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Kürzlich entdeckte karaimische Übersetzungen der Hebräischen Bibel: Geschichte und Textbeziehung

In: Vetus Testamentum
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  • 1 Institut für Linguistik, Translatologie und Hungarologie, Jagiellonen-UniversitätKrakauPolen
Open Access

Abstract

Recent research results have substantially broadened our knowledge regarding existing translations of the Hebrew Bible into Karaim. In the past few years numerous Biblical texts have been discovered that are among the oldest texts written in this moribund language. In this paper, the author presents the oldest known Karaim texts as well as recently discovered Karaim translations of the entire Tanakh and attempts to draw some preliminary conclusions on the relationship between them. Namely, the textual and stylistic similarities between Biblical manuscripts created separately in Karaim communities located far from one another in the regions of Crimea, Lithuania, Volhynia, and Galicia (including a considerable number of shared errores significativi) highlight the close affinities between these manuscripts and suggest that a common tradition of Bible translation must have existed among the Karaims. Moreover, the textual complexity and the use of sophisticated translation techniques and literary methods in the oldest known texts suggest that they could have been based on older texts or on a well-established oral translating tradition.

Abstract

Recent research results have substantially broadened our knowledge regarding existing translations of the Hebrew Bible into Karaim. In the past few years numerous Biblical texts have been discovered that are among the oldest texts written in this moribund language. In this paper, the author presents the oldest known Karaim texts as well as recently discovered Karaim translations of the entire Tanakh and attempts to draw some preliminary conclusions on the relationship between them. Namely, the textual and stylistic similarities between Biblical manuscripts created separately in Karaim communities located far from one another in the regions of Crimea, Lithuania, Volhynia, and Galicia (including a considerable number of shared errores significativi) highlight the close affinities between these manuscripts and suggest that a common tradition of Bible translation must have existed among the Karaims. Moreover, the textual complexity and the use of sophisticated translation techniques and literary methods in the oldest known texts suggest that they could have been based on older texts or on a well-established oral translating tradition.

In den letzten Jahren wurden zahlreiche karaimische1 biblische Texte entdeckt. Jüngste Forschungen haben unser Wissen über die ältesten schriftlichen Aufzeichnungen des Karaimischen – hauptsächlich Übersetzungen des Tanach – und die sprachliche Entwicklung dieser vom Untergang bedrohten Sprache wesentlich verändert. Im Folgenden werden die wichtigsten biblischen Manuskripte aus dieser Gruppe ausführlich vorgestellt und es wird versucht, einige Schlussfolgerungen über die Beziehung zwischen ihnen zu ziehen.

1 Einleitung

Eine Reihe von Gelehrten und geistlichen Führern der Karaimen behaupteten, dass die Tradition der Übersetzung der Bibel in das Karaimische viel älter sei, als dies philologisch dokumentiert ist. Der deutsche Hebraist und Theologe Johann Buxtorf der Ältere (1564–1629) war der erste Gelehrte, der einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machte, dass die Karaimen in ihrer religiösen Praxis eine türkische Übersetzung der Bibel verwendeten und dass diese Texte in hebräischer Schrift verfasst waren. Seine Erkenntnisse präsentierte er in der zweiten Ausgabe seiner 1640 gedruckten Bibliotheca Rabbinica.2 Sein Bericht ist von großem Wert, ungeachtet dessen, dass er nie irgendwelche schriftlichen Karaim-Quellen eingesehen hatte.3 Fast vier Jahrhunderte später erklärte Šapšal, ein gelehrter geistlicher Führer der Karaimen, der Zugang zu einer großen Sammlung von Manuskripten hatte, dass die gesamte Hebräische Bibel bereits im 11. Jh. ins Karaimische übersetzt worden sei.4 Im Wortlaut schrieb er, dass die Karaimen den Tanach in ihren „einheimischen Tschaltaj-Dialekt“ (родной чалтайскій діалектъ) übersetzten, und in einer Fußnote verglich er den unklaren Begriff „Tschaltaj“ mit der tschagataischen Sprache.

Die Meinung von Šapšal blieb jahrzehntelang unumstritten, doch die jüngsten Entdeckungen haben auf neue Aspekte aufmerksam gemacht. Im Jahr 2017 wurde eine paläographische Untersuchung von Ms. Evr I Bibl 143 durchgeführt, die ergab, dass das Material des Manuskripts auf Ursprünge aus dem 15. Jh. zurückgeht.5 Früher glaubte man, es handle sich um ein relativ junges krim-karaimisches Manuskript.6 Es enthält eine Übersetzung eines großen Teils des Pentateuchs in einer (bisher nicht identifizierten) türkischen Sprache und ist in hebräischer Schrift geschrieben. Auch wenn das Manuskript mit großer Wahrscheinlichkeit von der Krim stammt, muss noch geklärt werden, ob es wirklich zur Tradition der karaimischen Bibelübersetzungen gehört.

