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Die Verhandlungen des Basler Konzils mit den Böhmen und die Prager Kompaktaten als Friedensvertrag

In: Annuarium Historiae Conciliorum
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Prof. Dr. Thomas Prügl Institut für Historische Theologie, Universität Wien, thomas.pruegl@univie.ac.at

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This article retraces the most important steps and negotiations between the Council of Basel and Hussite Bohemia, resulting in the peace treaty (Compactata) of Jihlava.on July 5, 1436. Besides examining the literary form of the Compactata, the study pays special attention to the expert opinions of Thomas Ebendorfer and Heinrich Kalteisen, composed and delivered in late August of 1433, in which the two theologians argued fiercely against any concessions to the Hussites regarding the communion under both species. The expertise of Kalteisen (avisamentum), preserved in a single manuscript in his personal dossier on Hussite material, is edited as an appendix.

1 Iglau, 5. Juli 1436

Einer der eindrucksvollsten Momente des an Feierlichkeiten und Zeremonien nicht armen Basler Konzils trug sich am 5. Juli 1436 zu, nicht in der Konzilsstadt Basel selbst, sondern etwa 900 km weiter östlich, im böhmischen Iglau, etwa auf halbem Weg zwischen Prag und Brünn an dem gleichnamigen Fluss Iglau (Jihlava) gelegen, der die Grenze zwischen dem Königreich Böhmen und der Markgrafschaft Mähren markiert. 1 Die Zeremonie wurde unter freiem Himmel auf dem Marktplatz abgehalten. Unter Fanfarenklängen zogen zuerst die Vertreter des Basler Konzils ein, dahinter Sigismund im kaiserlichen Ornat. Die kaiserlichen Insignien, Reichsapfel, Szepter und Schwert wurden von Herzog Albrecht v. Österreich, Graf Ulrich v. Cili und Graf Johann v. Schauenburg getragen. Für den Kaiser war auf einer Tribüne ein Thron errichtet worden, rechts davon eine Bank, auf der die Legaten des Konzils von Basel Platz nahmen, links davon eine andere, die den Vertretern der gemäßigten Hussiten Platz bot, nämlich dem Oberstburggrafen von Prag Meinhard v. Neuhaus, dem Landesverweser von Böhmen Aleš v. Riesenburg, dem designierten Prager Erzbischof Jan Rokycana, sowie Martin Lupáč und einem weiteren Geistlichen, die von Rokycana als Suffraganbischöfe vorgesehen waren. Nachdem alle ihren Platz eingenommen hatten, tauschten beide Seiten Urkunden aus, worin der Inhalt der “Vereinbarungen” (compactata) anerkannt wurde. Daraufhin legte der Prager Bürger Jan Velvar namens der utraquistischen Stände ein “Ausführungsdekret” (literae executoriae) vor, das vom kaiserlichen Sekretär laut vorgetragen wurde. Die Böhmen empfingen damit die wiederhergestellte Einheit mit der Kirche und schlossen Frieden mit der christlichen Welt. 2 Es schloss sich eine Obödienzerklärung des böhmischen Klerus an: Auf Geheiß der “Krone von Böhmen” gelobten vier utraquistische Priester den Vertretern des Konzils Gehorsam. Danach traten sie vor Jan Rokycana und versprachen auch ihm Gehorsam, indem sie ihn als designierten Erzbischof anerkannten. Der protokollierende Notar Jean de Tour beeilte sich festzuhalten, dass dieser nur vom Volk und einem Teil nominiert, aber weder kanonisch gewählt noch bestätigt gewesen sei. 3 Danach legten auch die Basler Gesandten ihre literae executoriales super conpactatis vor, die von Rokycana laut verlesen wurden. Ein bömischer Adeliger meldete dem Volk, dass die Briefe am kommenden Tag bei der Festmesse in der Pfarrkirche auf Tschechisch verlesen werden sollten. Bischof Philibert von Coutances, der Leiter der Basler Delegation, stimmte das Te Deum an, in das alle Anwesenden einstimmten. Danach zog der Kaiser, ihm voran die Konzilsgesandten, zusammen mit einer großen Menge Volkes und einigen böhmischen Baronen in die Iglauer Pfarrkirche, wo gesungen und gebetet wurde und der Bischof den Segen erteilte. Die Hussiten stimmten ein tschechisches Kirchenlied an, begaben sich in die Unterkunft der Prager und feierten dort einen Gottesdienst nach ihrem Ritus. Jean de Tour hielt die freudige Stimmung fest: Jeder ging mit Freudentränen in den Augen zum Mittagessen nach Hause. Auch der Kaiser ging mit seiner Entourage zu Fuß, so wie man es zehn Jahre lang bei ihm nicht mehr gesehen hatte. Und er weinte vor Freude, ebenso wie die Königin, die dem Anlass beiwohnte. Und darüber wurde ein förmliches Protokoll erlassen. 4

Die Iglauer Kompaktaten, wie man den Text nach dieser Zeremonie nannte, waren die theologisch-kirchenpolitische Voraussetzung, um das revolutionäre Königreich Böhmen wieder mit dem Römischen Reich und der Kirche zu versöhnen und Sigismund als böhmischen Monarchen anzuerkennen. Auf ihrer Grundlage konnten in der Folge die organisatorischen, administrativen und militärischen Fragen gelöst werden, so dass neben dem kirchlichen auch ein politischer Friede wiederhergestellt wurde. Freilich vermochte der Text, um den jahrelang gerungen wurde, die religiösen Differenzen nicht auszuräumen. Schon am folgenden Tag, als Rokycana beim Festgottesdienst den anwesenden Böhmen die Beschlüsse des Vortags ins Tschechische übersetzte, brach der mühsam formulierte Kompromiss angesichts der pragmatischen Forschheit und der starren ideologischen Haltungen beider Seiten wieder auseinander. Erzbischof Rokycana lud, nachdem die Urkunden verlesen waren, die Böhmen, die die Erlaubnis hätten, unter beiden Gestalten zu kommunizieren, an den linken Seitenaltar ein, wo er die Messe begonnen hatte, während Bischof Philibert am Hauptaltar zelebrierte. Dies löste einen Tumult in der Kirche aus. Die Basler Gesandten – Johannes Palomar, Martin Berruyer und Thomas Ebendorfer – beklagten sich beim Kaiser und protestierten heftig. Sie eilten an den Seitenaltar, um Rokycana daran zu hindern und ihm die Kelchkommunion an die Laien als unerlaubte Handlung zu untersagen. Unbeeindruckt davon fuhr Rokycana damit fort und spendete sieben Personen den Kelch, wie Jean de Tour protokollierte, obgleich die Gesandten das Verbot zweimal förmlich ausgesprochen hatten. 5 Thomas Ebendorfer hielt den Hussiten entrüstet entgegen: Gestern erst habt ihr kanonischen Gehorsam geschworen, und heute brecht ihr ihn schon. Was soll das? 6

Diese Episode fängt die Problematik der Basler Friedensverhandlungen und damit auch die Interpretation der sog. Kompaktaten wie in einem Brennglas ein. Trotz aller Beteuerung, einen Frieden zu suchen, waren die Verhandlungen ein zähes Ringen um einen Kompromiss, der, bei genauer Befolgung des Wortlauts, dennoch ein einseitiges Beharren auf den je eigenen theologischen Positionen erlaubte. Die diffizile Textgeschichte der Kompaktaten spiegelt dieses Ringen ebenso wie das Misstrauen, das zwischen den Verhandlungspartnern herrschte. Der Kompromiss lag zwar nahe, aber von den meisten Protagonisten wurde er im Grunde abgelehnt. Dass der Vertrag dennoch geschlossen wurde, war dem politischen Willen Kaiser Sigismunds zu verdanken, dem die böhmische Krone wichtiger war als die Bedenken der Basler Theologen. Indem er sich über deren Bedenken und deren Forderung nach zusätzlichen Garantien und Zeichen der Hussiten, die Autorität des Konzils und der allgemeinen Kirche anzuerkennen, hinweg setzte, lud er letztere zu einer großzügigen Auslegung des gefundenen Kompromisses ein. 7 Freilich verdankte sich der brüchige Kompromiss auch der Tatsache, dass sowohl auf Seiten des Konzils als auch auf Seiten der Hussiten eine kollegiale Konsensfindung vorherrschte, in der die unnachgiebigen Stimmen bis zuletzt laut blieben.

Die folgenden Ausführungen wollen nicht die Ereignisgeschichte der Friedensverhandlungen zwischen dem hussitischen Böhmen und dem Basler Konzil nachzeichnen, die von Palacký bis Šmahel oft und unterhaltsam erzählt wurde. Vielmehr sollen zum einen einige Aspekte des konziliaren Verfahrens untersucht werden, mittels dem das Basler Konzil die schwierigen Verhandlungen mit den Böhmen organisierte, und zum anderen Strategien und Dynamiken der innerkonziliaren Diskussion zur Sprache kommen, um damit die Stimmungen und unterschiedlichen Einschätzungen bezüglich der Böhmenfrage in Basel besser zu verstehen. Wenigstens ansatzweise soll aber zunächst auch die Problematik der Kompaktaten als Textcorpus zur Sprache kommen.

2 Die Kompaktaten als Textcorpus

In der Literatur werden die Kompaktaten entweder als Prager, als Iglauer oder als Basler Kompaktaten spezifiziert. 8 Die Unterscheidung ist nicht immer einfach. Unter den Iglauer Kompaktaten versteht man das umfangreiche Vertragswerk, das am 5. Juli 1436 zwischen dem Basler Konzil und der Kirche des Königreiches Böhmen geschlossen und ausgetauscht wurde. Dieses bildete den Schlusspunkt der gut vier Jahre dauernden Verhandlungen um Anerkennung und Geltungsanspruch der vier Prager Artikel, unter denen sich das “Hussitische Programm” verbarg. Dieses Dossier, das aus wechselseitig bestätigenden Urkunden der Vereinbarungen (compactata) bestanden hat, wie die Schilderung des Jean de Tour zeigt, ist im Original verschollen; nicht zuletzt deshalb gibt es bis heute keine kritische Edition der Vereinbarungen. Daher lohnt sich ein Blick auf den ersten Druck der (lateinischen) Kompaktaten, den Johannes Mantuanus Fencl in Nürnberg 1518 auf fünf Blättern herausbrachte. 9 Dieses Dokument stellt eine längere Urkunde dar, die allerdings aus unterschiedlichen Texten zusammengesetzt ist, die wiederum unterschiedlich datiert sind. Franz Palacký identifizierte darin drei Teile (Cedula A, B, C), die er zusammen mit einer zeitgenössischen tschechischen Übersetzung edierte. 10 Der Druck von 1518 umklammert diese drei Texte, von denen jeder selbst formal eine Urkunde darstellt, mit je eigenem Protokoll und Eschatokoll. Am Ende des Drucks werden auf fast zwei Seiten die Siegel im Detail beschrieben, die an dem Urkundenkonvolut befestigt waren: jenes von Kaiser Sigismund, danach die vier Siegel der Basler Gesandten Philibert von Montjeu, Johannes Palomar, Martin Berruyer und Thomas Ebendorfer, und zuletzt jenes von Herzog Albrecht iii. von Österreich. Daraus lässt sich schließen, dass es sich bei der Druckvorlage um jene Fassung des Friedensvertrags handelte, den die Basler Gesandten in Iglau vorlegten, da eben nur ihre Siegel daran befestigt waren. Nimmt man die Schilderung der Iglauer Feierlichkeiten durch Jean de Tour ernst, dann musste es ein ähnliches, wenn nicht sogar identisches Urkundenkonvolut gegeben haben, welches neben Kaiser Sigismund und Albert v. Österreich, die gleichsam als Vermittler und Garanten der Vereinbarungen fungierten, von den Vertretern des Königreiches Böhmen gesiegelt war. Das Datum im abschließenden Textteil nach Text C nennt den 5. Juli 1436; als Ausstellungsort wird Iglau in der Diözese Olmütz festgehalten. Diese Angaben widersprechen aber dem ersten Textteil des Druckes, der dem Text A vorangeht. In der Form einer Urkundenarenga halten darin die vier Basler Gesandten Philibert v. Montjeu, Johannes Palomar, Martin Berruyer und Thomas Ebendorfer die Ergebnisse fest, die zwischen der Ratsversammlung des Königreiches Böhmen und ihnen als Legaten des Basler Konzils um das Fest des hl. Martin 1433 vereinbart wurden. 11

Der erste Text (A) hat seine eigene Überschrift beibehalten: 12 es handelt sich um die concordata zwischen den Legaten und der Generalversammlung des Königreichs Böhmen. Darin versprechen die Böhmen zunächst einen festen Frieden und kirchliche Einheit. Die Legaten akzeptieren namens des Basler Konzils diesen Frieden und die Einheit und versprechen ihrerseits, dass alle kirchlichen Zensuren aufgehoben, der gute Ruf Böhmens wiederhergestellt und niemand mehr das Land angreifen werde. Dass an diesem Punkt der Verhandlungen noch keine endgültige Einigung geschlossen wird, belegen die Verbformen, die allesamt im Futur gehalten sind. Der Friede und die kirchliche Einheit werden aufgrund der erfolgten Debatten und entlang der gefundenen Antworten in Aussicht gestellt und harren noch der feierlichen Ratifizierung. In den fixierten Vereinbarungen selbst werden dann die Vier Prager Artikel im Detail hinsichtlich problematischer Formulierungen und möglicher Auslegungen erörtert. Allen Gläubigen in Böhmen wird die Kommunion unter beiden Gestalten erlaubt. Neben dieser Sondererlaubnis müssen sich die Böhmen jedoch dem Glauben, dem Ritus und dem Recht der Universalkirche anpassen. Ob und inwieweit die Kommunion unter beiden Gestalten ein göttliches Gebot (praeceptum) darstelle, soll auf dem Konzil weiter erörtert werden. Die böhmischen Priester haben den Kommunikanten immer einzuschärfen, dass der gesamte Christus in jeder einzelnen der beiden Gestalten vollständig enthalten sei.

Während das Konzil den Böhmen in diesem ersten Artikel entgegen kam, wurden die folgenden drei Prager Artikel restriktiv ausgelegt, so dass sie mit dem traditionellen katholischen Verständnis nicht kollidierten. 13 Die Gewalt zur Bestrafung der Todsünden wurde nur den zuständigen kirchlichen Richtern, keinesfalls den Laien zugestanden. Die Predigterlaubnis wurde an Eignung und kirchliche Beauftragung und letzten Endes an die Zuständigkeit des Ortsbischofs gebunden. Die Frage nach der Besitzlosigkeit des Klerus wurde mit zwei conclusiones des Johannes Palomar kommentiert. Denen zufolge sei dem Säkularklerus Besitz gestattet, auch die Kirche sei berechtigt, zeitliche Güter und Immobilien zu besitzen und darüber ein privates wie auch öffentliches Herrschafts- und Besitzrecht (dominium) auszuüben. Da diese drei Artikel aus Sorge um die Kirchenreform formuliert worden sind, luden die Legaten die Böhmen in den Vereinbarungen ausdrücklich dazu ein, alle Missstände vor das Konzil zu bringen, das sich die Kirchenreform zur besonderen Aufgabe gemacht habe. Abschließend wurde in Aussicht gestellt, dass die Legaten eine offizielle Urkunde des Konzils beibringen würden, in der alle Beschlüsse und der errungene Friede bekräftigt und allen Fürsten und Nachbarn Böhmens zur Kenntnis gebracht würde. Ebenso würden Böhmen und Mähren diesen Frieden offiziell verbriefen und Bestimmungen für dessen Umsetzung erlassen.

Nach diesem ersten Verhandlungsergebnis, das im November 1433 aufgesetzt wurde und im Text A vorliegt, folgt Text B, in dem weitere Schwierigkeiten bezüglich der obigen Kapitel (und zwar nuper oblatis et concordatis) geklärt werden. Auch dieser Text behielt in der Druckfassung von 1518, und damit in dem Vertragswerk von 1436, seine eigene Einleitungsformel bei. 14 Zunächst werden darin einige Begriffe innerhalb des akkordierten Kelchartikels genauer erläutert, wie etwa das Verständnis von fides et ritus universalis ecclesiae. Danach bekennen sich die Legaten zur uneingeschränkten Geltung des sog. Richters von Eger sowohl für die beidseitigen Verhandlungen als auch die Debatten in Basel. 15 Auch die Einladung, alle Bedenken und Reformvorschläge vor das Konzil nach Basel zu bringen, wird wiederholt, ausdrücklich begrüßt und mit Sicherheitsgarantien versehen.

Der dritte Text (C) stellt schließlich die Antworten dar, die die Legaten auf weitere offene Fragen und dubia der Böhmen gegeben haben. Auch diese Verhandlungsergebnisse wurden wie die vorherigen in Text B in den Monaten September bis November 1433 erzielt. Bei dieser zweiten Legationsreise war anstelle von Thomas Ebendorfer als vierter offizieller Konzilsvertreter der Magdeburger Domherrn Heinrich Toke mit von der Partie, der wie Johannes Palomar zu den Basler Hussitenexperten der ersten Stunde gehörte und zusammen mit diesem 1432 bereits den Richter von Eger mit ausverhandelt hatte. Somit taucht auch sein Name im Vertragswerk der Kompaktaten auf.

Im Text der cedula C stellten die Legaten zunächst klar, dass die Erlaubnis des Kelches nicht als “Toleranz“ missverstanden werden dürfe, die man bisweilen auch Sündern und Häretikern entgegenbringt, sondern durchaus auf der Autorität des Herrn und der Kirche beruhe. Auch hinsichtlich der Zurechtweisung von Klerikern durch Laien – eine Konsequenz aus dem zweiten Prager Artikel – gab es weitere Spezifizierungen, ebenso wie zum Verständnis von Lex Dei. Die Legaten gaben zu, dass in bestimmten Fällen Laien Macht über Kleriker ausüben dürfen. Sogar Kardinäle könnten von den Fürsten gezwungen werden, etwa wenn sie sich weigerten ins Konklave zu gehen und einen Papst zu wählen. Hinsichtlich des Predigtartikels wurden Fälle vorgebracht, dass Bischöfe bisweilen aus Bosheit und ohne vernünftigen Grund Kleriker am Predigen hinderten. In diesem Fall erinnerten die Legaten die Böhmen an das legitime Recht der Appellation. Und auch der vierte Artikel zog weitere Probleme nach sich, ob etwa ein Prälat das weltliche dominium in eigener Person ausüben dürfe. Das dubium wurde wiederum von Palomar beantwortet, der den entsprechenden Artikel in Basel verteidigt hatte. Er erinnerte daran, dass es diesbezüglich zahlreiche Meinungen unter den Gelehrten gebe. Seiner Ansicht nach liege das dominium der kirchlichen Güter bei Jesus Christus und die Kleriker seien gleichsam kanonische Verwalter desselben. Die Böhmen wollten dem so nicht zustimmen und beharrten auf ihrer Leseart, wonach Kleriker nur Verwalter, und keine Herren der kirchlichen Güter seien, gemäß dem Sprachgebrauch der Hl. Schrift. Außerdem würden sie in allen offenen Fragen nur dem Spruch des Richters von Eger folgen. Text C bildet damit auch die offenen Fragen und den nicht vollständig erzielten Konsens zwischen den beiden Parteien ab. Für den Friedensschluss in Iglau wurden jedoch alle drei Dokumente als hinreichende Verständigung erachtet, auf der ein Friedensschluss beruhen könne. Skeptischen Zeitgenossen musste klar gewesen sein, dass Text C alles andere als Eindeutigkeit widerspiegelte und man von einem echten und vollständigen Konsens weit entfernt war.

Alle drei Texte (A, B, C) sind somit das Ergebnis von Verhandlungen, die im Herbst 1433 in Prag stattfanden und mit Handschlag (manuum stipulatione) bekräftigt wurden. In der Folge versuchten die Böhmen noch bis 1436 weitere Forderungen und inkludierte Folgerungen aus den vier Prager Artikeln bzw. ein erweitertes Verständnis derselben durchzusetzen, was aber vom Konzil kategorisch zurückgewiesen wurde. Die Iglauer Kompaktaten von 1436 sind daher (von minimalen textlichen Änderungen abgesehen) inhaltlich mit dem Verhandlungsstand vom Herbst 1433 identisch. Aus diesem Grund kann man berechtigterweise von den Prager Kompaktaten sprechen, insofern sie 1433 fertig vereinbart und akkordiert waren, aber erst 1436 in feierlicher Versammlung publiziert und gesiegelt wurden. Es ist sehr zu wünschen, dass die derzeit laufenden Arbeiten und Forschungen von František Šmahel und Karel Hruza zu einer baldigen kritischen Edition der Kompaktaten führen. 16

3 Auf dem Weg zu den Kompaktaten: Stationen eines Friedensvertrags

Das Basler Konzil definierte zu Beginn die drei Aufgabenbereiche fides, pax, reformatio, für die jeweils eigene Konzilskongregationen eingerichtet wurden, nämlich die deputationes de fide, de pace und de reformatorio. Friedensschaffung und Konfliktlösung war dem Konzil somit von Beginn an als Auftrag auf die Fahnen geschrieben. Das Hussitenproblem, das von nicht wenigen Zeitgenossen als die dringlichste Aufgabe des Konzils angesehen wurde, war gleichwohl nicht in der deputatio de pace angesiedelt. Da es sich bei den Hussiten um Häretiker handelte, oblag die Auseinandersetzung mit ihnen den theologischen Experten in der Glaubensdeputation. Erst nachdem die strittigen Glaubensfragen geklärt waren, konnte man sich dem diplomatischen Geschäft der Friedensverhandlungen widmen. In diesen war das Basler Konzil insgesamt sehr erfolgreich. Stefan Sudmann, der in seinem fundierten Buch über die synodale Praxis in Basel u.a. die Rolle des Konzils als “Richter und Schlichter” untersuchte, stellte etwa zwei Dutzend Bistumsstreitigkeiten und vier Vermittlungen unter Fürsten und Städten vor; die Verhandlungen mit den Hussiten sparte er – verständlicherweise – aus. 17 Diese überstiegen, was die Dauer und den personellen und organisatorischen Aufwand betraf, alle anderen Vermittlungsaktionen des Basler Konzils, auch hinsichtlich ihrer Bedeutung und Qualität als Kampf für die Reinheit des Glaubens lassen sie sich kaum als Friedensmission einordnen. Dass die Hussiten v.a. ein dogmatisches Problem darstellten, intonierte das Einladungsschreiben Cesarinis an die Böhmen, worin er zwar die caritas Christi und die Milde des Evangeliums betonte, in den Mittelpunkt seiner Ausführungen aber die Sorge um die unitas fidei stellte. Um diese unitas zu erreichen, müssten die Irrtümer vertrieben, die Kriege beendet und die Laster getilgt werden. Erst dann werde die Kirche im Frieden der Heiligen und in Einheit aufblühen. 18 Cesarini beschwor den Frieden der Gesamtkirche, der durch den Ungehorsam der böhmischen Söhne und Töchter gestört war; einen “gewöhnlichen”, partikularen Friedensschluss zwischen (katholischer) Kirche und Hussiten mittels politischem Interessensausgleich konnte er sich aufgrund seiner Ekklesiologie nicht vorstellen. Cesarini machte das Gefälle zwischen dem Konzil und den Böhmen, die er eben nicht als gleichwertige Verhandlungspartner betrachtete, vollends klar, als er in seiner denkwürdigen Rede zur Begrüßung der hussitischen Gesandten am 10. Januar 1433 in die Rolle der Mater Ecclesia schlüpfte, die ihre Kinder zur Einhaltung des wahren Glaubens aufrief, um untereinander wieder Frieden zu haben und an der Einheit der Kirche teilhaben zu können. “Ihr, die ihr irren könnt, unterwerft euer Urteil in demütiger Weise wie eure Väter immer mir, die ich nicht irren kann, da mich der Herr als Verwalterin seiner Geheimnisse eingesetzt hat”. 19 Das Konzil betrachtete die Hussiten als Häretiker, die zunächst zum wahren Glauben zurückgeführt werden mussten, ehe man über weiteres (z.B. die Liebe und den Frieden) sprechen konnte.

