Moore’s Proof, Perception, and Scepticism (Moores Beweis, Wahrnehmung und Skeptizismus)

In: Grazer Philosophische Studien
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Two major arguments have been advanced for the claim that there is a transmission failure in G.E. Moore’s famous proof of an external world. The first argument, due to Crispin Wright, is based on an epistemological doctrine now known as ‘conservatism’. Proponents of the second argument, like Nicholas Silins, invoke probabilistic considerations, most important among them Bayes’ theorem. The aim of this essay is to defend Moore’s proof against these two arguments. It is shown, first, that Wright’s argument founders because one of its premises, viz., conservatism, invites scepticism and must therefore be rejected. Then the probabilistic argument is challenged, not because its formal part is dubious, but rather on the grounds that it incorporates an unconvincing philosophical claim as an implicit premise. Finally, the two most promising objections to dogmatism—the negation of conservatism—are repudiated.

Abstract

Two major arguments have been advanced for the claim that there is a transmission failure in G.E. Moore’s famous proof of an external world. The first argument, due to Crispin Wright, is based on an epistemological doctrine now known as ‘conservatism’. Proponents of the second argument, like Nicholas Silins, invoke probabilistic considerations, most important among them Bayes’ theorem. The aim of this essay is to defend Moore’s proof against these two arguments. It is shown, first, that Wright’s argument founders because one of its premises, viz., conservatism, invites scepticism and must therefore be rejected. Then the probabilistic argument is challenged, not because its formal part is dubious, but rather on the grounds that it incorporates an unconvincing philosophical claim as an implicit premise. Finally, the two most promising objections to dogmatism—the negation of conservatism—are repudiated.

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Vor dem Erscheinen von Fred Dretskes bahnbrechendem Essay „Epistemic Operators“ im Jahr 1970 gingen die meisten Philosophen wie selbstverständlich davon aus, Wissen sei unter gewusster logischer Folgerung abgeschlossen: Wenn eine Person wisse, dass p der Fall ist und dass p q logisch impliziert, dann wisse diese Person auch, dass q der Fall ist. Dretske zufolge lässt sich das gerade formulierte Abgeschlossenheitsprinzip jedoch durch Gegenbeispiele widerlegen (vgl. Dretske 1970). So könne man sehr wohl wissen, dass das Tier im Käfig ein Zebra ist und dass daraus folgt, dass es sich bei diesem Tier nicht um einen als Zebra verkleideten Maulesel handelt, ohne ausschließen zu können, dass das Tier im Käfig ein als Zebra verkleideter Maulesel ist.

Dretskes Zurückweisung des Abgeschlossenheitsprinzips erlaubt es ihm, und gleichgesinnten Philosophen wie Robert Nozick (vgl. Nozick 1981), ein erkenntnistheoretisches Problem, das als „skeptisches Paradox“ bekannt geworden ist (vgl. Cohen 1988), aufzulösen. Nicht zuletzt aufgrund ihrer Relevanz für die Auflösung dieses Paradoxes wurde Dretskes und Nozicks Kritik am Abgeschlossenheitsprinzip in der philosophischen Debatte der letzten Jahrzehnte heftig diskutiert (vgl. z.B. Steup und Sosa 2005, Kap. 1). Nicht thematisiert wurde dabei jedoch, dass das Abgeschlossenheitsprinzip von einem eng verwandten Prinzip zu unterscheiden ist, das hier „Prinzip der Rechtfertigungsübertragung“ („principle of warrant transmission“) genannt werden soll. Erst Crispin Wrights erkenntnistheoretische Arbeiten in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts und dann wieder in den Jahren nach der Jahrhundertwende brachten in dieser Angelegenheit mehr Klarheit (vgl. u.a. Wright 1985, 2000a, 2000b, 2002, 2003; vgl. auch Davies 1998, 2000, 2003).

Wright unterscheidet in den erwähnten Arbeiten zwischen „closure of warrant“, also dem Abgeschlossenheitsprinzip für Rechtfertigung, und „transmission of warrant“, also dem Prinzip der Rechtfertigungsübertragung (vgl. insb. Wright 2002, 331f.). Das erste, schwächere Prinzip besagt Wright zufolge, eine Person habe eine Rechtfertigung für die Konklusion eines gewusst gültigen Arguments, wenn sie über eine Rechtfertigung für seine Prämissen verfügt. Das zweite Prinzip besage dagegen mehr, nämlich Folgendes: Wenn eine Person eine Rechtfertigung für die Prämissen eines Arguments erwirbt und von diesen Prämissen, seine Gültigkeit einsehend, auf seine Konklusion schließt, erwirbt sie eben dadurch (zum ersten Mal) eine Rechtfertigung für diese Konklusion.1

Nach Wright gibt es Gegenbeispiele gegen das Prinzip der Rechtfertigungsübertragung, die keine Gegenbeispiele gegen das Abgeschlossenheitsprinzip sind (vgl. Wright 2002, 332 und 342). Ein solches Gegenbeispiel liegt vor, wenn die Konklusion eines Arguments mit einer seiner Prämissen identisch ist. Aber auch Dretskes oben erwähntes Zebra-Argument ist Wright zufolge ein Gegenbeispiel gegen das Prinzip der Rechtfertigungsübertragung, aber kein Gegenbeispiel gegen das Abgeschlossenheitsprinzip.

Die philosophische Bedeutung von Wrights Entdeckung (wenn es denn eine ist) erschließt sich, wenn man berücksichtigt, dass die Rechtfertigungsübertragung seiner Ansicht nach nicht nur in zirkulären Argumenten und Dretskes Zebra-Argument fehlschlägt, sondern auch in G.E. Moores Beweis der Existenz der Außenwelt (vgl. Moore 1963, Wright 2002) und in der sog. McKinsey-Paradoxie (vgl. McKinsey 1991, Wright 2000a). In diesem Essay wird es ausschließlich um Moores Beweis der Existenz der Außenwelt, kurz: Moores Argument, gehen. Wright formuliert es folgendermaßen: (i) Ich habe eine Erfahrung des Inhalts „Hier ist eine Hand“. (ii) Hier ist eine Hand. Also: (iii) Es gibt eine materielle Welt (vgl. Wright 2002, 336f.). Wright zufolge erwirbt man nicht eben dadurch eine Rechtfertigung für die Konklusion (iii), dass man eine Rechtfertigung für die Prämisse (ii) erwirbt und von dieser Prämisse, die Gültigkeit von Moores Argument einsehend, auf die Konklusion (iii) schließt.

Die Überlegung, die Wright als Grund für das Fehlschlagen des Prinzips der Rechtfertigungsübertragung in Moores Argument anführt, lässt sich wie folgt rekonstruieren (vgl. Wright 2002, 337f.): Die in (i) erwähnte Erfahrung rechtfertigt die Prämisse (ii) u.a. dank der Tatsache, dass die fragliche Person eine Rechtfertigung für die Konklusion (iii) hat. Sie hat aber genau dann eine Rechtfertigung für die Prämisse (ii), wenn diese Prämisse durch die in (i) erwähnte Erfahrung gerechtfertigt ist. Also hat sie u.a. dank der Tatsache eine Rechtfertigung für die Prämisse (ii), dass sie über eine Rechtfertigung für die Konklusion (iii) verfügt. Damit sie eine Rechtfertigung für die Prämisse (ii) hat, muss sie somit bereits eine Rechtfertigung für die Konklusion (iii) besitzen. Erwirbt man eine Rechtfertigung für die Prämisse (ii) und schließt man von dieser Prämisse, die Gültigkeit von Moores Argument einsehend, auf die Konklusion (iii), erwirbt man folglich nicht eben dadurch eine Rechtfertigung für diese Konklusion.2

Wrights These, die Rechtfertigung übertrage sich nicht von der Prämisse von Moores Argument auf seine Konklusion, basiert also auf einer bestimmten Theorie darüber, wie Erfahrungen, wie die in (i) genannte, Wahrnehmungsüberzeugungen mit einem Inhalt vom Typ (ii) rechtfertigen. Zwei rivalisierende Wahrnehmungstheorien stehen hier einander gegenüber. Im Anschluss an James Pryor nenne ich sie „Dogmatismus“ und „Konservativismus“ (vgl. Pryor 2000 und 2004, insb. 353–357). Ein Konservativer behauptet, eine Erfahrung mit einem bestimmten Inhalt rechtfertige eine Wahrnehmungsüberzeugung mit dem gleichen Inhalt u.a. dank der Tatsache, dass die fragliche Person eine Rechtfertigung für die Annahme (iii) hat und somit gängige skeptische Hypothesen der Cartesischen Art ausschließen kann. Ein Anhänger des Dogmatismus bestreitet dies. Manche Befürworter des Dogmatismus behaupten darüberhinaus auch noch, das Haben einer Erfahrung mit einem bestimmten Inhalt sei hinreichend dafür, dass die fragliche Person über eine Rechtfertigung für eine Überzeugung mit dem gleichen Inhalt verfügt.