Was die Sprache dieses Manuskripts betrifft, so argumentiert Jankowski, dass es Gründe gibt, es als Tschagataisch zu klassifizieren,7 was mit der Meinung von Šapšal übereinstimmt. Shapira wiederum argumentiert, dass die Übersetzung innerhalb einer rabbinischen und nicht einer karäischen Gemeinde angefertigt wurde.8 Unsere kurze Untersuchung ergab, dass es viele grammatikalische und morphologische Unterschiede zwischen diesem Text und dem verfügbaren karaimischen linguistischen Material gibt. Auch inhaltlich lassen sich Unterschiede beobachten: Ein wichtiges gemeinsames Merkmal der biblischen karaimischen Übersetzungen ist nämlich die Vermeidung von Anthropomorphismen in Gottesbeschreibungen. Ein gutes Beispiel für diese Übersetzungstechnik, die in Ms. ADub.III.73 verwendet wird, ist der Gebrauch von bolušluġu Tenrinin „Gottes Hilfe“ zur Übersetzung von BHeb. אֱלֹהִים „Gott“, die Ersetzung von BHeb. פָּנִים „Gesicht“ durch aqyl „Geist“, der Gebrauch von bujruq „Anweisung“ für BHeb. רֶגֶל „Fuß“, BHeb. אֶצְבַּע „Finger“ oder BHeb. כַּף „Hand“, usw. Eine Beschreibung dieses Phänomens wurde u.a. von A. Zajączkowski9 und Polliack10 vorgelegt.

Im Ms. Evr I Bibl 143 ist diese Übersetzungstechnik zwar auch angewandt, aber viel weniger ausgeprägt. Wir finden z.B. BHeb. פָּנִים אֶל־פָּנִים „von Angesicht zu Angesicht“ (Ex 33,11) übersetzt als jüz jüzgä „von Angesicht zu Angesicht“ (Evr I Bibl 143, 20 ro) oder BHeb. וְתַחַת רַגְלָיו „und [es war] unter den Füßen“ (Ex 24,10) als ajaġy tibinä „unter seinen Füßen“ (Evr I Bibl 143, 6 ro). Es lassen sich aber auch Beispiele anführen, wo solche Anthropomorphismen vermieden wurden, wie z.B. BHeb. וַהֲסִרֹתִי אֶת־כַּפִּי וְרָאִיתָ אֶת־אֲחֹרָי וּפָנַי לֹא יֵרָאוּ „Und wenn ich meine Hand von dir tue, wirst du mir hintennach sehen; aber mein Angesicht kann man nicht sehen“ (Ex 33,23) übersetzt als Da ketirgäjmän bulutymny da körgäjsän artyndaġylarymny da alyndaġym körünmägäjlär „Und ich will meine Wolke wegnehmen, und ihr werdet sehen, was hinter mir ist; und was vor mir ist, wird nicht gesehen werden“ (Evr I Bibl 143, 20 vo). Auf den ersten Blick scheint das Vorhandensein solcher Passagen die These zu unterstützen, dass diese Übersetzung von karäischen Türken stammt, aber es darf nicht vergessen werden, dass die allegorische Auslegung der Heiligen Schrift kein rein karäisches Phänomen war.

Da es keine schlüssigen karaimischen Quellen gibt, die weiter zurückgehen als in das 17. Jh., sind weitere linguistische Untersuchungen erforderlich, um die Provenienz dieses Manuskripts festzustellen. Dennoch darf nicht völlig außer Acht gelassen werden, dass die karaimische Tradition der Bibelübersetzung auf tschagataische Texte zurückgeht.

Šapšals Ansicht wurde (teilweise) von Musaev geteilt. Ihm zufolge war der Tanach bereits vom 11. bis zum 14. Jh. ins Karaimische übersetzt worden.11 Im Gegenzug behaupteten A. Zajączkowski und W. Zajączkowski, dass die mündliche Tradition der Übersetzung der Bibel ins Karaimische bis ins 12. oder sogar 11. Jh. zurückverfolgt werden kann.12 Gleichzeitig gehen Pritsak und W. Zajączkowski davon aus, dass die ältesten schriftlichen Aufzeichnungen aus dem 16. Jh. stammen und dass sie in Südwest-Karaimisch verfasst wurden, während die ältesten Übersetzungen ins Nordwest-Karaimische in der ersten Hälfte des 18. Jh. entstanden sind.13

Leider haben die oben genannten Autoren ihre Behauptungen nicht weiter begründet. Dank der jüngsten Entdeckungen in den Archiven lässt sich sagen, dass die ältesten nordwest-karaimischen Übersetzungen des Pentateuchs tatsächlich aus der zweiten Hälfte des 17. Jh. stammen (siehe 2.3), aber wir haben (noch?) keinen Beleg für irgendwelche biblischen karaimischen Texte aus dem Südwest-Karaimischen im 16. Jh.

Gustaf Peringer Lillieblad (1651–1710) ist der erste Gelehrte, der tatsächlich eine karaimische Bibelstelle verzeichnete. Im Jahr 1691 zitierte er die ersten drei Verse der Genesis in einen Brief an Hiob Ludolf (1624–1704). Der Brief wurde von Wilhelm Ernst Tentzel (1659–1707) veröffentlicht,14 aber der Verbleib der Originalkorrespondenz und des Originalmanuskripts ist unbekannt. Das von Tentzel veröffentlichte linguistische Material wurde von Németh mit seinen Nachdrucken und anderen Manuskripten aus dem 18. Jh. verglichen.15