Im weiteren Verlauf der Verhandlungen gewann die Friedensrhetorik dennoch die Oberhand, bis hin zu den Kompaktaten, die leitmotivisch von pax et unitas sprechen, die es zu erlangen gelte. Im Gegensatz zu den Vermittlungsbemühungen des Basler Konzils – etwa zwischen Frankreich und England oder bei diversen Bistumsstreitigkeiten – war das Konzil in der böhmischen Frage selbst Partei. Mit dieser Rolle fanden sich die Väter nur schwer ab, betrachteten sie doch das Konzil als den höchsten Gerichtshof auf Erden, als unfehlbaren Stellvertreter der Kirche und Garant der Rechtgläubigkeit, der der Wahrheit zu ihrem Recht verhilft und darin keine Kompromisse eingehen darf. Die Details eines politischen Friedens auszuarbeiten, der die Macht- und Besitzverhältnisse in Böhmen und Mähren nach den Revolutions- und Kriegsjahren einvernehmlich regelte, blieb Kaiser Sigismund vorbehalten, der schließlich mit großzügigen Zugeständnissen an den böhmischen Adel seine Kronansprüche durchsetzen konnte. 20

Für das Basler Konzil flossen in der Hussitenfrage alle drei konziliaren Aufgabenbereiche zusammen, ging es doch dabei um Häresiebekämpfung, Friedensverhandlungen und Reform gleichermaßen; letzteres ein Anliegen, in dem man sich mit den Hussiten eins wusste und sie von da aus zur Mitarbeit ermutigte. Im Vordergrund stand aber die Klärung der dogmatischen Probleme, die die vier Prager Artikel aufwarfen. Was erhofften sich dagegen die Böhmen von den Diskussionen in Basel, außer dass alle Welt sich zu den vier besagten Artikeln bekennen möge? Die Vereinbarungen von Eger vom Sommer 1432, die in den gesamten Friedensverhandlungen bis 1437 immer wieder in Erinnerung gerufen wurden, forderten an erster Stelle, dass den Gesandten Böhmens und Mährens eine audiencia plena et libera vor dem gesamten Konzil eingeräumt werde, um die vier Prager Artikel darzulegen. 21 Danach sollten geeignete Konzilsväter bereitstehen, um mit den Böhmen weitere Verhandlungen zu führen, wann immer und wie diese es wünschten. Man ging davon aus, dass die Verhandlungen in Basel zu einer unio führten, denn nach erfolgter Einigung erwarteten die Böhmen, dass sie einen ihnen gebührenden Platz innerhalb des Konzil erhielten. 22 Freilich trat dieses Ziel der unio während der Disputationen in den Hintergrund. In den Reden ging es stattdessen um Glaubenswahrheiten, Kirchengewalt und die Autoritäten von Schrift und Tradition. Die zielführenden Verhandlungen hatten vorerst zu warten.

Mit den besiegelten Kompaktaten hätte die Synode ihren wichtigsten Erfolg feiern können und die Mühe der Auseinandersetzungen um das Kirchen- und Eucharistieverständnis hätte mit dem Vertrag einen krönenden und lohnenden Abschluss gefunden. Es war aber nicht nur Papst Eugen IV., der dem Konzil in dieser Frage alle Unterstützung versagte und die Vereinbarungen als illegitim betrachtete, sondern auch unter den Konzilsvätern selbst herrschten unterschiedliche Meinungen, wie weit man den Böhmen entgegenkommen dürfte. Eine Episode dieses innerkonziliaren Streits werden wir weiter unten noch sehen.

Die Verhandlungen mit den Böhmen begleiteten das Basler Konzil vom Zeitpunkt seines Zusammentretens im Sommer 1431 bis in den Herbst 1437, nachdem sich die Minorität bereits aus Basel verabschiedet hatte und der Stern des Konzils zu sinken begann. 23 Sie gehören auch zu den quellenmäßig am besten dokumentierten Unternehmungen des Konzils, da Legationsberichte und Dokumentensammlungen dazu von beiden Parteien angefertigt wurden. 24 Nachdem das Konzil im Oktober 1431 eine förmliche Einladung an die Böhmen ausgesprochen hatte, ihre Anliegen auf dem Konzil zu diskutieren, erreichten die Vorverhandlungen mit den Vereinbarungen in Eger im Mai 1432 einen ersten Höhepunkt. Die Böhmen zwangen damals den Konzilsvätern ihre theologische Methodologie auf, den sog. Richter von Eger: Jede Glaubenswahrheit und kirchliche Praxis hatte sich demzufolge vor allem an der Hl. Schrift und den Gepflogenheiten in der Urkirche auszurichten. 25 Von Januar bis April 1433 fand daraufhin der wohl spektakulärste Akt des Basler Konzilslebens statt, die Diskussion der vier Prager Artikel in monumentalen Reden und Gegenreden durch je vier Redner der Böhmen und des Basler Konzils. Beide Seiten hofften, mit ihren Auftritten rauschende Siege über die Gegenpartei zu erringen. Am Ende des wochenlangen Redenmarathons fühlten sich beide Parteien als Sieger. In Briefen in die Heimat behaupteten die Böhmen großspurig, ihre Reden hätten die Feinde verstummen lassen und das Wort Gottes habe auf ganzer Linie gesiegt. 26 Die Basler waren diesbezüglich realistischer und verstanden, dass nach dem intensiven theologischen Meinungsaustausch greifbare Ergebnisse in schriftlicher Form erzielt werden mussten, um die Böhmen zu zwingen, ihre Ansichten und ihr Verhalten zu ändern. Da die Böhmen keinen konziliaren Schiedsspruch durch die “Mutter Kirche”, das Basler Konzil hingegen keine neuen Vorschriften durch den “Richter von Eger” hinnehmen wollten, einigte man sich nach der Redenschlacht auf die bewährten Mittel von Verhandlung und Diplomatie.

Dazu benötigte man geeignetes Personal, das über hinreichende theologische, kanonistische und diplomatische Erfahrung verfügte. Eine Konzilsdeputation, angeführt von Philibert de Montjeu, Bischof von Coutances, brach am 14. April 1433 von Basel auf und reiste den Böhmen nach Prag hinterher, um dort auf dem Prager Frühjahrslandtag Verhandlungen über die Auslegung und Geltung der Prager Artikel zu führen. 27 Am 2. August kehrten die Gesandten zusammen mit drei böhmischen Vertretern nach Basel zurück und berichteten dem Konzil ausführlich über den Stand der Verhandlungen, über Forderungen und Erwartungen der Hussiten. Im August 1433 wurde auf dem Konzil in Ausschüssen und unter den Experten eifrig über das weitere Vorgehen diskutiert. 28

Mit neuen Direktiven ausgestattet brach am 11. September 1433 eine zweite Delegation nach Prag auf, um die Antwort des Konzils zu überbringen und letzte Ungereimtheiten auszuräumen. Dieser gehörten nur mehr vier Legaten an: neben Bischof Philibert von Coutances, der erneut die Führung innehatte, Johannes von Palomar, Herinrich Toke und Martin Berruyer. Diese Gruppe blieb bis Anfang Januar 1434 in Prag. Auf dem Martinilandtag, also Anfang November 1433, gelang eine weitreichende Einigung, die urkundlich festgehalten und mit Handschlag bekräftigt wurde. 29

Was fehlte, war nach der theologischen Klärung und dem Zugeständnis der Kelchkommunion für jene Gläubigen in Böhmen und Mähren, die dies wünschten, die Umsetzung der Vereinbarungen feierlich zu besiegeln, um zu einem echten, auch säkular-politischen Frieden mit Kaiser Sigismund und Herzog Albrecht von. Österreich zu gelangen. Zu diesem Zweck wurden im August 1434 Verhandlungen in Regensburg geführt, die zu Beginn des Jahres 1435 in Wien und in Pressburg fortgesetzt wurden. 30 Nicht zuletzt aufgrund der dilatorischen Verhandlungstaktik der Böhmen, die ihr Reformprogramm nicht beschnitten, sondern in vollem Umfang bestätigt sehen wollten, zogen sich die Gespräche hin. Die Böhmen wollten dabei über die paraphierten Einigungstexte, die als “katholische” Interpretation der vier Prager Artikel gelesen werden können (Cedula A, B, C), hinaus weitgehende Interpretationen geltend machen, in denen das ursprüngliche hussitische Programm möglichst unangetastet übernommen werden konnte. Mehr und mehr drängte nun Kaiser Sigismund auf eine rasche Einigung. Verhandlungen im Sommer 1435 in Brünn 31 und ebenso in Stuhlweißenburg zum Jahreswechsel 1435/36 32 brachten schließlich den Durchbruch, so dass im Juni und Juli 1436 auf dem böhmisch-mährischen Landtag in Iglau der Vertrag feierlich abgeschlossen werden konnte. Am 20. August 1436 huldigten die Bürger Prags Sigismund als neuem böhmischen König. 33 Das Basler Konzil ratifizierte die Iglauer Kompaktaten am 15. Januar 1437, publizierte aber erst am 21. Dezember, also fast ein Jahr später, ein Dokument, worin die katholische Lehre hinsichtlich des Kommunionempfangs unter beiderlei Gestalten spezifiziert wurde. 34

4 Experten, Diplomaten und Ausschüsse

Angesichts des Rede- und Verhandlungsmarathons stellt sich die Frage, wie das Konzil die Friedensdiplomatie mit den Hussiten koordinierte, und zwar sowohl nach außen mittels repräsentativer Gesandtschaften, denen klar umschriebene Vollmachten mitgegeben wurden, als auch nach innen, um die Konsensfindung unter den Vätern zu organisieren. Verfolgt man die Verhandlungen über die Jahre hinweg, vom Richter von Eger bis zur feierlichen Unterzeichnung der Kompaktaten, so fällt auf, dass das Konzil auf Experten baute, die sich über einen langen Zeitraum hinweg kontinuierlich mit der hussitischen Lehre und den politischen Zuständen in Böhmen befasst und dabei eine hohe Vertrautheit mit den gegnerischen Verhandlungsführern erreicht haben. Dennoch wollte man das streng kollegiale Prozedere des Konzils, also die Erörterung und Beschlussfassung in breiter kollegialer Partizipation, nicht preisgeben. Daher wurden auch für die Verhandlungen mit den Böhmen Kommissionen und Ausschüsse gebildet, in denen virtuell alle Teilnehmer ihre Ansichten ventilieren konnten. Sprechend dafür sind die Formulierungen im Protokoll, woraus hervorgeht, dass trotz einer konkreten Anzahl von Ausschussmitgliedern de facto jedem interessierten Konzilsmitglied die Möglichkeit zur Mitwirkung offen stand: … et intersint qui volunt interesse. 35 Gleichzeitig stützte sich Cesarini auf eine kleine ihm nahe stehende Gruppe, die die Verhandlungsstrategie maßgeblich gestaltete und dabei das von den Fürsten vehement geforderte Einigungsziel im Auge behielt, auch wenn es seitens der Konzilsväter große Widerstände gegen die in ihren Augen zu weitreichenden Zugeständnisse an die Böhmen gab. Die Richtung gaben daher vergleichsweise wenige Personen vor: Neben Cesarini, der im Sommer 1431 selbst noch gegen die Hussiten bei Taus im Felde stand und aufgrund der überstürzten Flucht zum Gegenstand beißenden Spotts unter den Böhmen wurde, 36 waren dies v.a. Johannes Palomar, Philibert v. Montjeu, der Maulbronner Zisterzienserabt Johannes von Gelnhausen, der Magdeburger Domdekan Heinrich Toke und der Domdekan von Tours Martin Berruyer. Diese Gruppe bestritt bereits die Verhandlungen in Eger 1432 und war auch bei der ersten Gesandtschaft nach Prag im April 1433 federführend. 37 Die vergleichsweise große Gruppe der ersten Gesandtschaft nach Prag sollte die Universalität und die geballte Expertise der Synode zum Ausdruck bringen. Die Leitung wurde dem Bischof von Coutance Philibert von Montjeu übertragen, einem Konzilsteilnehmer der ersten Stunde in Basel, der fortan an allen Gesprächen mit den Böhmen beteiligt war und der bis zu seinem Tod 1439 in Prag versuchte, die Böhmen wieder an die katholische Kirche heranzuführen. 38 Neben Peter v. Schaumburg war ein weiterer Bischof mit von der Partie, dahinter reihten sich Vertreter der Nationen sowie der unterschiedlichen hierarchischen Ränge und theologischen Kompetenzen ein. Deutlicher noch als Bischof Philibert von Montjeu trat Johannes von Palomar als eigentlicher Kopf und Chefdiplomat bei den Böhmenverhandlungen hervor. Palomar hielt die programmatischen Reden; Palomar erwies sich am schlagfertigsten, wenn die Böhmen mit mehr oder weniger durchsichtiger Taktik versuchten, die Legaten zu verunsichern, und Palomar, der zur familia Cesarinis gehörte, war von Beginn an fest im innersten Machtzentrum des Basler Konzils verankert. Man wird nicht übertreiben, wenn man den Erfolg und Fortgang der Verhandlungen v.a. seinem Geschick und seiner geduldigen Arbeit zuschreibt. 39

Palomar brachte auch die Verhandlungen im Sommer 1433 in Prag auf Spur. Den Wunsch der Böhmen, die Gesandten mögen sich doch über die Wahrheit der vier Artikel äußern, konterte Palomar mit dem Hinweis, dass die Artikel unter den Böhmen selbst nicht einheitlich formuliert oder interpretiert, geschweige denn praktiziert würden. Daher bat er die Böhmen um eine verbindliche Formulierung der Artikel, wie sie im ganzen Königreich Böhmen gehalten und verstanden werden. Aus dem Bericht des Thomas Ebendorfer erfährt man, dass sich die Böhmen dafür eine Woche Zeit gelassen haben. Man darf darin ein Zeichen für die Zwistigkeiten innerhalb der hussitischen Fraktionen erblicken, die die Basler Unterhändler geschickt auszunutzen verstanden, wenn sie umso stärker auf einer einheitlichen und verbindlichen schriftlichen Darlegung insistierten. 40 Aus der Bitte Palomars resultierte die wichtige, von Rokycana vorgetragene Antwort vom 22. Juni, in der den Gesandten des Konzils die vier Artikel nun in spezifizierter Form zusammen mit einem Unionsvorschlag übergeben wurden und die in der Folge als Textgrundlage für die weiteren Vereinbarungen diente. 41 Am 7. August 1433 kehrte die Gesandtschaft nach Basel zurück, wo sie Bericht erstattete und die Texte vorlegte. 42

Die dann auf dem Konzil beginnenden Überlegungen zeigen sowohl das differenzierte kollegiale Verfahren der Basler Konsensfindung als auch die politische Klugheit und Umsicht der ausschlaggebenden Konzilsgranden, die wichtige Entscheidungen nicht der Unberechenbarkeit der öffentlichen Versammlungen aussetzen wollten. In der zweiten Augusthälfte 1433 fanden die maßgeblichen Debatten hierüber statt. Ausgangspunkt war jener Unionsvorschlag auf der Basis der vier Prager Artikel, den die drei Sprecher der Böhmen, die mit der Konzilsdelegation aus Prag nach Basel zurückgekehrt waren, in der Generalkongregation am 11. August dem Konzil vorlegten. 43 Daraufhin setzte man eine Kommission ein, die die damit verbundenen Probleme erörtern und Empfehlungen für die weiteren diplomatischen Schritte unterbreiten sollte. Über Einsetzung und Zusammensetzung der Kommission geben die Quellen unterschiedliche Auskunft. In der Historia des Johannes de Segovia, die in der Regel vertrauenswürdig berichtet, findet sich der ausführlichste Text. 44 Danach wurden aus jeder Deputation sechs Mitglieder bestimmt, um “zusammen mit den Kardinälen” den Textvorschlag der Böhmen zu erörtern. Nimmt man die ca. elf damals anwesenden Kardinäle und die viermal sechs Abgeordneten der Deputationen, erhält man eine Kommissionsgröße von 35 Personen. 45 Allerdings stellte das Konzil weiteren Vätern frei, der Kommission beizuwohnen, wenn diese Interesse daran hätten (et si qui alii interesse vellent). 46 Insgesamt dürfte diese Kommission somit an die 50 Konzilsväter umfasst haben. 47 Sie trat am 13. August zusammen und tagte über zwei Wochen hinweg, ehe am 26. August eine neue Kommission gebildet wurde, um greifbare Beschlüsse zu erlassen, die dann auf der Generalkongregation am 2. September den böhmischen Gesandten als verbindliche Antwort mitgegeben wurde. 48

Am 13. August kam also die erste Kommission im Basler Franziskanerkloster zusammen. 49 Palomar legte den Vätern zu Beginn weitere Details der Reise sowie ein Stimmungsbild und eine Einschätzung der Lage vor. Dabei identifizierte er v.a. die Taboriten um Prokop den Kahlen als das eigentliche Problem und die Blockierer, die den Rest des Landes terrorisierten. 50 Nach seinem Bericht empfing man Vertreter der Fürsten, nämlich den Konzilsprotektor Herzog Wilhelm von Bayern, den Markgraf von Brandenburg, sowie Herzog Johann von Bayern und die Stadt Nürnberg, die alle auf einen raschen Friedensschluss mit den Hussiten drängten. 51 Segovia berichtet, dass an diesem Tag die Kardinäle und einige ihnen nahestehende Konzilsmitglieder – es wird sich bestimmt auch Palomar darunter befunden haben – beschlossen hätten, Möglichkeiten auszuloten und Vorschläge zu formulieren, um den Böhmen den Kelch zu erlauben und die übrigen drei Artikel entsprechend (d.h. zurückweisend) auszulegen. 52 Dies dürfe aber auf keinen Fall, etwa auf einer Generalversammlung, publik gemacht werden, um eine Intervention des Papstes gegen die Friedensverhandlungen zu vermeiden. Die vermutete Ablehnung des Verhandlungsangebotes an die Böhmen durch den Papst führte man nicht auf dessen Sorge um die Reinhaltung des Glaubens zurück, sondern auf die Rivalität zwischen Papst und Konzil. Ein Verhandlungserfolg mit den Böhmen würde nämlich, so die Ansicht der Konzilsväter, das Ansehen des Konzils erheblich vergrößern, was die päpstliche Diplomatie wiederum nach Kräften zu vermeiden versuchte. 53

Das Konzil, das durch seine innovative Geschäftsordnung auf absolute Transparenz und maximale Partizipation setzte, musste sich entgegen dieser Vorgaben bei den Hussitenverhandlungen auf eine dezidierte Geheimdiplomatie verlegen. Sowohl die Mitglieder der ersten Kommission als auch jene der zweiten wurden zu absoluter Verschwiegenheit verpflichtet. 54 Man fürchtete nicht nur, dass ein zu frühes Bekanntwerden des Verhandlungsspielraumes den Böhmen in die Karten spielen würde, die dadurch noch weitreichendere Zugeständnisse erzwingen könnten, sondern man musste auch Rücksicht auf die teils tief sitzenden Vorbehalte gegenüber jeglichen Zugeständnissen an die Böhmen innerhalb der Konzilsväter nehmen. Hier sollten sich bald unbeugsame Dogmatiker und diplomatische Pragmatiker einander gegenüber stehen. Und auch der Papst spielte ein Rolle, mit dem man ja zeitgleich einen heftigen Machtkampf austrug, und dem man sich in den umstrittenen Verhandlungen mit den Böhmen keine Blöße geben durfte.

Thomas Ebendorfer berichtet in seinem Diarium, dass die Kommission zwölf Tage lang beratschlagt habe. Man reduzierte die Streitfragen zielführend auf sechs Punkte und erbat darüber die Meinung der Kommissionsmitglieder: 55 (1.) Ob das Konzil den Böhmen, die das gerne möchten, die Kelchkommunion erlauben soll, wenn sie sich wirklich den Entscheidungen des Universalkonzils in allen anderen damit zusammenhängenden Problemen unterwerfen. (2.) Ob man die Böhmen mit dieser Aussicht auf die Kelchkommunion locken könnte, um dadurch viele Seelen zu retten und unzählige Übel zu beenden. (3.) Ob man dieses Angebot lieber auf einem böhmischen Landtag, wodurch man einer größeren Schar die guten Absichten des Konzils darlegen könnte, oder ob man es gleich den drei anwesenden böhmischen Botschaftern unterbreiten soll. (4.) Ob es besser sei, den Böhmen das richtige Verständnis der drei anderen Prager Artikel durch die Gesandten des Konzils oder lieber durch eine offizielle Konzilserklärung zu erläutern. 5.) Ob die Einigung und der Friedensschluss mit den Böhmen durch eine repräsentative böhmische Gesandtschaft in Basel vollzogen werden soll, und 6.) ob man den Konzilsgesandten die Vollmacht mitgeben soll, auf einem böhmischen Landtag alle offenen Fragen verbindlich aushandeln zu dürfen, sollte es nicht zur gewünschten schnellen Einigung kommen.

Der zweite Teil der Konzilskonsultationen begann am 26. August 1433 im Franziskanerkloster. An diesem Tag kam laut der Historia Segovias eine Generalkongregation von ca. 160 Konzilsväter zusammen, von denen jeder Verschwiegenheit schwören musste. Palomar trug den Vätern die Ergebnisse der Kommission der 50 vor, die sich darauf geeinigt hatte, den Böhmen den Kelch zu gewähren, wenn sie sich mit den Bedingungen des Konzils einverstanden erklärten. Gemeinsam mit Cesarini warb er um die Zustimmung des Konzils zu dem Einigungsvorschlag und damit zu den weiteren Beratungen. In diesem Zusammenhang benutzte Palomar das von der tschechischen Historiographie seither oftmals in Erinnerung gerufene Bild, wonach die Böhmen ein ungezähmtes und ungezügeltes Volk seien, das sich nicht leicht in das Gehege der Kirche einfangen lasse. Daher müsse man die Böhmen wie ein wildes Pferd oder Maultier zähmen, sie milde behandeln und ihnen langsam den Halfter um den Hals legen, damit man sie schließlich gefügig machte und überall hinführen könne. Die unmittelbar anzustrebende unio et pax sei gleichsam der Halfter der Böhmen. Von da aus werde man sie letzten Endes auch dazu bringen können, ihre liturgischen und rituellen Sonderformen, sprich die Kelchkommunion, aufzugeben und rückgängig zu machen. 56

Das Arbeitsergebnis der Kommission, worin man die weiteren Verhandlungen auf wenige zielgerichtete Punkte reduzieren konnte, war ein Sieg der moderaten Partei. Jene, die eine bedingungslose Unterwerfung der Böhmen unter Gesetz und Praxis der Großkirche forderten und die keinerlei Zugeständnisse machen wollten, waren damit ausgebremst. Die Zeichen standen auf Kompromiss. Die Entscheidung sollte aber erst in einer weiteren Kommission erarbeitet werden. Am folgenden Tag, also dem 27. August, wählte jede Deputation zehn Mitglieder aus ihren Reihen, die mit vollen Entscheidungsbefugnissen ausgestattet in diese neue Kommission entsandt wurden. Zusätzlich wurden der natio Germanica 20 weitere Plätze darin eingeräumt, da das Reich unmittelbarer als andere Länder von den Hussitenkriegen betroffen war. 57 Nach vier Sitzungen hatte man sich in den Grundlinien auf das weitere strategische Vorgehen geeinigt. Der Konzilspräsident Cesarini wurde beauftragt, mit einer kleinen Mitarbeitergruppe, die er selbst wählen dürfe, die Instruktionen für die neue Konzilsgesandtschaft nach Böhmen auszuformulieren. Am folgenden Tag verabschiedete diese Versammlung einen Text, der das Verständnis der drei anderen Prager Artikel für die weiteren Verhandlungen mit den Böhmen festschreiben sollte. Diese Forma trium articulorum, wie das Dokument betitelt wurde, fand auch ohne jegliche Abstriche Eingang in die Kompaktaten von Prag und Iglau. 58 Damit war die Linie des Konzils für die weiteren Verhandlungen festgelegt. Man verständigte Herzog Wilhelm von Bayern, den Konzilsprotektor, erläuterte ihm, ebenfalls unter der Verpflichtung strengster Diskretion, die weitere Strategie und bat ihn, dies König Sigismund mitzuteilen. 59 Im Kelchartikel wollte man den Böhmen entgegen kommen, vorausgesetzt, dass sie diesen in einem rechtgläubigen Sinn verstünden und nicht umgekehrt die Praxis der römischen Kirche, die die Eucharistie den Laien nur in einer Gestalt reicht, als häretisch oder historisch verfälscht diffamierten. Dafür wurde bei den übrigen drei Artikeln keinerlei Zugeständnis signalisiert. Deren Geltungsanspruch wurde vielmehr unmissverständlich auf eine “katholische” Auslegung revidiert.

