Sprachmischung in den ‘Malbergischen Glossen’

Language Mixing in the ‘Malberg Glosses’

In: Amsterdamer Beiträge zur älteren Germanistik
Author: Arend Quak1
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Zusammenfassung

In den sogenannten ‘Malbergischen Glossen’ finden sich einige lateinisch-fränkische Mischformen: ort(o)fogal, ort(o)baum, ort(o)pund, ōlagart, vialacina und ein Lehnwort aus dem galloromanischen: pōdor. Sie werden hier nach Herkunft behandelt. Dazu kommt noch ein weiteres solches Wort hofporcus, das in flämischen Quellen des 12. Jahrhunderts erscheint und keine Entsprechung im Mittelniederländischen zu haben scheint. Auch dieses Wort dürfte nur eine beschränkte Verbreitung gehabt haben. Weiter werden einige frühe Lehnwörter aus dem Romanischen ins Altniederländische behandelt.

Abstract

In the so-called ‘Malberg glosses’, some Latin-Franconian mix forms are found: ort(o)fogal, ort(o)baum, ort(o)pund, ōlagart, vialacina and a loanword from a Gallo-Romance language: pōdor. Their origins are discussed here. In addition, the word hofporcus is discussed: a word that is found in Flemish sources of the 12th century, but does not seem to have a cognate in Middle Dutch. This word, too, may have had only a limited circulation. Lastly, some further early Romance loan words in Old Dutch are treated.

Zusammenfassung

In den sogenannten ‘Malbergischen Glossen’ finden sich einige lateinisch-fränkische Mischformen: ort(o)fogal, ort(o)baum, ort(o)pund, ōlagart, vialacina und ein Lehnwort aus dem galloromanischen: pōdor. Sie werden hier nach Herkunft behandelt. Dazu kommt noch ein weiteres solches Wort hofporcus, das in flämischen Quellen des 12. Jahrhunderts erscheint und keine Entsprechung im Mittelniederländischen zu haben scheint. Auch dieses Wort dürfte nur eine beschränkte Verbreitung gehabt haben. Weiter werden einige frühe Lehnwörter aus dem Romanischen ins Altniederländische behandelt.

1 Einleitung

Die Bezeichnung ‘Malbergische Glossen’ wird für die volkssprachigen Wörter in der sonst in lateinischer Sprache geschriebenen ‘Lex Salica’, dem Gesetz der salischen Franken, gebraucht. Dieser Text ist vermutlich im frühen 6. Jahrhundert entstanden, allerdings erst in Handschriften aus dem 8. und 9. Jahrhundert überliefert. Die volkssprachigen Wörter wurden dabei im Laufe der Überlieferung stark verballhornt, da die späteren romanischen Abschreiber die altfränkischen Wörter nicht mehr verstanden. Der Kopist von Handschrift A3 des ‘Pactus Legis Salicae’ vermerkt sogar, dass er die uerba grecorum, die “griechischen Wörter”, ausgelassen habe (Eckhardt 2002, 15). Im Grunde kann man also nur den Versuch machen, die ursprüngliche Form der betreffenden Glosse zu rekonstruieren, und diese Rekonstruktion ist umso sicherer, je häufiger eine malbergische Glosse in den Handschriften überliefert ist. Es lohnt sich jedoch, diesen Versuch zu machen, weil der Wortschatz in diesen Glossen sehr altertümlich zu sein scheint. Außerdem weist er auch frühe Lehnwörter aus dem Gallolateinischen auf, wie sich im folgenden erweisen wird.

2 Mischsprache

Man darf annehmen, dass in dem Teil des heutigen Frankreich, wo der ‘Pactus Legis Salicae’, die älteste Redaktion der ‘Lex Salica’, entstanden ist, zur Zeit der Entstehung der ‘Malbergischen Glossen’ Zweisprachigkeit herrschte und zwischen Romanen und Franken zum Teil auch eine Mischsprache aus Latein und Fränkisch benutzt wurde. Die Hauptmasse der Einwohner sprach wohl Gallolatein. Diese Sprache geht zurück auf das Vulgärlatein der Unterschichten in diesem Gebiet. Außerdem dürfte auch die ursprünglich keltische Sprache dieses Gebiets, das Gallische, Einfluss auf die lateinische Sprache ausgeübt haben und vielleicht wurde sie zu dieser Zeit sogar noch gesprochen (Kerkhof im Druck). Die Franken, die diese Gebiete nach Abzug der Römer erobert hatten, sprachen natürlich eine germanische Sprache. Da es die Sprache eines Teils der Oberschicht war, hat auch diese Sprache auf das Lateinische in diesen Gegenden eingewirkt, wie die zahlreichen fränkischen Wörter im späteren Französischen beweisen. Umgekehrt wurde das Fränkische mit lateinischen und gallolateinischen Vokabeln ergänzt, vgl. etwa gall. brogilos ‘kleiner Wald’ (Delamarre 2003, 91–92), das früh ins Altniederländische übernommen wurde, wie aus der Form mnl. brogele [1288] ‘Breugel, NB’ (vmnw) hervorgeht. Jüngere Entlehnungen aus afrz. bruel, briel findet man dann in mnl. bruul, briel usw. (vmnw i,704). Für die Mischsprache ist es vielleicht bezeichnend, das in Ortsnamen etwa die Elemente rom. villa und germ. *haim- einander manchmal im selben Namen abwechseln: Albuulfiuilla, Albulfiuila [835, Kop. ±1100], Aluesheym [1222 nach einer Quelle von 839] ‘Albisheim, Pf.’ (tw 43), Tatinga uilla [649 Kop. 961 und 1775], Tathingahem [826 Kop. 961] ‘Tatinghem, St. Omer’ (tw 952). Die Mischsprache und die Zweisprachigkeit erklären, wie gesagt, auch die große Anzahl fränkischer Lehnwörter im Französischen. Dass das Fränkische früh auf das Gallolateinische eingewirkt hat, lässt sich daran erkennen, dass schon im lateinischen Text des ‘Pactus Legis Salica’ [Anfang des 6. Jhs.], ebenso wie in der späteren romanischen Volkssprache, zahlreiche frühe fränkische Lehnwörter vorkommen. Man darf annehmen, dass sie zum täglichen Sprachgebrauch in der Kommunikation zwischen Franken und Romanen gehörten. Dem Lautstand nach dürften viele der fränkischen Wörter im lateinischen Text des ‘Pactus legis Salicae’ im späten 5. oder im frühen 6. Jahrhundert ins Lateinische aufgenommen worden sein, denn sie weisen kaum Spuren von Umlaut oder zweiter Lautverschiebung auf.