2 Jüngste Entdeckungen

2.1 Allgemeine Anmerkungen

Zum Zeitpunkt des Abfassens dieses Artikels sind uns ca. 150 biblische Manuskripte und gedruckte Quellen in Karaimisch bekannt, die sich in verschiedenen Beständen befinden, darunter auch in Privatarchiven von karaimischen Familien. Die ältesten dokumentierten ostkaraimischen Übersetzungen des Tanach stammen aus der zweiten Hälfte des 17. Jh., die ältesten nordwest-karaimischen Bibeltexte hingegen aus der ersten Hälfte des 18. Jh., während die ersten südwest-karaimischen Übersetzungen auf das frühe 19. Jh. zurückgehen. Es gibt keinen umfassenden Katalog biblischer karaimischer Texte, dennoch wurden die wertvollsten östlichen karaimischen Quellen in einigen Werken Jankowskis vorgestellt,16 während ein Verzeichnis aller bekannten westlichen karaimischen Texte – mit einigen Ergänzungen zu Jankowskis Übersicht – in Németh und Sulimowicz-Keruth vorgelegt wurde.17 Diese Werke geben einen Überblick über die in der vorhandenen wissenschaftlichen Literatur verstreuten Informationen und fassen die Ergebnisse der Archivierungsarbeiten zusammen, die vom Autor in den Jahren 2012–2020 in enger Zusammenarbeit mit Dr. Anna Sulimowicz-Keruth in polnischen Privatarchiven durchgeführt wurden.

2.2 Der älteste Bibeltext in karaimischer Sprache: Ms. JSul.III.02

Die älteste bekannte Übersetzung biblischer Texte in das Karaimische wurde in Warschau in Ms. JSul.III.02 entdeckt. Sie wurde nach 1648, aber nicht später als 1687 verfasst, was sie zur ältesten ostkaraimischen Quelle überhaupt und zu einem der wenigen existierenden karaimischen Texte aus dem 17. Jh. macht – Poznański und Shapira erwähnen ein Krim-Manuskript von 1672,18 das die Propheten und Schriften enthielt. Vielleicht bildete es die Grundlage für das Buch Nehemia in dem bekannten eupatorianischen Druck von 1841 (hrsg. von Tiriškan). Der Verbleib dieses Manuskripts ist jedoch unbekannt.

Der Text ist vokalisiert. Heute beinhaltet er die Übersetzung der Vorderen Propheten, d.h. das Buch Josua (5 ro–35 ro), das Buch der Richter (35 vo–70 ro), die Bücher Samuel (73 ro–144 vo) und die Bücher der Könige (145 ro–221 vo) sowie das Buch Rut (223 ro–226 vo; siehe die kritische Ausgabe von Németh19), die Bücher Esther (223 ro–236 vo) und einen kurzen Abschnitt des Buches der Sprichwörter (237 ro–244 vo). Aus einer hebräischen Anmerkung auf Folio 70 ro erfährt man, dass sie ursprünglich auch die Bücher der Hinteren Propheten sowie den gesamten Text der Ketuvim enthielt, aber das Schicksal der letzteren Passagen ist unbekannt.

Aus demselben Kommentar geht hervor, dass der Hauptteil des Manuskripts von Abraham ben Samuel kopiert wurde. Leider ist über die Biographie des Kopisten so gut wie nichts bekannt. Die einzige vorhandene Information ist ein Hinweis auf sein Todesjahr 1692/1693, der in der erwähnten Annotation gefunden werden konnte.20

Es gibt keine verfügbaren karaimischen Übersetzungen, deren Alter genau bestimmt werden könnte und die älter als JSul.III.02 wären – daher kann dieser Text nicht mit älteren Quellen verglichen werden. Doch allein die Tatsache, dass Abraham ben Samuel als Kopist (und nicht als Übersetzer) dieses Werkes erwähnt wird, lässt vermuten, dass es frühere Übersetzungen gegeben haben muss. Die sprachliche Kohärenz und Komplexität der Übersetzung sowie die Verwendung ausgeklügelter Übersetzungstechniken und literarischer Mittel legen nahe, dass die Übersetzung auf älteren Texten als Teil einer gut etablierten Übersetzungstradition beruhte. Das Manuskript wurde von Németh datiert und erschöpfend beschrieben.21

2.3 Übersetzungen von Simcha ben Chananel aus dem 18. Jh.

Die ältesten datierbaren westkaraimischen Bibeltexte wurden nach unserem heutigen Kenntnisstand von Simcha von Kukizów ben Chananel von Derażne kopiert, der wahrscheinlich um 1670 in Trakai geboren wurde. Er fungierte höchstwahrscheinlich ab 1709 als Hazzan in Kukizów und blieb bis zu seinem Tod im Amt. Er verstarb am Sabbat des Parascha Zaw des Jahres 5483 A.M. (d.h. höchstwahrscheinlich am 27. März 1723). Alle biographischen Fakten, die bisher ans Licht kamen, sind in Németh und Sulimowicz-Keruth zusammengefasst.22

Zwei biblische Manuskripte, die von Simcha ben Chananel geschaffen wurden, sind bekannt: Das erste, ADub.III.73, der älteste datierbare biblische Text auf West-Karaimisch, wurde 2014 in Warschau entdeckt. Es wurde 1720 im Mittel-Nordwest-Karaimischen, d.h. in Simchas einheimischem Dialekt, geschrieben und besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil ist eine Übersetzung der Thora (Folios 1 ro–343 ro), die von Németh kritisch bearbeitet und mit den meisten der verfügbaren westlichen und östlichen karaimischen Übersetzungen verglichen wurde.23 Der zweite Teil enthält eine Übersetzung des Buches Rut (344 ro–349 vo; kritisch bearbeitet von Németh24), des Buches der Klagelieder (350 ro–360 ro), des Predigerbuches (360 vo–374 vo) und des Buches Esther (375 ro–388 vo).25