Es ist also Wrights Konservativismus, der ihn dazu führt zu behaupten, das Prinzip der Rechtfertigungsübertragung schlage in Moores Argument fehl. Pryor auf der anderen Seite vertritt den Dogmatismus sowie (als Folge davon?) die These, die Rechtfertigung übertrage sich von der Prämisse von Moores Argument auf seine Konklusion (vgl. Pryor 2004, 351 und 355). Damit sind jedoch noch nicht alle logisch möglichen Positionen benannt. In Anlehnung an eine Begrifflichkeit, die Nicholas Silins eingeführt hat, möchte ich die These, die Rechtfertigung übertrage sich von der Prämisse von Moores Argument auf seine Konklusion, als „Mooreianismus“ bezeichnen und die Negation dieser These als „Rationalismus“ (vgl. Silins 2007, 115–118).3 Es ergeben sich dann vier Positionen: (1) Der konservative Rationalismus. (2) Der dogmatische Mooreianismus. (3) Der dogmatische Rationalismus. Und: (4) Der konservative Mooreianismus. Während Wright den konservativen Rationalismus vertritt (vgl. Wright 1985, 2000a, 2000b, 2002, 2003; vgl. auch Davies 1998, 2000, 2003) und Pryor den dogmatischen Mooreianismus (vgl. Pryor 2000, 2004; vgl. auch Davies 2004, Peacocke 2004), entscheidet sich Silins selbst für die bisher vakante Position des dogmatischen Rationalismus.

Ziel dieses Aufsatzes ist es zu zeigen, dass der dogmatische Mooreianismus den anderen drei genannten erkenntnis- bzw. wahrnehmungstheoretischen Positionen vorzuziehen ist. Eine nicht unwichtige philosophische Konsequenz dieser Auffassung ist, dass man Wissen von der Existenz einer materiellen Außenwelt erwirbt, wenn man eine Rechtfertigung für die Prämisse von Moores Argument erwirbt und auf seine Konklusion schließt. Meines Erachtens ergibt sich der Mooreianismus aus dem common sense. Was ich im Folgenden zu tun gedenke, lässt sich daher auch als die Verteidigung einer common sense-Position gegen philosophische Einwände charakterisieren. Ich werde mich dabei auf drei Thesen stützen. Die erste These lautet: Der Konservativismus führt zum Skeptizismus und muss daher zurückgewiesen werden. Wenn aber der Konservativismus falsch ist, bricht die entscheidende Stütze des Rationalismus weg und man hat keinen Grund mehr, davon auszugehen, dass die Rechtfertigungsübertragung in Moores Argument fehlschlägt.

Gegen diese auf der ersten These beruhende Argumentation kann man geltend machen, der Konservativismus sei nicht die einzige Stütze des Rationalismus. Dieser lasse sich auch mit bestimmten wahrscheinlichkeitstheoretischen Überlegungen untermauern (vgl. White 2006, Silins 2007, Neta 2010). Meine zweite These muss daher lauten: Das wahrscheinlichkeitstheoretische Argument für den Rationalismus scheitert; problematisch an diesem Argument ist insbesondere nicht sein formaler Teil, sondern dessen philosophische Interpretation.

Sind meine ersten beiden Thesen wahr, hat man einen guten Grund, sowohl den Konservativismus als auch den Rationalismus abzulehnen. Den Ersteren, weil er zum Skeptizismus führt; den Letzteren, weil er sich weder durch den Konservativismus noch durch das wahrscheinlichkeitstheoretische Argument begründen lässt. An dieser Stelle liegt ein zweiter Einwand nahe: Was, wenn man nicht nur einen Grund gegen den Konservativismus, sondern auch einen Grund für den Konservativismus hätte? Könnten wir es nicht mit einem wahrnehmungstheoretischen Paradox zu tun haben? Meine dritte These besagt, dass dies nicht der Fall ist: Alle bisher vorgebrachten Argumente für den Konservativismus bzw. gegen den Dogmatismus in der Wahrnehmungstheorie erweisen sich bei näherer Betrachtung als wenig überzeugend.

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Die erste oben genannte These lautete, der Konservativismus müsse zurückgewiesen werden, weil er zu der unhaltbaren Position führt, eine große Zahl unserer alltäglichen Wissenszuschreibungen seien falsch. Das entscheidende Argument für die Behauptung, der Konservativismus ziehe den Skeptizismus nach sich, findet sich – was auf den ersten Blick überraschen mag – bei Wright selbst (vgl. Wright 2002, 337–340, und 2004, 167–175, insb. 172). Er nennt das fragliche Argument „i-ii-iii-Argument“. Mit ihm versucht er zu zeigen, dass der Skeptizismus wahr ist, wenn der Konservativismus und zwei Zusatzprämissen richtig sind.

Das i-ii-iii-Argument lässt sich folgendermaßen rekonstruieren: Man betrachte eine Überzeugung mit dem Inhalt (ii). Nennen wir sie „Ü“. Da es sich bei Ü um eine Wahrnehmungsüberzeugung handeln soll, muss die fragliche Person eine Erfahrung gleichen Inhalts haben. Nennen wir diese Erfahrung „E“. Der Konservativismus besagt, eine Erfahrung mit einem Inhalt vom Typ (ii) rechtfertige eine Überzeugung gleichen Inhalts u.a. dank der Tatsache, dass die betreffende Person eine Rechtfertigung für die Konklusion (iii) hat. Daraus ergibt sich, dass die Erfahrung E die Überzeugung Ü u.a. dank der Tatsache rechtfertigt, dass die fragliche Person über eine Rechtfertigung für die Konklusion (iii) verfügt. Nun lässt sich aber eine Überzeugung mit einem Inhalt vom Typ (ii), wie Ü, nur durch eine Erfahrung gleichen Inhalts, wie E, rechtfertigen (erste Zusatzprämisse). Folglich ist die fragliche Person in ihrer Überzeugung Ü u.a. dank der Tatsache gerechtfertigt, dass sie eine Rechtfertigung für die Konklusion (iii) hat. Um in ihrer Überzeugung Ü gerechtfertigt zu sein, muss sie also bereits über eine Rechtfertigung für die Konklusion (iii) verfügen. Erwirbt sie eine Rechtfertigung für ihre Überzeugung Ü und schließt sie von Üs Inhalt, die Gültigkeit von Moores Argument einsehend, auf die Konklusion (iii), erwirbt sie folglich eben dadurch keine Rechtfertigung für diese Konklusion.

Auf alle Überzeugungen mit einem Inhalt vom Typ (ii) verallgemeinert, heißt dies: Wenn man eine Rechtfertigung für eine solche Überzeugung erwirbt und von ihrem Inhalt auf die Konklusion (iii) schließt, erwirbt man eben dadurch keine Rechtfertigung für diese Konklusion. Eine Rechtfertigung für die Konklusion (iii) lässt sich jedoch auch auf keine andere Weise erwerben (zweite Zusatzprämisse). Also verfügt man über keine Rechtfertigung für die Konklusion (iii). Nun ist aber eine Überzeugung mit einem Inhalt vom Typ (ii) nur dann gerechtfertigt, wenn man eine Rechtfertigung für die Konklusion (iii) hat (ergibt sich u.a. aus dem Konservativismus). Also ist keine Überzeugung mit einem Inhalt vom Typ (ii) gerechtfertigt.

Im Folgenden sollen drei Einwände gegen das gerade rekonstruierte skeptische Argument diskutiert und schließlich zurückgewiesen werden. Der erste Einwand geht auf Überlegungen von J.M. Hinton und Paul Snowdon zurück und wird vor allem von John McDowell vertreten (vgl. Hinton 1973, Snowdon 1981, McDowell 1982, 1994, 2008). Dieser befürwortet eine sog. disjunktive Konzeption von Erfahrungen, wonach echte Sinneswahrnehmung direkt auf Entitäten in der Außenwelt gerichtet ist und keine Komponente einer Sinneswahrnehmung involviert ist, wenn eine Person halluziniert oder träumt. Die Locke’sche Idee, es gebe eine Kategorie von mentalen Zuständen, Erfahrungen, die sowohl in der Sinneswahrnehmung als auch in Träumen oder Halluzinationen präsent sind und die sich nur aufgrund ihrer kausalen Rolle als Wahrnehmung, Traum oder Halluzination charakterisieren lassen, ist nach McDowell verfehlt. Es sei jedoch gerade eine solche, verfehlte Konzeption von Erfahrungen, die in skeptischen Argumenten wie dem i-ii-iii-Argument vorausgesetzt wird.