5 Die Voten Thomas Ebendorfers und Heinrich Kalteisens

Wie intensiv in diesen Augusttagen des Jahres 1433 auf dem Konzil diskutiert wurde, zeigen erhaltene Voten von daran beteiligten Theologen. Wir verfügen dazu über zwei Texte des Thomas Ebendorfer, die er in sein Diarium aufgenommen hat, sowie über ein Gutachten Heinrich Kalteisens. Der erste dieser Texte ist nur provisorisch betitelt als Motiva Thome de Haslpach, der zweite trägt eine förmlichere Überschrift: Deliberacio Thome de Haslpach super libertacione calicis Boemis et eorum adherentibus mccccxxxiii Basilee inter deputatos super ista in refectorio Minorum. 60

Wie sich beide Texte zueinander verhalten, lässt sich schwer bestimmen. Auch wenn sie sich in der Intention einig sind, nämlich die böhmischen Forderungen um eine Freigabe der Kelchkommunion entschieden zurückzuweisen, lassen sich kaum literarische Abhängigkeiten oder Parallelen ausmachen. Es wäre daher verfehlt, in dem ersten Text eine Vorarbeit für den zweiten zu sehen. Während die Deliberacio schon durch die Überschrift als der Redebeitrag Ebendorfers im 50er-Ausschuss ausgewiesen wird, also einen offiziellen, gut ausgearbeiteten Diskussionsbeitrag für die Kommission darstellt, könnten die Motiva entweder als nachträgliche Rechtfertigung seines negativen Votums innerhalb dieser Kommission gewertet werden, womit er seine früheren Ausführungen nicht noch einmal wiederholen, sondern die wichtigsten Argumente, die in der Kommission geäußert worden sind, apologetisch noch einmal bündeln wollte. Oder sie stellen eine Art Stoffsammlung für die weitere Standortbestimmung des Konzils in den Hussitenverhandlungen dar. Für diese zweite Funktion würde auch sprechen, dass die Motiva eine beachtliche Reihe von inhaltlichen und wörtlichen Parallelen mit der Stellungnahme Heinrich Kalteisens aufweisen, der wir uns weiter unten zuwenden werden. Beim direkten Vergleich beider Texte ist man eher geneigt, das Vorbild jeweils in den Ausführungen Kalteisens zu sehen, aus denen Ebendorfer exzerpierte, als umgekehrt. Dagegen spricht freilich die Überschrift (Motiva Thome de Haslpach), mit der Ebendorfer die Argumente für sich reklamierte. Jedenfalls gab es zwischen beiden Theologen in dieser Frage nicht nur markante inhaltliche Übereinstimmungen, sondern auch einen unmittelbaren literarischen Austausch, und es könnte ebenso gut sein, dass beide in der Vorbereitung der Diskussionen für den 50er-Ausschuss eng zusammengearbeitet haben. Da mir keine weiteren derart negativen Voten und Vorbehalte gegen jedwede Zugeständnisse an die Böhmen bekannt sind, dürfte es jedenfalls gerechtfertigt sein, in diesen beiden theologischen Experten Sprachrohre einer streng antihussitischen Fraktion innerhalb des Konzils und kompromisslose Gegner der Vermittlungspolitik des Konzilspräsidenten zu sehen.

Nach einer kurzen Einleitung führt Ebendorfer in den Motiva vier Gründe an, warum den Böhmen der Kelch nicht zugestanden werden dürfe. (1.) Wo der Glaube bedroht sei, dürfe man keine Zugeständnisse machen. Die hussitische Behauptung, wonach die Kelchkommunion heilsnotwendig und ein göttliches Gebot sei, ist aber klar ein Glaubensirrtum. 61 (2.) Den Böhmen den Kelch zuzugestehen würde sie auch in dem Irrglauben bestärken, die Kommunion unter beiderlei Gestalten bereits den Kindern zu spenden. Dass dadurch die Ehrfurcht gegenüber dem Sakrament auf der Strecke bleibt, davon habe sich Ebendorfer in Böhmen selbst überzeugen können. 62 (3.) Die Böhmen würden durch das Zugeständnis in ihrer Meinung bestärkt, dass die Kelchkommunion ein höheres Maß an Gnade verleihe als der Empfang der Hostie allein. Das treffe aber genauso wenig zu wie die Annahme, dass eine wiederholte Lossprechung bei der Beichte ein Mehr an Gnade verleihe. 63 (4.) Es würde schließlich auch den Irrtum der Nestorianer und Pelagianer bekräftigen, die den Unterschied zwischen göttlichen Geboten und evangelischen Räten nicht kannten.

Über dieses vierfache Argument hinaus, das v.a. von der dogmatischen Sorge um ein rechtes Verständnis des eucharistischen Sakramentes getrieben war, führte Ebendorfer eine Reihe von ekklesiologisch motivierten Gründen ins Feld: So sah der Wiener Professor durch ein Zugeständnis in der Kelchfrage die Autorität der Generalkonzilien beeinträchtigt, die sich doch in den Belangen, die den Glauben und den Ritus der Sakramente betreffen, einer unfehlbaren Autorität erfreuten. Wenn das Basler Konzil nun etwas anderes zulasse, so würde alle Kritik der Böhmen am Konstanzer Konzil, welches den Kelch eindeutig verboten habe, als zutreffend angesehen werden. Allein aus Treue zum Konstanzer Konzil dürfe man daher auch jetzt den Böhmen keine Zugeständnisse machen. Sonst würde sich die hussitische Polemik im Recht sehen, die Konstanz als “Synagoge des Satans” bezeichnete und Jan Hus als zu Unrecht verurteilt verteidigte. 64 Die dauerhafte Einführung der Kelchkommunion in Böhmen würde ein größeres Schisma nach sich ziehen als jenes zwischen Griechischer und Lateinischer Kirche. 65 Durch ein unbedachtes Zugeständnis würde also die Einheit der Kirche Schaden erleiden, und man erreichte genau das Gegenteil dessen, was beabsichtigt war. Ebendorfer unterstellte den Böhmen nachhaltige Bosheit und Unaufrichtigkeit. Diese würden die Greueltaten, die sie in Böhmen begangen hätten, nicht im Geringsten bereuen, sich dafür entschuldigen oder gar Wiedergutmachung anbieten. Und zuletzt wäre ein solcher Kompromiss mit den Hussiten ein Schlag ins Gesicht all jener aufrichtigen Gläubigen, sowohl in Böhmen als auch in den Nachbarländern, die sich standhaft gegen den hussitischen Druck gewehrt und diesem widerstanden hätten.

Der zweite Text aus der Feder Ebendorfers, die Deliberacio super libertacione calicis Boemis, weist sich als offizielles Votum des Wiener Professors aus, das er in der 50er-Kommission vorgetragen hat. 66 Einleitend gab er darin zu, während der ersten Gesandtschaft in Böhmen still und zurückhaltend gewesen zu sein, da er den Gegenstand und was auf dem Spiel stand häufig nur für sich bedachte und es bevorzugte, zu hören anstatt gehört zu werden. Da es auf dem Konzil aber zwei widerstreitende Meinungen darüber gebe, wie man sich in der Frage der Gewährung des Kelches verhalten solle, zwinge ihn sein Gewissen, Stellung zu beziehen. Seine Grundthese lautete, dass die Gewährung des Kelches die kirchliche Einheit gefährden und den Gläubigen zum Ärgernis gereichen würde: v.a. würde die Einheit des Glaubens und der Lehre Schaden nehmen. 67 Für die Gewährung des Kelches sprachen in der Analyse Ebendorfers, womit er vermutlich in Basel zirkulierende Meinungen aufgriff, auf der einen Seite die besondere eucharistische Frömmigkeit der Böhmen und auf der anderen Seite ihre militärische Stärke, aber auch ihr Friedenswille. Keinen dieser Punkte bestritt der Wiener Professor, aber er hinterfragte die Lauterkeit der angeblichen Motive und die Angemessenheit der sich bietenden Lösungen. Mit einem Blick in die Kirchengeschichte erinnerte er seine Zuhörer daran, dass die Kirche noch nie Häretikern, die eine militärische Gefahr und Übermacht darstellten, Zugeständnisse gemacht habe, wodurch man die eigene Glaubensüberzeugung aufgegeben hätte. Dann wiederholte er einen Gedanken aus den Motiva, der unterstreicht, welch hohe Bedeutung und Geltung Ebendorfer dem Konstanzer Konzil einräumte, dessen Entscheidungen und Autorität er aber durch die geforderten Zugeständnisse bedroht sah. Kein Konzil könne etwas verfügen, wodurch der status ecclesiae Schaden erleide. Müsste sich nicht gerade das Basler Konzil hier zum Anwalt der Kirche machen, anstatt deren Autorität zu schwächen? 68 Ebendorfer wies schließlich auf die Gefahr hin, dass der Papst ein anderes Konzil einberufen könnte, um die hussitischen Verhandlungsergebnisse von Basel überprüfen zu lassen, und er äußerte die Befürchtung (oder Drohung?), dass dies wohl nicht wenige Unterstützer finden würde. 69

Es gibt leider kein authentisches Echo, wie die dezidierte Stellungnahme Ebendorfers bei der Konzilsleitung und unter den Vätern aufgenommen wurde. Tatsache ist, dass Ebendorfer der vierköpfigen Delegation, die sich am 12. September 1433 erneut nach Prag auf den Weg machte, um auf der Grundlage der Geheiminstruktionen zu einem Frieden mit den Hussiten zu kommen, nicht mehr angehörte. Hat er sich durch seine dezidiert kritische Haltung als Konzilsdiplomat diskreditiert? Gab es andere, persönliche Gründe, oder war er doch nur ein Diplomat im zweiten Glied? Schätzten Cesarini und Palomar seine Beteiligung als eher hinderlich ein, oder wollte Ebendorfer eine Konzilspolitik, die er als kontraproduktiv erachtete, nicht mehr mittragen? 70 Erst bei der dritten Gesandtschaft, die im Juni 1434 die festgefahrenen Verhandlungen voran bringen wollte, war auch Thomas Ebendorfer wieder mit von der Partie, dann allerdings in einer ohnehin größeren Gruppe von zwölf Delegierten. Ab 1434 ging es jedoch darum, die Böhmen zur Einhaltung, Ratifizierung und Durchführung der im November 1433 erreichten Vereinbarung zu drängen. Die Haltung der Gesandtschaften wie auch des Konzils selbst war folglich ab 1434 sehr viel restriktiver und kompromissloser bezüglich irgendwelcher weiterer Zugeständnisse.

Ein weiteres Gutachten zur Kelchfrage, das ebenfalls im August 1433 zu Papier gebracht wurde, stammt aus der Feder Heinrich Kalteisens, eines weiteren Experten in hussiticis. Dieser Dominikaner hatte bei der großen Disputation im März-April 1433 den Artikel über die freie Predigt bestritten und sich in den Jahren vor dem Konzil bereits in der antihussitischen Kontroverstheologie profiliert. 71 Man könnte auch bei ihm Mutmaßungen anstellen, warum er nicht in den Kreis der böhmischen Konzilsdiplomaten aufgenommen wurde. Jedenfalls meldete er sich – vermutlich ebenfalls als Mitglied der 50er Kommission – im August 1433 mit einem entschiedenen Votum gegen jegliche Zugeständnisse an die Böhmen zu Wort. Die Stellungnahme ist nicht gedruckt und wurde von der Forschung bislang auch noch nicht berücksichtigt. Sie wird hier erstmals als Anhang ediert, weshalb sich die folgenden Ausführungen mit einem knappen Referat dieses an interessanten Argumenten reichen Gutachtens begnügen können. 72

Das Avisament geht den beiden Fragen nach, die explizit Gegenstand des 50er-Ausschusses waren: Soll man den Hussiten die Kelchkommunion gewähren, und was soll man ihnen antworten, wenn man den Kelch verweigert? In Form einer Quaestio werden zunächst vier Argumente zitiert, die für eine Erlaubnis des Kelches sprechen. Alle vier scheinen die pragmatische Stimmung in Basel widerzuspiegeln: (1.) Die Böhmen kommunizieren ohnehin schon in beiderlei Gestalten. Wenn man es ihnen formell erlaubte, würden sie auch von der Verfolgung der Kirche in Böhmen ablassen. (2.) Die Kelchkommunion für Laien ist nicht verboten, da sie von Christus und den Aposteln praktiziert worden sei. (3.) Die Kirche müsse den Gläubigen entgegenkommen und ihre Seelen gewinnen, anstatt sie zu verlieren. (4.) Selbst der Papst reicht an Ostern ausgewählten Laien die Kommunion unter beiderlei Gestalten. Dagegen spreche aber, dass niemand aus Verbrechen Vorteile mitnehmen dürfe. Die Böhmen hätten aber viele Verbrechen begangen. Ferner würden die Böhmen auch nach einer Erlaubnis des Kelches nicht von ihren Kriegszügen ablassen.

In der Antwort sprach sich Kalteisen entschieden dagegen aus, den Böhmen den Kelch zu gewähren. Sie würden dies nur als Bestärkung ihrer irrigen Auffassungen verstehen, wonach der Kelch heilsnotwendig und ein Gebot Christi sei (nach Joh 6,54), oder dass, selbst wenn sein Empfang kein göttliches Gebot darstelle, er eine besondere Gnade verleihe und von Christus eingesetzt worden sei. Kalteisen weist alle drei Gründe als falsch und gefährlich zurück. In der Begründung bemühte er die Sakramentenlehre der hochscholastischen Klassiker, die allesamt darin übereinstimmten, dass man den Leib und das Blut Christi in jeder der beiden Gestalten inklusive mit empfange. Daher könne man aus dem Trinken des konsekrierten Weines keinen sakramentalen oder theologischen Mehrwert ableiten. Der zweite Grund argumentierte eher pragmatisch, dass ein Zugeständnis an die Böhmen weitere Gefahren nach sich zöge. So setze man das Sakrament des Leibes und Blutes der Verunehrung aus, da konsekrierter Wein in großen Mengen leicht verschüttet werde. Um diese Gefahr zu verringern, gingen die Böhmen daran, den alten, von Christus eingesetzten Ritus zu verändern, indem sie den Gläubigen den Wein mittels eines Löffels in den Mund gossen oder Kleinkinder an Röhrchen saugen ließen. Überhaupt die Kinderkommunion! Man höre ja davon, dass die Kinder den sauren böhmischen Wein ausspuckten; ein Argument, dem man wörtlich auch in Ebendorfers Motiva begegnet. 73 Die Erlaubnis an die Hussiten würde die treuen alten Gläubigen skandalisieren, und den Druck auf sie erhöhen, gegen ihren Willen ebenfalls unter beiderlei Gestalten kommunizieren zu müssen. Eine weitere Gefährdung des eucharistischen Sakraments wird durch eine bizarre Geschichte illustriert, die ein Böhme berichtet habe: Als nach einer Messe eine große Menge konsekrierten Weins in einem Kelch übrig geblieben sei und auf dem Altar abgestellt wurde, kam ein Ziegenbock zum Altar gelaufen und habe reichlich aus diesem Kelch getrunken, woraufhin die Böhmen nicht wussten, was sie nun mit dem Bock anstellen sollten. In dieselbe Kategorie fiel die Kritik Kalteisens an den liturgischen Vereinfachungen v.a. der Taboriten, die die Messe ohne Ornamente feierten, worin der Dominikaner ein Vergehen am Status ecclesiae erblickte. Die Geringschätzung des Konzils von Konstanz, die Kalteisen wie Ebendorfer erwähnte, fiel dagegen kaum mehr ins Gewicht. Die Gefahren aus dem Zugeständnis des Kelches betrafen aber nicht nur das Königreich Böhmen, sondern die gesamte Christenheit. Kalteisen befürchtete eine Welle des Antiklerikalismus, denn die Gläubigen könnten meinen, der Klerus habe sie Jahrhunderte lang vom Empfang des Blutes ausgeschlossen. Die Etablierung des Kelches in Böhmen könnte ferner ein dauerndes Schisma zwischen den Böhmen und dem Rest der lateinischen Kirche auslösen, gravierender als jenes zwischen Ost und West. Auch in diesem Argument gibt es auffällige wörtliche Parallelen zwischen dem Text Kalteisens und den Motiva Ebendorfers. 74 Kalteisen erinnerte seine Zuhörer daran, dass die Böhmen, wie die Erfahrung zeige, ein eigenartiges, räuberisches und angriffslustiges Volk seien, das schnell über seine Nachbarn herfalle. In dieselbe Kerbe schlugen die Beobachtungen Kalteisens, dass sich die Gruppierungen unter den Böhmen nicht einigen könnten. Auch das Argument, dass sie eben eine besondere Verehrung zur Eucharistie hätten, ließ der Dominikaner nicht gelten, da sich das auch in einem entsprechenden frommen und vorbildlichen Lebenswandel äußern müsste, aber das Gegenteil sei der Fall. Die Böhmen gefielen sich in Zwietracht und zeigten eher die Werke des Teufels als die der Frömmigkeit und Liebe.

Nachdem Kalteisen die Überlegungen des Konzils, den Böhmen den Kelch zu erlauben, mit starken Worten und Argumenten zurückgewiesen hatte, wandte er sich der zweiten Frage zu, wie man dann mit ihnen weiter verfahren solle. Auch dafür hatte der Dominikaner eine Reihe von Vorschlägen parat. Zunächst müsse man Gott um Schutz und Hilfe bitten. Die Kirche habe getan, was sie konnte: die Häresie verurteilt, Kreuzzüge auf den Weg gebracht, den Häretikern in Basel Gehör gegeben und sie im rechten Glauben unterwiesen, Verhandlungen geführt und ihren Willen zur Einigung ausgedrückt. Nun könne man nur mehr zu Gott beten. Die Beispiele aus der Kirchen- und Konziliengeschichte, die er für solches Gottvertrauen bei Kirchenkrisen anführte, waren der Hagiographie entnommen und eher literarisch unterhaltsam, als dass sie der Konzilsdiplomatie seiner Tage als Leitfaden dienen konnten. Schön ist das Beispiel, das sich angeblich auf dem Konzil von Chalkedon zugetragen habe: 75 Als sich Katholiken und Nestorianer in den Debatten nicht einigen konnten, wurde vorgeschlagen, die jeweiligen Glaubensformeln auf Zettel zu schreiben und sie ins Grab der hl. Euphemia zu legen. Als das Grab nach sieben Tagen wieder geöffnet wurde, hielt die Heilige die Formel der “Orthodoxen” in der Hand, der Zettel der Nestorianer aber lag unter ihren Füßen. Ein ähnliches Gottesurteil sei dem hl. Papst Silvester auf einem Konzil in Rom gelungen, auf dem er gegen die Juden diskutierte. 76 Der Anführer der Juden, ein gewisser Zamri, wollte seine Niederlage nicht eingestehen, und so beschloss man den Gewinner mit thaumaturgischen Fähigkeiten zu eruieren. Man brachte einen toten Stier herbei, Zamri versuchte vergeblich, ihn zum Leben zu erwecken, aber dem hl. Silvester gelang selbiges, und so bekehrte sich eine große Menge zum Herrn. Mit einem dritten Beispiel erinnerte Kalteisen an das Wunder, das der hl. Dominikus bei einer Disputation mit den Albigensern wirkte. 77 Als die Schriften beider Parteien ins Feuer geworfen wurden, verbrannte nur das Buch des Häretikers, wohingegen jenes des hl. Dominikus, obwohl er es dreimal hineingeworfen hatte, immer wieder unversehrt heraussprang. In gleicher Weise könnte man doch auch die Artikel der Böhmen und der Basler auf Zetteln schreiben, diese auf eine konsekrierte Hostie legen und die göttliche Hilfe anrufen, die sich der wahren Kirche gewiss nicht verschließen werde. Es ist nicht überliefert, ob dem Dominikaner dabei ein verschmitztes Lächeln auf den Lippen lag.

Wenn sich Gott aber einem Wunder verschließen würde, welche anderen Mittel blieben den Baslern übrig? Kalteisen hielt zwei Akte für notwendig: Zum einen müssten die Böhmen eine vollkommene Reue für alle begangenen Irrtümer und Verbrechen zeigen und dafür Buße tun, und zum anderen ein gemeinsames Bekenntnis der einen und selben katholischen Wahrheit ablegen. Wenn die Böhmen echte Reue zeigten, konnte sich der Dominikaner sogar vorstellen, auf eine Restitution der von den Böhmen geraubten Güter zu verzichten, und die Kirche könnte ihnen auch alle anderen Verbrechen verzeihen. Für unerlässlich aber hielt er eine unverkürzte Übereinkunft mit dem Glauben der katholischen Kirche. Die Böhmen müssten sich explizit zur Autorität der Konzilien bekennen, v.a. zu Konstanz, das Wyclif, Hus und Hieronymus v. Prag als Häretiker verdammt hatte. Das gemeinsame Glaubensbekenntnis sah der Dominikaner als unaufgebbare Praxis der alten Konzilien, auf denen ebenfalls Glaubensbekenntnisse erlassen und auf deren Grundlage dann Häresien verurteilt wurden. Es müsse ein klares und offenes gemeinsames Bekenntnis erstellt, und nicht mit dunklen und vagen Worten operiert werden, wie es besagte cedula der Böhmen tut, über die das Konzil berät.

Als Forum der so zu vollziehenden unio konnte sich Kalteisen vorstellen, entweder eine Gesandtschaft nach Böhmen zu senden oder Vertreter aller böhmischen Fraktionen nach Basel zu bitten, wo sie dann über ihre Fehler und den rechten Glauben belehrt würden. Danach könnte man ihnen die Vier Prager Artikel in einer katholisch purgierten Form vorlegen. Mit den Textvorschlägen, die Kalteisen dazu vorlegte und in denen kein einziges Anliegen der Hussiten auch nur annähernd positiv gewürdigt, sondern eine grundsätzliche Ablehnung derselben ausgesprochen wurde, bezog Kalteisen eine Extremposition und ging weit über die in den Verhandlungen erzielten Kompromissformeln hinaus. Man versteht, warum Cesarini und Palomar ihn nicht so gerne als offiziellen Konzilsvertreter bei den Verhandlungen dabei haben wollten.