3 Romanisches in fränkischem Kontext

Eine spezielle Gruppe bilden die Wörter in den sogenannten Malbergischen Glossen im ‘Pactus Legis Salicae’ (pls) und in der ‘Lex Salica’ (ls), in denen sich lateinische oder romanische Wörter mit altfränkischen Vokabeln verbunden haben. Man darf dabei annehmen, dass es sich nicht so sehr um Lehnwörter, sondern eher um Beispiele einer Art Mischsprache handelt, die in den teilweise romanisierten fränkischen Gebieten verwendet wurde. In dieser Sprache wurde offensichtlich das lateinische Wort hortus ‘Garten’ oder spezifisch ‘Obstgarten’ in der romanischen Form (h)ort- verwendet (von Wartburg 1948–1965, iv,489–490). Dem gegenüber bedeutet frz. jardin, das auf ein altfränkisches *gardo ‘Garten’ zurückgeht, eher ‘Ziergarten’ (ebda. 490). Das erste Wort erscheint in den Substantiven: *ort(o)fogal ‘zahmer Vogel’, *ort(o)baum ‘Obstbaum’, *ort(o)pund ‘Gartenpferch’ im ‘Pactus legis Salicae’:

  1. *ort(o)fogal ‘zahmer Vogel’: Si quis acceptorem furauerit de arbore, malb. ortflocla, sunt den. CXX qui faciunt sol. III culpabilis iudicetur excepto capitale et dilatura ‘Wenn einer einen Habicht vom Baum stiehlt, gerichtlich ortflocla, werde er 120 Pfennigen, die machen 3 Schillinge außer Wert und Weigerungsgeld, zu schulden verurteilt’ (pls vii,1, C6)1 mit den Varianten: A2: hor hut; Herold: ortfocla; Si quis acceptorem de arbore furauerit, mal. hocticla sol. III culpabilis iudicetur excepto capitale et delatura ‘Wenn einer einen Habicht vom Baum stiehlt, gerichtlich hocticla, werde er 3 Schillinge außer Wert und Weigerungsgeld, zu schulden verurteilt’ (ls vii,1, D7) mit den Varianten: D8: hocticla; D9: hocticla; Si quis acceptorem de perteca furauerit, malb. uueippo ortfocla, sunt den. DC qui faciunt sol. XV culpabilis iudicetur excepto capitale et delatura ‘Wenn einer einen Habicht von der Stange stiehlt, gerichtlich uueippo ortfocla, werde er 600 Pfennige die machen 15 Schillinge außer Wert und Weigerungsgeld zu schulden verurteilt’ (pls vii,2, C6) mit den Varianten: A1: hymnis sith; A2: mar thocla; Herold: uueiano siue ortfocla und uueiape urthefocla uueiano anthedio; Si quis acceptorem deintro clauem furauerit repositum, malb. ortfocla uuale uanae antedio sunt den. IMDCCC qui faciunt. sol. XLV culpabilis iudicetur excepto capitale et delatura ‘Wenn einer einen unter Verschluss verwahrten Habicht stiehlt, gerichtlich ortfocla uuale uanae antedio, werde er 1800 Pfennige, die machen 45 Schillinge außer Wert und Weigerungsgeld, zu schulden verurteilt’ (pls vii,3, C6) mit den Varianten: A1: uerthi fugium; A2: na ob focla; Herold: ortfocla, siue uueiano pandete; Si quis acceptorem deintro clauem furauerit, mal. orto fugia, sol. XLV culpabilis iudicetur excepto capitale et delatura ‘Wenn einer einen unter Verschluss verwahrten Habicht stiehlt, gerichtlich orto fugia, werde er 45 Schillinge außer Wert und Weigerungsgeld zu schulden verurteilt’ (ls vii,3, D7) mit den Varianten: D8: orto fugia; D9: ortho fugia.Aus dem Textzusammenhang in diesen Kapiteln geht hervor, dass es sich um gezähmte Raubvögel handelt, die für die Jagd bestimmt waren. Die gemeinsame Bezeichnung für den zahmen Falken und den zahmen Habicht ist in diesem Fall die Rekonstruktion *ort(o)fogal buchstäblich ‘Gartenvogel’. Schon Kern dachte für den ersten Teil dieser Zusammensetzung an lat. hortus, das als ort- auch in ae. ortgeard ‘Obstgarten, Garten’ (bt 767) vorkommt, vgl. auch got. aurtigards ‘Garten’ (Lehmann 1986, 51). Van Helten (1900, 304–305) erklärt es wahrscheinlich mit Recht als eine Zusammensetzung von lat. (h)ortus ‘Garten’ und anl. fogal ‘vogel’, also ‘ein im Garten sich aufhaltender Vogel’. Kaspers (1948– 1950, 306–307) sieht allerdings darin eher eine Ableitung zu afrz. hurter ‘stoßen’, vgl. die deutsche Bezeichnung ‘Stoßvogel’ für Raubvögel. Das Problem ist dann allerdings die Herkunft dieses französischen Verbs, das wahrscheinlich selbst auch aus dem Fränkischen stammt (von Wartburg 1948–1965, xvi, 273). Mit im Hinblick auf die auf dieselbe Art und Weise gebildeten Zusammensetzungen ort(o)baum und ort(o)pund scheint daher van Heltens Interpretation die beste.
  2. *ort(o)baum ‘Baum im Garten, Obstbaum’: Si uero in horto fuerit, malb. ortobaum, DC den. qui faciunt solid. XV culpabilis iudicetur ‘Wenn er [= der Baum] jedoch im (Obst)Garten war, gerichtlich ortobaum, werde er 600 Pfennige, die machen 15 Schillinge, zu schulden verurteilt’ (pls xxvii,24, Her.). Im vorhergehenden Paragraphen war die Rede von einem Apfel- oder Birnbaum, der ausgerissen wurde, wofür man 120 Pfennige bzw. 3 Schillinge büßen sollte. Es ist deutlich, dass dasselbe Verbrechen erheblich strenger bestraft wurde, wenn die Bäume in einem speziellen Obstgarten standen. Die Bestimmung findet sich nur in der Ausgabe von Herold—mit Glosse—und in den jüngeren K-Handschriften, ohne Glosse. Si quis in agrum alienum arborem insertum exciderit, malb. orthobano, sunt den. IMCC qui faciunt. sol. XXX culpabilis iudicetur ‘Wenn jemand auf fremdem Acker einen angepflanzten Baum abhaut, gerichtlich orthobano, werde er zu 1200 Pfennigen, die machen 30 Schillinge verurteilt’ (pls xxvii,15, C6).Vermutlich handelt es sich um ein jüngeres Wort aus dem Obstanbau, den die Franken von den Römern übernahmen (vgl. Gamillschegg 1934, 192 und i,6), was die Mischsprache erklärt. Die Glosse ist wohl als *ort(o)baum ‘im (Obst)Garten stehender Baum, Obstbaum’ aufzufassen, vgl. si uero in horto fuerit im Text. Auch hier liegt wohl eine Zusammensetzung mit lat./rom. (h)ortus ‘Garten’ vor, vgl. ort(o)fogal und ort(o)pund. Geffcken weist darauf hin, dass die Stelle in pls xxvii,23 das erste und einzige Mal ist, dass ein hortus im pls erwähnt wird (1898, 138) und obwohl es nicht ausdrücklich gesagt wird, sei anzunehmen, “dass solche Anlagen von vornherein dem durch die Römer vermittelten Obstbau gedient haben” (ebda.).