Wrights Replik auf McDowell besteht in dem Versuch aufzuweisen, dass das i-ii-iii-Argument auf eine solche Weise reformuliert werden kann, dass die disjunktive Konzeption von Erfahrungen in dieses Argument eingeht (vgl. Wright 2002, 346f., und 2008, 396–398). Man betrachte die folgende Überlegung: (i′) Entweder nehme ich hier eine Hand wahr oder ich habe eine Einbildung mit dem gleichen phänomenalen Charakter wie diese Wahrnehmung. (ii) Hier ist eine Hand. Also: (iii) Es gibt eine materielle Welt. Auf der Grundlage dieser Überlegung kann das i-ii-iii-Argument nun wie folgt reformuliert werden: Der Schluss von einer Annahme vom Typ (i′) auf eine Annahme vom Typ (ii) ist nur dann legitim, wenn man darin gerechtfertigt ist, das zweite Disjunktionsglied einer Annahme vom Typ (i′) auszuschließen, also anzunehmen, Einbildungen seien die Ausnahme und es existiere eine materielle Welt. Man ist nun aber nur dann gerechtfertigt, eine Annahme vom Typ (ii) für wahr zu halten, wenn der Schluss von einer Annahme vom Typ (i′) auf eine Annahme vom Typ (ii) legitim ist. Folglich ist man nur dann gerechtfertigt, eine Annahme vom Typ (ii) zu befürworten, wenn man bereits eine Rechtfertigung für die Konklusion (iii) besitzt. Wenn ich also eine Rechtfertigung für eine Annahme vom Typ (ii) erwerbe und von dieser Annahme, die Gültigkeit von Moores Argument einsehend, auf die Konklusion (iii) schließe, erwerbe ich nicht eben dadurch eine Rechtfertigung für diese Konklusion. Usw. wie im ursprünglichen i-ii-iii-Argument.

Gegen das reformulierte i-ii-iii-Argument wendet McDowell ein, ihm liege eine falsche Konzeption der Rechtfertigung von Wahrnehmungsurteilen zugrunde (vgl. McDowell 2008, 383f. und 386). McDowell zufolge bin ich in einem Wahrnehmungsurteil des Inhalts p genau dann gerechtfertigt, wenn mir der Sachverhalt, dass p, in einer Erfahrung präsent ist. Die in das reformulierte skeptische Argument eingehende Prämisse, man sei nur dann gerechtfertigt, eine Annahme vom Typ (ii) für wahr zu halten, wenn der Schluss von einer Annahme vom Typ (i′) auf eine Annahme vom Typ (ii) legitim ist, sei also falsch. Aus demselben Grund muss nach McDowell wohl auch die erste Zusatzprämisse des ursprünglichen i-ii-iii-Arguments zurückgewiesen werden.

Der für die Beurteilung des i-ii-iii-Arguments entscheidende Dissens zwischen Wright und McDowell betrifft also nicht so sehr die Frage, ob der Disjunktivismus wahr ist, sondern vielmehr die Frage, welche Auffassung der Rechtfertigung von Wahrnehmungsurteilen zutrifft. Um McDowells Konzeption der Rechtfertigung von Wahrnehmungsurteilen zu widerlegen, greift Wright auf Alvin I. Goldmans berühmtes Scheunen-Beispiel sowie ein von ihm selbst konstruiertes Szenario zurück (vgl. Goldman 1976, 772f.; und Wright 2008, 398f.). Diese beiden Beispiele zeigen in der Tat, dass die Tatsache, dass einer Person ein Sachverhalt p in einer Erfahrung präsent ist, nicht hinreichend dafür ist, dass diese Person in ihrem Urteil, p sei der Fall, gerechtfertigt ist. Aus der Falschheit von McDowells Rechtfertigungskonzeption ergibt sich jedoch nicht, dass Wrights Konzeption richtig ist. Denn es könnte ja noch eine dritte, prima facie überzeugende Auffassung der Rechtfertigung von Wahrnehmungsurteilen geben, wie z.B. die zuverlässigkeitstheoretische (vgl. Goldman 1979, 10). Erst wenn es Wright aufzuweisen gelänge, dass auch diese Rechtfertigungskonzeption verfehlt ist, könnte er für sich in Anspruch nehmen, gezeigt zu haben, dass seine Auffassung von Rechtfertigung zutrifft und man vorerst keinen Grund hat, am i-ii-iii-Argument zu zweifeln.4

Was aber, wenn die Zuverlässigkeitstheorie der Rechtfertigung von Wahrnehmungsurteilen richtig ist? In diesem Fall muss Wrights Rechtfertigungsauffassung und damit das i-ii-iii-Argument abgelehnt werden. Dennoch kann das Hauptziel dieses Essays, die Verteidigung des Mooreianismus, erreicht werden. Wie gesagt, muss Wrights in der ersten Zusatzprämisse enthaltene Rechtfertigungskonzeption zurückgewiesen werden, wenn die Zuverlässigkeitstheorie der Rechtfertigung wahr ist. Nun befindet sich aber diese erste Zusatzprämisse auch unter den Prämissen seines Arguments gegen den Mooreianismus. Trifft die Zuverlässigkeitstheorie zu, ist also nicht nur das i-ii-iii-Argument, sondern auch Wrights Argument gegen den Mooreianismus nicht schlüssig. Das Prinzip der Rechtfertigungsübertragung kann folglich auch dann verteidigt werden, wenn der Zuverlässigkeitstheorie der Rechtfertigung zuzustimmen ist.

Ein Vertreter des zweiten Einwands gegen das i-ii-iii-Argument bestreitet nicht die erste, sondern die zweite Zusatzprämisse dieses Arguments, also die These, man könne für die Konklusion (iii), wenn überhaupt, nur dadurch eine Rechtfertigung erwerben, dass man eine Rechtfertigung für eine Wahrnehmungsüberzeugung mit einem Inhalt vom Typ (ii) erwirbt und von diesem Inhalt auf die Konklusion (iii) schließt. Gegen diese These wendet ein Befürworter des zweiten Einwands Folgendes ein: Aus dem Konservativismus ergibt sich, dass die Tatsache, dass man eine Rechtfertigung für die Konklusion (iii) hat, zu den Konstitutionsbedingungen dafür gehört, dass man eine Rechtfertigung für eine Wahrnehmungsüberzeugung mit einem Inhalt vom Typ (ii) hat. Erwirbt man die zuletzt genannte Rechtfertigung, muss man also eine Rechtfertigung für die Konklusion (iii) haben bzw. erwerben (wenn man diese Rechtfertigung zuvor nicht hatte). Mit einem Wort: Um eine Rechtfertigung für die Konklusion (iii) zu erwerben, genügt es, eine Rechtfertigung für eine Wahrnehmungsüberzeugung mit einem Inhalt vom Typ (ii) zu erwerben, es ist nicht erforderlich, von einem Inhalt vom Typ (ii) auf die Konklusion (iii) zu schließen.

Dieser Einwand zeigt in der Tat, dass das i-ii-iii-Argument, wenn es wie von Wright als skeptisches Argument verstanden wird, nicht haltbar ist. Der Grund hierfür ist, dass zwei Prämissen dieses Arguments, der Konservativismus und die zweite Zusatzprämisse, im Konflikt miteinander stehen. Der oben umrissene Einwand kann jedoch zurückgewiesen werden, wenn mit dem i-ii-iii-Argument lediglich aufgewiesen werden soll, dass der Konservativismus zum Skeptizismus führt. Soll das i-ii-iii-Argument lediglich diese schwächere Konklusion als wahr erweisen (und nicht die stärkere skeptische Konklusion), befindet sich der Konservativismus nicht unter seinen Prämissen. Der aufgezeigte Konflikt zwischen dem Konservativismus und der zweiten Zusatzprämisse lässt sich also nicht gegen das nicht-skeptisch verstandene i-ii-iii-Argument wenden.