6 Epilog

Ein weiteres Mal noch hat sich Kalteisen im Zusammenhang der Kompaktaten mit einer Expertenmeinung auf dem Basler Konzil zu Wort gemeldet. Anlässlich der Verhandlungen der Basler Konzilsdelegation in Brünn im Sommer 1435 78 versuchten die hussitischen Gesprächspartner erneut Zugeständnisse und Umformulierungen der Kompaktaten zu erreichen. Bezüglich des vierten Artikels, der den Kirchenbesitz in Frage stellte, formulierte das Konzil am Ende der sog. Forma trium articulorum, die die Konzilsgesandten im Sommer 1433 als Verhandlungsbasis mit nach Böhmen genommen hatten, dass die Prälaten “Administratoren” der kirchlichen Güter seien und diese “gemäß den Einrichtungen der heiligen Väter treu zu verwalten haben”. Wenn daher “andere”, denen diese Administration vom Kirchenrecht her nicht anvertraut wurde, diese Güter “usurpieren”, ziehen sie sich die Schuld eines Sakrilegs zu. 79 Die Böhmen realisierten, dass sie mit dieser Formulierung eine bleibende Hypothek bezüglich des säkularisierten kirchlichen Eigentums riskierten und versuchten daher, den Begriff der sakrilegischen Usurpation abzumildern, indem sie als Textvariante vorschlugen, dass “die Güter der Kirche von andern Personen (als Kleriker) auf ungerechte Weise nicht als Besitz gehalten werden können” (ipsaque bona ecclesie ab aliis iniuste detineri non possunt). Die Konzilslegaten wollten diesem Ansuchen sowohl aus sachlichen als auch formalen Gründen nicht stattgeben, da sie vom Konzil keine Vollmacht erhalten hätten, die vereinbarten Texte eigenmächtig abzuändern. Über dieser Frage kam es zu einem heftigen Streit, bei dem Kaiser Sigismund, der den Böhmen in diesem Punkt entgegenkommen wollte, um die Ratifizierung des Friedensvertrages zu beschleunigen, seine Beherrschung verlor. 80 Es blieb ihm aber nichts anderes übrig, als zwei Vertreter nach Basel zu senden, um die entsprechende Textänderung vom Konzil selbst zu erbitten. Anfang Oktober 1435 trafen der Bischof von Zengg (dem kroatischen Senj) Johannes Andreae de Dominis und der Breslauer Domherr Nikolaus Tock in Basel ein und brachten das Anliegen des Kaisers vor. Kardinal Cesarini versprach den beiden kaiserlichen Gesandten, dass sich iuxta morem sacri concilii die Deputationen mit dem Anliegen befassen werden. 81 Da die Angelegenheit aber heikel und dringlich war, rief er am 8. Okt. selbst eine Kommission zusammen, der außer ihm selbst vier Bischöfe, fünf weitere Theologen und einige Konzilsväter, die früher schon an den Verhandlungen mit den Böhmen beteiligt waren, angehörten. 82 Auch Johannes Palomar, der sich in diesen Wochen in Basel aufhielt, um Bericht zu erstatten, wohnte den Beratungen bei. Im Zuge dieser Beratungen hat sich auch Heinrich Kalteisen wiederum zu Wort gemeldet. Da er laut dem Konzilsprotokoll nicht der engeren Kommission um Cesarini angehörte, könnte er entweder innerhalb der Deputatio de fide gesprochen haben, oder aber er verfasste seine Stellungnahme für die Kommission, so wie sie auf uns gekommen ist, nur schriftlich. 83

Kalteisen ließ darin seinem Unmut über die Böhmen freien Lauf. Schon die Erlaubnis des Kelches noch bevor die Böhmen irgendwelche Gegenleistungen erbracht und v.a. ihren Irrtümern abgeschworen hätten, sei ein Skandal gewesen, wie er bereits “damals” gesagt habe. Kalteisen verwies damit auf seine Stellungnahme vom Sommer 1433 und fühlte sich in seinen Vorbehalten von damals, die er noch einmal im Kern resümierte, bestätigt. 84 Der Dominikaner war überzeugt, dass die Böhmen nicht gewillt seien, die Verträge einzuhalten. Umso mehr forderte er die Konzilsväter dazu auf, auf der minutiösen Einhaltung der Kompaktaten zu bestehen, und zwar sowohl hinsichtlich der Bestimmungen zum Kelch als auch hinsichtlich der Frage des Kirchenbesitzes; alles andere würde zum Schaden des katholischen Glaubens gereichen. Wenn man den Böhmen auch im vorliegenden Falle wieder Zugeständnisse machte, würden sofort weitere Anfragen folgen und die Böhmen würden sich auf diese Weise von allen begangenen Untaten frei machen und sich darin bestätigt fühlen. 85 Was die vorliegende Petition betrifft, die fraglichen Worte im Vertrag zu ändern, so sei dies ein Indiz dafür, dass die Böhmen weder die geraubten Kirchengüter restituieren noch eine Rückkehr der vertriebenen Ordensleute zulassen wollten. 86

Welchen Rat gab er aber den Verantwortlichen hinsichtlich der fraglichen Wortänderung? Erstens, solange man den Böhmen erkläre, dass sich dadurch inhaltlich nichts ändere, könne man die neue Formulierung gerne zulassen. Oder man füge als Erläuterung hinzu, dass jener die Güter des Klerus “ungerecht hält” (iniuste detinet), der sie gegen die Bestimmungen der Väter besitzt. Damit wäre die frühere Formulierung, die von Usurpation gesprochen hat, sogar noch verstärkt worden. Zweitens soll man von ihnen fordern, jeglicher Häresie abzuschwören und sich zum Glauben des Konzils zu bekennen. Sie mögen bekennen, dass jeder, der sich Besitz des Klerus angeeignet hat, ohne vollständige Restitution nicht heilsam beichten könne, und sie sollen schwören, dass man die Güter des Klerus, selbst wenn dieser moralisch böse wäre, nicht rauben dürfe. Wenn sie dies nicht schwören wollen, möge man dem Kaiser auftragen, dass er seinem Schwur Folge leisten und das Unrecht, das Gott und seiner Kirche zugefügt wurde, an ihnen rächen möge. Damit er das ausführen könne, solle man eine Kriegssteuer zu seinen Gunsten erheben. 87 Zuletzt riet Kalteisen, in dieser Frage den Konsens der Kurfürsten für eine Antwort an die Böhmen einzuholen. Der Dominikaner rief damit unverhohlen zu einem neuen Kreuzzug auf. Eine Maßnahme, die zu diesem Zeitpunkt völlig illusorisch geklungen haben musste.

Ende September übergab das Konzil den kaiserlichen Gesandten die offizielle Antwort. 88 Darin wird den Bitten um eine weitreichende Auslegung der Kelcherlaubnis, die auf einen neuen böhmischen Ritus mit verpflichtender Kelchkommunion überall im Königreich abzielten, eine klare Absage erteilt. Bezüglich der konfiszierten Kirchengüter wurde aber eine gewisse Flexibilität signalisiert. 89 In der verabschiedeten Form wurde dann die umstrittene Wendung, die von sakrilegischer Usurpation sprach, fallen gelassen und durch die mildere Formulierung ersetzt: ipsaque bona non debent ab aliis iniuste detineri. 90

Die kritischen Stimmen eines Thomas Ebendorfer und Heinrich Kalteisen setzten sich in den Überlegungen des ebenso diskutierfreudigen wie diplomatisch flexiblen Konzils nicht durch. Nicht nur der Druck seitens der interessierten Fürsten, allen voran Kaiser Sigismunds und Herzog Albrechts von Österreich, schrieb dem Konzil die Agenda vor, auch die Herzöge von Bayern und die freien Reichsstädte Nürnberg und Regensburg drängten auf einen Friedensschluss. Mit dem Zugeständnis des Kelches hoffte man, die Böhmen zu einem Kompromiss bewegen zu können, in dem die Glaubens- und Kircheneinheit gewahrt und dennoch regionale bzw. “nationale” Eigenständigkeit einen Platz finden könnte. Der “Friedensschluss” zwischen der katholischen Kirche und dem hussitischen Böhmen musste auf dem heiklen und schmalen Grat zwischen Glaubenskontroverse und politischen Friedensverhandlungen lavieren. Während der Kaiser im Hinblick auf Letzteres größere Zugeständnisse gewähren konnte, waren dem Konzil bei Ersterem die Hände viel stärker gebunden.

Die offenen Diskussionen über die Verhandlungsstrategie auf dem Konzil dürfen aber auch als Ausdruck einer Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt verstanden werden, welche in Basel möglich war. Auch wenn sich Cesarini mit seinem Einfluss die Handlungshoheit in der Böhmenfrage sicherte, wollte er sich dennoch nicht über das konziliare Prozedere hinwegsetzen. Dass dabei Idealisten und Realisten, Pragmatik und Dogmatik, Theologie und Politik unweigerlich kollidierten, wirft ein exemplarisches Licht auf das Basler Konzil und seinen Anspruch. Dem naheliegenden Bestreben um kirchenpolitische Lösungen ging immer ein Ringen um das richtige Verständnis des Evangeliums und die Ehrfurcht vor der Glaubenstradition voraus. Der Freiheitsraum des Konzils erlaubte dabei, weltliche und politische Interessen der Fürsten, zumindest in der Theorie, zu ignorieren. Zum konziliar-theologischen Ethos des Basiliense zählte auch, dass man so lange um die Wahrheit rang, bis alle Beteiligten diese endlich akzeptierten. Auch die Pragmatiker unter den Basler Vätern, die im Sommer 1433 ein realistisches Verhandlungspaket nach Böhmen mitnehmen wollten, waren nicht bereit, über das Zugeständnis des Kelches hinaus weitere katholische Positionen aufzugeben und versuchten mit allen Mitteln, von den Böhmen definitive Zusagen zum erreichten Konsens zu erhalten, ehe man die Friedensverträge siegelte.

Dazu eine Schlussepisode: Noch im Herbst 1437 wollten zwei böhmische Gesandte die Anerkennung der Kinderkommunion vom Konzil erreichen. Die Basler initiierten daraus eine Generaldebatte über die Bedeutung und Tragweite des Herrenwortes “Tut dies zu meinem Gedächtnis!” (Lk 22,19; 1 Kor 11,25). Noch einmal wurden über Tage und Wochen hinweg Argumente ausgetauscht, Schriftstellen interpretiert, um Plausibilität gerungen. Inmitten dieser theologisch-akademischen Übungen erwähnte Segovia in seiner Historia für den 18. Oktober nur beiläufig, dass Eugen iv. für diesen Tag die Auflösung des Konzils bestimmt habe. Aber schon im nächsten Satz ging er zum eigentlichen Thema des Tages über: die Rede des Böhmen Jan Příbram über die Praxis der alten Kirche hinsichtlich der Kinderkommunion, die er dann über viele Seiten hinweg referierte. Es waren dies jene Momente, in denen Basel die Welt um sich herum zu vergessen schien.

7 Textanhang Heinrich Kalteisen O.P., Avisamentum de concessione calicis

Der Text ist nur in der Handschrift Koblenz, Landeshauptarchiv 701/220, fol. 118r-123v überliefert. Die Handschrift stammt aus dem Nachlass Kalteisens, er hat darin umfangreiches Material zu den Hussiten gesammelt. Eine Reihe von Texten darin, darunter die hier edierte Stellungnahme, sind Autographe Kalteisens. 91 Unsere Edition versucht die Gliederungsstruktur des Textes durch Absätze und Nummerierungen nachvollziehbar und kenntlich zu machen. Direkte Zitate werden in Kursive wiedergegeben. Die ursprüngliche Schreibweise wird weitestgehend beibehalten. Textteile in geschweiften Klammern {…} wurden von Kalteisen nachträglich am Rand ergänzt. Die Gliederung nach Buchstaben, Paragraphen und Nummern (jeweils in Klammern) sowie die Absätze verdanken sich der Edition. Der Text hat keine eigentliche Überschrift. Kalteien selbst hat sich aber mit folgendem knappen Supraskript am oberen Rand als Autor identifiziert: Hec magister henricus caltisen ordinis predicatorum /118r/

Circa materiam iam currentem, an Bohemis circa eorum articulos, presertim communionis divinissime eucharistie, sit aliquid permittendum seu concedendum, ut per hanc concessionem liberentur christiani a persecucionibus eorum, duo sunt videnda:

  1. (A) Primum, an eis sit concedendum, quod ipsi et eis adherentes communicent sub utraque specie?
  2. (B) Secundum, quod si non, qualiter eis sit respondendum, et quid finaliter cum eisdem agendum?

(A) Quantum ad primum arguunt quidam, quod sic. Nam inter duo mala inevitabilia pro altero ipsorum minus malum est permittendum, ut evitetur maius malum secundum communem assercionem. {Et est Gregorii 13. di. ‘Nervi testiculorum’.} 92 Sed sic est hic. Nam Bohemi actu communicant sub utraque specie, etsi non concedetur eis hoc ab ecclesia, nichilominus ita communicabunt. Et cum hoc persequentur residuum populum christianum et ad suum ritum compellent, prout actenus experti sumus. Alioquin occident innoxios et destruent templa etc. Sed si concedetur ista communio sub utraque specie, ipsi cessabunt a tali persecucione. Sed minus malum est communicare sub utraque specie et cessare a persecucione quam communicare sic et cum hoc persequi totam christianitatem et alios fovere errores innumeros. Ergo illud est eis tamquam minus malum permittendum.

Secundo sic: Concedere rem licitam de per se non potest esse periculum fidei catholice nec indedecus sancte matri ecclesie. Sed communicare laicos sub utraque specie est licitum de per se, quia a Christo institutum et ab apostolis practicatum. Ergo hoc sacrum Basiliense concilium potest Bohemis illam communionem licitare absque fidei periculo et salva ecclesie honestate.

Tercio sic: Secundum Anselmum plus debet pia mater dolere de unius filiorum suorum anime perdicione quam de temporali incommodo unicuique futuro. 93 Sed Bohemorum infiniti perdentur finaliter, nisi ista communio eis sub utraque specie concedatur. Quia alias in aliis erroribus persistent, quos omnes simul nunc abicerent, si illam communionem tantum assequi possent. Ergo decet piam matrem ecclesiam eis condescendere et tot filiorum animas lucrificare.

{Quarto sic: Hodie papa communicat in festo pasche laicos sub utraque specie. Similiter quedam religiones sicud Cistercienses in suis monasteriis communicant sic suos. Ergo non videtur illicitum hoc concedere Bohemis.}

In oppositum arguitur, quia suo proprio demerito nullus debet reportare commodum, sed pocius penam. Sed Bohemi pro ista communione sub utraque specie optinenda in multis demeruerunt, hereses innumeras dogmatizant, occiderunt, depredaverunt, indifferenter omnem statum ecclesie invaserunt. Ergo de tot demeritis non debent hoc commodum reportare, scilicet pre cunctis christi fidelibus communionem calicis obtinere.

Item quia, ut ipsi Bohemi fatentur, eciam si isti articuli eis concederentur et libertarentur, {nichilominus ipsi cessare nollent a bellis. Volent enim pugnare contra omnes vicinos eorum. Non, ut dicunt, tamquam pro fide, sed ut contra publicos hostes, dicunt (…) 94 contra Nurembergenses volunt bellare, eo quod detinent scrinaria eorum. Et cum hoc petunt ducentem milia fl. pro emenda una cum scrinariis. Insuper contra ducem Austrie, eo quod detinet Moraviam, contra marchionem Brandburcis, qui detinet Marchiam, contra ducem Saxonie, eo quod multa castra regni Bohemie iniuste detineat, et ceteris. Ergo frustra libertaretur eis aliquis de suis articulis.}

Respondeo, quod meliori iudicio semper salvo, omnibus nunc in regno Bohemie circumstanciis pensatis, non decet hoc sacrum concilium Basiliense Bohemis communionem sub utraque specie permittere seu concedere {vel libertare}. Quod patet multiplici ex medio.

(§1) Et primo ex hoc: Nam hoc sacrum concilium est principaliter congregatum ob sevientem heresum exstirpacionem. Sed pensatis singulis causis cur Bohemi communione divinissime eucharistie laicis ministrandam sub utraque specie instant et petunt, est ob heresum suorum fomentum et nutricionem. Ergo non decet hoc concilium generale eis concedere, sed pocius subtrahere et prohibere. Minor declaratur. Nam ipsimet fatentur, quod inter se sunt Bohemi divisi. Nam quidam ideo petunt communionem illam sub utraque specie, quia dicunt hoc de neccessitate salutis fore et preceptum Christi, Ioh 6 (54) dicentis Nisi manducatis carnem filii hominis et bibetis eius sanguinem, non habetis vitam in vobis. Secundi ideo, quia, etsi non est Christi preceptum, saltem est utile et salubre, ita quod communicanti sub specie vini ex calice aliqua specialitas gracie ex hoc sibi confertur, que non datur communicanti sub specie panis tantum. Tercii quia dicunt, etsi neutrum horum esset, scilicet si non esset preceptum Christi, nec gracia specialis conferetur sic communicanti, saltem est institucio et praxis Christi, et illam ecclesia immutare non potuerit. Et sic ex praxi Christi illam communionem sub utraque specie desiderant. Sed quodlibet horum est error periculosissimus. Ergo si concilium Bohemis talem communionem licitaret, alterum ex hiis erroribus, ymmo omnes tres, in mentibus sic errancium foveret et confirmaret, quod utique nec licet nec expedit.

(§1a) Quod autem omnia hec sint erronea, et propter quodlibet eorum esset eis calix subtrahendus, eciam si usque nunc permissive ita communicassent, quod tamen non fecerunt, sed violenter et contra prohibicionem ecclesie, et presertim concilii Constanciensis, practicaverunt, probatur brevissime: Nam primi coincidunt cum Pelagianis. Nam hereticus ille Pelagius {ut fertur} populum sub utraque specie communicavit, quia dixit: hoc est preceptum Christi, Ioh. 6. 95 Sed hoc dampnabatur ex hoc, quod pro tunc calix laicis subtrahebatur. Unde dicunt omnes theologi, quod ille textus Ioh. 6 (54) Nisi manducatis intelligitur de spirituali manducacione. Quod si /118v/ cum aliqui exponunt sacramentaliter, dicunt consequenter, quod sanguis Christi bibitur sub specie panis, licet non sub proprio signo vel sub propria specie bibicionis, sicud sanctus Thomas, Bonaventura et Alexander de Halis, sicud ego dudum exemplificavi de botro. 96 Nam Christus comparatur botro in Canticis: Botrus Cipri dilectus meus mihi (Ct 1,13). Sed in botro homo simul commedit et bibit. Nam ibi est substancia solida, que est cibus, et est ibi substancia liquida, que est potus, que simul sumantur in eadem uva. Ita sub eadem specie manducatur Christi corpus et bibitur eius sanguis. Ideoque Christus in toto illo capitulo licet de bibicione sanguinis dixerit, numquam tamen calicem nominavit. Et quod sub una specie totum acquiratur, quod pro salutem hominis requiritur, ostendit idem dicens: Qui manducat hunc panem, vivet in eternum (Ioh 6,59).

(§1b) Quod eciam secundum dictum sit error {saltem ex virtute operis operati idest sacramenti} patet, quia secundum omnes theologos sacramenta non efficiunt racione specierum, sed virtute rerum contentarum. Ideo dicit dominus Albertus in tractatu misse: Quod sicut in omni sacramento ita et in isto est aliquod sacramentum tantum, sicud forme sacramentales, et aliquod res et sacramentum, sicud corpus Christi verum, et aliquod res tantum, sicud gracia nutriens ad incorporacionem Christo faciendam. Forme enim inquid sacramentales tantum significant et nihil causant, corpus autem Christi verum significat et causat et significatur et causatur, et nihil ulterius significat, sed causat in mistico corpore incorporacionem, que fit fidelium ad Christum. 97 Hec Albertus. Hunc eciam errorem apertissime confutant alia sacramenta iterabilia. Et primum sacramentum penitencie; sacramentalis nempe absolucio rite facta super eisdem peccatis ab eodem confessore virtute sacramenti confert graciam et remittit certam quotam pene, que si pro eodem tempore pluries iteratur, nihil de novo conferre dicitur. Alias per continuam unius hore iteracionem istorum verborum ‘Ego te absolvo a peccatis tuisʼ, confitens ad maximum gradum gracie possit pertingere et consequi totam remissionem pene pro peccatis debite. Et suo modo de iteracione aliorum sacramentorum iterabilium pro eadem hora per eundem et super eodem. Et consequencia tenet a simili, quia sicud ambe species continent idem et faciunt unum perfectum sacramentum, sic et alia et alia pro eodem tempore super eundem iterata, nihil de novo efficiunt, sicud de sacramento absolucionis deducit Scotus in Quarto Sentenciarum ita in proposito. 98 Alias eciam micarum hostie consecrate super patenam decidencium et guttarum in calice post primam sumpcionem relicte et crebra sumpcio virtute sacramenti in negligenter sumentibus maiorem graciam quam in aliis efficeret, quod nemo dixit. 99 {Si tamen reperitur aliquis doctor dixisse quod communio calicis afferet graciam supra communionem sub specie panis, intelligendum est, quod hoc est ex opere operante, et non ex opere operato, quia posset esse maior devocio in sumpcione calicis quam panis. Sed hoc non fit racione sacramenti, quod validius operetur hic vel ibi, quia idem est utrobique sacramentum et eundem habet sub utraque specie effectum, si cetera sint paria.}

(§1c) Quod eciam tercium sit erroneum, patet ex decreto Constanciensis concilii, quod determinat ecclesiam licite laicos sub unica specie, scilicet panis, communicare et prohibet, ne quis absque apostolice sedis auctoritate hanc consuetudinem audeat infringere et condempnat eos esse hereticos, qui dicunt, quod communicare sub unica specie sit sacrilegium committere. 100 Hec ibi. Unde sciendum, quod praxis Christi non obligat laicos communicare sub utraque specie, sed tantum presbyteros actu celebrantes et conficientes, quibus ait: Hoc facite in meam commemoracionem (Lc 22,19); et iterum: Hoc quociescumque feceritis, in mei memoriam facitis (1 Cor 11,25–26). Nichilominus in potestate ecclesie reliquit, que Spiritus Sanctus omnem veritatem docuit, quod si ista communio in deteriorem partem vergeret, ipsa circa illam pro salute fidelium, quod oportunum foret, disponeret. Unde statutum iustum et sanctum, si in noxam verserit, potest papa cum sacri generalis concilii approbacione iuste destituere. Quemadmodum tempore Moysi Dominus precepit fieri serpentem eneum et post multorum annorum curricula tempore Ezechie regis Iuda, dum filii Israel importune instarent, ut eis serpentem traderet, eo quod patres eorum a morte liberasset, volentes serpenti honorem divinum seu latriam impendere, videns rex providus, quod in noxiam vergebat, scilicet ydolatriam, cum consilio maturo et digesto serpentem penitus destruxit. 101 Ita in proposito ecclesia de calicis subtraccione laicis facta licite facere potuit, videns quod predicti errores et alia pericula multa sequi exinde ceperant. Patet ergo, quod omnes cause cuiuslibet secte Bohemice, propter quas petunt illam communionem calicis pro laicis, sunt false et heretice. Ergo non decet hoc sacrum Basiliense concilium eis illam concedere, sed pocius prohibere, ne videatur tales hereses palliare, nutrire et roborare, sed pocius eas exstirpare et condempnare.

(§2) Secundo sic: Ubi maius periculum imminet, ibi caucius est obviandum. Sed si Bohemis concedetur illa communio /119r/ calicis, multa maiora pericula sequerentur, quam si eis illa communio prohibeatur. Ergo caucius eis communio calicis prohibebitur quam concedatur. Minor probatur: Primo ex communibus periculis, quibus expertis ecclesia calicis communionem subtraxit laicis; secundo ex specialibus periculis in regno Bohemie specialiter currentibus ex communione calicis provenientibus; tercio ex singularibus periculis in christianismo ex hoc concomitantibus.

(§2a) Quantum ad primum: Ecclesie universalis prudencia nos docuit universaliter omnibus laicis subtrahere communionem calicis propter pericula, que contingerunt pro tunc generaliter. Quorum primum est, quod ab omnibus doctoribus de hoc scribentibus allegatur scilicet periculum effusionis seu distillacionis sanguinis Domini nostri Ihesu Christi nunc super terram, nunc in barbas virorum, nunc in pepla mulierum. Ad que tam crebre contingencia precavenda subtracta est communio laicis sub specie vini in vase calicis, et hoc licite et provide, prout declarant sancti doctores.

Secundum erat periculum perfidie seu heresis. Nam ex hoc, quod sub utraqe specie communicabantur laici, multi in hoc errorem inciderunt, quod asseruerunt non esse sanguinem Christi sub panis specie, sequaces in hoc erroris Nestorii, 102 qui ideo fertur laicalem populum sub utraque specie communicasse, quia asseruit tantum dimidium Christum sub altera specierum contineri, scilicet carnem Christi sub specie panis et sanguinem sub specie vini et neutrum eorum sub ambobus speciebus existere, ex eo quod sanguis Christi fuit divisus a corpore Christi in die parasceves. Sed hic error comictitur propter hoc, quod Dominus ait Ioh 6°: Qui manducat me, et ipse vivet propter me (Ioh 6,58); ‘me’ dicit, scilicet totum corpus Christi vivum, quia habet in se sanguinem in suis venis, animam et deitatem cum corporis ossibus, scilicet sub specie panis; idem dicimus sub specie vini ex naturali concomitancia rei. In signum, quod iste error fuerit temporibus preteritis, recitat dominus Bonaventura de quodam tali incredulo, quod, dum non crederet sub specie panis contineri sanguinem Christi, Deo ipsum certificare volente, dum hostiam consecratam in os recepisset, sanguis per hostiam in os eius emanavit, et sic ab errore resiliit. 103 Ad horum et similium errorum exstirpacionem dudum patres, qui tales comperierunt in populo catholico subortos, qui, licet prius sub utraque specie communicarent, laicos calicis communionem eis subtraxerunt. Sic enim audivi felicissime memorie dominum Martinum papam quintum fecisse, qui, sicud et alii summi pontifices, consuevit in festo pasche communicare laicos sub utraque specie. Accidit ut qui-dam Bohemus baccalarius in medicinis inter alios accederet, et sic sub utraque specie communicaretur. Qui de hoc mirabiliter gloriabatur, quod communio utriusque speciei facta esset sibi per summum pontificem, sed tandem in Wyenna captus et submersus est. 104 Quod percipiens papa Martinus sic sibi illusum ex tunc subtraxit calicis communionem laicis nec umquam aliquem communicavit nisi sub specie panis tantum in detestacionem heresis Bohemorum et facte sibi illusionis. Sic et nunc estimo fiendum ad precavendum illa pericula generalia, que in Bohemia tam faciliter contingere possunt, sicud in quacumque parte ecclesie alia. Non est eis ergo plus concedenda communio calicis quam aliis Christi fidelibus.