  3. *ort(o)pund ‘Gartenpferch’. Im vorhergehenden Paragraphen (pls xxvii,11 Her.) war die Rede von Diebstahl bzw. Beschädigung von Pfropfreisern eines Apfel- oder Birnbaums. In xxvii,12 bezieht es sich offenbar auf Obstbäume, die in einem speziellen Teil des Gartens stehen: Sin in horto fuerit, malb. ortopodun DC den. qui faciunt sol. XV culpab. iudicetur ‘Wenn er aber in einem Garten war, gerichtlich ortopodun, werde er 600 Pfennigen, die machen 15 Schillinge, zu schulden verurteilt’ (pls xxvii,9, Her.) mit der Variante ortopondo in C6. Kern wies schon auf ae. ort ‘Garten’ aus lat. hortus ‘Garten’ und pund ‘pound, enclosure’ (bt 779) hin, vgl. van Helten (1900, 393, §98). Die salfränkische Form war dann *ort(o)pund, aus dem sich die überlieferten Formen ableiten lassen. Das zweite Element erscheint auch sonst noch im Englischen: ae. pundfald ‘Schutzstall’ (bt-Suppl. 682) und me. pundbreche ‘Aufbrechen eines Geheges’ (Onions 1966, 701) und auch im Verb pyndan ‘abdämmen’ (bt 780). Die Herkunft des Wortes ist unbekannt, aber das Vorkommen sowohl in Frankreich wie in England könnte auf keltische Herkunft weisen, wenn auch das anlautende p- dann Schwierigkeiten macht.Das erste Element ort- in diesen drei Wörtern scheint nur im Altenglischen und im Salfränkischen existiert zu haben und hat sich nicht bis in die späteren Sprachen halten können.2 Der Grund dafür war, was die germanischen Sprachen betrifft, vielleicht die Homonymie mit ort ‘Spitze’. Die gotischen Wörter aurtigards ‘Garten’ und aurtja ‘Winzer’, die auch von vulgärlat. orto stammen, sind wohl eine unabhängige Entlehnung, (s. Lehmann 1986, 51). Das Wort ist also in vorhistorischer Zeit wieder aus dem Fränkischen verschwunden und wurde wahrscheinlich durch altfrk. *gardo (gebeugt: *gardin, frz. jardin) ersetzt (Gamillschegg 1934, 192). Nach Gamillschegg ist letzteres eine romanische adjektivische Ableitung zu altfrk. *gard ‘Gehege, Umfriedung’ (ebda.). Es bezeichnete vermutlich den Gemüsegarten im Gegensatz zu hortus ‘Obstgarten’, s. oben.
  4. *ōlagart m. ‘Garten mit Bienenkörben’ (oder ‘Bienenkorb’?): Si quis unam apem hoc est unum uasum de intro clauem et sub tecto furauerit, malb. antidio olephardis sunt den. MDCCC qui fac. sol. XLV culp. iud. ‘Wenn einer eine Biene, d.h. einen Bienenkorb, aus einem abgesperrten Raum unter einem Dach stiehlt, gerichtlich antidio olephardis werde er 180 Pfennige, die machen 45 Schillinge, zu schulden verurteilt’ (pls viii,1, C6) mit den Varianten: A1: sundolino; A2: antedi leodardi; Her.: antidio olethardis. Die Glosse in A1 gehört zu einem ganz anderen Kapitel (vii,8)3, während leodardi in A2 im Hinblick auf die Verbindung mit antedi eine Verballhornung von olechardi unter dem Einfluss des häufig vorkommenden leodardi4 sein dürfte; Si quis apem intro clauem furauerit aut amplius, se dictus super eos fuerit, mal. antedio olecharde, sol. XLV culpabilis iudicetur excepto capitale et delatura ‘Wenn einer Bienen aus einem abgesperrten Raum, der ein Dach darüber hat, stiehlt, gerichtlich antedio olecharde, werde er 45 Schillinge außer Wert und Weigerungsgeld zu schulden verurteilt’ (ls ix,1, D7) mit den Varianten: D8: antedeo elecharde und D9: antedio holecardo; Si uero septem aut amplius furauerit et adhuc aliquid remanserit, malb. antedio texaca olechardis, sunt den. IMDCCC qui faciunt sol. XLV culpabilis iudicetur excepto capitale et delatura ‘Wenn einer sieben oder mehr stiehlt und noch etwas übrigbleibt, gerichtlich antedio texaca olechardis, werde er 1800 Pfennige, die machen 45 Schillinge, außer Wert und Weigerungsgeld zu schulden verurteilt’ (pls viii,4, C6) mit den Varianten: A1: hole chartis; A2: leodardi; C5: antedio texeca; Her.: texara antidio alethardis. Mit vasum ist hier wohl vas cum apibus ‘Bienenkorb’ gemeint (vgl. Geffcken 1898, 114).Vermutlich steckt in der Form *olechardi eine Bezeichnung *ōlegard ‘Garten mit Bienenkörben’. Für die Vorlage in der ‘Lex Salica’ ist nach Kern die Schreibung *olecharde mit <ch> für spirantisches /g/ anzunehmen. Er sieht in leodardi und übrigens auch in olechardi eine Verballhornung von *beochardi ‘Bienengarten’. Van Helten (1900, 311–313, §48) lehnt dies wohl mit Recht ab. Er geht vom Text in C6 und einer Fußnote bei Herold uas(um) (cum apibus) aus und sieht im ersten Teil der Zusammensetzung ein Äquivalent von anl. ûla ‘Topf’, das in den ‘Wachtendonckschen Psalmen’ [10. Jh.] erscheint: Iuda cuning min, moab ula tohopis minis ‘Iuda, mein König, Moab, Gefäss meiner Hoffnung’ (= Iuda rex meus, Moab olla spei meae) (Ps. 59,10). Dazu gehört auch die Berufsbezeichnung ûlere ‘Töpfer’ im Ortsnamen Ulrepath: ad terminum qui dicitur Ulrepath [1135], Ulrepat [1139] ‘Ort bei Tessenderlo, Belgien’ (tw 986). Über eine verallgemeinernde Bedeutung ‘Behälter’ kommt van Helten dann für ûla zu dem spezifischen Begriffsinhalt ‘Bienenkorb’. Die Bedeutung der Glosse ist dann ‘ein eingehegter Raum mit Bienenkörben, ein Bienengarten’. Nun zeigt die Geschichte der Bienenzucht, dass in prähistorischer Zeit und heute noch in Teilen Asiens irdene Rohrstücke als Unterkunft für die Bienen benutzt wurden. Eine ûla hatte einen weiten Hals und wäre auch dafür geeignet. Der zweite Teil wäre dann ahd. gart ‘Zaun, umzäuntes Grundstück’, vgl. die Interpretation als ‘Auszeichnung des Diebstahls aus verschlossenem Raum’ bei Geffcken (1898, 112). Für die konkrete Bedeutung kann man auf dt. Bienenzaun verweisen. Dies war in alter Zeit ein Zaun mit Vordach, unter dem ein Gerüst mit Bienenkörben stand. An den beiden Seiten konnte dies mit Brettern abgesperrt werden, während sich an der vierten Seite ein Lattenzaun befand, sodass das Ganze zwar offen und doch abgeschlossen war. Auch konnten mehrere solcher Zäune einen Raum umschließen, der durch eine Tür zugänglich war. In diesem Fall ist die malbergische Glosse etwa aufzu fassen als antedio olechardes ‘Einbruch in einen abgeschlossenen Raum mit Bienenkörben’. Nach Frings (1966, 114–120) stammt ahd. anl. ûla aus dem Romanischen und ist es im Mittelfränkischen verbreitet, vgl. auch Frings 1968, 111–112. Im Romanischen finden sich mehrere Varianten dieses Wortes—etwa afrz. ole—, die auf lat. aula ‘Topf, Hafen’ (Georges 1976, i, 731) und ōlla ‘Topf, Hafen’ (Georges 1976, ii, 1339) zuruckgehen (vgl. von Wartburg 1948–1965, vii, 349–351).