Der schwerwiegendste Einwand gegen das i-ii-iii-Argument stammt von Wright selbst. Während dieser noch in seinem im Jahr 2002 erschienenen Aufsatz „(Anti-)Sceptics Simple and Subtle“ das i-ii-iii-Argument als skeptisches Argument zu verstehen und als solches auch zu befürworten scheint, markiert seine Arbeit „Warrant for Nothing (and Foundations for Free)?“ aus dem Jahr 2004 diesbezüglich einen Sinneswandel. Das i-ii-iii-Argument zeigt nach Wrights neuer Auffassung nur, dass ich keine Belege („evidence“) für die Konklusion (iii) habe; was es nicht zeigt, ist, dass ich über gar keine Rechtfertigung („warrant“) für diese Konklusion verfüge (vgl. Wright 2004, 174f.). Nach Wrights neuer Auffassung muss zwischen zwei Arten von Rechtfertigungen unterschieden werden: evidentielle oder auch erworbene Rechtfertigungen einerseits und nicht-evidentielle oder auch nicht-erworbene Rechtfertigungen („entitlements“) andererseits. Eine evidentielle Rechtfertigung für eine Annahme hat man nur, wenn man über Belege für diese Annahme verfügt. Eine nicht-evidentielle Rechtfertigung für eine Annahme kann man dagegen auch dann besitzen, wenn man keine Belege für die fragliche Annahme hat. Daraus, dass ich keine evidentielle Rechtfertigung für eine Annahme habe, folgt nicht, dass ich keine Rechtfertigung simpliciter für diese Annahme habe, denn es könnte ja sein, dass ich eine nicht-evidentielle Rechtfertigung für die fragliche Annahme besitze. In Bezug auf die Konklusion (iii) ist nun genau dies der Fall: Ich habe Wright zufolge keine evidentielle Rechtfertigung für diese Konklusion – dies zeigt das i-ii-iii-Argument –, wohl aber habe ich eine nicht-evidentielle Rechtfertigung für die fragliche Konklusion. Wright vermeidet also in seinen erkenntnistheoretischen Arbeiten seit dem Jahr 2004 die skeptische Konklusion des i-ii-iii-Arguments, indem er einen Typus von Rechtfertigungen, nicht-evidentielle Rechtfertigungen, einführt und behauptet, man verfüge über eine solche Rechtfertigung für die Annahme, es gebe eine materielle Außenwelt.

Von den vier Arten nicht-evidentieller Rechtfertigung, die Wright unterscheidet, ist ihm zufolge nur die „Rechtfertigung der Substanz“ („entitlement of substance“) geeignet zu zeigen, dass man eine nicht-evidentielle Rechtfertigung für die Annahme einer materiellen Außenwelt hat (vgl. Wright 2004, 178–203). Ausgehend von Überlegungen von Kant und Strawson entwickelt Wright eine Argumentation, der zufolge die Annahme von Substanzen außerhalb von uns selbst eine notwendige Bedingung objektiver Erfahrung ist. Da eine objektive Konzeption von Erfahrung unvermeidlich sei, ist man nach Wright gerechtfertigt zu folgern, dass es Substanzen außerhalb von einem selbst gibt.

Wrights Argumentation für die Behauptung, man verfüge über eine nicht-evidentielle Rechtfertigung der Substanz für die Annahme, es gebe eine materielle Außenwelt, ist meines Erachtens nicht zwingend. Das oben erwähnte Argument à la Kant und Strawson hat überhaupt nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn der zugrunde gelegte Begriff der objektiven Erfahrung theoretisch sehr aufgeladen ist. Es ist aber fragwürdig anzunehmen, eine solche theoretisch sehr gehaltvolle Konzeption objektiver Erfahrung sei unvermeidlich.

Statt die gerade umrissene Kritik an Wright auszuarbeiten, werde ich im Folgenden zu zeigen versuchen, dass das i-ii-iii-Argument selbst dann nicht entscheidend getroffen ist, wenn man Wright zugesteht, dass man über eine nicht-evidentielle Rechtfertigung für die Annahme einer materiellen Außenwelt verfügt. Um dieses argumentative Ziel zu erreichen, soll zunächst ein zum ersten Mal von Martin Davies erhobener Einwand gegen Wrights These, man habe eine nicht-evidentielle Rechtfertigung für die Konklusion (iii), näher untersucht werden (vgl. Davies 2004, 222f.; und Wright 2014, 229f.). Der Einwand lautet folgendermaßen: Wenn man eine evidentielle Rechtfertigung für die Prämisse „Hier ist eine Hand“ hat und evidentielle Rechtfertigung unter gewusster Folgerung abgeschlossen ist, dann muss man auch eine evidentielle Rechtfertigung für die Konklusion „Es gibt eine materielle Welt“ haben. Die Annahme, man habe eine nicht-evidentielle Rechtfertigung für die Konklusion (iii), ist also falsch.

Auf diesen Einwand sind zwei Erwiderungen möglich. Man kann erstens, wie Wright in seinem Essay „Warrant for Nothing (and Foundations for Free)?“, bestreiten, dass evidentielle Rechtfertigung unter logischer Folgerung abgeschlossen ist (vgl. Wright 2004, 177f.). Oder aber man akzeptiert das Abgeschlossenheitsprinzip für evidentielle Rechtfertigung, wie Wright in einer neueren Arbeit, und behauptet, aus der Annahme, man habe eine evidentielle Rechtfertigung für die Konklusion (iii), folge nicht, dass man keine nicht-evidentielle Rechtfertigung für diese Konklusion hat, da man sowohl über eine evidentielle als auch über eine nicht-evidentielle Rechtfertigung für die Annahme einer materiellen Welt verfügt (vgl. Wright 2014, 228–235).

Die erste Erwiderung auf Davies’ Einwand führt nicht zu dem beabsichtigten Ziel, denn man kann mit Rekurs auf zwei unproblematische Abgeschlossenheitsprinzipien zeigen, dass man eine evidentielle Rechtfertigung für die Konklusion (iii) hat. Das erste dieser beiden Abgeschlossenheitsprinzipien, die oder-Abgeschlossenheit, lautet wie folgt: Wenn man eine evidentielle Rechtfertigung für „p“ hat und man weiß, dass „p“ „p oder q“ impliziert, dann hat man eine evidentielle Rechtfertigung für „p oder q“.5 Außer diesem Prinzip der oder-Abgeschlossenheit benötigt man noch das Prinzip der Äquivalenz-Abgeschlossenheit, dem zufolge evidentielle Rechtfertigung unter a priori gewusster Äquivalenz abgeschlossen ist.6 Mit diesen beiden Prinzipien lässt sich nun zeigen, dass man über eine evidentielle Rechtfertigung für die Konklusion (iii) verfügt (vgl. Hawthorne 2004, 39–41; Kripke 2011, 199; und McGlynn 2014, 180f.): Man nehme an, „p“ impliziere „q“. Dann ist „q“ ein apriorisches Äquivalent von „p oder q“. Mit dem Prinzip der Äquivalenz-Abgeschlossenheit folgt, dass man eine evidentielle Rechtfertigung für „q“ hat, wenn man eine evidentielle Rechtfertigung für „p oder q“ besitzt. Aufgrund des Prinzips der oder-Abgeschlossenheit hat man eine evidentielle Rechtfertigung für „p oder q“, wenn man eine evidentielle Rechtfertigung für „p“ hat. Setzt man für „p“ „Hier ist eine Hand“ und für „q“ „Es gibt eine materielle Welt“ ein, ergibt sich, dass man eine evidentielle Rechtfertigung für die Konklusion (iii) hat, wenn man über eine solche Rechtfertigung für die Prämisse (ii) verfügt (was unstrittig ist).

Das gerade vorgebrachte Argument zeigt, dass man eine evidentielle Rechtfertigung für die Annahme einer materiellen Welt hat, vorausgesetzt nur, dass die beiden erwähnten unproblematischen Abgeschlossenheitsprinzipien wahr sind. Wrights erste Erwiderung auf Davies’ Einwand führt also nicht zu dem von ihm intendierten Ziel. Wie aber steht es um Wrights zweite Erwiderung, die er in einer neueren Arbeit verfochten hat? Ergibt sich aus der These, man habe eine evidentielle Rechtfertigung für die Konklusion (iii), wirklich nicht, dass man keine nicht-evidentielle Rechtfertigung für diese Konklusion hat? Wie begründet Wright seine These, man würde neben der evidentiellen auch noch eine nicht-evidentielle Rechtfertigung für die fragliche Konklusion besitzen?

Ein Grund, warum Wright an der Annahme, man habe eine nichtevidentielle Rechtfertigung für die Konklusion (iii), festhält, könnte der folgende sein (vgl. Wright 2014, 221f.): Aus dem Konservativismus ergibt sich, dass man nur dann eine Rechtfertigung für die Prämisse (ii) hat, wenn man bereits über eine Rechtfertigung für die Konklusion (iii) verfügt. Kleinkinder haben nun aber eine Rechtfertigung für die Annahme „Hier ist eine Hand“, ohne den Begriff einer materiellen Welt zu besitzen. Also müssen Kleinkinder eineRechtfertigung für die Annahme einer materiellen Welt haben, ohne über den Begriff einer materiellen Welt zu verfügen. Eine solche Rechtfertigung kann nun aber nur eine nicht-evidentielle Rechtfertigung sein, die als epistemisches Recht verstanden wird. Also haben Kleinkinder eine nicht-evidentielle Rechtfertigung für die Konklusion (iii).