Aus dem Kolophon auf den Blättern 342 vo–343 ro erfährt man, dass der Text der Thora zwischen dem 25. März und dem 31. Mai 1720 kopiert wurde, was darauf hinweist, dass der karaimische Text der Thora in weniger als 70 Tagen geschrieben wurde. Die Kolophone, die die Übersetzung der Bücher Exodus, Levitikus, Numeri und Deuteronomium auf den Blättern 157 vo, 207 vo, 278 vo und 342 vo abschließen, machen deutlich, dass der Text der Thora vom Kopisten selbst übersetzt wurde. Es gibt zwar im Manuskript keine spezifischen Informationen darüber, ob er auch der Übersetzer der vier Bücher der Ketuvim war, die auf den Blättern 344 ro–388 vo kopiert wurden, aber dies scheint sehr wahrscheinlich, wenn man die Tatsache berücksichtigt, dass aus JSul.I.11 (28 ro), einem 1878 kopierten Manuskript, hervorgeht, dass er der Übersetzer des Buches der Klagelieder war. (Dies ist auch ein weiteres Beispiel dafür, wie wichtig die Rolle von Simchas Übersetzungen noch im späten 19. Jh. war.) Darüber hinaus weiß man aus zahlreichen karaimischen Gebetbüchern des 18. und 19. Jh., dass ihm der Titel המתרגם „der Übersetzer“, oder המתרגם האלהי והתורני „der göttliche Übersetzer und ha-Torani“ zuerkannt wurde.26

Das zweite bekannte Manuskript von Simcha wurde erstmals von Kowalski als Übersetzung der Thora in das Nordwest-Karaimische erwähnt, die „1723 in Derażne kopiert wurde“.27 Kowalskis Bericht war etwas rätselhaft angesichts der Tatsache, dass die karaimische Gemeinschaft von Derażne während des Chmelnyzkyj-Aufstandes (1648–1649) zerstört wurde und es keine überzeugenden historischen Beweise dafür gibt, dass die Gemeinschaft im 18. Jh. weiter bestand. Eine Zusammenfassung dieser jahrhundertelangen Diskussion wurde kürzlich von Németh vorgelegt.28

Das Schicksal dieses Manuskripts war, bevor es 2019 in einer Privatsammlung in Krakau identifiziert wurde (es erhielt die Zugangsnummer TKow.01), lange Zeit unbekannt. Eine Analyse ergab, dass es von Simcha ben Chananel kopiert wurde und dass ein großer Teil des Manuskripts vokalisiert ist. Laut einer im Manuskript gefundenen Anmerkung des Kopisten beendete er die Kopie am ersten Tag des Paraschas Wayeschew im Monat Kislew 5483 A.M., d.h. höchstwahrscheinlich am 7. Dezember 1722 n.Chr. Daher lässt sich sagen, dass die Übersetzung 1722 in Kukizów kopiert wurde, und nicht 1723 in Derażne. Diese Daten wurden wahrscheinlich deshalb falsch interpretiert, weil das Jahr 5483 A.M. mit den Jahren 1722 und 1723 n.Chr. übereinstimmt und weil Simcha sich im Manuskript als „Simcha, der Sohn von Chananel von Derażne“ bezeichnete, in Wirklichkeit aber war es Chananel, der „von Derażne“ war, und nicht der Kopist.

Die beiden Manuskripte sind einander ähnlich. Es lassen sich zwar eine Reihe von Unterschieden zwischen ihnen finden, doch diese sind nicht besonders signifikant, sodass man diese beiden Manuskripte mit Recht als Texte behandeln kann, die aus derselben Quelle stammen. Gleichwohl können sie nicht als Schwestermanuskripte betrachtet werden; die Entstehung von TKow.01 war nicht das Ergebnis einer sklavisch genauen Kopie von ADub.III.73. Simcha ben Chananel ergänzte den Originaltext der Hebräischen Bibel oft mit seinen eigenen interpretativen Ergänzungen, und beide Texte enthalten interpretative Ergänzungen zum hebräischen Originaltext, die jeweils einzigartig sind – besonders in den poetischen Passagen.

Da es sich bei diesen beiden Manuskripten um die nachweislich ältesten karaimischen Übersetzungen der Thora handelt, lässt sich nicht mit ausreichender Genauigkeit feststellen, ob Simcha ben Chananel in seinem Werk andere karaimische Übersetzungen verwendet hat. Ein kurzer Vergleich dieser beiden Quellen mit Evr I Bibl 143 zeigt erhebliche Diskrepanzen: Simchas Übersetzungen sind viel aufwendiger, während der Wortlaut und die Struktur des Textes deutliche Unterschiede aufweisen.

Tatsächlich aber reicht Peringers Bericht allein schon aus, um die Existenz von karaimischen Übersetzungen zu vermuten, die älter als 1720 sind und für Simcha bei seiner Arbeit hilfreich hätten sein können. Es ist zudem beachtenswert, dass das oben erwähnte Buch Rut in Ms. JSul.III.02 eine große Anzahl von textlichen Ähnlichkeiten mit dem im zweiten Teil von Simchas Werk, dem kopierten Buch Rut, aufweist.29 Und schließlich ist es auch sehr unwahrscheinlich, dass Simcha ben Chananel, ein religiöses Oberhaupt und aktiver Teilnehmer an wissenschaftlichen und theologischen Auseinandersetzungen, sich nicht der vorhandenen biblischen Quellen bewusst war.

