Locutio angelica

Die Diskussion der Engelsprache als Antizipation einer Sprechakttheorie in Mittelalter und Früher Neuzeit

Series:

The question of how pure spiritual beings like angels communicate had already been discussed by the Church Fathers. How could an angelic speech-act take place, if it does not follow the laws of ordinary language? The scholastic philosophers conducted an extensive and rather controversial debate about the language of angels ('locutio angelica'), which covered pragmatics, aspects of the 'Language of Mind' and the theory of truth and meaning. This debate was already very complex in the Middle Ages, but in Jesuit circles (and in Baroque Scholasticism more generally), discussions of angelic communication became a leading field of interest in the philosophy of language influencing such eminent thinkers as Leibniz.
This study reconstructs the 1500 years of controversy on the language of angels as a striking example of the longue durée of European intellectual history.

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Biographical Note

Bernd Roling, Ph.D. (2002) in Medieval and Neo-Latin, University of Münster, is Lecturer for Medieval Latin and Neo-Latin at the University of Münster. He has published on Latin poetry of the Middle Ages, history of early modern universities, and the philosophy of the Renaissance ( Antike Naturphilosophie und christliche Kabbalah im Werk des Paulus Ritius, 2007).

Table of contents

INHALTSVERZEICHNIS
Vorbemerkung … 1
Einleitung … 3
1. Engel und Experimente … 3
2. Fragen an die angelische Sprache … 9
3. Der historische Horizont der Diskussion und ihr Verlauf … 21
teil 1. von der spatantike bis zum spatmittelalter
I. Das Aufkommen der Fragestellung … 31
1. Feinstoffliche Medien und die Sprache des reinen Geistes:
Neuplatonische Vorläufer … 31
2. Skepsis und verbum internum: Augustinus … 39
3. Zwischen aetherischem Medium und immaterieller
Kommunikation: Überlegungen der Kirchenväter und des
Frühmittelalters … 48
4. Das signum intelligibile … 56
II. Die Suche nach einer bedeutungstragenden Differenz: Der
Status quaestionis in der frühen Scholastik … 63
1. Wilhelm von Auxerre und Wilhelm von Auvergne … 63
2. Philippus Cancellarius und Hugo von Sankt-Cher … 65
3. Alexander von Hales und Bonaventura … 68
4. AlbertusMagnus … 73
III. Begriffs- und zeichengebundene Sprache: Thomas und seine
Kritiker ... 79
A. Begriff und Wille: Das thomasische Modell der Engelsprache … 79
B. Alternativen zur thomasischen Position … 88
1. Hierarchische Partizipation: Raimundus Lullus … 90
2. Gedankenübertragung: Vorläufer des scotistischen Modells 93
a. Johannes Peckham … 93
b. Robert Kilwardby und Wilhelm de la Mare … 95
3. Das signum intelligibile und der radius spiritualis als
Alternativen zur thomasischen Lösung … 96
a. Dietrich von Freiberg und die Correctorien … 96
b. Petrus von Tarantasia … 99
c. RogerMarston und Richard von Middletown … 100
IV. Das signum intelligibile und die polyvalente Kommunikation:
Aegidius Romanus … 103
1. Subalterne Formen der Kommunikation … 105
2. Das signum intelligibile als Antwort auf das thomasische
Modell der Engelsprache … 109
3. Eine Semiotik der Engelsprache … 115
4. Thomas und Aegidius: Zwei konkurrierende Entwürfe … 123
V. Die Zeichenlehre in der Diskussion: Die ersten Kritiker und