Wie die gerade angeführte Argumentation für Wrights Behauptung, man habe eine nicht-evidentielle Rechtfertigung für die Annahme einer materiellen Außenwelt, zu beurteilen ist, kann an dieser Stelle offen bleiben. Denn selbst wenn man Wright diese Behauptung zugibt, kann das skeptische Paradox, das sich aus dem i-ii-iii-Argument ergibt, nicht vollständig aufgelöst werden. Zugegeben: Das ursprüngliche i-ii-iii-Paradox lässt sich auflösen, wenn man annimmt, man habe eine nicht-evidentielle Rechtfertigung für die Konklusion (iii). Es gibt jedoch ein mit dem ursprünglichen i-ii-iii-Paradox eng verwandtes skeptisches Paradox, das mit Rekurs auf diese Annahme nicht aufgelöst werden kann. Dieses skeptische Paradox lässt sich folgendermaßen formulieren: Aus dem i-ii-iii-Argument, dem Konservativismus und den beiden Zusatzprämissen, ergibt sich, dass man keine evidentielle Rechtfertigung für die Annahme einer materiellen Wirklichkeit hat. Aus dem oben skizzierten, auf den Prinzipien der oder- und der Äquivalenz-Abgeschlossenheit aufbauenden Argument ergibt sich jedoch das Gegenteil, nämlich dass man sehr wohl über eine evidentielle Rechtfertigung für die Konklusion (iii) verfügt.7

Meine Replik auf Wrights Einwand gegen sein eigenes i-ii-iii-Argument lässt sich demnach wie folgt zusammenfassen: Erstens, Wrights „offizielles“ Argument für die These, man habe eine nicht-evidentielle Rechtfertigung für die Annahme einer materiellen Wirklichkeit, ist nicht zwingend. Zweitens, selbst wenn man Wright die gerade erwähnte These zugibt, lässt sich ein mit dem ursprünglichen i-ii-iii-Paradox eng verwandtes skeptisches Paradox konstruieren, das nur aufgelöst werden kann, indem man den Konservativismus aufgibt.

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Muss der Konservativismus wegen seiner skeptischen Konsequenzen zurückgewiesen werden (meine erste These), bricht die entscheidende Stütze des Rationalismus weg und man hat keinen Grund mehr zu behaupten, die Rechtfertigung übertrage sich nicht von der Prämisse von Moores Beweis auf seine Konklusion. Gegen diese Argumentation kann ein Rationalist einwenden, seine Position könne mit Rekurs auf wahrscheinlichkeitstheoretische Überlegungen begründet werden. Meine zweite These lautet, dass eine solche Begründung nicht stichhaltig ist. Das wahrscheinlichkeitstheoretische Argument für den Rationalismus scheitert, und zwar nicht deshalb, weil sein formaler Teil fehlerhaft ist, sondern weil sein philosophischer Teil nicht zu überzeugen vermag.

Das in Frage stehende wahrscheinlichkeitstheoretische Argument wurde u.a. von Roger White und Nicholas Silins entwickelt (vgl. White 2006, 531–537; und Silins 2007, 123–126). Meine nun folgende Darstellung dieses Arguments orientiert sich an Ram Netas Rekonstruktion (vgl. Neta 2010, 696f.). Die Aussage „Ich bin ein Gehirn im Tank, dem es nur so scheint, als ob hier eine Hand ist“ sei mit „git“ abgekürzt; die Aussage „Es scheint mir visuell, als ob hier eine Hand ist“ mit „scheint“. „E“ stehe für die visuelle Erfahrung mit dem Inhalt, hier sei eine Hand. Schließlich sei „W“ der Wahrscheinlichkeitsoperator. Das fragliche Argument lässt sich dann folgendermaßen formulieren:

  1. (1)W(git/scheint) = (W(git)/W(scheint)) ×W(scheint/git) (Bayes’ Theorem)
  2. (2)W(scheint/git) = 1(da git scheint impliziert)
  3. (3)W(git/scheint) = W(git)/W(scheint)(aus 1, 2)
  4. (4)W(scheint) < 1, W(git) > 0
  5. (5)W(git/scheint) > W(git)(aus 3, 4)
  6. (6)E erhöht den rationalen Glaubensgrad in git.(aus 5)
  7. (7)E verringert den rationalen Glaubensgrad in ¬git.(aus 6)
  8. (8)E rechtfertigt einen nicht, ¬git für wahr zu halten. (aus 7)
  9. (9)Die Rechtfertigung überträgt sich nicht von der Prämisse von Moores Beweis auf seine Konklusion.(aus 8)

Der formale Teil des eben dargestellten Arguments, also die Argumentation von der Prämisse (1) bis zum Lemma (5), ist schlüssig; dies gilt aber nicht für den „philosophischen“ Teil des Arguments, also die Schritte von dem Lemma (5) bis zur Konklusion (9). Im Folgenden soll insbesondere gezeigt werden, dass die Konklusion (9) nicht aus der Behauptung (8) abgeleitet werden kann. – Der Schritt von dieser Behauptung zur Konklusion des wahrscheinlichkeitstheoretischen Arguments ist streng genommen nur dann gerechtfertigt, wenn man die folgende These als implizite Zusatzprämisse akzeptiert:

  1. (8.1)Wenn sich die Rechtfertigung von der Prämisse von Moores Beweis auf seine Konklusion überträgt, rechtfertigt einen E, ¬git für wahr zu halten.

Diese Zusatzprämisse ist nun aber fragwürdig, da sich die Konklusion von Moores Beweis, „Es gibt eine materielle Welt“, von der Aussage ¬git unterscheidet. Ein naheliegender Ausweg aus dieser Schwierigkeit besteht darin, Moores Beweis so zu reformulieren, dass die Aussage ¬git seine Konklusion bildet. Das wahrscheinlichkeitstheoretische Argument zeigt dann aber höchstens, dass sich die Rechtfertigung nicht von der Prämisse „Hier ist eine Hand“ auf die Konklusion „Ich bin kein Gehirn im Tank, dem es nur so scheint, als ob hier eine Hand ist“ überträgt. Was dieses Argument nicht zeigt, ist, dass sich die Rechtfertigung nicht von der Prämisse „Hier ist eine Hand“ auf die Konklusion „Es gibt eine materielle Welt“ überträgt. Daran ändert sich auch dann nichts, wenn man im wahrscheinlichkeitstheoretischen Argument die Aussage ¬git durch die Aussage „Es gibt eine materielle Welt“ und die Aussage git durch die Aussage „Es gibt keine materielle Welt“ ersetzt. Denn ein auf diese Weise revidiertes Argument ist nicht triftig: Seine zweite Prämisse ist unbegründet, da die Aussage „Es gibt keine materielle Welt“ – im Gegensatz zu der Aussage git – nicht die Aussage „Es scheint mir visuell, als ob hier eine Hand ist“ impliziert. Kurz: Das wahrscheinlichkeitstheoretische Argument vermag den Rationalismus höchstens für einen Teil aller Moore’schen Beweise zu begründen.

Die gerade angestellten Überlegungen legen die Vermutung nahe, dass nicht nur das revidierte, sondern auch das nicht-revidierte wahrscheinlichkeitstheoretische Argument fehlerhaft ist. Denn warum sollte das Prinzip der Rechtfertigungsübertragung für einen Moore’schen Beweis mit der Konklusion „Es gibt eine materielle Welt“ wahr sein, aber nicht für einen Moore’schen Beweis mit der Konklusion „Ich bin kein Gehirn im Tank, dem es nur so scheint, als ob hier eine Hand ist“? Im Folgenden soll jedenfalls der Versuch unternommen werden, die erwähnte Vermutung zu erhärten.

Die Schwachstelle des nicht-revidierten wahrscheinlichkeitstheoretischen Arguments ist die Zusatzprämisse (8.1). Warum sollte man sie akzeptieren? Man nehme an, ihr Antecedens sei wahr: Wenn man eine Rechtfertigung für die Prämisse „Hier ist eine Hand“ erwirbt und auf die Konklusion „Ich bin kein Gehirn im Tank, dem es nur so scheint, als ob hier eine Hand ist“ schließt, erwirbt man eben dadurch eine Rechtfertigung für diese Konklusion. Warum ergibt sich daraus, dass einen E, also die visuelle Erfahrung mit dem Inhalt, hier sei eine Hand, darin rechtfertigt, die Konklusion ¬git für wahr zu halten? Ist es nicht viel naheliegender anzunehmen, man verfüge in der geschilderten Situation über eine zum Teil visuelle, zum Teil inferentielle Rechtfertigung für die Konklusion ¬git?