2.4 Neu entdeckte westkaraimische Texte aus dem späten 18. und 19. Jh.

Was die westkaraimischen Quellen anbelangt, so sind Handschriften, die noch im 18. Jh. und, im Falle der südwest-karaimischen Texte, um die Wende zum 19. Jh. kopiert wurden, linguistisch sehr wertvoll. Sie sind eine wichtige Quelle des Wissens über die phonologischen, phonetischen und morphologischen Veränderungen, die vor 1800 im westlichen Karaim stattgefunden haben. In den letzten Jahren wurden mehrere Übersetzungen einzelner biblischer Bücher entdeckt, die wahrscheinlich in diese Zeit fallen, auch wenn ihr genaues Alter schwer zu bestimmen ist. Hier sollte das Buch Esther erwähnt werden, das im Manuskript JSul.III.65 (5 ro–12 ro, 13 vo–16 vo) gefunden wurde. Dessen paläographischen und sprachlichen Merkmale lassen den Schluss zu, dass der Text höchstwahrscheinlich im späten 18. Jh. in Halitsch verfasst wurde. (Wenn dies zutrifft, wäre dies der älteste bekannte Text aus Halitsch.) Es ist in Form von handschriftlichen Ergänzungen erhalten geblieben, die zusammen mit dem vierten Band des 1737 gedruckten Siddur gebunden wurden. Eine weitere Quelle aus dieser Gruppe ist Ms. F305–41. Bei diesem Manuskript handelt es sich um eine Sammlung religiöser Werke, die teilweise im 18. Jh. kopiert wurden (1 ro–65 vo), darunter eine Auswahl aus den Büchern aus den Neviʾim für Pesach (30 ro–47 vo), eine Übersetzung des Buches der Klagelieder (48 ro–55 vo) und Auszüge aus dem Buch Hosea (48 ro–55 vo).

Im 19. Jh. nahm die Zahl der westlichen karaimischen Bibelübersetzungen beträchtlich zu, was zu einem großen Teil auf die bemerkenswerten Leistungen zweier Kopisten zurückzuführen war: Jeschua Josef Mordkowicz (1802–1884) und Zevulun ben Ananja Rojecki (geboren zwischen 1842 und 1844, gestorben 1923). Beide gehörten der intellektuellen Elite an und übten die Aufgaben eines Hazzans aus. Jeschua Josef war 19 Jahre alt, als er der Junior-Hazzan in Kukizów wurde. In den 1830er Jahren kehrte er in seine Heimatstadt Halitsch zurück. Dort wurde er 1866 zum Hazzan ernannt und führte dieses Amt bis zu seinem Tod 1884 aus. Neben Bibelübersetzungen bereitete er auch zahlreiche Peschatim anderer religiöser Werke vor.30 Zevulun Rojecki wiederum wurde zwischen 1842 und 1844 geboren, höchstwahrscheinlich in der Stadt Naujamiestis. Er wurde in Panevėžys zum Hazzan gewählt, wahrscheinlich Mitte der 1890er Jahre, und amtierte bis zu seinem Tod 1923.31

Die meisten Werke von Mordkowicz wurden in polnischem Privatbesitz entdeckt, während sich die Übersetzungen von Rojecki in der Sammlung von karaimischen Quellen der Wroblewski-Bibliothek der Litauischen Akademie der Wissenschaften in Vilnius befinden. Die Übersetzungen von Rojecki blieben auch in der wissenschaftlichen Literatur unbeschrieben. Unter anderem waren die beiden die einzigen Kopisten, die Kopien des gesamten Tanach schufen. Dank ihrer Bemühungen erhielten beide westkaraimischen Dialekte die volle textliche Abdeckung (Mordkowicz sprach Südwest-, Rojecki Nordwest-Karaimisch). Zum Vergleich sei angemerkt, dass der gesamte Tanach bis dahin in das Ostkaraimische übersetzt worden war, siehe Manuskript BSMS 288 aus dem 18. Jh., das die gesamte Hebräische Bibel mit Ausnahme der Chronikbücher enthält.32 Die einzige (angeblich) ostkaraimische Übersetzung der Chronikbücher wurde von Sklare erwähnt und wird in der Universitätsbibliothek Edinburgh aufbewahrt.33

Wichtig ist, dass die Werke Mordkowiczs und Rojeckis nachweislich auf vorhandenen Übersetzungen beruhten. Es sind nicht nur die offensichtlichen textlichen Parallelen, die diese Behauptung erlauben, sondern auch die Kopisten selbst haben auf diese Tatsache hingewiesen. Zum Beispiel finden sich in dem von Mordkowicz kopierten Manuskript JSul.III.01 zahlreiche Anmerkungen, in denen der Kopist Simcha ben Chananels Übersetzung als Alternative zu der von ihm vorgeschlagenen zitiert, siehe z.B. JSul.III.01 (folio 93 vo).

