perspektive der Akteure und der ordnenden des Erzählers, zwischen bedeutungsoffener Wirklichkeitserfahrung und deutender Kohärenzbildung.

Stephen Turner

, respectively, with Weber’s idea of direct observational understanding and Collingwood’s re-enactment account. This account allows for the detaching of historical facts about thoughts and action from narrative. Keywords Collingwood, Weber, Mink, mirror system, Verstehen Both R. G. Collingwood and Max Weber