  5. Auffällig in diesem Zusammenhang ist auch vialacina ‘Wegversperrung’, das offensichtlich ein lateinisches via ‘Weg’ in Kombination mit einem fränkischen Verbalabstraktum *lagîn ‘Sperrung’ enthalt: Si quis hominem qui alicubi migrare disponit et habet praeceptum rege et habundiuet se in mallo publico et aliquis ei extra ordinationem regis restare aut adsallire presumit, mallobergo alachtaca uia lacina sunt denarii VIIIM qui faciunt solidos CC culpabilis iudicetur ‘Wenn einer einen Mann, der anderswo zuziehen will und vom König Vollmacht hat und sich im öffentlichen Thing ausweist, und jemand sich unterfängt, ihm entgegen der Anordnung des Königs zu protestieren oder ihn anzufallen, gerichtlich alachtaca uia lacina, werde er 8000 Pfennige, die machen 200 Schillinge, zu schulden verurteilt’ (pls xiv,4, C6) mit den Varianten: A2: alachtaco; Her.: alacfacis uia lacina; Si quis homo, qui alicubi migrare disponit et de rege habet cartas et se habundiuit in mallo publico, et aliquis extra ordinationem regis testare aut adsallire cum presumpserit, mallobergo alachra et hii uia lacina, sunt denarii VIIIM qui faciunt solidus CC culpabilis iudicetur ‘Wenn einer einen Mann, der anderswo zuzuziehen beschließt und vom König Urkunden hat und sich im öffentlichen Thing ausweist, und jemand sich unterfängt, entgegen der Anordnung des Königs zu protestieren oder ihn anzufallen, gerichtlich alachra et hii uia lacina, werde er 8000 Pfennige, die machen 200 Schillinge, zu schulden verurteilt’ (ls xvi,4, D8) mit den Varianten D7: alachra et hii uia lacina; D9: alagra et hii uia lacina. Es betrifft hier die letzte Glosse, die offensichtlich das Versperren des Weges des Neuangekommenen meint, denn die erste Glosse war wohl *alach-taco ‘Wegnahme des Hofes’; DE VIA LACINA Überschrift von pls xxxi mit der Variante LAZINA in C5 und C6. In ls lautet dieselbe Aufschrift in § 50: DE UIA LACINA in der D-Fassung mit schlechteren Varianten in den E-Handschriften; Si quis baronem de uia sua ostauerit aut inpinxerit, mallobergo uialazina, DC denarii qui faciunt solidos XV culpabilis iudicetur ‘Wenn einer einen freien Mann von seinem Wege zurückstößt oder vertreibt, gerichtlich uialazina, werde er 600 Pfennige, die machen 15 Schillinge, zu schulden verurteilt’ (pls xxxi,1, C6) mit den Varianten A1: uialacina; A2: uia lacina; Herold: uia lacina; Si quis hominem ingenuum de uia sua ostauerit aut impinzerit, mallobergo uia lacina sol. XV culpabilis iudicetur ‘Wenn einer einen freien Mann von seinem Wege zurückstößt oder vertreibt, gerichtlich uia lacina, werde er 15 Schillinge, zu schulden verurteilt’ (ls l,1, D7) mit den Varianten: D8: uialacina; D9: ui alacina; Si uero mulierem ingenuam de uia sua hostauerit aut inpinxerit, mallobergo orbis uia lazina, sunt denarii 1MDCCC, qui faciunt solid. XLV culpabilis iudicetur ‘Wenn einer eine freie Frau von ihrem Wege zurückstößt oder vertreibt, gerichtlich orbis uia lazina, werde er 1800 Pfennige, die machen 45 Schillinge, zu schulden verurteilt’ (pls xxxi,2 C6) mit den Varianten: A1: machina; A2: mallacina; Herold: urbis uia lacina. Die Glosse in den beiden A-Handschriften scheint eine Vermischung von der Abkürzung mal. ‘gerichtlich’ mit uialacina zu sein; Si quis femina ingenua de uia sua ostauerit aut inpinxerit, mallobergo uia lacina, sol. XLV culpabilis iudicetur ‘Wenn einer eine freie Frau von ihrem Wege zurückstößt oder vertreibt, gerichtlich uia lacina, werde er 45 Schillinge zu schulden verurteilt’ (ls l,2, D7) mit der Variante: D9: uia lacina; Si quis uiam quæ ad farinarium ducit clauserit, mallobergo urbis uia lacina, DC den. qui faciunt sol. XV culpabilis iudicetur ‘Wenn einer den Weg, der zu einer Wassermühle führt, schließt, gerichtlich urbis uia lacina, werde er 600 Pfennige, die machen 15 Schillinge, zu schulden verurteilt’ (pls xxxi,3, Her.) mit der Variante: C6: urbis uialacina; Si quis sclusam de farinario alieno ruperit, mallobergo urbis uia lacina, DC denarii qui faciunt XV solidos culpabilis iudicetur ‘Wenn einer die Schleuse einer fremden Wassermühle zerbricht, gerichtlich urbis uia lacina, werde er 600 Pfennige, die machen 15 Schillinge, zu schulden verurteilt’ (pls xxii,3, Her.) mit der Variante: C6: urbis uia lazyna; Si quis sclusa de farinario ruperit, mallobergo urbis uia lacina sol. XV culpabilis iudicetur ‘Wenn einer die Schleuse einer Wassermühle zerbricht, gerichtlich urbis uia lacina, werde er 15 Schillinge zu schulden verurteilt’ (ls xxx, D7) mit den Varianten: D9: urbis uia lacina.Wahrscheinlich handelt es sich bei uia lacina um eine Mischform von anl. *-lagî(n), einem Verbalabstraktum zu anl. leggen ‘legen’ (Quak 2007b), in Verbindung mit lat. via ‘Weg’. In fast allen Paragraphen ist nämlich die Rede von Hinderung oder Wegsperrung. Van Helten (1900, 335–337, §65) geht auch auf urbis/orbis ein und sieht darin mit Kern eine Latinisierung von wurbis, dem Genitiv von wurf ‘Ort des Bauernhofes’. Ein solches Wort ist allerdings nirgendwo belegt. Vermutlich dachten die beiden Forscher an anl. werva ‘Wohnhügel’ oder wurd ‘Wohnhügel’. Es liegt viel näher, in urbis den Genitiv von lat. urbs zu sehen und die Kombination urbis via etwa als ‘öffentliche Straße’ aufzufassen. Grimm dachte bei uia lacina an ein ursprüngliches *wiga-lageins ‘Wegelagerung’, was übrigens Kern (1880) schon ablehnte. Nach van Helten handle es sich um eine Ableitung zu *lak- ‘Mangel’, das auch in mnd. lak ‘Fehler, Mangel’ und in nnl. laken ‘tadeln’ stecke, also salfrk. *lak ‘vitium’, aus dem ein Verb *lakjan und als Abstraktum dazu *lakîn- entstanden wären. Das ist unwahrscheinlich, da ein solches Verb nirgendwo belegt ist. Grimms Erklärung scheint daher besser, wenn man dabei annimmt, dass via eine Latinisierung von altfrk. weg ‘Weg’ ist. Es liegt also eine lateinisch-fränkische Mischform vor. Seebold (2001, 359) allerdings stellt das zweite Element zu ahd. lezzen ‘hemmen, aufhalten, verlangsamen’ (Schützeichel 1995, 195). Dann müsste man allerdings annehmen, dass die althochdeutsche Lautverschiebung in den ‘Malbergischen Glossen’ schon durchgeführt war, denn lacina kommt in allen Fassungen von pls und ls vor. Es wäre dann das einige Beispiel dafür, denn die sonstigen eventuell verschobenen Formen stehen meistens in der Handschrift C6 und dürften von späteren Schreibern eingefügt worden sein. Es liegt daher näher, eine ursprüngliche Form *lachin anzunehmen mit <ch> für spirantisches /g/, s. oben bei olachard. Allerdings fällt dann auf, dass die Schreibung mit <ch> nie vorkommt. Man könnte als Grund dafür eventuell an Einfluss von lateinischen Wörtern wie lacinia ‘Fetzen, Zipfel’ (Georges ii,529) o.ä. denken.