Befürworter des Aegidius … 125
A. Kritiker der Zeichenlehre ... 125
1. Die Widerlegung eines Nominalisten: Robert Holcot … 125
2. Die dominikanische Reaktion: Hervaeus Natalis und
Durandus von San Porciano … 127
a. ein Gegenentwurf aus der Perspektive des Thomismus:
Hervaeus Natalis … 127
b. Evidenz der Gedanken und signa materialia: Durandus
von San Porciano … 130
B. Die Verteidigung und Weiterentwicklung der
zeichengebundenen Konversation … 137
1. Ein orthodoxer Apologet des Aegidius: Thomas von
Straßburg … 137
2. Weitere Vertreter der Augustinerschule: Hugolin von
Orvieto und Dionysios von Modena … 140
3. Zeichen und Medium:Wilhelm von Ware ... 144
4. Zeichen und apertio cordis: Petrus Johannes Olivi … 150
5. Stefanus Brulefer … 156
6. Die angelische Privatsprache: Marsilius von Inghen … 157
a. die Opakheit mentaler Gehalte … 158
b. Zeichen als Privatsprache … 160
7. Die letzten mittelalterlichen Anhänger der Zeichenlehre … 162
VI. Die Übertragung mentaler Gehalte: Der Gegenentwurf des
Duns Scotus … 165
A. Die Gegenstände des angelischen Sprechaktes: Heinrich von
Gent … 166
B. Das scotistische Modell der Engelsprache … 173
1. Die Widerlegung des Heinrich von Gent und des Thomas
von Aquin … 173
2. Locutio und auditio … 178
3. Das Medium des Sprechaktes und weitere Fragen … 187
C. Die Diskussion und Festigung des scotistischen Entwurfs … 194
1. Eine kritische Würdigung der scotistischen Hypothese:
John Baconthorpe … 195
2. Die Reichweite sprachbezogener Erkenntnis: Petrus
Aureolus … 201
a. die Opakheit mentaler Gehalte … 201
b. Sprach- und Objektwissen … 203
3. Die visio beatifica als Objekt des Sprechaktes: Adam
Wodeham und Walter Chatton … 206
4. Die Rückkehr zu den signa intelligibilia: Franciscus von
Marchia, Wilhelm von Rubio und Nikolaus Bonetus … 208
a. die erste franziskanische Kritik am scotistischen Modell:
Franciscus von Marchia … 208
b. menschliche und angelische Sprache: Wilhelm von
Rubio … 212
α. eine neue Begründung der Zeichenlehre … 212
_. der Sprecher- und Hörerradius … 220
γ. die Opakheit mentaler Gehalte ... 224
c. menschliche und angelische Sprache: Nikolaus Bonetus . 230
5. Die Absicherung des scotistischen Modells durch die
orthodoxen Scotisten … 237
a. Franciscus von Meyronnes … 237
b. Johannes de Bassolis … 242
c. spätere Scotisten … 244
d. der kanonische Scotismus der Frühen Neuzeit: Petrus
Tartaretus und Franciscus Lychetus … 247
α. Petrus Tartaretus … 247
_. Franciscus Lychetus … 248
αα. Widersprüche des Übertragungsaktes … 249
__. der Sprecherradius … 254
VII. Die locutio angelica als lingua mentalis: Die Engelsprache im
Nominalismus … 257
A. Die lingua mentalis und die Reichweite sprachgebundener
Erkenntnis: Wilhelm von Ockham ... 257
1. Die Kritik an Thomas, Aegidius und Scotus … 258
2. Die locutio mentalis und die Reichweite angelischer
Erkenntnis … 264
B. Kritiker und Verteidiger Ockhams … 270
1. EinBefürworterdes signum intelligibile nach Ockham:
Gregor von Rimini … 270
a. die Opakheit mentaler Gehalte … 271
b. das signum intelligibile in Opposition zum scotistischen
Modell … 273
2. Der Apologet der ockhamistischen Erklärung: Gabriel Biel 277
3. Zeichenlehre und lingua mentalis: Johannes Maior … 279
VIII. Die Systematisierung des thomistischen Modells … 285
