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Der vorliegende Band eröffnet die neue Publikationsreihe Hermeneutik und Interpretationstheorie (HuI). Sie wird verantwortet durch die Reihenherausgeber Tilmann Köppe, Andreas Mauz, Oliver R. Scholz, Christiane Tietz und Ruben Zimmermann. Die Reihe publiziert wissenschaftliche Monographien und Tagungsbände und dokumentiert insbesondere die Jahrestagungen des Netzwerkes Hermeneutik Interpretationstheorie (NHI), dessen Koordination derzeit beim Institut für Hermeneutik und Religionsphilosophie (IHR) der Theologischen Fakultät Zürich liegt. Das 2016 gegründete Netzwerk versteht sich als Medium des Wissenstransfers innerhalb der vielfältigen hermeneutischen bzw. interpretationstheoretischen Forschungslandschaft. Es bietet ein Forum zur interdisziplinären Fachkommunikation, das innerhalb der deutschsprachigen Forschung bislang fehlte.1 Der Beirat der Buchreihe (Andrea Albrecht, Emil Angehrn, Christian Berner, Pierre Bühler, Elena Ficara, Ulrich H.J. Körtner, Cornelia Richter und Denis Thouard) gehört auch zum Beirat des Netzwerks.

Der Name von Netzwerk und Reihe mag auf den ersten Blick als eine unglückliche Wahl erscheinen, lassen sich dessen beide Begriffe doch als Synonyme verstehen. Das aus dem Altgriechischen gewonnene Fremdwort »Hermeneutik« meint ja, gängigem Verständnis zufolge, nichts anderes als das deutsche »Interpretationstheorie«. Dem Herausgeberkreis scheint diese Redundanz aber das geringere Übel gegenüber einer Perpetuierung von Forschungsdynamiken, die gerade in der deutschsprachigen Diskussion nach wie vor stark wahrnehmbar sind. Der Hermeneutik-Begriff wird aufgrund des Verlaufs der neueren Wissenschaftsgeschichte – der Dominanz der hermeneutischen Philosophie im 20. Jahrhundert – noch immer stark mit den Namen Dilthey, Heidegger und Gadamer assoziiert, sei es affirmativ oder kritisch. Vor diesem Hintergrund setzt die Rede von »Hermeneutik und Interpretationstheorie« gleichsam sicherheitshalber einen Kontrapunkt: Das Netzwerk soll beliebigen disziplinären wie interdisziplinären Spielarten hermeneutischer Reflexion offen stehen und den Austausch zwischen diesen befördern.

Dieses Anliegen dokumentiert mit seinem begrifflichen Fokus auch der erste Band der Reihe. Er fragt ebenso nach dem Verstehen (dem Grundbegriff der philosophischen Hermeneutik bzw. hermeneutischen Philosophie) wie nach dem Interpretieren (dem Grundbegriff der Interpretationstheorie, die, wo sie so benannt wird, tendenziell in anderen philosophiegeschichtlichen Filiationen steht). Beide Begriffe werden für sich wie in ihrer Relation durch Autorinnen und Autoren reflektiert, die sich in verschiedensten Disziplinen und Theoriemilieus bewegen.

Dass das Netzwerk kurz nach seiner Gründung bereits über eine eigene Buchreihe verfügt, ist nicht selbstverständlich. Im Namen des Herausgeberkreises danken wir dem Verlag Ferdinand Schöningh und insbesondere dessen Geschäftsführer, Jörg Persch, für die Einladung, eine solche zu begründen.

Der Band dokumentiert die Beiträge der ersten und gleichnamigen Jahrestagung des Netzwerks Hermeneutik Interpretationstheorie in Zürich im Dezember 2016, erweitert um die Aufsätze von Jørgen Sneis und Klaus Weimar. Wir danken allen Autorinnen und Autoren für ihre Texte, aber vor allem für ihre große Geduld mit den Herausgebern. Der Abschluss des Projekts ließ aus verschiedenen Gründen lange auf sich warten. Martin Illert, Hans J. Jacobs, Marie-Luise Kumbartzky und Lisa Sauerwald vom Ferdinand Schöningh Verlag gilt unser Dank für die zuverlässige Betreuung des Bandes. Susanne Schenker vom Institut für Hermeneutik und Religionsphilosophie, Zürich, hat dankenswerterweise mit der gewohnten Sorgfalt bei der redaktionellen Aufbereitung der Texte geholfen. Die Drucklegung des Bandes wurde ermöglicht durch einen Beitrag des Instituts für Hermeneutik und Religionsphilosophie.

Zürich, im Mai 2019

Christiane Tietz/Andreas Mauz