Man darf annehmen, dass diese “Mischformen” charakteristisch waren für die altfränkische Sprache im Gebiet, wo der ‘Pactus legis Salica’ galt. Das erklärt auch, warum sie in der späteren germanischen Sprache in diesem Gebiet verschwunden sind. Diese Gegenden wurden schon bald romanisiert. Nur vereinzelt bleibt ein Wort erhalten wie etwa puoder, s. unten.

Solche “Mischformen” kommen weiter nur selten vor. Im Altniederländischen des 12. Jahrhunderts findet sich noch hofporcus ‘Hofschwein’, eine hybride Bildung mit einem flämischen ersten und einem lateinischen zweiten Element: ex hofporcis [1134–57; Oork. Vl. 259.23 (Nr. 161)], hofporci ex Haltra x [1187; Gros Brief 143], Super hofporcos [1187; Gros Brief 145]; Hofporci [1187; Gros Brief 151], hofporcorum [1187; Gros Brief 152 (2×)], hofporci [1187; Gros Brief 152 (2×)], Hofporci [1187; Gros Brief 166, 181, 188], viginti novem denarios ex hofporcis [1187; Miraeus und Foppens 1723–1748, i, 552 in einer Urkunde von Philipp vom Elsass]. Eine solche Zusammensetzung sei charakteristisch für den ‘Gros Brief’ von 1187, in dem mittelniederländische Wörter häufig latinisiert werden (Verhulst und Gysseling 1962, 35–37). Der frühere Beleg im flämischen Urkundenbuch suggeriert jedoch, dass es nicht nur die Schreiber des ‘Gros Brief’ waren, die diese Form gebrauchten. Die Herausgeber des ‘Gros Brief’ nehmen an, dass es sich um die Wiedergabe eines mittelniederländischen Wortes *hofswijn handelt, das allerdings nicht im vmnw und mnw belegt ist. Nur das mnhw verzeichnet es, allerdings ohne Angabe des Fundorts. Nach weiterem Suchen ergibt sich, dass sich der einzige Beleg um 1300 in Utrecht findet: hofswyn ‘einem Hof oder einem Herrn als Abgabe zu zahlendes Schwein’ (mnhw Suppl. 156). Die genaue Bedeutung im Gros Brief ist nicht deutlich: “Il pourrait s’agir, à notre avis, de porcs élevés dans une curtis, par opposition aux sangliers, qui devaient être encore nombreux dans le comté de Flandre au moyen âge” (Verhulst und Gysseling 1962, 37). Das onw spricht von einem ‘Hofschwein, einem domestizierten Schwein’. Vermutlich haben die Herausgeber des ‘Gros Brief’ recht, wenn sie an anl. hof in der Bedeutung ‘abgeschlossener Raum, Gehege’ denken, vgl. onw s.v. hof. Die Zusammensetzung erinnert dann an die *chrannegaltia ‘Gehegeschweine’ aus dem ‘Pactus Legis Salicae’ (Kap. ii,1).