Ein Befürworter des wahrscheinlichkeitstheoretischen Arguments könnte die Zusatzprämisse (8.1) folgendermaßen verteidigen: Da der Konservativismus zum Rationalismus führt, ist der Dogmatismus wahr, wenn der Mooreianismus zutrifft. Ein Vertreter des Dogmatismus behauptet nun aber, man verfüge über eine Rechtfertigung für eine Annahme mit einem bestimmten Inhalt, wenn man eine Erfahrung mit dem gleichen Inhalt hat. Ist also der Dogmatismus wahr, so ist das Haben von E hinreichend dafür, dass man über eine Rechtfertigung für die Prämisse „Hier ist eine Hand“ verfügt. Hat man jedoch eine solche Rechtfertigung, besitzt man auch eine Rechtfertigung für die Konklusion ¬git. Trifft folglich der Mooreianismus zu, ist das Haben von E hinreichend dafür, dass man eine Rechtfertigung für die Konklusion ¬git hat. q.e.d.

Die dritte Prämisse dieses Arguments besagt, man habe eine Rechtfertigung für die Konklusion ¬git, wenn man über eine Rechtfertigung für die Annahme „Hier ist eine Hand“ verfügt. Diese Prämisse lässt sich mit dem folgenden Abgeschlossenheitsprinzip begründen: Wenn man eine Rechtfertigung für die Annahme p hat und weiß, dass p q impliziert, dann hat man auch eine Rechtfertigung für die Annahme q. Aus diesem Prinzip und der unproblematischen These, die fragliche Person wisse, dass die Annahme „Hier ist eine Hand“ die Konklusion ¬git impliziert, folgt die dritte Prämisse des oben angeführten Arguments. Wie bereits zu Beginn dieses Aufsatzes erwähnt, ist aber das fragliche Abgeschlossenheitsprinzip seit Dretskes Kritik an diesem Prinzip alles andere als unstrittig.

Gegen die oben vorgebrachte Begründung der Zusatzprämisse (8.1) lässt sich noch ein zweiter Einwand erheben. Er richtet sich gegen die Behauptung, der Dogmatismus impliziere, dass das Haben von E hinreichend dafür ist, dass man eine Rechtfertigung für die Prämisse „Hier ist eine Hand“ hat. Der Dogmatismus ist eine Theorie über die Konstitutionsbedingungen von Tatsachen der Form „Die Erfahrung x rechtfertigt die Wahrnehmungsüberzeugung y“; er besagt, das Haben einer Rechtfertigung für die Annahme „Es gibt eine materielle Welt“ gehöre nicht zu diesen Konstitutionsbedingungen (vgl. Silins 2007, 110–115). Der Dogmatismus macht also als solcher keine Aussagen darüber, wann Erfahrungen Überzeugungen rechtfertigen; er impliziert nicht, dass man eine Rechtfertigung für eine Annahme mit einem bestimmten Inhalt hat, wenn man über eine Erfahrung mit dem gleichen Inhalt verfügt.

Insbesondere der gerade erhobene zweite Einwand zeigt, dass die oben skizzierte Begründung der Zusatzprämisse (8.1) nicht aufrecht zu erhalten ist. Das wahrscheinlichkeitstheoretische Argument für den Rationalismus ist daher nicht stichhaltig (meine zweite These). Ist das auf dem Konservativismus basierende Argument für den Rationalismus ebenfalls nicht überzeugend, weil der Konservativismus zum Skeptizismus führt und daher inakzeptabel ist (meine erste These), scheint das Ziel dieses Essays erreicht zu sein: nämlich die Verteidigung des dogmatischen Mooreianismus. Ein Einwand liegt an dieser Stelle jedoch nahe: Könnte es nicht sein, dass man nicht nur Gründe gegen den Konservativismus, sondern auch Gründe gegen den Dogmatismus hat? Meine dritte These lautet: Dies ist nicht der Fall. Alle bisher vorgebrachten Bedenken gegen den Dogmatismus in der Wahrnehmungstheorie können mit gutem Grund zurückgewiesen werden.

4

Ich werde mich in diesem Abschnitt auf die Darstellung und Kritik der zwei erfolgversprechendsten Einwände gegen den Dogmatismus beschränken. Es handelt sich dabei um den wahrscheinlichkeitstheoretischen Einwand sowie um den auf dem Konservativismus auf der Ebene der Behauptbarkeit basierenden Einwand.8 Der vor allem von Roger White verfochtene wahrscheinlichkeitstheoretische Einwand gegen den Dogmatismus baut auf dem formalen Teil des oben diskutierten wahrscheinlichkeitstheoretischen Arguments für den Rationalismus auf (vgl. White 2006, 532–534). Whites Einwand lässt sich folgendermaßen rekonstruieren (vgl. Silins 2007, 129f.; und Moretti 2015, 268; die Aussage „Hier ist eine Hand“ sei mit „hand“ abgekürzt):

  1. (5)W(git/scheint) > W(git)
  2. (10)W(¬git) > W(¬git/scheint)(aus 5)
  3. (11)W(¬git/scheint) ≥ W(hand/scheint)(da hand ¬git impliziert)
  4. (12)W(¬git) > W(hand/scheint)(aus 10, 11)
  5. (13)Wenn E hand rechtfertigt, hat man eine Recht-fertigung für ¬git. (aus 12)
  6. (14)E rechtfertigt einen nicht, ¬git für wahr zu halten.
  7. (15)Wenn E hand rechtfertigt, hat man eine unabhängige Rechtfertigung für ¬git.(aus 13, 14)

Befürworter des Dogmatismus haben auf diesen Einwand in zwei unterschiedlichen Weisen reagiert. Sie haben entweder behauptet, der wahrscheinlichkeitstheoretische Teil des Einwands, also die Annahmen (1) bis (5) und (10) bis (12), müsse so revidiert werden, dass die These (12) nicht mehr ableitbar ist (vgl. hierzu Tucker 2013, 16–20). Oder sie haben behauptet, der wahrscheinlichkeitstheoretische Teil des Einwands sei unproblematisch, aus den Annahmen (12) bis (15) ergebe sich jedoch nicht, dass der Dogmatismus falsch ist (vgl. Silins 2007, 129–134; und Moretti 2015, 271–274). Ich beginne meine Diskussion des wahrscheinlichkeitstheoretischen Einwands mit der Erörterung einer Variante der zweiten Erwiderung.

Ein Befürworter dieser Variante, wie Nicholas Silins, behauptet, die Konklusion (15) des wahrscheinlichkeitstheoretischen Einwands impliziere nicht, dass der Dogmatismus falsch ist. Die Konklusion (15) besage lediglich, das Verfügen über eine unabhängige Rechtfertigung für die Annahme ¬git sei eine notwendige Bedingung dafür, dass die Erfahrung E die Annahme „Hier ist eine Hand“ rechtfertigt. Ein Gegner des Dogmatismus verfechte jedoch die stärkere These, das Haben einer unabhängigen Rechtfertigung für die Annahme ¬git gehöre zu den Konstitutionsbedingungen dafür, dass die Erfahrung E die Annahme „Hier ist eine Hand“ rechtfertigt. Ein Vertreter des Dogmatismus könne also sehr wohl zugeben, dass die Konklusion (15) wahr ist, ohne damit seine eigene Position zu gefährden.

An dieser Stelle mag man zu bedenken geben, die Konklusion (15) impliziere zwar nicht die Falschheit des Dogmatismus, der Konservativismus sei jedoch die beste Erklärung für das Zutreffen dieser Konklusion. Die Korrelation zwischen perzeptueller Rechtfertigung für die Annahme „Hier ist eine Hand“ und dem Verfügen über eine unabhängige Rechtfertigung für die Aussage ¬git könne nur erklärt werden, wenn man annimmt, das letztere Korrelat gehöre zu den Konstitutionsbedingungen für das erstere Korrelat. Auf diesen Einwand entgegnet Silins, die fragliche Korrelation könne auch ohne diese Annahme, ohne Rekurs auf Konstitutionsbedingungen, erklärt werden, nämlich mit Rückgriff auf die These, man habe eine „automatische Rechtfertigung“ („default entitlement“) für die Aussage ¬git (vgl. Silins 2007, 132f.). Gegen diesen Versuch, die fragliche Korrelation ohne Rekurs auf Konstitutionsbedingungen zu erklären, wurde wiederum geltend gemacht, es existierten auch für automatische Rechtfertigungen sog. „unterhöhlende Besieger“ („undercutting defeaters“) (vgl. Kotzen 2012, 63–65).9

Die geschilderte argumentative Dialektik soll nun weitergeführt werden, und zwar indem gezeigt wird, dass der wahrscheinlichkeitstheoretische Einwand gegen den Dogmatismus selbst dann zurückgewiesen werden kann, wenn es sich herausstellen sollte, dass der von Silins verfochtene Erklärungsversuch scheitert. In seiner Diskussion des wahrscheinlichkeitstheoretischen Einwands vertritt Luca Moretti die These, man dürfe von der Ungleichung (12) auf den Konservativismus schließen, da dieser die beste Erklärung für jene Ungleichung sei (vgl. Moretti 2015, 270f.). Nun ist aber die fragliche Ungleichung wahrscheinlichkeitstheoretisch herleitbar: Sie folgt aus den wahren Prämissen (1), (2), (4) und (11). Es gibt also eine wahrscheinlichkeitstheoretische Erklärung für die Ungleichung (12). Diese Erklärung ist offensichtlich weit unproblematischer als eine Erklärung, die auf den Konservativismus mit seinen skeptischen Konsequenzen rekurriert.