(§2b) Secundo dixi idem pensandum ex specialibus periculis ex tali concessione in Bohemia specialiter accidentibus, que multa sunt.

(1.) Primum est ritus Christi subversio. Nam Bohemi videntes se non posse predicta pericula effusionis seu distillacionis evadere, Christi ritum subvertunt, ne sanguis Christi in barbis virorum dependeat. Nam ipsi viros et mulieres ex cocliari potant, in quo recipiunt parum ex calice Christi et sic per coclear effundunt in ora hominum. Similiter pueros per fistulam communicant, ut ipsi sic sanguinem Christi quasi mammillam sugant, prout publice fassus est Iohannes de Ruckuzana in presencia huius sacri concilii Basiliensis. 105 Sed constat hunc ritum omnino enervare praxim Christi, qui non de cocliari nec de fistula, sed de calice dixit discipulis: Bibite ex hoc omnes (Mt 26,27). Similiter et Paulus dicit: De pane illo edat et de calice bibat (1 Cor 11,28). Non dicit: ʻDe coculari vel fistula bibatis!ʼ Et ita ritus Bohemorum et scripture contrariatur et ritui Christi obviat.

(2.) Secundum periculum speciale, quod in Bohemis ex tali concessione sequi posset, est ultra predictorum errorum confirmacionem adhuc unius alterius erroris confortacio, quo scilicet ipsi credunt hoc sacramentum tante fore neccessitatis, quod eciam parvulis mox natis et baptizatis sub duplice specie tradi debeat, sicud hodie practicata est fere per totum regnum Bohemie, /119v/ quam tamen pia fides et fidelium devocio abhorret. Presertim hoc fieri in regno Bohemie absonum est propter cruditatem vini illius regni, adeo quod ipsimet fassi sunt, qui hodie sic in Bohemia practicant, quod infantes cruditatem specierum vini non ferentes sepe ipsis presentibus usque ad terram visi sunt expuere preciosissimum sacramentum eucharistie. Hoc enim contra Apostolum est, dicentem: Probet autem seipsum homo, et sic de pane illo edat et de calice bibat (1 Cor 11,28). Sed constat, quod talem probacionem seu distinccionem corporis Christi ab aliis cibis parvuli non habent. Ideo dicit idem: Iudicium sibi manducat et bibit non diiudicans corpus Domini, 1 Cor 11 (29). 106

(3.) Tercium periculum est, quod talis concessio multum scandalizaret pusillos et precipue fideles adhuc in regno Bohemie existentes, quorum multi sunt, qui adhuc nusquam communicare voluerunt sub utraque specie, ymmo se periculis usque ad rerum amissionem et mortem exposuerunt et huic adinvencioni restiterunt. Qui si iam viderunt illam communionem concedi per generale concilium omnibus circumstanciis perfidie adhuc in Bohemia perstantibus et in nullo mutatis, nonne scandalum acutum causaret hoc concilium in oculis illorum fidelium?

(4.) Quartum periculum est, quod hec indulgencia prestabit Bohemis facultatem et audaciam multipliciter menciendi, dicendo, sicud et publice coram sacro concilio dixerunt, quod ipsi sint illi, quibus Dominus veritatem ewangelicam pre cunctis nacionibus revelaverit. Insuper quomodo eciam adhuc aliarum suarum, ut asserunt, veritatum triumphum obtinere non diffiderent, si in isto articulo, ubi maior vis est, triumphasse se gauderent. Omnibus enim hereticis una semper intencio fuit captare gloriam de singularitate sciencie, inquid Bernardus super cantica, sermone 66°. 107 Ymmo dicerent se pre cunctis ecclesie doctoribus sacra ewangelia melius intellexisse, prout quedam mulier dixit in Praga nostris ambasciatoribus post Augustinum nullum melius intellexisse ewangelium quam Iohannem de Ruckuzana, quem omnes noscimus huius heresis pertinacissimum assertorem.

(5.) {Quintum periculum est, quod unus Bohemus retulit, quomodo communicatis hominibus remansit multus sanguis in uno magno calice, et hyrcus quidam venit ad altarem et bibit illum sanguinem de calice in magna quantitate, adeo quod Bohemi multum dubitaverunt quid de illo hyrco facturi essent. Ecce quomodo sanguis Christi, ymmo totus Christus sub specie vini exponitur in potum hyrci. Que posset maior fieri irreverencia sacramento nostro salutari? Pari-formiter quidam sacerdos cecuciens, dum in Bohemia portaret calicem ad infirmum, contingit, quod cecidit et sanguinem Domini effudit, qui statim pedibus illum conculcavit et sic dispersit.}

(6.) Sextum periculum daretur ex illa licencia Procopio et suis coheresiarchis audacia petendi, ut eis concederetur facultas sine corona sacerdotali et absque ornamentis ecclesiasticis missam celebrandi, prout alias faciunt. Nam sicud concederetur bohemis laicis communicare sub utraque specie ideo, quia Christus sic fecit, cur non concederetur Procopio celebrare sine ornamentis, cum eciam Christus et apostoli sic fecisse dinoscantur? Et ita de omnibus aliis ritibus ab apostolis et ecclesia Dei institutis. Et sic periret totus ecclesie status. Ad hec et similia alia pericula in regno Bohemie specialiter verisimiliter proventura, si detur predicta communionis calicis indulgencia, nullomodo videtur hec concedenda, sed pocius prohibenda. Sic namque dicit Nycholaus papa 6 q. 1: Quod semel bene diffinitum est, nulla debet racione retractari. 108 et Julius papa: Ea que sunt ab apostolis et eorum successoribus instituta, nulla dispensacione violentur, nulla concertacione turbentur. 109 Hoc enim ecclesiastice moderacioni est conveniens, ut que ordinata fuerint et decisa, nulla postea debeant refragacione turbari.

(7.) Septimum periculum est, quod Bohemis ex hoc reciperent confirmacionem erroris, quo {dicunt concilia generalia a 300 annis, et precipue concilium Constanciense, errasse circa sacramenta ecclesie, cuius sanctitate et infallibilitate circa fidem totis conatibus nisi sunt enervare, prout ipsi audivimus in presencia sacri concilii, et ex tunc festum Iohannis Hus, quem pro martire colunt sollempnissime celebrarent, dicentes pro illa veritate ipsum et alios eorum martires combustos et occisos. Hoc forte contingeret, si istud concilium Basiliense hanc calicis communionem eis liciaret.} 110

(§2c) Tercio dixi hanc communionem calicis nullomodo concedendam Bohemis propter pericula singularia toto christianismo ex hoc provenienda verisimilia.

(1.) Quorum primum potest assignari enervacio ecclesiastici muniminis in toto christianismo. Nam laici opido clericis plus solito infesti videntes hanc calicis communionem Bohemis concessam, statim conciperent per illam aliquam spiritualem conferri graciam, quia utique sine maxima causa Bohemi non obtinuissent illam. Ex tunc dicerent: Cur tanta gracia nos et parentes nostros privaverunt clerici, aliis dicentibus, quia preceptum Domini est et nostri clerici non intellexerunt scripturas, aliis asserentibus, quod clerici hoc eis concessissent, licet in periculum fidei vergeret, ut per hoc Hussite placati cessarent dicere veritatem illam, quod clerici non debeant habere temporalia et ceteris, prout unusquisque in suo sensu habundaret. Nesciunt enim distingwere inter ea, que precepti sunt, consilii aut indulti, nec faciliter informacionem /120r/ tante novitatis capiunt. Nam valde onerosa est novitas et ea semper dyabolus delectatur, secundum Gregorium in registro, 111 et glossa Eccli 10. 112 Quomodo ergo ecclesia portam in re tam ardua sibi aperiet, per quam multis laqueum tendet fidelibus ad perdicionem, sicud ipse non ignorat?

(2.) Secundum periculum christianismo ex hac indulgencia verisimilis profuturum est scisma inter Bohemos et nos causare, nescio an usque ad finem seculi exterminandum. Ex hac nempe indulgencia, quam optant Bohemi irrevocabiliter pro eis et ipsis adherentibus Polonis et Moravis et insuper adherere volentibus assignari perpetua divisio ab ecclesia occidentali et maior quam Grecorum et periculosior causabitur. Quia ipsi in medio habitant fidelium alium ritum observancium, inter quos ponitur perpetua altercacio de pocioritate ritus huius, una parte allegante laudabilem consuetudinem et praxim sanctorum et ecclesie a tempore eciam apostolorum in certis locis observatam, alia ad contrarium Christi praxim et institucionem et Pauli ordinacionem ad Corinthios allegante. Que autem ex huius altercacione precipue inter sibi mutuo sinistre affecciones sequi possent scandala in ecclesia, prudens non ignorat. Pro cuius confirmacione fecit practica Bohemorum, qui nedum regnicolas suos, sed eciam indifferenter omnes, quos sibi subicere possunt, ad hanc communionem sibi duplici spe cogere attemptant, artantes eciam sacerdotes ad publicas revocaciones prioris practice et coram populo ad professionem publicam, quod duplex species sit de precepto Christi et necessitate salutis, et quod graviter peccaverint usque huc in hoc populum defraudando. Numquid, si ex preteritis futura previdere debemus, hac indulgencia habita primum altercaciones post vero sequerentur plage et violente coacciones et renitere volentibus depredaciones et hereticaciones et tandem homicidia et alia mala que per istam indulgenciam ecclesia voluit evitare? Et tanto amplius quanto per istam indulgenciam hec praxis tamquam sancta, racionabilis, catholica, utilis et salubris predicaretur ab omnibus. Et hec gens ad singularitatem et predandum multum existit inclinata. Quesierit eciam contra vicinos nonnumquam occasionem depredandi nulla exstante legittima causa, sicud docuit magistra rerum experiencia. A forciori hac data occasione adderentur ligna ad ignem. Quomodo ergo propter dubiam reversionem Bohemorum filios ecclesie tot periculis ex hac re exponere consultum est? Que esset ista misericordia, dum uni populo parcere conamur, universe ecclesie moliri interitum? Aut que est ista bonitas, uni parcere populo et ceteros deducere in perniciem?

(3.) {Tercium est, nam populus tocius christianitatis idem petere exemplariter et occasionaliter irracionabili ex tali concessione dicentes se non esse deterioris condicionis Grecis et Bohemis. Et hoc est intencio Bohemorum, quod per totum mundum communicent … 113 communione calicis, prout ipsi Bohemi postulaverunt a nostris ambasiatoribus in ultima nocte, dum eos visitaverunt in crastino recessuris de regno.}

(§3) Si dicis Bohemi volunt recognoscere hanc calicis communionem de neccessitate salutis non esse, nec de Christi precepto, dummodo conceditur eis, respondeo, quod {hoc non universaliter verum est, nam} si aliqui de Praga veteri hoc intendunt, tamen illi de Praga nova et multi de Praga veteri, presertim Orphani et Thaborite hoc nequaquam fatentur. Insuper dato quod predicta tandem faterentur, adhuc non negant, quin ideo hanc calicis communionem petant, quia Christi praxis et populo salubris est plus quam communicare sub sola specie panis. Hoc enim errorem omnes ipsi unanimiter affermant, /120v/ prout asserunt nostri ambasciatores de Bohemia reversi.

Insuper eciam hoc dato, quod in illo se vellent sacri concilii determinacioni subicere, quod tamen nusquam ab eis compertum est, nichilominus adhuc starent omnia pericula superius enarrata in secundo articulo scilicet generalia universo christianismo, specialia in regno Bohemie verisimiliter ex tali communione sub utraque specie proventura.

Preterea petatur a Bohemis causa et racio, propter quam ipsi petant pro laicis illam communionem calicis. Si respondent quod aliqua ex tribus radicibus in primo articulo allegatis, ibidem exponitur, quod quelibet earum est error periculosissimus, et per contrario hac ex radice non concedendus, sed pocius prohibendus talis ritus.

Si dicunt, quod ex singulari devocione, quam habent laici eorum ad hoc sacramentum, respondeo quod non apparet Bohemos ardenciori devocione fervire circa hoc sacramentum quam totam residuam christianitatis porcionem. Nam a fructibus eorum cognoscetis eos (Mt 7,20). Fructus autem spiritus sunt pax, gaudium, caritas, benignitas (Gal 5,22), castitas, continencia, dileccio proximi. Ubi est pax Bohemorum, ubi pietas et benignitas ad proximos? Opera namque carnis sunt contenciones, invidie, homicidia, furta, etc. (Gal 5,19–21). Timeo ergo, ne ipsi sumendo calicem Domini sumant calicem diaboli, quia opera carnis in eis manifesta sunt. Sic et Iudas, dum accepit buccellam, intravit in eum Sathanas. Nam terras christianorum invadunt, rapinis intendunt, homicidia perpetrant more patris eorum, qui hoimicida fuit ab inicio et in veritate non stetit. Qui dum mendacium loquitur, ex propriis loquitur, mendax enim est et pater eius (Ioh 8,44). Ipsi enim vere contra Christum sunt, quia secum non sunt. Qui, inquid, non est mecum, contra me est, et qui non colligit mecum, dispergit (Lc 11,23). In tantum enim unionem fraterne caritatis disperserunt, quod non tantum inter christianos, verum inter seipsos divisiones heresum et discordiarum, velud inimicus hominum zizania superseminavit, quia alius Taborita, alius Orphanus, alius Pragensis. Cum tamen tunica dominica inconsutilis indivisa permanebit in eternum, unum ovile et unus pastor, {Ego Pauli, ego Cephe sum, ego Christi. Numquam enim divisus est Christus? (1 Co 1,12–13)}, tanti amatores discordiarum facti sunt, ut quantum in eis est concordia, dato libello repudii, extra fines mundi exulant. Ecce fructus devocionis Bohemorum cum infinitis hodie reiectis latere Domini ceremoniis ad divinum cultum pertinentibus!

Porro devocio cuiuslibet christiani ferri debet ad Christum contentum veraciter sub utrisque speciebus integraliter, non ad species, quia scilicet sub specie panis est totus Christus, corpus virtute verborum consecracionis et ibidem sanguis in venis eius virtute concomitancie et inexistencie naturalis. Similiter sub speciebus vini est sanguis Christi virtute verborum sacramentalium, et corpus eius ex naturali concomitancia, quia sanguis non est extra venas Christi. Omnis ergo devocio, que habebitur a fideli christiano ad hoc sacramentum, non est referenda ad species sacramentales, que sunt diverse, sed ad Christum contentum integraliter sub utrisque speciebus, qui idem est utrobique. Quemadmodum secundum sanctos theologos devocio, que haberi debet ad quamlibet divinarum personarum, esse debet equalis ad singulas, quia licet sint persone distincte, earum tamen est unica bonitas divina et unica essencia, racione cuius adoratur creator a creatura.

Si dicunt, quod ideo illam communionem petunt, quia illa habita exercitus prophanos disgregare volunt et sic christianum populum reddere cautum et tutum a prosecucionibus eorum, respondeo quia aut illud possunt nunc, aut non. Si possunt, et non faciunt, ipsi rei omnium sanguinum effusorum sunt iustorum a sanguine Abel iusti usque ad novissimum ex eorum persecucione periturum. Faciant hoc nunc, antequam eis illa communio calicis concedatur, et in premium benefactorum postea eis forte concedi poterit. Si non possunt, impossibile pollicentur, et per contrarium exaudiendi non sunt. Ipsi eciam met fassi sunt, scilicet Pragenses, quod non est in potestate eorum illos exercitus de regno eorum expellere, sed facti sunt tributarii illorum capitaneorum, adeo quod quidam predicator eorum nuper eis dixit: “Attendite, quam verum vobis dudum sit predicatum, scilicet quod amplius decimas clericis solvere non debeatis. Nam ad hoc devenistis, quod novem partes de vestris bonis eis dare coacti estis, et vix decima vobis remanet, de qua vos vivere possitis”, prout ab ambaciatoribus sacri concilii audivimus.

Si dicerent, quod in virtute sanguinis Christi licite communicando ex calice daretur eis virtus dispergendi illos exercitus, respondeo quod Dominus ait: Calix sanguinis mei, qui /121r/ pro multis effundetur in remissionem peccatorum (Mt 26,28). Non dicit ʻdispersionis exercituum nephandorumʼ, insuper ostensum est superius, quod omnem virtutem, quam efficit sanguis Christi sub specie vini, eandem efficit sub specie panis, quia idem est sanguis Christi sub utraque specie, nec efficit quicquam gracie racione forme seu speciei, sed solum racione rei, que est corpus et sanguis Christi verus. Et ergo frustra petunt illam communionem calicis pro laicis ad hoc, ut disperdere valeant suos nephandos exercitus. Nam si illud venerabile sacramentum aliquam talem virtutem conferret, non minus sub unica quam sub duabus speciebus illam tribueret.

Ad argumenta in oppositum facta.

(1.) Ad primum respondet Augustinus de Ancona De ecclesiastica potestate q. 95 a. 3 ad 1, quod dictum Gregorii 114 intelligitur in eo casu, quando utrumque malum est presens in actu eligendi, tunc enim minus malum est eligendum per vitacionem maioris mali. Planum est autem, quando unum est presens et reliquum futurum, tunc illud quod futurum est, cum non sit, non sunt facienda mala, secundum sentenciam Apostoli ad Rom 3, ut eveniant bona vel ut evitentur mala, que nondum sunt. Hec ille. 115 Sed sic est in proposito, quod illud malum presens est, scilicet quod Bohemi christianos persecuntur et cum hoc communicant sub utraque specie; et cessacio a tali persecucione dubia est et incerta. Ymmo verisimiliter contrarium est verum, prout ipsi asserunt, quod adhuc concessis articulis desistere nolunt a persecucionibus secundum formam argumenti. Et sic patet contrarium. Ergo non est eis talia communio concedenda sub spe, ut cesset persecucio illa.

Insuper auctoritas beati Gregorii predicta exponitur in glossa de eadem persona, ut scilicet quando persona aliqua evadere non potest, quin inter duo mala unum eorum committat, tunc semper est minus malum eligendum, sicud Apostolus concessit nubere ad evitandam fornicacionem, 1 ad Cor 7. Cum tamen coniuges commisceri non possint absque peccato nec in causa procreacionis prolis, prout ibidem habet canon, 116 Sed sic non fecit auctorias Gregorii allegata ad propositum, quia hic loquimur de malis contingentibus inter personas distinctas, sicud sunt Catholici et Bohemi. Et sic nullus debet facere eciam minus malum, ut proximus liberetur a maiori malo. Sicut beatus Augustinus increpat Loth, eo quod exposuit duas filias suas Sodomitis, ut abuterentur filiabus eius et cessarent a peccato sodomie, Gen 19°, ubi dicit Augustinus, quod hoc compensacio flagiciorum periculosissime admittitur, di. 14 Quod ait sodomitis Loth. 117 Sed si Bohemis conceditur per hoc sacrum concilium communio laicalis calicis, grande malum committeretur, ut ipsi liberarentur a malis maioribus, ut patet ex circumstantibus illam communionem calicis periculis supradictis. Ergo hec non est concedenda racione illa. Sed dicis, quod Augustinus male reprehendit Loth, quia beatus Ambrosius eum commendet, 32 q. 7 Offerebat. Respondet glossa, quod Ambrosius consideravit pietatem, quam habuit Loth ad hospites, Augustinus vero delictum filiarum. 118 Unde nullum peccatum debet homo facere vel pro suo bono vel alterius, 23 q. 5 Cum homo. 119 Non enim vult Deus tale dampnum cum tali lucrum compensari, 33 q. 5 Si dicat. 120 Non enim debet quis crimen suum alienis commodis impendere, di. 46 Sicud non suo. 121 Preterea eciam neque pro salute alterius temporali vel eterna debet quis peccare venialiter, quia nullus perducendus est ad salutem opitulante mendacio, ut patet 22 q. 2 Faciat et c. Primum. 122 Hinc occurit, quod secundum Augustinum exponere se periculo mortalis peccati mortale est, eciam si opus bonum sit. Sed concedere laicis bohemis communionem calicis est eos exponere periculis multorum peccatorum mortalium, ut dictum est. Ergo peccatum esset hoc eis concedi.

(2.) Ad secundum: Concedere rem licitam non est malum. Respondeo, quod communicare laicos sub utraque specie de per se non est illicitum, sed ex circumstanciis prelibatis non potest Bohemis esse licitum, prout deducit prima racio post conclusionem responsalem posita.

(3.) Ad tercium ad minorem dicendum, quod si Bohemi dampnabuntur, nisi concedatur eis ista communio, non stat per universalem ecclesiam, que eos iam sufficienter instruxit de racionibus, cur eam appetere non debent, et quod tanto tempore erraverunt, quia false crediderunt illam communionem calicis cadere sub precepto Domini et esse de neccessitate salutis. Credant ecclesie, extra quam salvari non possunt, et salvi fient. Nam ante eos sicud ante quemlibet hominum vita et mors, et quamcumque voluit homo, dabitur ei, etc. /121v/

(B) Quantum ad secundum, qualiter cum Bohemis sit procedendum, ut reducantur et persequi cessent christianismum, respondeo, quod circa hoc varie concepi.

(1.) Primo et principaliter ad divina presidia confugiendum. Nam ecclesia fecit, quod debuit: Errores Bohemorum in Constancia condempnavit, gladium materiale per exercitus plurimos contra eos destinavit, nunc ad concilium generale Basiliense eos advocavit, ipsos audivit, eorum errores confutavit, sufficienter instruxit et ambaxiatores suos sollempnes eis direxit, unionem cum ipsis concupivit, sed nondum profecit. Restat nunc ad eum confugere, qui ait: Sine me nichil potestis facere (Ioh 15,5). Quemadmodum enim fides catholica miraculis crevit et fundata existit, ita sepius in perfidis miraculis recuperata dinoscitur. Nec obstat, si peccatores sumus, quoniam eciam per malos sicud per Caypham prophetat Spiritus sanctus, 123 et per malos sicud per Iudam miracula fecit. 124 Non enim in merito facientis, sed ad probandam fidei sue veritatem miracula fecit Dominus, ut sepius, ut patet Mc 7°. Unde exempla antiquorum patrum adducamus et videbimus, quod raro disputacionibus aut bellis hereses {potentes sicud bohemica est} extincte leguntur, sed miraculorum sequelis partibus arbitrantibus.

Accedit primum exemplum beati Silvestri, qui congregato generali concilio in Roma, in quo interfuerunt 45 episcopi. Et postquam beatus Silvester presente Constantino diu cum Iudeis disputasset et Zamri victum se fateri nollet, accesserunt ad miraculum, ut quia Zamri thaurum mortuum suscitare non poterat, quem tamen beatus Silvester suscitavit. Ideo miraculo isto viso conversi sunt ad Dominum. 125

Secundum sit exemplum magis nobis coetaneum anno Domini 1352 (!) congregata est quarta universalis synodus Calcedonensis, ubi postquam patres diu disputaverunt cum hereticis nestorianis nec se victos recognoscere vellent, dixerunt orthodoxi: Scribamus in carta fidem et vos in alia fidem vestram et ponamus eas cum sigillis nostris super corpus sancte Euphemie et firmemus sepulchrum coram imperatorem, et oremus Deum nos secundum fidem nostram et vos secundum fidem vestram, ut Deus manifestat nobis veram fidem. Quo facto ieiunaverunt orthodoxi et oraverunt septem dies. Post hoc inerunt omnes cum imperatore ad sepulchrum. Qui aperientes invenerunt sanctam tenentem cartam orthodoxorum in manu sua, carta vero hereticorum erat deiecta sub pedibus eius. Ex quo patet quod iniuriam Deo facimus, qui post disputacionem cum Bohemis habita ad divina presidia talia non confugimus, ut divino miraculo reducti fuissent, qui disputacionibus vinci non potuerant. 126

Tercium sit exemplum, quod dum beatus Dominicus contra hereses albigicenses diu disputasset et iudices inter se discrepassent, hec fuit sentencia iudicum, ut libelli utriusque partis proicerentur in ignem, et qui libellus ab igne non combureretur, illam veram fidem iudicarent. Libellus hereticorum statim, ut proiectus est in ignem, combustus est, libellus vero beati Dominici ter proiectus in ignem illesus exilivit. 127 Sic et nos iam deinceps ita facere convenit, ut articuli Bohemorum et nostri in diversis conscribantur cedulis, ponantur super sacramento benedicto Christi corporis, oremus et ieiunemus omnes divinam revelacionem prestolantes. Nec deerit divine beatitudinis clemencia, quin ostendet ecclesie sue sponse sue voluntatis beneplacita. Sic enim ipse promisit sacro generali concilio: ‘Ubicumque fuerint duo vel tres congregati in nomine meo, de quacumque re pecierint patrem, fiet eis’ (Mt 18:19–20). Postulemus ergo a Deo in fide nichil habitantes, et Dominus cooperabitur nobis sermonem fidei sue confirmando sequentibus signis.