Angesichts der Tatsache, dass Mordkowicz eine lange Karriere als produktiver Kopist hinter sich hat, weist sein Werk einige sprachliche Besonderheiten auf. In seinen frühen Werken sind die originalen vorderen Labialvokale ö, ü weitgehend erhalten, obwohl sich diese Vokale im Südwest-Karaimischen etwa ab der zweiten Hälfte des 18. Jh. zu e, i entwickelten.34 Die oben erwähnte Ms. JSul.III.01, eine Übersetzung der Thora und der Haftara, ist ein gutes Beispiel für einen Text, der archaische linguistische Merkmale aufweist.35 Es gibt jedoch noch eine andere Gruppe von biblischen Texten, die er kopierte und die höchstwahrscheinlich aus der zweiten Hälfte des 19. Jh. stammen und bei denen die vorderen Labiale ö, ü überwiegend nicht erhalten geblieben sind. Dazu gehören ADub.III.82 (Thora, Haftara), ADub.III.83 (Hintere Propheten, Kleine Propheten), ADub.III.84 (Schriften, außer den Chronikbüchern), TKow.02 (Vordere Propheten, Chronikbücher), TKow.03 (Schriften, außer Chronikbücher) und TKow.04, die zusammen eine vollständige Übersetzung des gesamten Tanach darstellen. Die drei letztgenannten Quellen wurden 2019 und 2020 in Krakau entdeckt und enthalten u.a. die einzige existierende Übersetzung der Vorderen Propheten und der Chronikbücher in Südwest-Karaimisch. Aufgrund dieser Entdeckung können wir mit Sicherheit sagen, dass der gesamte Tanach spätestens Mitte des 19. Jh. in das Südwest-Karaimische übersetzt wurde.

Auch Rojeckis Übersetzungen, die in Litauen in der zweiten Hälfte des 19. Jh. angefertigt wurden, basierten weitgehend auf älteren Texten. Interessant ist jedoch, dass er in seinen Texten zumindest einige der Fehlübersetzungen korrigierte, die in anderen west- und ostkaraimischen Übersetzungen ständig wiederholt worden waren. Ein gutes Beispiel ist die Auslegung von Gen 2,8, in der Hebr. מִקֶּדֶם „ostwärts“ irgendwann mit Hebr. מֻקְדָּם „früher, früh“ verwechselt worden war. Dieser Fehler fand schließlich Eingang in die meisten uns bekannten Übersetzungen.36

Auf der Grundlage der in der Wroblewski-Bibliothek der Litauischen Akademie der Wissenschaften durchgeführten Archivrecherchen können wir schließen, dass die Zusammenstellung des gesamten Tanach Rojecki zugeschrieben werden kann, so etwa die folgenden Texte: Mss. F305-02 (Genesis, Haftara), F305-74 (Genesis, Exodus), F305-03 (Exodus), F305-130 (Exodus, Levitikus), F305-04 (Levitikus), F305-05 (Numeri), F305-129 (Numeri), F305-06 (Deuteronomium), F305-128 (Deuteronomium), F305-01 (Thora, Vordere Propheten), F305-90 (Hintere Propheten, Kleine Propheten, Psalmen, Sprichwörter, Hiob, Fünf Megillot), F305-34 (Jonah), F305-42 (Psalmen, Sprichwörter), F305-79 (Psalmen, Sprichwörter, Rut, Hohelied, Prediger), F305-75 (Psalmen, Sprichwörter, Hohelied, Prediger), F305-07 (Fünf Megillot, Daniel, Esra und Nehemia, Chronikbücher), and F305-91 (Daniel, Esra und Nehemia, Chronikbücher) – alle oben genannten Quellen stammen höchstwahrscheinlich aus dem späten 19. oder der Wende zum 20. Jh.

Von allen in Luzk kopierten südwest-karaimischen Texten sind die ältesten bekannten Mss. JSul.I.04 und JSul.I.50.06. Ersterer ist eine Übersetzung des 1814 von Jaakov ben Jitzchak Gugel kopierten Buches Hiob (in Hebräisch und Karaimisch), das archaische phonologische Merkmale aufweist. Das Manuskript JSul.I.50.06 wiederum ist eine Übersetzung des Buches Esther und eine kurze Sammlung religiöser Gedichte, die von einer unbekannten Person um 1815 verfasst wurde. Die Sprache der Gedichte weist keine archaischen Merkmale auf. Darüber hinaus ist uns eine weitere, größere Gruppe von Texten aus dem 19. Jh. bekannt, die höchstwahrscheinlich aus Luzk stammen; aber es sind weitere Untersuchungen erforderlich, um diese Hypothese zu bestätigen.37

3 Ertrag

Die oben genannten archivalischen Entdeckungen haben unser Wissen über verschiedene Aspekte des literarischen Schaffens im Karaimischen erheblich erweitert.

Erstens sind diese Manuskripte aufgrund ihres archaischen Charakters eine unschätzbare Informationsquelle für die historisch-linguistische Forschung. Vor allem erlauben sie grammatikalische und phonologische Phänomene zu dokumentieren, die bisher nicht beschrieben wurden, da die meisten grammatikalischen Beschreibungen, die vor diesen Entdeckungen veröffentlicht wurden, auf Quellen aus der Zeit vor dem 19. Jh. zurückgehen. So konnte beispielsweise ein besserer Einblick in die Entwicklung der Vokalharmonie im Mittel-Nordwest-Karaimischen gewonnen und zum ersten Mal die Verwendung des -p edi- Plusquamperfekts, des -a-d- kontinuativ Präsens und des -a jez- Approximativs beschrieben werden.38 Die Texte bilden eine ideale Grundlage auch für die lexikographische Analyse, da der Kontext, in dem die Lexeme erscheinen, genau definiert ist, während die Manuskripte mit größter Sorgfalt von professionellen Kalligraphen kopiert wurden.