1. Die Integrität des Sprechers: Johannes Capreolus … 286
2. Johannes Gerson … 290
3. Die natürliche Aufmerksamkeit der vis intellectiva: Thomas
de Vio Cajetan … 290
teil 2. die neuzeit
I. Hieronymus Zanchius und die ersten Protestantischen
Stellungnahmen … 297
II. Renaissancephilosophie und Engelsprache: Carolus Bovillus,
Franciscus Georgius Venetus und Agrippa von Nettesheim … 301
III. Der neue Diskurs: Die erste Generation der Jesuiten und
Dominikaner und die Sprache der Engel … 305
1. Ein neuer Vertreter der Zeichenlehre: Luis de Molina … 307
2. Extensio der species und intelligibles Zeichen: Franciscus
Cumelius … 310
3. Eine neue Lesart der thomasischen Hypothese: Gabriel
Vazquez. … 314
a. die Kritik an Scotus, Ockham, Aegidius und den
Thomisten … 315
b. der actus reflexus … 323
4. Eine zweite species als Grundlage des Sprechaktes: Pedro
Arrubal … 326
5. Die species des inneren Aktes: Alexander Pesantius … 330
6. Die thomistische Reaktion … 333
a. Konstituenten der Engelsprache: Integrität des
Intellektes, intramentale begriffliche Entfaltung und
excitatio moralis: Matthias Aquarius, Gregor de Valentia,
Daniel Malonius und Domingo Bañez … 333
b. Die begriffliche Balance von Sprecher und Hörer:
Johannes Paul Nazarius … 340
IV. Die Weiterentwicklung des scotistischen Modells: Francesco
Suarez … 347
1. Die Widerlegung der Zeichenlehre … 348
2. Die Auseinandersetzung mit dem thomasischen Modell
und seinen Interpretationen … 355
3. Die Aufarbeitung und Erweiterung der scotistischen
Hypothese … 359
4. Die Opakheit mentaler Gehalte und der Sprecherradius … 362
5. Die epistemologische Reichweite des Sprechaktes … 370
6. Die excitatio … 382
7. Das Gespräch mit der körpergebundenen Seele. … 385
V. Die neue Generation der Jesuiten und die Sprache der Engel … 389
A. Neue Ansätze in der Verteidigung der Zeichenhypothese … 390
1. Gott als Ursprung aller Semiose: Franciscus Albertini … 390
2. Gott und die Privatsprache: Diego Alarcón … 397
a. dieWiderlegung des Suarez und der Thomisten … 397
b. die erneute Verteidigung der signa intelligibilia … 402
3. Ein Weiterentwicklung Alarcóns: Thomas
Compton-Carleton … 408
4. Geste und Zeichen: Antonio Bernaldo de Quirós … 410
5. Weitere Befürworter der Zeichenhypothese … 416
B. Popularisierungen der jesuitischen Diskussion … 418
C. Anhänger und Gegner des Suarez … 422
1. Die Übertragung des inneren Aktes: Martin Becanus … 423
2. Die Übertragung der species des actus interior oder ihre
göttliche infusio: Raffaello Aversa … 424
3. GottalsGarantder excitatio und Motor des
Erkenntnisaktes: Théophile Raynaud … 426
4. Wille und natürliche Kausalität des Begriffs: Adam Tanner
und seine Anhänger … 432
a. Adam Tanner … 432
b. weitere Variationen dieses Modells … 436
5. Eine thomistische Entgegnung: Jacobus Granadus … 439
D. Der conceptus reflexus: Franciscus Amicus … 441
E. Die göttliche infusio der species: Rodrigo Arriaga … 446
a. eine Verteidigung der Zeichenlehre … 447
b. die Auseinandersetzung mit Suarez … 450
c. die göttliche infusio der species … 453
d. Erkenntnishorizont und Sprecherradius ... 459
e. Anhänger Arriagas … 467
F. Der Einfluß des Gabriel Vazquez: Verteidiger und Gegner des
actus reflexus ... 472
1. Befürworter eines zweiten Aktes ... 473
a. locutio speculativa und locutio practica: Franciscus de Lugo … 473