(2) Alia via: Si forte, quod absit, nec credo, misericors Dominus miraculum denegaret, et Bohemi uniri velint cum catholica ecclesia, extra quam salus non est, tunc ad hanc unionem duo sunt neccessaria, antequam quicquam eis concedatur aut offeratur.

(2.1) Quorum primum est penitencia perfecta de preteritis commissis erroribus et maleficiis. Secundum est confessio nobiscum eiusdem catholice veritatis. Quantum ad primum oportet quemquam abscisum, sicut sunt Bohemi ab unione et fide ecclesie, si vere reintegrari desiderat, penitere. Unde beatus Augustinus ad Rogatistas, in epistula ad Vincencium Rogatistam, et assumitur 23 q. 7 Quemadmodum, ibi dicit: Sed hoc est, inquiunt, quod nos movet. Si iniusti sumus, quare nos queritis? Quibus respondemus: Querimus vos iniustos, ne permaneatis iniusti, querimus perditos, ut de invenitis gaudere possimus, dicentes: Mortuus erat frater noster et resurrexit. Perierat /122r/ et inventus est. Quare ergo me, inquid, non baptizas, ut me abluas a peccatis? Respondeo: Non facio iniuriam caracteri imperatoris, cum errorem corrigo desertoris. Quare aput te penitenciam non agis, ymmo nec egeris, salvus esse non poteris. Quomodo, inquid, gaudebo te esse correctum, nisi doleas te fuisse perversum? Hec ille. 128 Cui eciam alludit sanctus Ambrosius libro de officiis, 23 q. 4 Est iniusta. 129 Non est, inquid, absolvendus latro ob deprecantis coniugis et filiorum lacrimas, in quo latrocinandi adhuc apparet affectus. 130 Multo enim melius est tales pro manifestis fidei hostibus cognosci, quam in domum ecclesie cum eodem affectu intromitti. Quanta sunt pericula in domestico hoste, patres nostri sciverunt, qui nobis mandaverunt, ut hereticum hominem tamquam perniciosissimum infectivam pestem fugere debemus. Non sunt itaque ad ecclesie unitatem admittendi, qui eam corde non desiderant. Et tanto periculosior esset Bohemorum palliata unio, quanto hec pestis cancrosa materiam – proh dolor – aptam pene undique invenimus plus se dilatare posset.

Si dicis, Bohemi, eciam si corde peniteant, verecundantur tamen se ostendere penitentes nec acceptarent penitenciam saltem rigorosam, respondeo, quod in hoc casu ad parcendum multitudini rigor mitigandus foret. Agit enim ecclesia ut pia mater et arbor fecunda, que se feriendi in cortice permittit, ut absconsus succulus in vulvus reinfigatur et coalescat, ut scribit Augustinus et habetur 23 q. 4 Ipsa pietas § Inquiunt. 131 Ymmo ut reducantur, possunt Bohemis dimitti, ut absque satisfaccione temporali, quantum ecclesie auctoritas valet, eis indulgeatur: primo divina offensa in sacramenta, in sanctos et eorum ymagines, in templa et ecclesias commissa; secundo occisio monachorum, monialium, presbyterorum et innumerabilium christianorum; tercio rapine bonorum ecclesiasticorum et illicita possessio eorundem tolleranda; {per hoc alliciuntur tirranni, qui bona ecclesiastica habent nec converti volunt, ne restituere cogantur, qui pocius hoc exigunt, quod quicumque articulorum concupiscant}; quarto absque nota singularis signi, sicud solent heretici insigniri, possunt recipi ad unionem ecclesie Christi. Et vere si hec fiant, magna sunt et pietatis immense indicia et ad penitenciam eo inductiva, nisi sint de nummero illorum, quibus ait Dominus: Propterea dixi vobis, moriemini in peccatis vestris (Ioh 8,24).

(2.2.) Secundum, quod dixi neccessarium, si Bohemi ab hoc sacro concilio ullam optant unionis graciam, est confessio uniformis, ut scilicet omnia, que nos in ecclesia catholica laudamus, ipsi laudent, que vituperamus, ipsi vituperent, que dampnamus, ipsi dampnent. Acceptent concilia generalia, presertim Constanciense, et dampnent nobiscum Wicleff, Huss et Ieronimum. Unde Ambrosius, cum in concilio Aquiliensi obiceret Palladio: ʻHereticus esʼ, et Palladio negaret, dixit: ʻDampna Arrium nobiscum! Quem si non dampnas, Arrianus et per consequens hereticus esʼ. 132 Scribit eciam Gelasius papa ad omnes orientis episcopos: Complices sectatores communicaturos dampnate semel pravitatis pari sorte censentur. 133 Et hec confessio uniformis tam est essencialis ad unionem, quod nec interpretacionem nec immutacionem capere potest. Unde in omnibus conciliis generalibus patres congregati nobis formam catholice unionis reliquerunt, scilicet ut preexposita fides catholica subsequeretur dampnacio hereticorum, qui ab eadem sic exposita deviarunt. Ita in Nicena, ita in Constantinopolitana, ita in Calcedonensi, et sic successive per omnia universalia concilia ac certa eciam particularia legimus factum. Unde nisi Bohemi has omnes simul, qui fuerunt synodos universales, nobiscum profiteantur, uniri nullomodo possunt. Concipiendum ergo est iuxta diffinicionem sacrorum preteritorum conciliorum universalium scriptum thomum sive epithoma, in quo extensa fides catholica cum anathemate et dampnacione hereticorum omnium habeatur et mittendum est Bohemis, ut ipsi videant, quod unio catholica non ita in verbis obscuris, sicud ipsi in sua cedula {capciosissima} scribant, sed in apertis et claris fieri habet, ut vera fides cum aperta caritate acceptetur. Posset autem Bohemis concipi et scribi forma brevis ad instar sicud sanctus Gregorius, qui delatus fuit Theodolinde regine Longabardorum (!), que fuit filia regis Bavarie sancta et devota, quod non bene sentiret in fide. Unde scribit: Quorundam nos etc. Nos enim veneramur sanctas synodos Nicenam, in qua Arrius, Constantinopolitanam, in qua Macedonius, Ephesinam, in qua Nestorius atque Dioscurus, Calcedonensem, in qua Euthices dampnatus est, profitentes quod quisque aliter sapit quam synodi, a fide veraciter est alienus. Dampnamus autem quoscumque dampnant, et quoscumque absolvunt, absolvimus sub anathematis interposicione, ferientes eum, qui quicquid addere vel adimere ab ipsis presumit. 134 Et subiungit: Quoniam hec est vera professio in soliditate Petri fundata, /122v/ et ubi hec professio non est, ibi ad instar sicud rami sine radice arescunt. Ita et opera quantumcumque bona videantur, nulla sunt, quantum a soliditate fidei disiunguntur. 135 Et secundum illam formam addantur alia concilia, que hodie sunt in professione Romani pontificis, et ultimo extense concilium Constanciense, et est bona forma. 136

Sic ergo videndum est, si Bohemi peniteant, si prescriptam professionem facere velint nobiscum, ex tunc uniri poterent nobiscum, alioquin nequaquam. Hucusque quo ad penitenciam non percepimus eos penitere de male actis, ymmo gloriantur de rebus pessimis et letantur cum malefecerint. Nec nobiscum profitentur, que nos profitemur, scilicet concilium Constanciense, quod conventiculum hereticum dicunt fuisse, nec dampnant Iohanem Wicliff, Iohannem Huss et Ieronimum eorum heresiarchas, quos illud concilium dampnavit. Ymmo in presencia ambasiatorum huius concilii Basiliensis diem incineracionis Iohannis Huss per modum summe sollempnitatis celebraverunt sub officio unius martiris. Nec petunt illam communionem ex privilegio seu indulgencia, sed optinere eam volunt violenta et armorum impetus insania. Nec volunt uniri simpliciter cum ecclesia, sed cum illa condicione, si libertetur eis communio ista, alioquin nequaquam. Ecce quam disparia sunt ista ab illis duobus predictis ad unionem requisitis. Ideoque estimo nichil posse concedi eis, nisi depositis tyranidibus revertantur ad gremium matris ecclesie.

(3.) Sed diceres, que est practica cum eis servanda, ut induci valeant ad predicta facienda? Respondeo, quod hoc modo fieri posset: Dirigantur ad eos ambasiatores concilii, aut vocentur huc Bohemi in numero competenti {de qualibet secta et de qualibet civitate aliqui} et informentur nomine sacri concilii: Primo quomodo erraverunt circa istos quatuor articulos multipliciter propter variam et variam eorundem numeracionem, quam ipsi novissime fecerunt et prius sepius ostenderunt, et nunc aliter verbo aliter scripto tradiderunt ambasiatoribus sacri concilii. Cum tamen fides sit una sicud unum baptisma secundum Apostolum, et qui credit, quod wult, et non credit, quod non wult, nec subicit se in materia et modo credendi auctoritati sacre scripture secundum interpretacionem ecclesie, non habet fidem cuiuscumque articuli, nec habitum fidei, sed opinionem tantum de aliquibus articulis ad libitum sue proprie voluntatis, secundum doctrinam sancti Thome 2ae q. 3 art. 3. 137

Secundo, ne ipsi iterum querulari habeant, quod concilium eos informare noluerit, et nos obliti sumus reddere racionem omni poscenti de ea que in nobis est fides (cf. 1 Petr 3,15), ponantur articuli eorum in forma catholica adiuncto anathemate contra omnem hominem contrarium illius determinacionis credentem, ut qui nulliter vel non taliter credit, prout sacra synodus diffinivit, anathema sit. Et sit ista vel conformis in sentencia:

Circa primum articulum de possessione et dominio clericorum hoc credere vel non discredere est ad salutem neccessarium, scilicet, quod clerici tempore legis gracie non debent abuti rebus ecclesie, sed possunt res temporales possidere et dominium illarum rerum ut dispensatores fideles gerere et habere secundum disposicionem Domini in vetere testamento, ubi clerici erant reges et duces, aliique locupletes, sicud Melchisedech, Abraham, Judas et Symon Machabei, et alii multi. In novo iubet Dominus testamento nudos vestire, esurientes pascere, vocat prelatum fidelem servum et prudentem, quem constituit Dominus super familiam suam, ut det illis in tempore tritici mensuram (Lc 12,42). Iubet Petrum oves pascere, scilicet pabulo doctrine, exemplo vite et temporalis subsidii, secundum beatum Augustinum. 138 Apostolus eciam iubet presbyteros hospitales esse. Que et alia multa ostendunt clerum dominium temporalium rerum habere posse et debere.

Circa articulum secundum, scilicet de correccione peccatorum, credant, quod omnia peccata mortalia et presertim publica sunt per prelatos et prefectos proprios cuiuslibet gentis eliminanda et reformanda seu corrigenda, quantum hoc potest absque sequela alterius mali commode et honeste fieri. Alioquin, sicut Deus in universo permittit varia mala, que subito delere posset, ita et prefecti licite aliqua enormia permittunt in re publica, ne illa tollendo eveniant alia mala et tollantur multa bona. Sic enim beatus Augustinus inquit: Tolle lupanaria et totum mundum implebis libidinibus. 139 Ita et Dominus docuit zizania non eradicanda, ne forte simul cum hiis eradicaretur et triticum (cf. Mt 13,29).

Circa tercium articulum de predicacione Verbi, quod quicumque ydoneus levita aut sacerdos se potest probare missum a Deo vel sufficienti ad hoc prelato, debet admitti ad predicacionem verbi Dei horis et locis debitis secundum Apostoli sentenciam: Quomodo predicabunt nisi mittantur? (Rm 10,15), ne si passim quilibet ubilibet predicare vellet, confusiones multe in populo fierent, et quilibet falcem in messem cuiuslibet mittere attemptaret, sed pocius omnia honeste et secundum ordinem fiant in vobis, prout hortatur Apostolus (1 Cor 14,40). /123r/

Circa quartum articulum, quod communicare laicos sub utraque specie non debent ipsi appetere tum primo, quia hoc non est de neccessitate salutis, tum secundo, quia non tribuitur gracia singularis, que non datur communicanti sub specie panis, tum tercio, quia tanta debet esse reverencia circa hoc sacramentum, quod precaveri debet periculum effusionis et distillacionis, que difficulter precaventur, si ad infirmos communio calicis portetur, si tremulis et laicis passim ministretur, tum quarto ad precavendos errores, quibus nonnulli decepti non crediderunt esse sanguinem Christi sub specie panis. Et ita de similibus, {ut probatum est.}

Si dicis: Tamen Dominus ita instituit et nichilominus ipse pericula futura previdit. Respondeo: Ipse ostendit, quod ita communicare sub duplici specie et conficere solis presbyteris precepit dicens: Hoc facite in meam commemoracionem (1 Cor 11,24). Unde sanctus Thomas: Sic sacrificium istud instituit, cuius officium committi voluit solis presbyteris, quibus sic congruit, ut sumant et dent ceteris. 140 Nichilominus in manibus ecclesie reliquit, qua Spiritus Sanctus omnem veritatem docuit, quod si ista communio propter populi inerciam in deteriorem partem vergeret, ipsa circa illam pro salute fidelium, quod opportunum foret, disponeret. Unde statutum licitum et iustum, si in noxam verserit, papa sacro generali concilio iuste et sancte destituit, quemadmodum tempore Moysi Dominus precepti fieri serpentem eneum. Et post multorum annorum curricula, tempore Ezechie regis Iuda, dum filii Israel inportune instarent, quod traderet eis illum serpentem, volentes ei latriam exhibere, eo quod patres eorum a morte liberasset, videns rex providus, quod in noxam vergebat, quod Dominus in salutem eis tradiderat, maturo prehabito consilio, serpentem destruxit penitus. Ita in proposito ecclesia 141 de communione fecit calicis, quia multa pericula effusionis et heresis ex ea orta sunt in populis, provide subtraxit illam communionem laicis.

(4.) Ipsis sic instructis ammonendi sunt, quomodo pro defensione suarum, ut dicunt, veritatum, sed in veritate falsitatum, ipsi infinitum sanguinem christianorum hominum fuderunt, innocentes occiderunt, presbyteros, monachos et sanctimoniales extinxerunt, divinum cultum in regno Bohemie et vicinis partibus penitus annullaverunt, Dei et sanctorum in contumeliam, templa, altaria, sacramenta, sanctuaria, ymagines sanctorum destruxerunt etc. similia, adeo quod vix credibile est toto in christianismo esse regnum, in quo tot infra annos paucos enormia commissa sunt scelera sicud in regno Bohemie, et ipsi pro articulo habent, quod omnia peccata mortalia publica sunt exterminanda et inter eos vigent publica commissa. Tu enim, qui predicas non furandum, furaris. Et dicatur eis, quomodo indubie sanguinem servorum suorum Dominus ulciscetur (Dt 32,43), qui cum acceperit tempus, iusticias iudicabit (Ps 74,3). Etenim nisi conversi fueritis, gladium suum Dominus vibrabit, arcum suum tetendit et paravit in eo vasa mortis (Ps 7,13sq.) et mors peccatorum pessima (Ps 33,22), quia peribunt morte secunda. Avisentur tamen, quod vere peniteant et misericordiam Dei et ecclesie petant neque desperent, Domino teste, in quacumque hora ingemuerit peccator, omnium peccatorum suorum non recordet amplius 142 et promitatur eis plena indulgencia de preteritis cunctis, dummodo doleant et caveant de futuris. Addatur alia eis indulgencia, scilicet de rapinis non repetendis, ut supra. Et sic inducantur in gremium ecclesie, extra quam salus non potest esse, sicud nec hominibus extra archam Noe diluvii tempore.

Si dicis: Hec omnia non proderunt, ut reducantur Bohemi. Respondeo: Forte nondum consumatum est malicia eorum, nec restat aliud, nisi quod hoc sacrum concilium aufferat causam tantorum flagellorum, scilicet deformacionem status ecclesiastici in capite et membris exactam statuendo reformacionem. Nam nisi ita fiat, dubitandum, quod nequaquam auffert Deus flagellum Bohemorum. Manente enim causa manent et effectus. Nisi enim penitenciam egeritis, omnes simul peribitis, Luce 13 (3). Facta reformacione et causa sublata speremus, quod non relinquet Dominus virgam peccatorum Bohemorum super sortem iustorum christianorum. Et congregemur contra eos, auxilium de celo prestolantes, ipso annuente: Isarel, si in viis meis ambulasset et mandata mea custodisset, pro nichilo forsitan inimicos eorum humiliassem et super tribulantes eos misissem manum meam (Ps 80,14sq.). Et iterum: Si conversa fuerit gens ista et egerit penitenciam, agam et ego penitenciam super malo, quod cogitavi facere eis (Jer 18,8). Alioquin valde dubito, ne eveniat nobis sicut Egipciis, qui, quia prima Dei flagella non adverterunt, induratum est cor pharaonis, /123v/ tandem animadvertens conscius futurorum Deus nullam in eis emendacionem futuram, exterminavit eos in mari rubro, adeo quod unus ex illis non remansit, sed descenderunt in profundum quasi lapis. Ita Hussite nos iam annis multis pene 20, Deo ulciscente, tribulant, nec emendacionem Dominus comperit, Penset quilibet, quid a nobis Dominus velit, aut quid futurum sit de nobis. Maledixit enim ficui quam annis tribus exspectavit nec fructum promiit. Ergo ab arbore fici sumite parabolam, dicit Dominus. 143 Etc.

1

Den ausführlichen Bericht der Zeremonie hielt der Notar der Basler Konzilsgesandtschaft Jean de Tours fest: Johannis de Turonis Actorum in legationibus a sacro concilio in Boemiam. Ad fidem codicis autographi bibliothecae imperialis Parisiensis Nr. 1577 (olim Baluziani Nr. 584), in: E. Birk (Hg.), Monumenta Conciliorum Generalium Saeculi Decimi Quinti (im folgenden mcg) I, Wien 1857, 820f. Die Verhandlungen, die zu den Iglauer Verträgen führten, schildert detailreich F. Šmahel, Die Hussitische Revolution, aus d. Tschech. übers. von T. Krzenck, red. v. A. Patschovsky, Hannover 2002 (= SMGH 43/I–III), hier III, 1641–1690.

2

Deinde exhibuit idem Waluar literas executorias conpactatorum …, per quarum tenorem Boemi suscipiebant unitatem ecclesiasticam, faciebant pacem, etc. mcg I, 820.

3

Deinde exhibuit ipse Waluar nomine Boemorum quoddam mandatum sub sigillo regni, quo constituti erant certi sacerdotes ad prestandum obedienciam, quod fuit publicatum et lectum. Et illo lecto quatuor sacerdotes conparuerunt, qui obedienciam in manibus dominorum legatorum secundum formam conscriptam prestiterunt; et post hec in manibus Rokssan dicti sacerdotes tetigerunt, recognoscentes illum pro archiepiscopo, qui solum per populum aut partem fuit nominatus, et non electus nec confirmatus. mcg I, 820f.

4

Quilibet cum fletu pre gaudio reversus ad domum suam pro prandio. Et eciam dominus imperator cum comitiva sua pedes ambulavit, quod non visum fuerat ante x annos, et flevit pre gaudio; similiter regina presens in actu. Super hoc factum fuit instrumentum, prout scribitur in codice literarum. mcg I, 821.

5

mcg I, 821.

6

Heri vovistis obedienciam canonicam, hodie violatis; quid est hoc? Thomas Ebendorfer, Diarium sive Tractatus cum Boemis (1433–1436), hg. v. H. Zimmermann, Hannover 2010 (= mgh.srg, n.s. 25), 271.

7

Vgl. J. Válka, Sigismund und die Hussiten, oder: Wie eine Revolution beenden?, in: K. Hruza/A. Kaar (Hg)., Kaiser Sigismund (1368–1437). Zur Herrschaftspraxis eines europäischen Monarchen, Wien (u.a.) 2012 (= fkpg 31), 21–56; W. Eberhard, Der Weg zur Koexistenz. Kaiser Sigmund und das Ende der hussitischen Revolution, in: Bohemia 33 (1992) 1–43.

8

Šmahel, Hussitische Revolution iii (wie Anm. 1), 1641–1690 (Die Iglauer Kompaktaten).

9

Compactata, impressa Nurnbergae Die 18. Mensis Iunii Anno a nativitate Virginei partus MD Decimo octavo, Ioan. Mantu. Pelsnensis. 6 folia. Zu Johannes Mantuanus Fencl (Pelsnensis) vgl. M. Šváb, Jan Mantuán-Fencl jako typ českých tiskařů 15. a 16. století, in: Védecké informace ZKčsav, suplement 1 (1970) 4–23; P. Voit, Role Norimberku při utváření české a moravské knižní kultury první poloviny 16. století, in: Documenta Pragensia 29 (2010) 389–457, hier 402–407.

10

F. Palacký (Hg.), Archiv ceský čili staré písemné památky české i morawske iii, Prag 1844, 398–410. Eine deutsche Übersetzung findet sich bei J. Gill, Konstanz und Basel-Florenz, Mainz 1967 (= gök 9), 400–404.

11

quae inter generalem congregationem incliti regni Boemiae Pragae habitam circa festum sancti Martini anni domini 1433 et nos legatos dicti sacri concilii fuerunt facta, concordata et conclusa et manuum stipulatione firmata. Compactata (wie Anm. 9), fol. A iv.

12

In nomine Domini nostri Ihesu Christi. Haec quae infra scripta sunt per gratiam sancti Spiritus concordata sunt inter legatos sacri generalis concilii Basiliensis et generalem congregationem incliti regni Boemiae et Marchionatus Moraviae in civitate Pragensi. Compactata (wie Anm. 9), fol. A iir; identisch mit Kompaktaten, hg. v. Palacký (wie Anm. 10), 398–404.

13

Die Textform folgt der sog. Forma trium articulorum, die in Basel am 5. September 1433 als Ergebnis einer Kommission formuliert wurden. Siehe dazu auch unten Anm. 58.

14

In nomine domini nostri Jhesu Christi, qui est amator pacis et unitatis populi christiani. Hec quae sequuntur concordata sunt super aliquibus difficultatibus exortis in et super capitulis pro pace et unitate nuper oblatis et concordatis. Compactata (wie Anm. 9), fol. A ivr; identisch mit Kompaktaten, hg. v. Palacký (wie Anm. 10), 405f.

15

Item dixerunt dicti legati sacri concilii quod iudex ille, qui nominatus et expressatus fuit in concordatis in Egra, fuit, est et erit iudex in omnibus credendis et agendis in ecclesia sancta Dei. Et secundum illud sacrum concilium procedere intendit in omnibus Spiritus sancti gratia assistente. Compactata (wie Anm. 9), fol. A ivr; Kompaktaten, hg. v. Palacký (wie Anm. 10), 405.