4 Frühe Lehnwörter

Die niederfränkischen Mundarten weisen auch einige sehr frühe Lehnwörter aus dem Romanischen auf, die schon in der altniederländischen Periode übernommen worden scheinen.

4.1 pōdor

So findet sich im Altniederfränkischen das Lehnwort *pōdor ‘Jungtier’. Es erscheint einige Male im pls und zwar in Kapitel iii über den Diebstahl von Vieh: Si quis uitulum lactantem furauerit, malb. pondero CXX denarios qui faciunt solidos III culpabilis iudicetur excepto capitale et dilatura ‘Wenn einer ein saugendes Kalb, gerichtlich pondero, stiehlt, werde er 120 Pfennige, die machen 3 Schillinge, außer Wert und Weigerungsgeld zu schulden verurteilt’ (pls iii,1, C6) mit den Varianten: A1: podero; A2: protero; Her.: pedero, aut freodo; Si quis uitulum lactantem furauerit, mal. pordor aut friocho, sol. III culpabilis iudicetur excepto capitale et delatura ‘Wenn einer ein saugendes Kalb, gerichtlich pordor oder friocho, stiehlt, werde er zu 3 Schillingen außer Wert und Weigerungsgeld verurteilt’ (ls iii,1, D7) mit den Varianten: D8: podor aut fricho; D9: podor aut friocho. In diesen Paragraphen findet sich als Variante zu *pōdor ein Wort, das wohl als *frisko zu interpretieren ist, vgl. mnl. versch ‘neu’. Van Helten (1900, 283, §27) nimmt an, dass *friocho die ursprüngliche Form war, in der aber schon früh das <s> verschwunden sei, sodass eigentlich *frischo gemeint sei. Dies lässt sich mit anl. frisking ‘junges Stück Kleinvieh’ vergleichen (onw). Vermutlich handelt es sich hier entweder um eine substantivierte Form des Adjektivs anl. *frisk ‘neu, frisch’ mit einer Latinisiering mittels -o,—wie häufiger im pls, vgl. *ohsino ‘Ochse’ in iii,7—, oder um einen n-Stamm. Wahrscheinlich war podor—die einzige Glosse in der A-Fassung und daher wohl die ursprüngliche Glossierung—für einen Teil der späteren noch fränkischen Kopisten nicht mehr klar und wurde durch ein anderes Wort verdeutlicht.

Si quis annuculum usque ad bimatum furauerit, mallobergo thinzimus podor, sunt denarii DC qui faciunt solidus XV culpabilis iudicetur excepto capitale et dilatura ‘Wenn einer ein einjähriges bis zweijähriges, gerichtlich thinzimus pordor stiehlt, werde er 600 Pfennige, die machen 15 Schillinge zu schulden verurteilt außer Wert und Weigerungsgeld’ (ls iii,2, D8) mit den Varianten: D7: thinzimus pordor; D9: thin zimus podor. Die Glosse ist wahrscheinlich als *tui(n)gimis podor ‘zweijähriges Jungtier’ zu lesen, wobei im ersten Wort das Zahlwort *twi(n) und eine Ableitung zu *gimi ‘Winter’ steckt (vgl. Quak 2008a, 470–475).

Si quis bimum animal furauerit, malb. inzymis pondero mala sunt den. DC qui faciunt sol. XV culp. iud. excep. cap. et del. ‘Wenn einer ein zweijähriges Tier, gerichtlich inzymis pondero mala stiehlt, werde er 600 Pfennige, die machen 15 Schillinge zu schulden verurteilt außer Wert und Weigerungsgeld’ (pls iii,3, C6) mit der Variante: Herold: zymis pedero malia. Hier findet sich dieselbe Glosse, die außerdem bei Herold mit *mala ‘junge Kuh, die noch kein Kalb gehabt hat’ verdeutlicht wird. Dieses Wort gehört wohl zu nnl. maal ‘junge Kuh’, das sich mit gr. mêlon ‘kleines Tier, Schaf’, air. mîl ‘Tier’ vergleichen lässt. Dazu gehört vielleicht auch (mit s-mobile): smal ‘klein’, vgl. ahd. smalaz fihu, smala-nôz ‘Kleinvieh’, an. smali ‘Kleinvieh’. Auch hier scheint also die ursprüngliche Glosse *pôder später verdeutlicht zu sein, s. oben.