b. explicatio und iudicium: Sylvester Maurus … 476
c. die letzten Verteidiger des actus reflexus: Domenico Viva,
Antonius Erber und Giorgio Soggia … 477
2. Opponenten des actus reflexus ... 482
a. Begriffe als conceptus indicativi: Calixtus Lodigerius ... 482
b. Evidenz als Privation: Martinus Esparza Artieda … 484
G. Synthetische Modelle: Richard Lynch und
Tomasz Młodzianowski … 486
1. Signum intelligibile, Sprache des Willens und die impression
einer species: Richard Lynch ... 486
2. Signum intelligibile, Sprache des Willens und lingua mentalis:
Tomasz Młodzianowski … 491
VI. Die Ausarbeitung der monadischen Sprache im Kreis der
Dominikaner ... 497
A. Das Gleichgewicht der Vorsehung: Antonius de Matre Dei … 497
B. Das große monadische Modell: Johannes von St. Thomas … 504
1. Die Verteidigung des thomistischen Modells … 505
2. Die praestabilisierte Harmonie der Begriffe … 513
C. Eine jesuitische Verteidigung der monadischen Sprache: Louis
LeMairat … 516
D. Spätere Vertreter der monadischen Hypothese … 524
1. Domenico Marini … 525
2. Jean Baptiste Gonet … 526
3. Francesco de Araújo … 527
4. Die allgemeine Etablierung des monadischen Entwurfs … 530
E. Der thomistische Konsens ... 533
VII. Ein Reservat der Zeichenlehre: Die Augustiner ... 539
1. Ein Vertreter des dominikanischen Thomismus:
Augustinus Gibbon de Burgo … 539
2. Eine weitere Verteidigung der Zeichenlehre: Frederico
Gavardi … 540
3. Ein kritischer Leser des Aegidius: Petrus de Comitibus ... 545
4. Die Kanonisierung der Zeichenlehre im Kreis der
Augustiner: Giovanni Berti … 547
VIII. Die scotistische Reaktion … 549
1. Die Evidenz mentaler Gehalte: Johannes von Rada … 550
2. Sprechakt und Intuition: Angelo Volpi … 554
3. Die Ausarbeitung des scotistischen Konsens … 560
a. Filippo Fabri … 560
b. Clemens Brancasius und Claude LePetit … 566
4. Die scotistische Synopse: BartholomaeusMastrius ... 571
a. dieWiderlegung der Thomasinterpretationen … 571
b. die Verteidigung des scotistischen Modells … 578
5. Zweifel am Übertragungsakt: Johannes Poncius … 584
a. eine kritische Verteidigung des Scotismus … 585
b. dasModell Arriagas ... 593
6. Spätere Scotisten ... 597
IX. Engelsprache in der protestantischen Theologie … 611
1. Die Rückkehr zur körperlichen Sprache: Engelsprache in
der reformierten Kirche … 611
2. Pneumatologie und Jesuitentheologie: Die locutio angelica als
Problem der Lutheraner … 612
3. Der akademische Sieg der Jesuitentheologie: Lutheranische
Dissertationen zur Engelsprache … 630
4. Die Poesie der Engel ... 643
X. Ausblicke: Jesuitenmetaphysik und esoterische Philosophie … 647
1. Sprachen des Gefühls: Henry More, Emanuel Swedenborg
und Johann Kaspar Lavater … 648
2. Monadologie und Engelsprache: Nicholas Malebranche,
Gottfried Wilhelm Leibniz und Georg Bilfinger … 663
XI. Schlussbetrachtung ... 679
Literaturverzeichnis … 689
1. Handschriften … 689
2. Gedruckte Quellen … 689
3. Sekundärliteratur ... 708
Register … 743
1. Handschriften … 743
2. Personen, Autoren, Werke … 743

Readership

This work will be of interest for scholars of the theology and philosophy of the Middle Ages and Early Modern period, Medieval and Neo-latin philology, philosophy of language, angelology, Baroque and Jesuit philosophy, and the history of ideas in general.

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