16

Vgl. die jüngsten Arbeiten zu den Kompaktaten durch: F. Šmahel, Basilejská kompaktáta. Příběh deseti listin, Prag 2011 (= Knižnice Dějin a současnosti 45); F. Šmahel, Basilejska kompaktata, jejich zpisemneni a ratifikace (Die Basler Kompaktaten, ihre Abfassung und Ratifizierung), in: Studia mediaevalia Bohemica 1 (2009) 187–229; K. Hruza, Der Codex 4557 der Österreichischen Nationalbibliothek. Herausragendes Beispiel einer hussitischen Sammelhandschrift, in: Codices Manuscripti 26 (1999) 3–31; Ders., Liber Pauli de Slauikouicz. Der hussitische Codex 4937 der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien und sein ursprünglicher Besitzer, in: Handschriften, Historio-graphie und Recht. Winfried Stelzer zum 60. Geburtstag, hg. v. G. Pfeifer, Wien – München 2002 (= miög Erg 42), 128–152; J. Válka, Kompaktáta a Kapitulace. Charta stavovských svobod?, in: Časopis Matice moravské 129 (2010) 19–43, sowie den Sammelband Z. Jaroš (Hg.), Jihlava a Basilejská Kompaktáta, 26.-28. červen 1991. Sborník příspěvků z mezinárodního sympozia k 555. výročí přijetí Basilejských kompaktát, Iglau 1992; W. Eberhard, Konfessionsbildung und Stände in Böhmen, München – Wien 1981 (= vcc 38), hier 41–46 (Nachrevolutionäre Koexistenz und bleibende Fronten. Die Kompaktaten).

17

S. Sudmann, Das Basler Konzil. Synodale Praxis zwischen Routine und Revolution, Frankfurt a. M. 2005 (Tradition – Reform – Innovation 8), 45–169.

18

Julianus Cesarini, Epistola synodalis de conuocacione Bohemorum ad concilium, in: Johannes de Segovia, Hystoria gestorum generalis synodi Basiliensis, Liber I, cap. 23, mcg ii, 38–40, hier 38.

19

Julianus Cesarini, Allocucio sancte synodi Basiliensis ad oratores regni Bohemie (10. Januar 1433), in: Johannes de Segovia (wie Anm. 18), Liber iv, cap. 9, mcg ii, 299–316, hier 308: Vos, cum errare possitis, iudicium vestrum humiliter more patrum vestrorum semper michi submittite, quam experiencia teste constat errare non posse, me dispensatricem misteriorum suorum reliquit Dominus, constituitque super omnem familiam suam, ut dem in tempore tritici mensuram.

20

Diese beiden Seiten der böhmischen Friedensverhandlungen – die religiöse, welche in den Kompaktaten vorliegt, und die politische, wofür man die “Kapitulationen” festsetzte, in denen die ständischen Freiheiten des böhmischen Adels geregelt wurden, stellte Josef Válka treffend heraus: Válka, Kompaktáta (wie Anm. 16).

21

Den Text der Vereinbarungen von Eger überliefert Johannes v. Ragusa, Tractratus de reductione Bohemorum, in: mcg I, 219–220; vgl. dazu den Sammelband: Soudce smlu­vený v Chebu. Sborník príspevků prednesených na symposiu k 550. výrocí, Olomouc 1983; A. Molnár, Chebský soudce, Cheb 1982; Šmahel, Hussitische Revolution iii (wie Anm. 1), 1541–1544.

22

So die Punkte 1-3 des “Richters von Eger”.

23

Überblicke zu den Basler Böhmenverhandlungen: T. A. Fudge, The Hussites and the Council, in: M. Decaluwe/T. Izbicki/G. Christianson (Hg.), A Companion to the Council of Basel, Leiden 2017 (= Brill’s Companions to the Christian Tradition 74), 254–281; G. Christianson, Church, Bible, and Reform in the Hussite Debates at the Council of Basel, 1433, in: C. M. Bellitto/D. Z. Flanagin (Hg.), Reassessing Reform. A Historical Investigation into Church Renewal, Washington D.C. 2012, 124–148; J. Helmrath, Das Basler Konzil 1431–1449. Forschungsstand und Probleme, Köln u.a. 1987 (= khab 32), 353–372; P. de Vooght, La confrontation des thèses hussites et romaines au concile de Bâle (Janvier-Avril 1433), in: RThAM 37 (1970) 97–137, 254–291; E. F. Jacob, The Bohemians at the Council of Basel, 1433, in: R. W. Seton-Watson (Hg.), Prague Essays, Oxford 1949, 81–123 (ND Freeport 1969); A. Krchňák, Čechové na basilejském sněmu (Tschechen auf dem Konzil zu Basel), Svitavy 21997 (= sacr 92); J. Kejř, Česká otáztka na basilejském koncilu, in: Husitský Tábor 8 (1985) 107–132; Šmahel, Hussitische Revolution iii (wie Anm. 1), 1531, Anm. 143; L. K. Hofman, Husité a koncilium Basilejské v letech 1431 a 1432, in: Český časopis historický 7 (1901) č. 1, 1–13; č. 2, 142–162; č. 3, 293–309; č. 4, 408–415; J. Prokeš, List koncilu basilejského Compulit nos caritas” z 15. října 1432 a jeho obrana, in: čmm 50 (1926) 651f.; P. Čornej, Velké dějiny zemí koruny české (Die großen Geschichten der Länder der tschechischen Krone), vol. V: 1402–1437, Prag 2000.

24

Die wichtigsten Texte wurden im ersten Band der Monumenta Conciliorum Generalium saeculi decimi quinti von der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien ediert: Johannes v. Ragusa, Tractatus quomodo Bohemi reducti sunt ad unitatem ecclesiae (mcg I, 133 286); Peter Zatec, Liber diurnus de gestis Bohemorum in concilio Basileensi (mcg I, 287–357); Gilles Charlier, Liber de legationibus concilii Basiliensis pro reductione Bohemorum (mcg I, 359–700); Jean de Tours, Regestrum actorum in legationibus a sacro concilio in Boemiam (mcg I, 785–867), und schließlich das Dossier des Thomas Ebendorfer, Diarium (wie Anm. 6).

25

S.o. Anm. 21.

26

Als die Basler Gesandten im Sommer 1433 nach Prag zogen, zeigte man ihnen dort besagte Briefe, wobei die Adressaten beschämt den Propagandagehalt derselben anerkennen mussten, als sie mit den Basler Gesandten sprachen: Item quod nuncii eorum ex Basilea scripserant ad regnum, se in disputacionibus fuisse victores super quatuor articulis suis, de quo ipse Johannes <sc. Palomar> habuerat quandam ex eiusmodi litteris ad manus suas. mcg ii, 431.–… et quia abstulerat famam dispersam in regno, tanquam vicissent in disputacionibus… . mcg ii, 432.

27

Der zehnköpfigen Gesandtschaft gehörten neben Montjeu an: Peter v. Schaumberg, Bischof von Augsburg, Johannes Palomar, Auditor Sacri Palatii, Friedrich v. Parsberg, Domprobst von Regensburg, Gilles Carlier, Dekan v. Cambrai und Theologieprofessor, Andrew Sparrow, Archidiakon von Salisbury, Thomas Ebendorfer, Theologieprofessor aus Wien, Heinrich Toke, Kanonikus aus Magdeburg, Martin v. Berruyer, Dekan von Tours und Johannes, Abt von Maulbronn. Siehe die Liste in Aegidius Carlerii, Liber de legationibus (wie Anm. 24), 361. Carlier hält fest, dass mit der Gesandtschaft eine möglichst breite Repräsentativität der ecclesia universalis erzielt werden sollte: … scilicet duo episcopi et octo alii, quatuor magistri in theologia, duo de Francia, duo de Alamania, unus utriusque juris doctor de Anglia, auditor legati, prepositus Ratisponensis scilicet et dominus Johannes de Mulbrun. mcg I, 361. Die Verhandlungen dieser ersten Gesandtschaft sind dokumentiert ebd. 361–377, die dazugehörigen Texte und Reden ebd. 378–445; vgl. Thomas Ebendorfer, Diarium (wie Anm. 6), 22–78. – Zum Aufenthalt dieser ersten Basler Gesandtschaft in Prag: F. Šmahel, Pax eterna et interna. Vom Heiligen Krieg zur erzwungenen Toleranz im hussitischen Böhmen (1419–1485), in: A. Patschovsky/H. Zimmermann (Hgg.), Toleranz im Mittelalter, Sigmaringen 1998 (VuF 45), 22–273, hier 252f.

28

Thomas Ebendorfer, Diarium (wie Anm. 6), 79–104.

29

Aegidius Carlerii, Liber de legationibus (wie Anm. 24), 446–471, die dazu gehörigen Dokumente und Verhandlungsentwürfe ebd. 472–504. Vgl. auch den Bericht in Ebendorfers Diarium (wie Anm. 6), 105–117; der Wiener Professor gehörte allerdings der zweiten Gesandtschaftsreise nicht persönlich an.

30

Die dritte Legationsreise ist dokumentiert bei Aegidius Carlerii, Liber de legationibus (wie Anm. 24), 505–523; vgl. Ebendorfer, Diarium (wie Anm. 6), 118–145 und 146–150. Es war eine umfangreiche, zwölfköpfige Gesandtschaft, der neben den zehn Experten aus der ersten Legation auch Propst Tilman aus Koblenz St. Florini und der Basler Dominikanerprior Johannes Nider angehörten.

31

Thomas Ebendorfer, Diarium (wie Anm. 6), 151–211; vgl. Aegidius Carlerii, Liber de legationibus (wie Anm. 24), 524–618, die dazu gehörigen Texte ebd. 619–673 (= Quarta legacio).

32

Ebendorfer, Diarium (wie Anm. 6), 216–240; Aegidius Carlerii, Liber de legationibus (wie Anm. 24), 674–700 (= Quinta legacio). Der Liber de legationibus des Gilles Charlier endet mit der Rückkehr Martins v. Berruyer und vermutlich auch Gilles Charliers nach Basel am 22. Februar 1436.

33

Thomas Ebendorfer, Diarium (wie Anm. 6), 241–281.

34

Fudge (wie Anm. 23), 277. Das Dekret Ut lucidius vom 21. Dezember 1437 ist ediert in cogd ii/2 1035f., bzw. Mansi 29, 158f. Darin wird festgehalten, dass der gesamte Christus in jeder der beiden Gestalten vollkommen enthalten ist und dass die Kirche den Ritus des Kommunionempfangs nach Angemessenheit festsetzen darf.

35

Ad examinandum et expediendum materiam Bohemorum cum domino legato fuerunt nominati … et intersint qui volunt interesse. ConBas ii, ed. J. Haller, Basel 1897, 463.

36

Zum letzten der Hussitenkreuzzüge: M. Whelan, Walter of Schwarzenberg and the Fifth Hussite Crusade reconsidered (1431), in: miög 122 (2014), 322–335.

37

S.o. Anm. 26.

38

C. Kleinert, Philibert de Montjeu (ca. 1374–1439). Ein Bischof im Zeitalter der Reformkonzilien und des Hundertjährigen Krieges, Ostfildern 2004 (= Francia.B 59), siehe v.a. das Kapitel über die Hussitengesandtschaften: ebd. 367–425. Zu Martin Berruyer: H. Müller, Die Franzosen, Frankreich und das Basler Konzil (1431–1449), Paderborn u. a. 1990 (= KonGe B), 306–329, zum Engagement Berruyers in Böhmen ebd. 311–317. Zu Johannes v. Gelnhausen und Heinrich Toke, sowie zu den Basler Gesandtschaften nach Böhmen insgesamt: Helmrath, Basler Konzil (wie Anm. 23), 361–363.

39

Über Palomars Leben ist recht wenig bekannt, nicht einmal sein Todesdatum. Es erstaunt, dass es über diesen wichtigen Kirchenmann noch keine erschöpfende Studie gibt. Vgl. daher: G. Gaztambide, El conciliarismo en España, in: Scripta theologica 10 (1978) 893–927, hier 916–919; W. Krämer, Konsens und Rezeption. Verfassungsprinzipien der Kirche im Basler Konziliarismus. Mit Edition ausgewählter Texte, Münster 1980 (= bgphma, N.F. 19), 306–309; E. Meuthen, Cesarini-Studien ii. Der Tractatus Juliani apostate magis perniciosus et plus furiosus, in: H. Keller/W. Paravicini/W. Schieder (Hg.), Italia et Germania. Liber Amicorum Arnold Esch, Tübingen 2001, 209–224; LexMA 5 (1990/91) 778 (K. Reinhardt); bbkl 3 (1992) 507f. (K. Reinhardt); Helmrath, Basler Konzil (wie Anm. 23), 444 und 649 (s.v.); http://www.geschichtsquellen.de/repPers_100956963.html.

40

Thomas Ebendorfer, Diarium (wie Anm. 6), 35.

41

Ebd., 80–82. Die Liste der vier spezifisch umformulierten Artikel mitsamt dem Einigungsvorschlag auch in mcg ii, 430 (11. August 1433): Primo ut communio divinissime eucharistie utilis et salubris sub utraque specie, scilicet panis et vini, universis Christi fidelibus in regno Bohemie et marchionatu Moravie ac locis eis in hac parte adherentibus constitutis per sacerdotes libere ministretur. – Secundo ut omnia peccata mortalia, et presertim publica, per eos, quorum interest, racionabiliter et secundum legem Dei cohibeantur, corripiantur et eliminentur. – Tercio ut verbum Dei a sacerdotibus Domini et levitis ydoneis libere ac fideliter predicetur. – Quarto non licet clero tempore legis gracie super bonis temporalibus seculariter dominari.

42

ConBas ii, 459–463, 471, 473f.; mcg ii, 431.

43

Der Text dieser cedula: mcg I, 443f; ebenso mcg ii, 430f.; Thomas Ebendorfer, Diarium (wie Anm. 6), 80–82. Die drei böhmischen Gesandten waren Prokop v. Pilsen, Martin Lupáč und Matthias Louda; vgl. Šmahel, Hussitische Revolution (wie Anm. 1), 1597–1600.

44

mcg ii, 431–434.

45

sequenti die deputatos elegit sex pro qualibet deputacione, et si qui alii interesse vellent, ut unacum cardinalibus essent desuper conventuri. mcg ii, 431; ConBas ii, 463. Zu den Kardinälen in Basel vgl. W. Decker, Die Politik der Kardinäle auf dem Basler Konzil (bis zum Herbst 1434), in: ahc 9 (1977) 112–153, 315–400. Die Studie von Decker erwähnt diese Kommission vom August 1433 nicht; Helmrath, Basler Konzil (wie Anm. 23), 114f.

46

Die Formulierung et intersint qui volunt interesse findet sich auch im Konzilsprotokoll vom 12. August, wo allerdings nicht erwähnt wird, dass jede Deputation sechs Mitglieder in die Böhmenkommission entsenden möge. Stattdessen werden im notariellen Protokoll einige bekanntere Würdenträger namentlich bezeichnet, die zusammen mit Kardinal Cesarini über die böhmische Angelegenheit (materia Bohemorum) beraten sollen, und zwar die Bischöfe Jean Germain von Neviers und Philibert Montjeu von Coutances, der Pariser Theologieprofessor Jean Beaupère, der Dominikanerprovinzial der Lombardei Johannes de Montenigro, der auditor camerae und Wiener Jurist Heinrich Fleckel, Petrus von Cordoba, et intersint qui volunt interesse. ConBas ii, 463 (zum 12. August).

47

Die Angabe “fast 50” findet sich etwas später in der Historia des Segovia, nämlich zu Beginn des nächsten Kapitels (c. 25), mcg ii, 432: Johannes de Polomareleganter proposuitdeputatorum quinquaginta fere resolucionem. Und kurz darauf: … de quo iam per plures dies fuerat altricatum per quinquaginta. mcg ii, 433.

48

ConBas ii, 471: Ad expediendum materiam Bohemorum et concludendum in eadem cum aliis alias deputatis fuerunt deputati domini Bellicensis et Ferrariensis episcopi, abbates de Cherreto et de Dompnomartino, qui convenienat hodie hora iii a post meridiem cum aliis deputatis singularum deputacionum in domo fratrum Minorum. Siehe auch unten Anm. 57.

49

mcg ii, 431f. – Thomas Ebendorfer bezeichnete diese Kommission als “Deputation der 24”: Diarium (wie Anm. 6), 100. Er rechnete vermutlich nur mit den je sechs Vertretern der vier Deputationen, ohne die Kardinäle und “weitere Interessenten” zu berücksichtigen. Ein Indiz, dass er der Gruppe nicht angehörte?

50

Den Gesandten des Konzils, so Palomar, sei in Prag von einigen Agitatoren erhebliches Misstrauen entgegen gebracht worden. Peter Payne, der aus England geflüchtete Wyclifist, warnte das Volk vor der Konzilsdelegation, die als Spione der Deutschen mit einem Heer in der Rückhand gekommen seien, um die Tschechen zu unterwerfen. mcg ii, 431f.

51

Post hec autem introierunt congregacionem illam patrum Wilhelmus Bavarie dux protector concilii, ambasiatores marchionis Brandenburgensis et Johannis ducis Bavarie civitatisque Nurenbergensis, organo episcopi Ratisponensis obsecrantes intendendum esse per concilium omni conatu ad ea, que pacis forent cum Bohemis. mcg ii, 432. – Weiterhin hatte natürlich Kaiser Sigismund ein vitales Interesse an einer schnellen Lösung, wartete er doch seit Jahren darauf, den böhmischen Königsthron in Besitz nehmen zu können. Vgl. etwa ConBas ii, 473 (zum 2. September 1433).

52

Ab ista die elaboratum est per cardinales et alios cum eis convenientes, utrum liceret decensve esset aut expediret per ecclesiam fieri Bohemis concessionem communionis sacramenti eucharistie sub utraque specie. mcg ii, 432. – Fudge (wie Anm. 23), 267 behauptet, dass sich bereits Anfang Juli am Konzil die Meinung festigte, den Böhmen den Kelch zu erlauben. Der Brief Ebendorfers vom 5. Juli 1433 aus Prag an “Freunde in Österreich”, auf den Fudge sich beruft, beklagt allerdings nur die bewusste Desinformation der Hussiten, man habe sich mit dem Konzil bereits auf eine solche Erlaubnis geeinigt. Ebendorfer mahnt ausdrücklich, man möge diesen Gerüchten keinen Glauben schenken. Der Brief ist gedruckt bei: F. Palacký (Hg.), Urkundliche Beiträge zur Geschichte des Hussitenkrieges in den Jahren 1419–1436 ii, Prag 1873, 366f.

53

Cumque magnis, profundis quoque habitis iam discussionibus deputati concordes essent de concedenda libertacione, quia nimis periculosum erat consideratis circumstanciis, ut determinacio concilii publicaretur, priusquam in regno Bohemie nota fieret, et presertim quia oratores pape in civitate Constanciensi stantes, ut verisimiliter presumebatur, impedituri erant, propterea, quod per huiusmodi tractatus cum Bohemis concilium semper ac magis fortificabatur, deliberatum fuit, ne materia concluderetur in generali congregacione, et superadditi sunt prioribus pauci. mcg ii, 432.

54

Bereits der Bericht Palomars, der die relata secrecioria der Gesandtschaft vortrug, wurde von der Historia als nur für Eingeweihte deklariert. mcg ii, 431.

55

Thomas Ebendorfer, Diarium (wie Anm. 6), 100–102: Cedula ducta in consultacionem deputatorum xxiiii in materia ista Boemorum.

56

Šmahel, Hussitische Revolution (wie Anm. 1), 1599.

57

Quibus deputatis convenientibus, et de nacione Germanie, ad quam plus causa pertinere videbatur, xx superadditis, quatuor factis convencionibus conclusa est materia principalis. mcg ii, 434. Vgl. dazu oben Anm. 48, ConBas ii, 471. – Diese Verfügung ist ein deutlicher Beweis, dass auch in Basel die Nationen eine wichtige Rolle spielten, ungeachtet der neuen Geschäftsordnung, die gerade die Nationen zu entmachten versuchte. Zu den Nationen in Basel vgl. P. Lazarus, Das Basler Konzil. Seine Berufung und Leitung, seine Gliederung und seine Behördenorganisation, Berlin 1912 (= HS 100), 157–180; H.-J. Gilomen, Bürokratie und Korporation am Basler Konzil. Strukturelle und prosopographische Aspekte, in: H. Müller/J. Helmrath (Hg.), Die Konzilien von Pisa (1409), Konstanz (1414–1418) und Basel (1431–1449). Institution und Personen, Ostfildern 2007 (= VuF 67), 205–256, hier 218–223.

58

Text in mcg ii, 436f., ebenso in Thomas Ebendorfer, Diarium (wie Anm. 6), 103f.

59

ConBas ii, 473–474.

60

Motiva Thome de Haslpach, ed. in: Thomas Ebendorfer, Diarium (wie Anm. 6), 82–93; ebenso in mcg I, 723–728; Deliberacio Thome de Haslpach, ed. in: Thomas Ebendorfer, Diarium (wie Anm. 6), 93–100; ebenso in mcg I, 728–731. Erst im Anschluss an diese beiden Voten fügte Ebendorfer in seinem Diarium die sechs Fragen des 24er-Ausschusses ein, die über genau jene Fragen Auskunft und Expertise erbaten. Diarium (wie Anm. 6), 100f. So gesehen hat Ebendorfer die chronologische Ordnung seiner Sammlung nicht strikt eingehalten. Zum Votum Kalteisens siehe unten.

61

Thomas Ebendorfer, Diarium (wie Anm. 6), 83f.

62

quam tamen pia fides abhorret et devocio, presertim in Boemia, ubi cruditate specierum vini sepissime cooperante infantes sacramentum usque ad terram visi sunt expuere et evomere, sicud testari coacti sunt michi, qui huic practice sepissime interfuerunt et hodie de contraria opinione existunt in parte, vere vel apparenter. Ebd. 84.

63

Ebd. 84f.

64

Rursus quod hec licencia communicandi Boemos laycos sub utraque specie dari non possit salvo honore ecclesie, suadet generalium conciliorum ecclesiam militantem representancium in diffiniendo ea, que fidem et ritus (sic!) sacramentorum contingunt, indeviabilis maturitas, infallibilis auctoritas, firma stabilitas et irrefragabilis orthodoxe fidei sue veritas que singula pro honore eorundem efflagitant… . Ebd. 86. – Preterea quomodo hoc potest fieri salvo honore ecclesie, quod maximam notam ingerit, nedum apud fideles, sed eciam apud infideles, contra ecclesiam et generalia concilia a ccc annis citra, videlicet quod male senserint de sacramentis, precipue contra Constanciense concilium prohibens illum ritum. Ob quod Boemi blasphemantes aperte dicunt ipsum fuisse synagogam Sathane, toto conatu ipsius auctoritatem, sanctitatem et infallibilitatem circa fidem enervare cupientes, sicud Anglicus (= Peter Payne) ipsorum palam disputando ausus fuit evomere in Praga. Ebd. 87f.

65

Ex hac nempe indulgencia, quam optant Boemi irrevocabiliter pro eis dari, sequitur Boemorum et eis adherencium Polonorum et Morauorum perpetua divisio ab ecclesia occidentali, et mayor quam Grecorum et periculosior, in quantum in medio eorum habitant fidelium per girum alium ritum observancium, inter quos poneretur perpetua altercacio de pocioritate ritus huius. Ebd. 88.

66

Deliberacio mccccxxxiii . Basilee inter deputatos super ista in refectorio Minorum. Ebd. 93.

67

… (raciones possint flecti ad contrarium), videlicet quod hac libertate offenditur unitas vite propter proximorum datum et activum scandalum, unitas doctrine propter iacturam, quam fides passura est, et veritas iusticie, quia honor ecclesie debitus hoc modo sibi subtrahitur. Ebd. 95.

68

Quarto, ob honorem ecclesie et conciliorum generalium a Spiritu Sancto rectorum in diffinicionibus suis, quoad ea, que fidem et ritum sacramentorum contingunt, quia dispensari non potest in istis, que manifeste decolorant statum ecclesie, I q. vii. Et si illa, precipue movet me honor huius sacri concilii contra oblatratores, qui actu clamant de tectis, quod heresim Boemorum inciderit, quid facient hac certificacione facta et per mundum divulgata? Ebd. 98.

69

Octavo, numquam habeo timere, quod hiis auditis dominus papa fortassis aliud congregaret concilium ad examinandum, an hec certificacio sit contra fidem, et credo quod plures haberet fautores. Ebd. 99.