Si quis bouem aut uacam furauerit, mallobergo podor, sunt denarii MCCCC qui faciunt solidus XXXV culpabilis iudicetur excepto capitale et dilatura ‘Wenn einer einen Ochsen oder eine Kuh, gerichtlich podor, stiehlt, werde er 1400 Pfennige, die machen 35 Schillinge zu schulden verurteilt außer Wert und Weigerungsgeld’ (ls iii,3, D8) mit den Varianten: D7: podor; D9: podor. Obwohl es hier nicht ausdrücklich gesagt wird, muss die Glosse auch hier ein Jungtier bezeichnen.

Si quis uacam cum uitulo furauerit, malb. pondero sunt den. 1MCCCC qui faciunt sol. XXXV culp. iud. ex. ‘Wenn einer eine Kuh mit Kalb, gerichtlich pondero, stiehlt, werde er 1400 Pfennige, die machen 35 Schillinge, zu schulden verurteilt ohne Wert und Weigerungsgeld’ (pls iii,4, C6) mit den Varianten: A1 (kombiniert mit iii,7): potero; A2: protero; Herold: zymis pedero malia (vgl. auch iii,3).

Si quis vacca domita furauerit, malb. chanzyn ponderos, sunt denarii MCCCC qui faciunt solidi XXXV culpabilis iudicetur, excepto capitale et dilatura ‘Wenn einer eine besprungene Kuh, gerichtlich chanzyn ponderos, stiehlt, werde er 1400 Pfennige, die machen 35 Schillinge zu schulden verurteilt’ (pls iii,6, C6) mit der Variante: Her.: abazym pedero. Eckhardt spricht hier von einer besprungenen Kuh (wie auch schon Kern 1880), aber Van Helten (1900, 286–287) meint, dass es eine Kuh betrifft, die sich am Joch hat gewöhnen müssen und somit chanzyn eine Wiedergabe von lat. domitam ist. Deswegen denkt er an salfrk. *thungin, ein Partizip, das zum Verb thwingan gehört, vgl. ahd. dungan (Braune §336). Der überlieferten Form nach sieht es allerdings viel eher als ein Perfektpartizip *hangin ‘gehangen’ aus, das hier dann ‘besprungen’ bedeuten müsste. Diese Form lässt sich etwa mit salfrk. *chanzisto für ursprüngliches *hangist- ‘Hengst’ vergleichen.

Si quis poletrum annicolum uel bimum furauerit, mallobergo nabothna pondero, sunt denarii DC qui faciunt solidos XV culpabilis iudicetur excepto capitale et dilatura ‘Wenn einer ein ein- oder zweijähriges Füllen, gerichtlich nabothna pondero, stiehlt, werde er 600 Pfennige, die machen 35 Schillinge, zu schulden verurteilt außer Wert und Weigerungsgeld’ (pls xxxviii,8, C6) A1: marsolem; A2: sunnista; Her.: uuadredo und napodero. Die A-Handschriften haben offensichtlich andere Wörter, denn A2 enthält vermutlich *marhfolen ‘Füllen’ und A2 hat hier versehentlich das Wort sunnista ‘Herde’, vgl. §xxxviii,5. Nur C6 und der Druck bei Herold weisen also die Glosse auf.

Wahrscheinlich kommt das Wort auch in Ortsnamen vor: Pudele [1168; 1144], Poderla [1123], Puderla [1221] ‘Poederlee (Tu.) in Belgien’ (tw 801), das aus älterem *Puoderlō entstanden sein kann; in uilla Podarwic mansum I. [850 (Kop. 1170–1175)], in Poderoye [1200? Kop. um 1350, Utrecht] ‘Poederooijen, Gldl.’ (lnt 290–91), das wohl eine Zusammensetzung von *puoder und *ōi ‘Weideland am Wasser’ ist, vgl. Quak 2007a.

Die Herkunft des Wortes ist nicht ohne weiteres klar. Wahrscheinlich handelt es sich nicht um eine Verballhornung von *hrund- oder *hrond- ‘Rind’ wie Van Helten (1900, 225) annahm5. Eckhardt weist in seiner Einleitung zur ‘Lex Salica’ mit Recht auf die konsequente Rechtschreibung mit <p>, das Fehlen von Parallelen für die Verwechslung von <chr> und <p> und auf die Tatsache, dass sich podero in xxxviii,8 auch auf ein Füllen bezieht, sodass van Heltens Interpretation unwahrscheinlich ist. Eher handelt es sich um ein Lehnwort aus einer anderen Sprache wie Quak u.a. (1983, 27–28) suggerieren. Es handelt sich dann vermutlich um eine aus dem Romanischen stammende Form, nämlich lat. poledrus, pulliter ‘Füllen’, das in romanischem Munde zu *pōdor geworden ist, s. Quak 2007a. Die fränkische Form lässt sich mit romanischen Formen wie podrel, pudrein, poudre (von Wartburg 1948–1965, viii, 530–533) vergleichen. Das Vorhandensein dieses Wortes in den ‘Malbergischen Glossen’ dürfte darauf hinweisen, dass es sich um ein im Fränkischen damals schon eingebürgertes Wort handelt. Die spätere Verbreitung deutet auf ein beschränktes Gebiet im Altniederländischen.