Zweitens stellen diese Quellen eine solide Grundlage für eine viel genauere Beschreibung der karaimischen Tradition der Übersetzung der Hebräischen Bibel dar. Die Entdeckung verschiedener Übersetzungen derselben biblischen Bücher – einschließlich derer, die in verschiedenen karaimischen Dialekten, in verschiedenen Zeitabschnitten und in weit voneinander entfernten Gemeinschaften entstanden sind – bietet ein breites Spektrum an Forschungsmöglichkeiten. Die beträchtliche Anzahl von Ähnlichkeiten zwischen JSul.III.02 (17. Jh., Krim), ADub.III.73 (18. Jh., Kukizów), BSMS 288 (18. Jh., Krim), JSul.III.01 (frühes 19. Jh., Halitsch) und F305-01 (spätes 19. Jh., Litauen) ist bereits ein ausreichender Beweis dafür, dass es eine gemeinsame karaimische Schule für Bibelübersetzungen gegeben haben muss.39 Zum Vergleich: Der Krymchak Targum des Buches Rut, herausgegeben und kommentiert von Ianbay und Erdal,40 unterscheidet sich erheblich von den karaimischen Texten, die wir analysieren konnten.

Nicht zuletzt sind diese Quellen kulturell äußerst wertvoll. Die Karaimen sind Anhänger einer Religion, die auf einer wörtlichen Auslegung der Heiligen Schrift beruht. Viele Jahrzehnte lang gab es jedoch keine gedruckte Ausgabe des Tanach, die sie in der religiösen Praxis verwenden konnten. Die vorhandenen Übersetzungen wurden in hebräischer Schrift geschrieben oder gedruckt, aber aufgrund des allmählichen Aussterbens ihrer Kultur haben die meisten Mitglieder der karaimischen Gemeinschaften die Fähigkeit verloren, die hebräische Schrift zu lesen und hatten daher keinen Zugang zum Inhalt ihrer Quellen. Dieser Prozess begann in den 1920er und 1930er Jahren und gewann nach dem Zweiten Weltkrieg rasch an Dynamik. Vor diesem Hintergrund sollte die Aufgabe der Vorbereitung kritischer Ausgaben dieser Texte daher nicht nur als Forschungsaufgabe verstanden werden, sondern auch als Chance zur Wiederherstellung einer grundlegenden Komponente der karaimischen Identität.

Dank

Dieses Projekt wurde vom Europäischen Forschungsrat (ERC) im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms Horizon 2020 (Fördervereinbarung Nr. 802645) gefördert.

Abkürzungen

BHeb.

Bibelhebräisch

Ms.

Manuskript

Mss.

Manuskripte

Bibliographie

Primärquellen

  • Der erste Bestandteil der Signaturen ist stets ein Verweis auf das Archiv, in dem sich das jeweilige Manuskript befindet:

  • ADub = Privatarchiv des Aleksander Dubiński (1924–2002), Warschau, Polen

  • F305 = Wroblewski-Bibliothek der Litauischen Akademie der Wissenschaften, Vilnius, Litauen (Karaimische Sammlung)

  • JSul = Privatarchiv des Józef Sulimowicz (1913–1973), Warschau, Polen

  • TKow = Privatarchiv des Tadeusz Kowalski (1889–1948), Krakau/Warschau, Polen

  • Der Inhalt der Quellen, die in den oben genannten Sammlungen aufbewahrt werden, wurde in der vorliegenden Arbeit ausführlich beschrieben, weshalb sie in diesem Abschnitt nicht noch einmal aufgezählt werden. Die handschriftlichen Objekte, die in anderen als den oben genannten Beständen aufbewahrt werden, sind nachstehend aufgeführt:

  • BSMS 288 = Eine Übersetzung fast des gesamten Tanach (ohne Chronikbücher) in das Ostkaraimische. Im 18. Jh. in vier Bänden vervielfältigt. Aufbewahrt in der Universitätsbibliothek Cambridge. 620 Folios.

  • Evr I Bibl 143 = Eine Übersetzung der Bücher Exodus (ab Ex 21,11), Levitikus und Numeri (bis Num 28,15), die im 15. Jh. in einer türkischen Sprache abgeschrieben wurden. Aufbewahrt in der Russischen Nationalbibliothek in Sankt Petersburg. Verfügbar auf der Website der Nationalbibliothek von Israel: http://web.nli.org.il/sites/NLI/English/digitallibrary/pages/viewer.aspx?presentorid=MANUSCRIPTS&docid=PNX_MANUSCRIPTS000151708-1#|FL38639157 (Zugriff am 8. Oktober 2017). 105 Folios.

  • Gaster Hebrew MS 170 = Eine ostkaraimische Übersetzung eines großen Teils der Thora (Gen 1,1–Dtn 32,51) und der Klagelieder (Thr 4,11–5,22). Anfang des 19. Jh. kopiert. Aufbewahrt in der John-Rylands-Bibliothek der Bibliothek der Universität Manchester: https://luna.manchester.ac.uk/luna/servlet/s/a0jk2m (Zugriff am 4. Oktober 2019). 265 Folios.

  • Siddur (1737) = Afedah Jeraqa, Shabetaj Jeraqa [= שבתי ירקא, אפדה ירקא] (Hrsgg.). 1737–1742. סדר התפלות למנהג קהלות הקראים. Bd. 1–4. Kale. [vgl. Walfish (2011: 452; Pos.z. 5325)].

  • Tiriškan (1841) = Tiriškan, Mordechai, Hrsg. ספר תרגום תורה בלשון טטר Sefer Targum Torah bi-lešon Ṭaṭar. Bd. 1–4. Gözleve [= Eupatoria], 1841.