70

Zum Leben und Werk Ebendorfers und zu seinen ekklesiologischen Ansichten vgl. P. Uiblein, Thomas Ebendorfer (1388–1464), in: J. Seidl (Hg.), Thomas Ebendorfer von Haselbach (1388–1464). Gelehrter, Diplomat, Pfarrer von Perchtoldsdorf; Ausstellung anlässlich der 600. Wiederkehr des Geburtstages von Thomas Ebendorfer in der Burg zu Perchtoldsdorf, 18. September -16. Oktober 1988, Wien 1988, 14–39; Ders., Aus den letzten Lebensjahren Thomas Ebendorfers, in: miög 100 (1992) 283–304 (Wiederabdruck in: K. Mühlberger/K. Kadletz [Hg.], Die Universität Wien im Mittelalter. Beiträge und Forschungen, Wien 1999 (= Schriftenreihe des Universitätsarchivs Wien 11); A. Lhotsky, Thomas Ebendorfer. Ein österreichischer Geschichtschreiber, Theologe und Diplomat des 15. Jahrhunderts, Stuttgart 1957 (= smgh 15); H. Eberstaller, Thomas Ebendorfers erster Bericht vom Baseler Konzil an die Wiener Universität, in: miög 64 (1956) 312–317; W. Jaroschka, Thomas Ebendorfer als Theoretiker des Konziliarismus, in: miög 71 (1963) 87–98; H. Schmidinger, Begegnungen Thomas Ebendorfers auf dem Konzil von Basel, in: Festschrift Oskar Varella, Freiburg/Schw. 1964, 171–197; I. W. Frank, Der antikonziliaristische Dominikaner Leonhard Huntpichler, Wien 1976 (= AfÖG 131), 137–181; Thomas Ebendorfer, Catalogus praesulum Laureacensium et Pataviensium, nach Vorarbeiten v. P. Uiblein hg. v. H. Zimmermann, Hannover 2008 (= mgh.ss, n.s. 22), ix–LV (= Einleitung).

71

Heinrich Kalteisen, Oratio de libera praedicatione verbi Dei, in: Mansi 29, 971–1044; Replica de praedicatione verbi Dei, in: Mansi 29, 1045–1104. – Zu Leben und Werk Kalteisens: dhge 23 (1990) 1156–1158 (R. Aubert/Th. Kaeppeli); VerfLex 4 (1983) 966–980 (B. D. Haage); LexMA 4 (1989) 2094f. (J. Helmrath); J. Helmrath, Das Basler Konzil (wie Anm. 23), 443 und 643 (s.v.); Th. Prügl, Die Ekklesiologie Heinrich Kalteisens OP in der Auseinandersetzung mit dem Basler Konziliarismus, Paderborn u.a. 1995 (= vgi 40); Ders., Trost für den Papst. Die Cythara spiritualis consolationis des Heinrich Kalteisen OP für Eugen iv., in: C. Jaser/H. Müller/T. Woelki (Hg.), Eleganz und Performanz. Von Rednern, Humanisten und Konzilsvätern. Johannes Helmrath zum 65. Geburtstag, Köln 2018, 221–237.

72

Der Text ist nur in einer Handschrift aus dem Besitz Kalteisens, Koblenz lha 701/220, fol. 118r–123v, überliefert. Siehe unten Textanhang.

73

S.o. Anm. 62.

74

S.o. S. 275

75

Siehe unten, Textanhang, Anm. 126.

76

Siehe unten, Textanhang, Anm. 125.

77

Siehe unten, Textanhang, Anm. 127.

78

Es war die vierte Legationsreise; s.o. Anm. 31.

79

Ipsaque bona ecclesie ab aliis quam ab hiis, quibus administracio canonice est commissa, usurpari sine sacrilegii reatu non possunt. Thomas Ebendorfer, Diarium (wie Anm. 6), 104; ebenso mcg ii, 437.

80

Instabat imperator importune per se et suos pro addicione clausule, quod dum facere recusaremus, coram multis in verba gravia prorupit contra concilium et personas nostras, minas evomuit et maledicta congessit. Thomas Ebendorfer, Diarium (wie Anm. 6), 201. Ebendorfer datiert diesen Vorfall auf den 28. Juli 1435.

81

ConBas iii, 533f. Zum Episcopus Segniensis vgl. C. Eubel, Hierarchia catholica ii, 237; http://lexikon.katolikus.hu/D/Dominis.html (aufgerufen 14.06.2018).

82

ConBas iii, 537. Es scheint, dass die beiden Gesandten Sigismunds erst Ende Oktober oder Anfang November mit einer Nachricht zum Kaiser zurückkehren konnten: ConBas iii, 548, 554, 559.

83

Votum et avisamentum fratris Henrici Kaltisen super postulacione imperatoris de mutacione verborum ‘iniuste possidere’ loco ‘usurpare’. Bonn UB S 327, fol. 206r–207v, ed. Prügl, ­Ekklesiologie (wie Anm. 71), 261–263. – Der Kommission gehörte allerdings der Dominikaner Johannes de Montenegro, Provinzial der Provinz Lombardia, an. Möglich, dass ­Kalteisen ihm dafür zugearbeitet hat oder dass andere ihn zu diesem Votum ermuntert haben. Zu Beginn spricht Kalteisen seine Adressaten an: In materia ad utrumlibet determinative loqui, sciunt vestre paternitates reverendissime solius Dei aut cui ipse revelare voluerit opus est. Unde in presenti quid asseram non habeo… . Ebd., 261.

84

Quod scandalum, ut tunc semper dixi neque dixisse me penituit, ex eo ortum est, quod prius illa communio fuit Bohemis concessa, antequam publice abiurassent hereses circa articulum illum, scilicet, quod hoc de necessitate salutis foret, quod hoc de precepto Christi fieri deberet, quod infantulos usu racionis carentes sic communicant et communicarent. Ebd.

85

Secundo hoc cederet in fidei periculum, eo quod, cum Bohemi adhuc sint erroribus multis implicati ex concessione istius, quod nunc petunt, et eius, quod prius pecierunt, movebuntur adhuc alia petere fidei forte preiudicialia, sicud quod communicent infantes sub utraque specie, quod habeant episcopum ad clamorem populi eligere, quod non obligentur bona cleri rapta restituere, quod non habeant de occisione christianorum laicorum et spiritualium penitere, quod non permittant ecclesias aut monasteria eciam per volentes reedificare, quod extra regnum non possunt conveniri in causis quibuscumque, quod beneficia non possint per ecclesiam nisi incolis conferri et similia infinita. Et quod huius timor in foribus sit, patet ex eo, quia, qui semel infideliter reperitur, semper talis reputatur. Ebd., 262.

86

primo quia usque nunc in omnibus tractatibus numquam recognoverunt se velle restituere nec forte de hoc mencionem facere; secundo, quia nolunt religiosos reverti et forte nec canonicos, ut intelligo, ne forte reliqui sint, qui bona cleri raptant. Ebd., 263.

87

Ipsi abiurent omnem heresim preteritam et futuram, et quod actu fateantur se omnia credere, que credit sancta synodus, et ita velle regi et vivere, prout vult synodus. Confiteantur tamen expresse communionem sub utraque specie non esse de precepto Christi, et omnem, qui bona cleri absque auctoritate ecclesie habet, non posse salubriter penitere absque integra restitucione, et detur eis, quod petunt, satis secure, ita quod iurent, eciam si clerus sit malus, propterea non licere spoliare ecclesias. Quod si hec omnia non iuvant, mandetur imperatori serenissimo, ut fidei sue et iuramento satisfaciat et iniuriam Dei et ecclesie in eis vindicet. Et ut possit perficere, imponatur christianitati una semidecima pro eius subvencione. Ebd., 263.

88

Responsio concilii data ambasiatoribus imperatori; Text in Thomas Ebendorfer, Diarium (wie Anm. 6), 213–215.

89

super mutacione verborum aliter convenisse, legatis huius sacri concilii certum modum ponentibus et ipsis Boemis vel suis alium asserentibus, hec sancta synodus ambasiatoribus suis contulit potestatem, quod habita certificacione de premissis propter hoc aut rupture tractatuum aut dilacionis occasio nulla erit. Ebd., 215.

90

Compactata (wie Anm. 9), fol. Aiiiv; bzw. Kompaktaten, hg. v. F. Palacký (wie Anm. 10), 403.

91

Zur Handschrift vgl. E. Overgaauw, Die nichtarchivischen Handschriften der Signaturengruppe Best. 701 Nr. 191–992, Wiesbaden 2002 (= Mittelalterliche Handschriften im Landeshauptarchiv Koblenz, 2), 151–159; ein kurzes Inhaltsverzeichnis auch bei Prügl, Ekklesiologie (wie Anm. 71), 58f.

92

Decretum Gratiani, di. 13, c. 2 (Nervi testiculorum) (Friedberg I 31–32).

93

Cf. Anselmus Cantuarensis, Epistula 302, hg. v. F. S. Schmitt, in: Sancti Anselmi Opera Omnia iv, 223: Ille enim se magis ostendet esse matrem, qui dicet alteri: “habeto tu solus infantem vivum, ne ambo eum occidamus”; ut cum venerit verus Salomon, dicat: “date huic infantem vivum, haec est enim mater eius”. Nam vera mater mavult filium suum in alieno sinu vivere, quam in suo mortuum fovere. – Ebenfalls auf das Urteil des Salomo (1 Kg 3, 16–28) anspielend ein ähnlicher Text bei Thomas Ebendorfer, Motiva (wie Anm. 60), 82: Quomodo pia mater poterit ex visceribus intimis pietatis permota abnuere aut negare, que et plus dolere debet unius anime finalem perdicionem, suorum precipue filiorum, quam omne temporale incomodum undecumque affuturum secundum Anshelmum.

94

Unleserlich.

95

Cf. Thomas Ebendorfer, Motiva (wie Anm. 60), 85–86: Quarto, hec indulgencia foveret errorem Nestorii et Pelagii intolerabilem in mentibus aliorum, qui inter preceptum et ea, que precepti sunt, ex una parte et inter indifferencia sive consilia distingwere non sciunt neque ex simplicitate possunt et sic propter hanc indulgenciam caderent in errorem, quod taliter summere sit de necessitate salutis.

96

Bei welcher Gelegenheit Kalteisen diese Auslegung von Hld 1,13 vorgenommen hat, ist unklar. Weder in seiner Basler Hussitenrede noch in seiner Responsio ad quaestionem de communione populi sub utraque specie, Koblenz, lha, Cod. 701/183, fols. 249r–292v, führte er dieses Bild aus.

97

Albertus Magnus, De corpore Domini, di. vi, tract. iii, cap. 1, hg. v. A. Borgnet, in: B. Alberti Magni Opera omnia xxxviii, Paris 1899, 191–463, hier 412a–b.

98

Cf. Johannes Duns Scotus, Commentaria in libros iv Sententiarum Petri Lombardi, hg. v. L. Wadding, in: Opera omnia ix, Lyon 1639, 1–486, bes. 135 und 321–322 (nach Zimmermann in Thomas Ebendorfer, Motiva [wie Anm. 60], 85 Anm. 12).

99

Cf. Thomas Ebendorfer, Motiva (wie Anm. 60), 84–85: … quem tamen confutant apertissime alia sacramenta iterabilia et primo sacramentum penitencie. Sacramentalis nempe absolucio rite facta super eisdem peccatis ab eodem confessore virtute sacramenti confert graciam et remittit certam quotam pene, que si pro eodem tempore pluries iteratur, nichil de novo conferre dicitur. Alias per continuam unius hore iteracionem istorum verborum ‘Ego te absolvo a peccatis tuis’, confitentes ad maximum gradum gracie possint pertingere et consequi totam remissionem pene pro peccatis debite. Et suo modo de iteracione aliorum sacramentorum iterabilium pro eadem hora, per eundem et super eodem, et contraria tenet a simili, quia sicud ambe species continent idem et faciunt unum perfectum sacramentum, sic et alia et alia pro eodem tempore super eundem iterata nichil de novo efficiunt, sicud de sacramento absolucionis deducit Scotus in iiii. ita in proposito. Alias eciam micarum super patenam decidencium et guttarum in calice post primam sumpcionem relictio et crebra sumpcio virtute sacramenti in negligenter summentibus mayorem graciam quam in aliis caritatem efficeret, quod nemo dixit. – Es folgt ein abgekürzter Verweis auf das bei Kalteisen vorausgehende Zitat aus Albertus Magnus, De corpore Domini (wie oben Anm. 97): Dicit enim Albertus in ‘De officio misse’: Forme sacramentorum significant et nichil causant, sed res contente in sacramentis.

100

Cf. Concilium Constanciense, Decretum Cum in nonnullis, cogd ii/1, 562–563. Kein wörtliches Zitat!

101

Cf. 2 Kge 18,4.

102

Cf. Johannes de Ragusa, Oratio de communione, ed. in: Mansi 29, 768 D–E: Nestorius et Pelagius et eos sequentes…; cf. auch Henricus de Kalteisen, Responsio ad quaestionem de communione populi sub utraque specie, Koblenz, lha, Cod. 701/183, fol. 274vb und 277vb.

103

Dieses angeblich von Bonaventura berichtete Blutwunder konnte literarisch nicht verfiziert werden.

104

Diese Episode ist in anderen Quellen, etwa der Stadt oder der Universität Wien, nicht belegt.

105

In den Verteidigungsreden des Kelchartikels auf dem Basler Konzil erwähnte Johannes Rokycana diese Praxis nicht.

106

Dieser Absatz stimmt zum Teil wörtlich mit Thomas Ebendorfer, Motiva (wie Anm. 60), 84 überein: Secundo, quia hec indulgencia nutriret, ymo confortaret prefatos Boemos in perfidia, qua credunt hoc sacramentum tante fore neccessitatis, ut eciam parvulis mox natis et baptisatis sub duplici specie tradi debeat, sicud practica fere per totum regnum Boemie clarissime edocet pro presenti, quam tamen pia fides abhorret et devocio, presertim in Boemia, ubi cruditate specierum vini sepissime cooperante infantes sacramentum usque ad terram visi sunt expuere et evomere, sicud testari coacti sunt michi, qui huic practice sepissime interfuerunt et hodie de contraria opinione existunt in parte, vere vel apparenter.

107

Bernardus Claraevallensis, Sermo 65, hg. v. J. Leclercq/C. H. Talbot/H. M. Rochais, in: S. Bernardi Opera II: Sermones super Cantica Canticorum 36–86, Rom 1958, hier 173.

108

Decretum Gratiani, C. 6, q. 4, c. 6 (Quod bene semel) (Friedberg I 565). Cf. Thomas Ebendorfer, Motiva (wie Anm. 60), 87.

109

Decretum Gratiani, C. 25, q. 2, c. 11 (Amputato) (Friedberg I 1014–1015). Cf. Thomas Ebendorfer, Motiva (wie Anm. 60), 87.

110

Cf. Thomas Ebendorfer, Motiva (wie Anm. 60), 87–88: Preterea, quomodo hoc potest fieri salvo honore ecclesie, quod maximam notam ingerit, nedum apud fideles, sed eciam apud infideles, contra ecclesiam et generalia concilia a ccc annis citra, videlicet quod male senserint de sacramentis, precipue contra Constanciense concilium prohibens illum ritum. Ob quod Boemi blasphemantes aperte dicunt ipsum fuisse synagogam Sathane, toto conatu ipsius auctoritatem, sanctitatem et infallibilitatem circa fidem enervare cupientes, sicud Anglicus ipsorum palam disputando ausus fuit evomere in Praga, cuius dicta vide pro confirmacione ad finem, ut hanc duplicis speciei communionem fundaret pro laycis et Johannem Huss digna suis factis recipientem tamquam iniuste condempnatum beatificaret.

111

Gregorius Magnus, Registrum Epistularum Libri ivii, lib. 5, ep. 51, hg. v. D. L. Norberg, Turnhout 1982 (= ccsl 140), 346.

112

Cf. Biblia latina cum glossa ordinaria, eingel. v. K. Fröhlich/M. T. Gibson, Turnhout 1992, Bd. 2, 704b (zu Eccl. 10,1). – Cf. Thomas Ebendorfer, Motiva (wie Anm. 60), 91: Item valde onerosa est novitas secundum Gregorium in Registro, et ea semper dyabolus gaudet, secundum Glossam Eccli. X. Quomodo ergo ecclesia hanc practicam in re tam ardua sibi aperiet noviter, per quam multis laqueum tendet fidelibus ad perdicionem, sicud ipsa non ignorat.

113

Unleserlich.

114

Siehe oben Anm. 92.

115

Augustinus de Ancona, De ecclesiastica potestate, q. 96 a. 3 ad 1, Rom 1584, 471 D.

116

Decretum Gratiani cum glossis diversorum Gregorii xiii. Pont. Max. iussu editum editio novissima, Lugduni 1624, 49 (zu di. 13, c. 2, Nervi testiculorum): Nam dicitur quod de duobus malis minus malum est eligendum et hec probatur exemplo Pauli, qui concessit minima, idest matrimonia et coitum coniugalem causa incontinentiae, ut maiora et graviora vitentur, sc. fornicationes.

117

Decretum Gratiani, di. 14, c. 1 (Quod ait sodomithis Loth) (Friedberg I 33); Augustinus, Quaestionum in heptateuchum libri septem, lib. I (Quaestiones Genesis), qu. 42, rec. J. Fraipont, in: ccsl 33, Turnhout 1958, 17.

118

Decretum Gratiani cum glossis diversorum (wie Anm. 117), 52 (zu di. 14, c. 1, Quod ait Sodomitis): Sed quod redarguitur hic Loth ab Augustino cum alibi commendetur ab Ambrosio, ut 32 q. 7 c. Offerebat. Sed Ambrosius consideravit pietatem quam habuit ad hospites, Augustinus vero delictum filiarum, 26. di. c. 1 et 2. – Decretum Gratiani, C. 32, q. 7, c. 12 (Offerebat) (Friedberg I 1143).

119

Decretum Gratiani, C. 23, q. 5, c. 19 (Cum homo) (Friedberg I 936).

120

Decretum Gratiani, C. 33, q. 5, c. 1 (Si dicat) (Friedberg I 1250).

121

Decretum Gratiani, di. 46, c. 10 (Sicud non suo) (Friedberg I 169).

122

Decretum Gratiani, C. 22, q. 2, c. 15 (Faciat) (Friedberg I 872); Decretum Gratiani, C. 22, q. 2, c. 8 (Primum) (Friedberg I 869).

123

Cf. Joh 11,49–51.

124

Cf. Lc 10,17–37.

125

Cf. Jacobus de Voragine, Legenda aurea. Goldene Legende. Einleitung, Edition, Übersetzung und Kommentar v. B. W. Häuptli, Freiburg – Basel – Wien 2014 (= FC.Sonderband), 282–284.

126

Die Legende, nach der die hl. Euphemia auf wundersame Weise die Entscheidung des Konzils von Chalkedon herbeiführte, findet sich zB. in aass (zum 16. September), hier 257C. Diese Schilderung stimmt aber nicht im Wortlaut mit dem Text bei Kalteisen überein. Näher an Kalteisens Wortlaut ist die Erwähnung dieser Episode in einer Beschreibung Konstantinopels, übersetzt von einem anonymen Pilger Ende des 12. Jahrhunderts: In tempore igitur Marciani imperatoris quando fuit factus sinodus quartus in Calcedonia, in qua fuit princeps patrum sanctus Leo magnus papa Romae, et sexcenti xxx patres, disputabant enim orthodoxi cum hereticis. Dicebant enim Christiani ad hereticos: faciamus nos et vos cartas et scribamus simbolum nostrum nos Christiani, et vos similiter scribite vestrum, et ponamus cartas nostras cum sigillis nostris supra corpus sanctae Euphemiae, et firmemus sepulchrum nos et vos coram imperatore, et deprecemur Deum nos secundum fidem nostram et vos similiter secundum vestram, ut Deus manifestet nobis rectam fidem. Scripserunt ergo kartas suas et posuerunt eas super pectus sanctae Euphemiae et firmaverunt sepulchrum cum propriis sigillis et abierunt. Orthodoxi quidem ieiunabant cum lacrimis et orabant deprecantes Deum .... Vgl. K. N. Ciggaar, Une description de Constantinople traduite par un pèlerin anglais, in: REByz 34 (1976) 211–267, hier 256.

127

Vgl. Humbertus de Romanis, Legenda sancti Dominici, hg. v. S. Tugwell, in: Legendae Sancti Dominici necnon materia praedicabilis pro festis sancti Dominici et testimonia minora de eodem, adiectis miraculis rotomagensibus sancti Dominici et Gregorii ix bulla canonizationis eiusdem, Rom 2008 (= mofph 30), 449–532, hier 464–465. Ebenfalls in: Jordanus de Saxonia, Libellus de initiis Ordinis Praedicatorum, §21, hg. v. H. C. Scheeben, in: Monumenta historica Sancti Patris nostri Dominici ii, Rom 1935 (= mofph 16), 25–88.

128

Decretum Gratiani, C. 23, q. 7, c. 4 (Quemadmodum) (Friedberg I 952).

129

Decretum Gratiani, C. 23, q. 4, c. 33 (Est iniusta) (Friedberg I 915).

130

Cf. Ambrosius, Expositio psalmi 118, viii (littera Eth), c. 25, rec. M. Petschenig, Wien 1913 [editio altera rec. M. Zelzer, Wien 1999] (= csel 62), 165, lin. 8–11.

131

Decretum Gratiani, C. 23, q. 4, c. 24 (Ipsa pietas) (Friedberg I 909–910).

132

Zum Dialog zwischen Ambrosius und Palladius vgl. ausführlich die Acta concilii Aquileiensis, hg. v. M. Zelzer, in: csel 82,3, 325–368.

133

Gelasii papae ad episcopos orientales, ed. in: Mansi 8, 77–84, hier 78C.

134

Gregorius Magnus, Registrum (wie oben Anm. 111), lib. 5, ep. 52, 346–347.

135

Ebd., 347.

136

Concilium Constanciense, Forma de professione papae facienda, cod, 442 bzw. cogd ii/1, 614–615.

137

Thomas de Aquino, Summa Theologiae, iiii, qu. 5 art. 3, corpus articuli.

138

Alcuin: Pascere autem oves est credentes in Christo, ne a fide deficiant, confortare, terrena subsidia, si necesse est, subditis providere, et exempla virtutum cum verbo praedicationis impendere, adversariis obsistere, errantes subditos corrigere. Thomas de Aquino, Catena aurea in Ioannem, cap. 21, 2, hg. v. A. Guarienti, in: S. Thomae Aquinatis catena aurea in quatuor Evangelia ii: Expositio in Lucam et Ioannem, Turin – Rom 1953, hier 590. – Fast identisch findet sich dieser Text auch in der Glossa ordinaria: Biblia Latina cum glossa ordinaria (wie Anm. 112), iv, 270a (zu Joh 21,17 Pasce oves meas). Vgl. dazu: A. Andrée/T. Sharp/R. Shaw: Aquinas and ‘Alcuin’: a new source of the Catena Aurea, in: RThAM 83 (2016) 3–20.

139

Das Zitat bei Augustinus lautet eigentlich: Auffer meretrices de rebus mundanis et turbave­ris omnia de libidinibus (Augustinus, De ordine, lib. 2, cap. 4, hg. v. S. Adam/T. Fuhrer, in: Contra Academicos, De beata vita, De ordine, Berlin – Boston 2017 [= bsgrt], hier 151). – Dieselbe abgewandelte Fassung des Zitats wie hier bei Kalteisen (Tolle lupanaria et inplebis totum mundum libidinibus) findet sich auch in den anonymen Responsiones ad quattuor articulos datos domino duci Austrie (bav, Barb. lat. 663, fols. 22r–23v, hier fol. 23r), ediert bei C. Traxler, Firmiter velitis resistere. Die Auseinandersetzung der Wiener Universität mit dem Hussitismus vom Konstanzer Konzil (1414–1418) bis zum Beginn des Basler Konzils (1431–1449), Göttingen 2019 (= Schriften des Archivs der Universität Wien, 27), 493–497, hier 496; vgl. dazu ebd. 281.

140

Thomas de Aquino, Officium de festo corporis Christi, Hymnus ‘Sacris solemniis’, hg. v. R. M. Spiazzi, in: Opuscula theologica ii, Taurini (u.a.) 1954, 275–281, hier 276.

141

Nihilominus in manibus … in proposito ecclesia] Dieser Teil ist identisch mit oben S. 295, Z. 137–143.

142

Cf. Jer 31,34.

143

Mt 24,32 in Verbindung mit Mc 11,21.

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