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Abb. 1
Abb. 1Ton Touber (1930–2019)

Citation: Amsterdamer Beiträge zur älteren Germanistik 79, 2 (2019) ; 10.1163/18756719-12340152

Anthonius H. Touber (*1930) ist im Bereich der Mediävistik ein bekannter Name. Seit 1970 belegte er an der Universität von Amsterdam den Lehrstuhl für deutsche Germanistik im Bereich der mittelalterlichen Literatur, den er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1995 innehatte. 1972 gehörte er gemeinsam mit Cola Minis und Arend Quak zu den Gründern der Zeitschrift ›Amsterdamer Beiträge zur älteren Germanistik‹, deren Redaktionsteam er bis zu seinem Tode angehörte. Im Januar 2019 verstarb Ton Touber (wie er von seinen Kollegen und Freunden genannt wurde).

Mit seinen Forschungen zum Minnesang, die einen ersten Höhepunkt in seiner Dissertation ›Rhetorik und Form im deutschen Minnesang‹ (Groningen 1964) erreichten und die Fragen der Metrik und der Musik betonten, verließ er schon die Wege der strikten Monodisziplin, ein Verdienst, das ihn zeitlebens auszeichnete. In seiner Monographie ›Deutsche Strophenformen des Mittelalters‹, die in der Reihe ›Repertorien zur deutschen Literaturgeschichte‹ 1975 im Verlag J. B. Metzler erschien, wurde in einem frühen Beispiel digital unterstützer Forschung dieser Ansatz noch einmal akribisch strukturiert. Das Repertorium ermöglichte Sprachgrenzen überschreitende Untersuchungen von Formschulen und -traditionen, welche die so beliebten biographisch begründeten Beziehungen zwischen beispielsweise Trouvères oder Troubadours und Minnesängern in den Bereich der Fiktion zu verschieben vermochten. Sehr gerne integrierte Ton Touber die bildende Kunst in seinen literaturwissenschaftlichen Betrachtungen, ob es sich nun um Lyrik oder Schauspiel handelte. Dieser letzteren Gattung wandte der Wissenschaftler sich neben seiner ersten und dauerhaften Liebe, dem deutschsprachigen Minnesang und seinen französischen Filiationen, seit der Mitte der 70er Jahre zu. Über die Arbeiten zum ›Donaueschinger Passionsspiel‹, dessen viel und gerne genutzte kommentierte Edition 1985 im Reclam Verlag erschien, bezog er immer wieder die öffentlich zugängliche Sakralkunst mit in seine Analysen, was der Spieleforschung neue Aspekte eröffnete. Einem dritten, nicht mediävistischen Bereich widmete sich Ton Touber mit der kontrastiven Betrachtung niederländisch-deutscher Sprachkontakte. Er versuchte, Interferenzen zu verorten und seine wissenschaftlichen Erkenntnisse durch zahlreiche Aufsätze sowie in der Lehrerausbildung sprachdidaktisch für den Unterricht fruchtbar zu machen. Immer wusste er seine Schüler und Schülerinnen zu motivieren und für seine Forschungsthemen zu begeistern, was sich nicht zuletzt in den zahlreichen Promotionen, die unter seiner Obhut zustande kamen, zeigte. Seine fachübergreifenden Ansätze bleiben inspirierend.

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