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Sabine Seichter Salzburg

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Die Frage, was pädagogisches Handeln eigentlich ist, und damit, was den Kern pädagogischer Professionalität ausmacht, ist für die Pädagogik von Beginn ihrer wissenschaftlichen Begründung bis heute ein essenzielles Dauerthema. Umso erstaunlicher ist es, dass eine präzise Klärung des vermeintlich pädagogisch Eigentlichen bzw. die grundlegende allgemeinpädagogische Frage nach einer spezifischen Struktur und nach maßgebenden Formen pädagogischen Handelns nach wie vor eher verhalten ausfällt. Auch angesichts der zunehmenden Pluralität pädagogischer Berufs- und Handlungsfelder sowie der Vielheit pädagogischer Akteur_innen verharrt eine systematische Analyse nicht selten im Unklaren. Angesichts der Komplexität und Problematik der Thematik soll hier erneut der Versuch unternommen werden, das »Wesen« des pädagogischen Handelns und damit den Charakter der pädagogischen Professionalität herauszuarbeiten, mithin begrifflich zu klären und zu analysieren. Der Themenschwerpunkt »Pädagogisches Handeln – Pädagogische Professionalität« drängt sich nicht zuletzt aufgrund einer notwendigen Stärkung der Erziehungswissenschaft sowohl als wissenschaftlicher Disziplin als auch als praktischer Profession auf.

In seinem Beitrag »Begriff: Pädagogische Professionalität – mehrebenentheoretische Perspektiven« prüft Werner Helsper unterschiedliche Definitionen von professionellem Handeln, Professionalität und Professionalisierung, um von diesen her Besonderheiten pädagogischer Professionalität herauszuarbeiten. Prospektiv argumentiert der Autor für die Notwendigkeit eines mehrstufigen Ansatzes für eine Theorie pädagogischer Professionalität.

Der Beitrag »›Professionalität‹ im erziehungswissenschaftlichen Kommunikationsraum« von Edwin Keiner nutzt die Perspektive der Wissenschaftsforschung, um Profile der Thematisierung von »Professionalität« in der Erziehungswissenschaft aufzuzeigen. Angesichts der wachsenden Heterogenität von pädagogischen Tätigkeiten, Feldern und Organisationen könnte sich, so Keiner, möglicherweise das Konzept einer übergreifend gefassten pädagogischen Professionalität heute überholt haben.

Stephan Ellinger analysiert in seinem Beitrag »Theorie für die Praxis oder Praxis für die Theorie?« das Spannungsverhältnis zwischen Theorie und Praxis aus drei Perspektiven. Zunächst werden die Mechanismen beschrieben, die zu einer Entwertung der Theorie und zur Entwicklung von Willkür in pädagogischen Handlungsfeldern führen. Die zweite Perspektive verdeutlicht, dass die Pädagogik in ihrer spezifischen Eigenschaft als praktische Wissenschaft zwangsläufig durch Praxis und Theorie zugleich konstituiert ist, und drittens wird diachronisch erkennbar, dass die Hochschulpädagogik zunächst nicht als eigenständige Wissenschaft anerkannt wird und stattdessen von anderen Nachbardisziplinen »belegt« wird.

In ihrem Beitrag »Professionalität und Ethos: monolithisch-personale Domänen des pädagogischen Takts« rekonstruiert Barbara Fageth die Bedeutung des pädagogischen Takts als Vermittlungsprinzip zwischen Theorie und Praxis in Professionalisierungsdebatten und beschreibt das Konzept des pädagogischen Takts als ein ethisch normativ verstandenes Antinomiekonzept in der Pädagogik, um vor diesem Hintergrund die Bedeutung für eine pädagogisch-professionelle Haltung herauszuarbeiten.

In ihrem Artikel »Pädagogisches Handeln – Pädagogische Professionalität – Pädagogisches Ethos: Plädoyer für eine phänomenologische Professionstheorie« fragen Evi Agostini und Agnes Bube nach einem Verständnis pädagogischer Professionalität aus einer phänomenologischen Perspektive und unter besonderer Bezugnahme auf eine pädagogische Ethik.

Im Allgemeinen Teil zeigen Daniel Castner und Anja Kraus in ihrem Beitrag »What is ›Acting Upon Educational Goals?‹ From a Reform Pedagogics’ and Social Efficiency’s Perspective« auf, dass sich US-amerikanische Curriculum- und Didaktik-Modelle, v.a. hinsichtlich professionellen Könnens, sich von deutschsprachigen Modellen fundamental unterscheiden. Im Betrag wird dies anhand zweier historischer Persönlichkeiten näher ausgeführt und zwar an dem deutschen Reformpädagogen Martin Wagenschein (1896–1988) und an dem US-Amerikaner John F. Bobbitt (1876–1956), der das Pendant zur deutschen Schulpädagogik oder Allgemeinen Didaktik darstellt und die sog. Curriculum Studies entscheidend mitgeprägt hat.

Michael Günter analysiert in seinem Artikel »Vom Schuldner zum Freund. Wie Eltern gemäß Aristoteles und John Locke eine gelungene Beziehung zu ihren Erwachsen-gewordenen Kindern einrichten können« den intergenerationalen »Kampf« zwischen Eltern und ihren heranwachsenden Kindern, und der Autor erörtert dabei besonders die interpersonalen Herausforderungen auf dem Weg des Mündigwerdens der Kinder (auch für die Eltern).

Die Rezensionen geben vertiefte Einblicke in pädagogisch-anthropologische und bildungstheoretische Veröffentlichungen und laden zum eigenen Nach- und Weiterdenken ein.

Die Schriftleiterin bedankt sich bei allen Autor_innen und den Begutachter_innen der eingegangenen Beiträge. Ein besonderer Dank gilt den Salzburger Mitarbeiter_innen Claudia Schwertl und Matthias Steffel für die redaktionelle Mitgestaltung des Heftes.

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