Sekundärliteratur

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Illustrationen

Facs. 1
Facs. 1

Ms. ADub.III.73 (Kukizów, 1720 n.Chr.), folio 101 recto

Citation: Vetus Testamentum 2021; 10.1163/15685330-bja10053

Facs. 2
Facs. 2

Ms. JSul.III.01 (Halitsch, Mitte des 19. Jh.), folio 2 recto

Citation: Vetus Testamentum 2021; 10.1163/15685330-bja10053

Facs. 3
Facs. 3

Ms. JSul.III.02 (Krim, nach 1648, nicht später als 1687), folio 36 verso

Citation: Vetus Testamentum 2021; 10.1163/15685330-bja10053

1

Die Karaimen sind Anhänger des karäischen Judentums. Ihre Sprache ist Karaimisch, eine Sprache, die zum kiptschakisch-türkischen Zweig der Türksprachen gehört. Sie existierte in drei Hauptvarianten: Ostkaraimisch (in mehreren Varianten), Nordwest-Karaimisch und Südwest-Karaimisch (mit zwei leicht unterschiedlichen Varianten, die in Halitsch und Luzk gesprochen wurden).

2

Vgl. Buxtorf, De abbreviaturis hebraicis, 444–445.

3

Vgl. Szyszman, „Gustaf Peringers Mission“, 215.

4

Vgl. Šapšal, „Kratkij očerk“, 6.

5

Vgl. Grishchenko, Edited Slavonic-Russian Pentateuch, 172.

6

Vgl. Harkavy und Strack, Catalog der hebräischen Bibelhandschriften, 167–168.

7

Vgl. Jankowski, „Translation of the Tanakh into Crimean Karaim“, 39–40.

8

Vgl. Shapira, „An Unknown Jewish Community“, 289–293.

9

Vgl. Zajączkowski, „Unikanie wyrażeń antropomorficznych“.

10

Vgl. Polliack, Karaite Tradition of Arabic Bible Translation, 230–232.

11

Vgl. Musaev, Grammatika karaimskogo jazyka, 8.

12

Vgl. Zajączkowski, „Karaimische Literatur“, 793; idem, „Karaimische Übersetzungen“, 161.

13

Vgl. Pritsak, „Karaimische“, 323; Zajączkowski, „Karaimische Übersetzungen“, 162.

14

Vgl. Tentzel, Monatliche Unterredungen, 572–575.

15

Vgl. Németh, „Gustaf Peringer’s Karaim Biblical Material“.

16

Vgl. Jankowski, „Translations of the Bible into Karaim“; idem, „Translation of the Tanakh into Crimean Karaim“; siehe auch seine Einleitung in: Jankowski et al., Crimean Karaim Bible, x–xx.

17

Vgl. Németh und Sulimowicz-Keruth, „Emergence of the Karaim Bible“.

18

Vgl. Poznański, „Karäische Kopisten“, 88; Shapira, „The Karaim Translation of the Book of Nehemia“.

19

Vgl. Németh, „A Crimean Karaim Handwritten Translation“.

20

Vgl. Németh, „A Crimean Karaim Handwritten Translation“, 164.

21

Vgl. Németh, „A Crimean Karaim Handwritten Translation“.

22

Vgl. Németh und Sulimowicz-Keruth, „Emergence of the Karaim Bible“.

23

Vgl. Németh, The Western Karaim Torah.

24

Vgl. Németh, „An Early North-Western Karaim Bible Translation from 1720, Part 2“.

25

Für eine Beschreibung ihrer Sprache und ihrer Bedeutung für die historisch-linguistische und allgemeinsprachliche Forschung vgl. Németh, „An Early North-Western Karaim Bible Translation from 1720, Part 1“; idem, „An Early North-Western Karaim Bible Translation from 1720, Part 2“; idem, „An Early North-Western Karaim Bible Translation from 1720, Part 3“.

26

Vgl. Németh, Middle Western Karaim, 38–39.

27

Kowalski, Karaimische Texte, 289.

28

Vgl. Németh, „An Early North-Western Karaim Text“, 84–85.

29

Vgl. Németh, „A Crimean Karaim Handwritten Translation“, 205–206.

30

Vgl. Németh, Middle Western Karaim, 21.

31

Für weitere Informationen zur Biografie beider Personen vgl. Németh und Sulimowicz-Keruth, Emergence of the Karaim Bible.

32

Vgl. Jankowski et al., Crimean Karaim Bible.

33

Vgl. Sklare, „A Guide to Collections“, 914.

34

Vgl. Németh, Middle Western Karaim, 67–76.

35

Vgl. Németh, „A Historical Phonology of Western Karaim“, 264; Cegiołka, „A South-Western Karaim Bible Translation“.

36

Vgl. ADub.III.73, TKow.01, BSMS 288, JSul.III.01, Gaster Hebräisch MS 170, Tiriškan und ADub.III.82. In Rojeckis F305–01 wurde dieser Fehler korrigiert (3 ro) – und auch in der von Kowalski zitierten Quelle; vgl. Kowalski, Karaimische Texte, 48.

37

Vgl. Németh und Sulimowicz-Keruth, Emergence of the Karaim Bible.

38

Vgl. Németh, „A Historical Phonology … Evolution of Consonant Harmony“; idem, „A Historical Morphology … -p edi Past Tense“; idem, „A Historical Morphology … -a-d- Continuative“; idem, „A Historical Morphology … -a jez- ~ -a ez- Approximative“.

39

Vgl. dagegen die Meinung von Omeljan Pritsak: „Es gibt keine einheitliche Tradition der Bibelübersetzung; daher viele Fassungen einzelner Bibelbücher [...]“ (Pritsak, „Karaimische“, 323).

40

Vgl. Ianbay und Erdal, „Krimchak Translation“.

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