In Bezug auf die Konklusion (15) verhält es sich nun ganz ähnlich. Auch hier sind wir im Besitz einer relativ unproblematischen Erklärung: Die fragliche Konklusion kann aus den oben genannten Prämissen und der Prämisse (14) abgeleitet werden. Um das Zutreffen der Konklusion (15) zu erklären, muss man also nicht auf „automatische Rechtfertigungen“ (Silins) oder den Konservativismus (White, Wright) zurückgreifen. Selbst wenn der von Silins vertretene Erklärungsversuch scheitern sollte, hat man noch keinen Grund, eine Erklärung, die auf dem Konservativismus basiert, für wahr zu halten, denn es gibt ja noch eine dritte, prima facie plausible Erklärung.10 Auch wenn Silins’ Erklärung nicht haltbar ist, vermag der wahrscheinlichkeitstheoretische Einwand gegen den Dogmatismus folglich nicht zu überzeugen.

Aber könnte es sich nicht herausstellen, dass eine der Prämissen der gerade befürworteten, fast ganz wahrscheinlichkeitstheoretischen Erklärung des Zutreffens der Konklusion (15), also eine der Prämissen (1), (2), (4), (11) und (14), falsch ist? Auf diesen Einwand kann man mit dem folgenden Dilemma antworten: Entweder ist eine der genannten Prämissen, also eine der Prämissen des wahrscheinlichkeitstheoretischen Einwands gegen den Dogmatismus, falsch (oder ein Ableitungsschritt nicht gerechtfertigt), dann leistet dieser Einwand offensichtlich nicht, was er zu leisten vorgibt. Oder es sind alle oben erwähnten Prämissen wahr (und alle Ableitungsschritte gerechtfertigt), dann hat man eine Erklärung für das Zutreffen der Konklusion (15), die philosophisch zufriedenstellender ist als eine Erklärung, die auf den Konservativismus mit seinen skeptischen Konsequenzen zurückgreift. Auch dann ist also der wahrscheinlichkeitstheoretische Einwand gegen den Dogmatismus nicht stichhaltig.

Die gerade vorgebrachte Erwiderung auf den wahrscheinlichkeitstheoretischen Einwand setzt, im Gegensatz zu der im Absatz zuvor vertretenen Erwiderung, nicht voraus, dass die oben genannten Prämissen wahr und die entsprechenden Ableitungsschritte gerechtfertigt sind (denn sie beruht ja auf der Schlussregel des klassischen Dilemmas). Ein Befürworter dieser Erwiderung muss daher auch nicht annehmen, die Konklusion (15) sei wahr. Dies ist ein entscheidender Vorteil dieser Erwiderung. Denn man könnte argumentieren, ein entsprechend modifiziertes i-ii-iii-Argument zeige, dass nicht nur der Konservativismus, sondern auch die Behauptung (15) zum Skeptizismus führt und daher inakzeptabel ist. Dies spricht gegen Erwiderungen auf den wahrscheinlichkeitstheoretischen Einwand, deren Vertreter (wie Silins) annehmen, die Konklusion (15) sei wahr, man könne aber von ihr nicht auf den Konservativismus schließen.11

In einer Reihe von neueren Arbeiten führt Wright eine Unterscheidung ein, auf deren Grundlage er einen auf den ersten Blick vielversprechenden Einwand gegen den Dogmatismus entwickelt. Gemeint ist die Unterscheidung zwischen der Ebene der „Rechtfertigungen“ („warrants“) und der Ebene der „rationalen Behauptbarkeit von Rechtfertigungen“ („claimability of warrants“) (vgl. Wright 2007, 2011, 2012, 2014). Nach Wright kann man vernünftigerweise behaupten, man habe eine bestimmte Rechtfertigung, wenn man in der Lage ist, in einer rationalen Diskussion die These, man habe diese Rechtfertigung, gegen Einwände zu verteidigen (vgl. Wright 2014, 218–220).

Wright zufolge lässt sich der Dogmatismus auf der Ebene der Rechtfertigungen (bezogen auf das Zebra-Beispiel) als die These formulieren, eine Person sei gerechtfertigt zu glauben, das Tier im Käfig sei ein Zebra, wenn sie eine Erfahrung gleichen Inhalts hat und über keinen Grund verfügt, daran zu zweifeln, dass ihre Sinne zuverlässig sind (vgl. Wright 2007, 32–34). Welche These entspricht aber dem Dogmatismus auf der Ebene der rationalen Behauptbarkeit von Rechtfertigungen? Man betrachte die folgende Annahme, die Wright „Hypothese der einfachen Anhebung“ („Simple Elevation Hypothesis“) nennt: Wenn die Bedingung B hinreichend dafür ist, dass eine Person P gerechtfertigt ist, die Annahme A für wahr zu halten, dann gilt: Kann P vernünftigerweise behaupten, B liege vor, so kann sie auch vernünftigerweise behaupten, sie sei gerechtfertigt, A für wahr zu halten. Aus dieser Hypothese und dem Dogmatismus auf der Ebene der Rechtfertigungen ergibt sich nun nach Wright die folgende These: Wenn eine Person vernünftigerweise behaupten kann, ihr scheine es visuell so, als ob das Tier im Käfig ein Zebra sei, und sie habe keinen Grund, daran zu zweifeln, dass ihre Sinne zuverlässig sind, dann kann die fragliche Person vernünftigerweise behaupten, sie sei gerechtfertigt zu glauben, das Tier im Käfig sei ein Zebra.

Um zu zeigen, dass diese These, also der Dogmatismus auf der Ebene der rationalen Behauptbarkeit von Rechtfertigungen, nicht aufrechtzuerhalten ist, greift Wright auf Dialoge wie den folgenden zurück (vgl. Wright 2007, 34f., und 2014, 219): „Warum glauben Sie, das Tier im Käfig sei ein Zebra?“ – „Weil es mir visuell so scheint, als ob das Tier im Käfig ein Zebra sei, und ich keinen Grund habe zu glauben, meine Sinne seien nicht zuverlässig.“ – „Sie nehmen also an, ihr visuelles System sei zuverlässig?“ – „Da will ich mich nicht festlegen. Ich wiederhole mich: Es scheint mir visuell so, als ob das Tier im Käfig ein Zebra sei, und ich habe keinen Grund zu glauben, meine Sinne seien nicht zuverlässig. Dies ist hinreichend dafür, dass ich über eine Rechtfertigung für die Annahme, das Tier im Käfig sei ein Zebra, verfüge.“ – Wright zufolge ist diese letzte Antwort irrational. Angebracht sei es dagegen, mit „Natürlich!“ zu antworten. Dies zeigt nach Wright, dass man, wenn man die These „Ich habe eine Rechtfertigung für die Annahme, das Tier im Käfig sei ein Zebra“ gegen Einwände verteidigen will, auf mehr zurückgreifen muss als auf die (rationale Behauptbarkeit der) These „Es scheint mir visuell so, als ob das Tier im Käfig ein Zebra sei, und ich habe keinen Grund zu glauben, meine Sinne seien nicht zuverlässig“. Der Dogmatismus auf der Ebene der rationalen Behauptbarkeit von Rechtfertigungen muss also Wright zufolge zurückgewiesen werden. Nun ist aber die Hypothese der einfachen Anhebung nach Wright wahr. Folglich müsse auch der Dogmatismus auf der Ebene der Rechtfertigungen abgelehnt werden.

Auf diesen Einwand lässt sich zum einen erwidern, Wright habe es versäumt, einen Grund vorzubringen, warum man die Hypothese der einfachen Anhebung für wahr halten soll. Zum anderen kann man darauf hinweisen, dass man darüberhinaus auch noch einen Grund hat, die Hypothese der einfachen Anhebung für falsch zu halten. Man hat einen solchen Grund, da das folgende Argument überzeugend ist: Der Dogmatismus auf der Ebene der Rechtfertigungen ist wahr (da der Konservativismus zum Skeptizismus führt). Der Dogmatismus auf der Ebene der Behauptbarkeit von Rechtfertigungen ist dagegen falsch (wie Dialoge, wie der oben skizzierte, zeigen). Also ist die Hypothese der einfachen Anhebung falsch (denn aus dem Dogmatismus auf der Ebene der Rechtfertigungen und dieser Hypothese folgt der Dogmatismus auf der Ebene der Behauptbarkeit von Rechtfertigungen).