4.2 vîvari

Auch vîvari m. ‘Weiher’ dürfte ein frühes Lehnwort aus dem Romanischen sein. In dieser Form erscheint es nur in einigen Ortsnamen und im späteren Niederländischen. Es kommt letztendlich von lat. vivarium aber im Hinblick auf das zweite /v/ muss es über afrz. viver ‘Fischweiher’ entlehnt sein, vgl. von Wartburg 1948–1965, xiv, 574. Es kommt vor als erstes Element im Ortsnamen: Viuerbroc [1165; 1167] ‘Vijverbroek, Ort bei Outer, Aalst, Ostflandern’ (tw 1011) und selbständig in: de Uiura [1224] ‘Ten Vijvere, Temse’ (tw 1011). Die altniederländische Form findet sich vermutlich auch in der Glosse fiolihc uiueri ‘Probatica piscina’ (Gll. i, 738, 22) in der Handschrift Brüssel, br 18723 [9. Jh.], vgl. Bergmann und Stricker 2005, i, 291–293. Die volkssprachigen Glossen in dieser Handschrift wurden vermutlich im 10. Jahrhundert in Xanten eingetragen. Die Sprache der Glossen ist mittelfränkisch mit niederdeutschen (altniederländischen?) Spuren (ebda. 293). Da das Wort im Altsächsischen nicht belegt ist (Tiefenbach 2010; Frings 1968, 506), handelt es sich bei dieser Form wohl um eine altniederländische Vokabel. Die anderen Belege für das Wort bei Schützeichel (2004, xi, 244–245) haben alle die Schreibung mit <w>, <h> oder <g> statt <v> und dürften somit direkt auf lat. vivarium zurückgehen. Das gilt auch für die Parallelglosse zur Brüsseler Handschrift, die in der Mainzer Handschrift Stadtbibl. ii 3 uiolic wiari (Gll. i, 738, 21) lautet. Im Mittelniederländischen kommt zwar auch wiër und ähnliches vor, aber dies ist auf die südöstlichen Mundarten (östliches Nordbrabant, Limburg, östliche belgische Kempen) beschränkt.

4.3 kip

Wadstein (1897, 245–248) stellt anl. kip ‘Fußfessel’, belegt im Dativ Plural kippon ‘compedibus’ (Ps. 149,8) und in der Zusammensetzung fuetkippon ‘compedibus’ (Ps. 104,18) aus den ‘Wachtendonckschen Psalmen’, in einen größeren germanischen Zusammenhang. Diese Bedeutung in den wps. kann Wadstein nur noch im Mittelniederländischen belegen: kippe, kip ‘Fußfessel’ (mnw iii, 1446). Wahrscheinlich sei es nach ihm daher ein Lehnwort aus dem Französischen, wo cippe auch ‘Fußfessel’ bedeute, s. auch Frings (1968, 182) und de Grauwe (1979, 185–186). Das Wort ist im Althochdeutschen als kipf, chipf belegt mit der Bedeutung ‘Pfahl, Querbalken, Runge (Stütze am Wagen), Tragbalken’ und im Altsächsischen als kip ‘Stock’ (Schützeichel 2004, v, 221), außerdem erscheint es im südlichen Althochdeutschen als kipfa mit ähnlicher Bedeutung (Schützeichel 2004, v, 221–222). Nach dem ewa (v, 532–533) könne das Wort nicht aus lat. cippus entlehnt sein, weil neben germ. *kip- auch *kaip- ‘Einkerbung, Einschneidung’ vorkomme. Es müsse somit zu einer im Indoeuropäischen vollkommen isoliert stehende Wurzel *geibh- ‘schneiden’ gehören, die eventuell zu protoie. *gei- ‘drehen, wenden’ gehören könnte. Es ist allerdings die Frage, ob die spezielle Bedeutung ‘Fußfessel’, die nach Frings auf das Englische, Niederländische, Teile des Fränkischen und auf das Altfranzösische beschränkt ist, nicht doch auf ein Lehnwort deutet und Frings daher recht hat, wenn er annimmt, dass die Form und die Bedeutung aus der römischen Soldatensprache übernommen wurde (1968, 182–183). Die Etymologie von an. keipr ist ja höchst unsicher (vgl. de Vries 1977, 305). Höchstens könnte man erwägen, ob es neben der alten Entlehnung aus dem Lateinischen ein Erbwort mit der Bedeutung ‘Stock, Runge’ gab.

5 Schlussfolgerungen

Es ist deutlich, dass im merowingischen Frankenreich Zweisprachigkeit und vermutlich auch eine Mischsprache vorkamen. Das geht schon aus den zahlreichen Entlehnungen aus dem Fränkischen ins Altfranzösische hervor. Im lateinischen Text des pls (6. Jh.) finden sich schon zahlreiche alte fränkische Lehnwörter wie *wrainio ‘Hengst’ oder beodus ‘Tisch’. Umgekehrt tauchen in diesem frühen Text auch schon romanische Wörter in der fränkischen Volkssprache auf, die allerdings auf diesen Text beschränkt sind. Von den oben erwähnten Wörtern haben offenbar nur ûla ‘Topf’ in seiner allgemeinen Bedeutung, vivari ‘Weiher’ und pōdor ‘Jungtier’ den Sprung in die spätere germanische Volkssprache geschafft. Und sogar sie sind auf einige nieder- und mittelfränkische Mundarten beschränkt geblieben. Auch weitere frühe Lehnwörter aus dem Vulgärlateinischen oder Altfranzösischen finden sich nur in diesen Mundarten.

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1

Der lateinische Text wird hier zitiert nach der Ausgabe in den mgh (Eckhardt 1969 und 2002), wobei jeweils einer Handschrift gefolgt wird. Die Übersetzung richtet sich nach Eckhardt 1953 und 1955.

2

Ahd. orzôn ‘bebauen, plegen’ dürfte auch eine frühe Entlehnung sein, kommt jedoch nur in zwei eng verwandten bairischen Glossenhandschriften aus Salzburg vor und wird daher eher ein lokales Phänomen sein.

3

Wahrscheinlich handelt es sich um eine Marginalglosse in der Vorlage, die von einem Abschreiber zum falschen Paragraphen gestellt wurde.

4

Siehe auch Baesecke 1935, 41. Vgl. zu leodardi Seebold 2007.

5

Skeptisch dazu bereits Baesecke 1935, 44f.

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  • von Wartburg 19481965: von Wartburg, Walther von, Französisches etymologisches Wörterbuch, Band I–XXI, Basel.

  • vmnw = Pijnenburg u.a. 2001.

  • wps. = Wachtendoncksche Psalmen = Quak 1981.

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