Gegen diese Erwiderung auf Wrights Einwand kann man wiederum einwenden, die Begründung der ersten Prämisse des gerade angeführten Arguments sei fragwürdig, da sich aus der Falschheit des Konservativismus der Dogmatismus, wie ihn Wright versteht (s.o.), nicht ableiten lässt. Darauf kann man Folgendes antworten: Entweder gibt es ein überzeugendes Argument von der Falschheit des Konservativismus zum Dogmatismus, wie Wright ihn versteht, dann ist der vorgebrachten Erwiderung auf Wright zuzustimmen. Oder aber es gibt kein solches Argument, dann ist ein Befürworter des Dogmatismus, wie er hier verstanden wird, nämlich als die Negation der Konstitutionsthese des Konservativismus, nicht auf den Dogmatismus à la Wright festgelegt. Wrights Einwand trifft dann nicht den Dogmatismus, wie er hier verstanden wird.

5

Ziel dieses Essays war es zu zeigen, dass man eben dadurch eine Rechtfertigung für die Konklusion von Moores Beweis erwirbt, dass man eine Rechtfertigung für seine Prämisse erwirbt und, seine Gültigkeit einsehend, auf seine Konklusion schließt. Das Prinzip der Rechtfertigungsübertragung gilt also, gegen Wright, in Moores Beweis. Dieses Resultat legt die Vermutung nahe, dass sich Wright auch dann irrt, wenn er behauptet, das Prinzip der Rechtfertigungsübertragung schlage auch in der McKinsey-Paradoxie fehl. Eine Prüfung dieser weitergehenden Behauptung von Wright muss jedoch einer anderen Gelegenheit vorbehalten bleiben.

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1

Rechtfertigung wird hier als propositionale, nicht als doxastische Rechtfertigung verstanden. Eine Person P hat eine propositionale Rechtfertigung für eine Proposition q, wenn es für P epistemisch angemessen wäre, an q zu glauben; ob P nun tatsächlich an q glaubt oder nicht. Dagegen hat P eine doxastische Rechtfertigung für q, wenn P aufgrund ihrer propositionalen Rechtfertigung für q an q glaubt.

Nicholas Silins argumentiert, der in dem Prinzip der Rechtfertigungsübertragung verwendete Begriff der Rechtfertigung müsse der Begriff der doxastischen Rechtfertigung sein, da dieses Prinzip sonst in vielen legitimen Argumenten – wie z.B. „Moby Dick ist ein Wal. Also ist Moby Dick ein Säugetier“ – fehlschlägt (vgl. Silins 2005, 74–76). Ich halte dennoch an meiner Interpretation von Wrights Prinzip fest, und zwar aus zwei Gründen. Erstens ist nicht einzusehen, warum ein Argument nicht „legitim“ sein kann, auch wenn sich die Rechtfertigung nicht von seinen Prämissen auf seine Konklusion überträgt. Zum zweiten Grund siehe die Fußnote 2.

2

Der letzte Argumentationsschritt lässt sich genauer wie folgt fassen: Aus der These, man habe u.a. dank der Tatsache eine Rechtfertigung für die Prämisse (ii), dass man über eine propositionale Rechtfertigung für die Konklusion (iii) verfügt, ergibt sich, dass man eine propositionale Rechtfertigung für diese Konklusion erwirbt, wenn man eine Rechtfertigung für die Prämisse (ii) erwirbt. Daraus wiederum ergibt sich, dass man nicht eben dadurch zum ersten Mal eine propositionale Rechtfertigung für die Konklusion (iii) erwirbt, dass man eine Rechtfertigung für die Prämisse (ii) erwirbt und von dieser Prämisse, die Gültigkeit von Moores Argument einsehend, auf die Konklusion (iii) schließt.

Aus der oben erwähnten These ergibt sich jedoch nicht, dass die doxastische Rechtfertigungsübertragung fehlschlägt. Denn Folgendes könnte der Fall sein: Die oben erwähnte These ist wahr, und eine bestimmte Person gründet dadurch, dass sie auf die Konklusion (iii) schließt, ihre Überzeugung, diese Konklusion sei wahr, zum ersten Mal auf ihre propositionale Rechtfertigung für diese Konklusion, die sie schon vor diesem Schluss besaß; genauer gesagt: Sie erwirbt eben dadurch, dass sie eine Rechtfertigung für die Prämisse (ii) erwirbt und von dieser Prämisse auf die Konklusion (iii) schließt, zum ersten Mal eine doxastische Rechtfertigung für diese Konklusion.

Aus der oben genannten These lässt sich also genau dann ableiten, dass das Prinzip der Rechtfertigungsübertragung fehlschlägt, wenn der in ihm verwendete Rechtfertigungsbegriff der Begriff der propositionalen und nicht der doxastischen Rechtfertigung ist. Dies spricht, Nachsicht vorausgesetzt, für meine und gegen Silins’ Interpretation dieses Prinzips (siehe dazu auch die Fußnote 1).

3

Meine Erläuterung der beiden Ausdrücke weicht von Silins’ Erläuterung zu Beginn seines Essays ab, entspricht aber seiner Verwendung dieser Ausdrücke im weiteren Verlauf seines Aufsatzes (vgl. z.B. Silins 2007, 121f.).

4

Genau genommen finden sich bei Wright zwei unterschiedliche Auffassungen der Rechtfertigung von Wahrnehmungsurteilen: eine in der ersten Zusatzprämisse des ursprünglichen i-ii-iii-Arguments, eine andere in dem reformulierten skeptischen Argument. Wrights ursprüngliche Rechtfertigungskonzeption ist weitaus überzeugender als die in das reformulierte i-ii-iii-Argument eingehende, die von ihm auch gar nicht begründet wird. Wenn man also zeigen könnte, dass die zuverlässigkeitstheoretische Rechtfertigungskonzeption falsch ist, hätte man auch gezeigt, dass Wrights ursprüngliche Auffassung von Rechtfertigung richtig ist, und man hätte vorerst keinen Grund, das ursprüngliche i-ii-iii-Argument zurückzuweisen. (Diese Bevorzugung des ursprünglichen i-ii-iii-Arguments gegenüber dem ­reformulierten spielt mir insofern in die Karten, als man, wenn überhaupt, dann nur mit dem ursprünglichen, nicht aber mit dem reformulierten i-ii-iii-Argument zeigen kann, dass der Konservativismus zum Skeptizismus führt.).

5

Aidan McGlynn und Crispin Wright untermauern dieses intuitiv plausible Prinzip mit, wie ich finde, überzeugenden Argumenten (vgl. McGlynn 2014, 182f.; und Wright 2014, 232).

6

Wright weist darauf hin, dass bis vor kurzem niemand explizit behauptet hat, das Prinzip der Äquivalenz-Abgeschlossenheit sei falsch (vgl. Wright 2014, 232). Unter den äußerst raren Kritikern dieses Prinzips sind Brett Sherman, Gilbert Harman und Stephen Yablo (vgl. Sherman und Harman 2011, insb. 137; und Yablo 2014, Kap. 7, insb. 119–121).

7

In seinem Aufsatz aus dem Jahr 2014 scheint Wright alle Annahmen, die zu dem gerade geschilderten Paradox führen, für wahr zu halten. Dass aus ihnen ein Widerspruch folgt, entgeht ihm aber offenbar.

8

Ein dritter prima facie überzeugender Einwand gegen den Dogmatismus wurde kürzlich von Silins vorgebracht (vgl. Silins 2014). Da er jedoch von Silins selbst auf triftige Weise kritisiert wird, muss hier nicht näher auf ihn eingegangen werden.

9

Zu einer anderen Kritik an Silins’ Erklärungsversuch vgl. Neta 2010, 698–701.

10

Sowohl Befürworter einer Erklärung mit Rekurs auf „automatische Rechtfertigungen“ (wie Silins) als auch Gegner einer solchen Erklärung (wie Kotzen und Neta) scheinen fälschlicherweise davon auszugehen, es gebe neben Silins’ Erklärungsansatz nur noch einen ernst zu nehmenden Erklärungsansatz, nämlich den auf Wrights Konservativismus beruhenden.

11

Offenbar hat man es hier wieder mit einem Paradox zu tun: Aus den Prämissen (1), (2), (4), (11) und (14) ergibt sich, dass die Behauptung (15) wahr ist; da diese Behauptung zum Skeptizismus führt, muss sie jedoch falsch sein. – Wie dieses Paradox aufzulösen ist, kann im Rahmen dieser Arbeit nicht untersucht werden. Hier sei nur darauf hingewiesen, dass man das fragliche Paradox nicht mit Rekurs auf das oben vorgebrachte (entsprechend modifizierte) Dilemma auflösen kann.

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